Literaturgefluester

2013-03-06

Hommage an Felix Braun und Käthe Braun-Prager

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:03

Der 12. März naht, wo vor fünfundsiebzig Jahren die Nazis in Österreich einmarschierten, vielleicht gab es deshalb in der Wien-Bibliothek eine Veranstaltung zu dem österreichischen Geschwisterpaar Felix Braun und Käthe Braun-Wagner, vielleicht hat aber Tatjana Popovic die Enkelin und Großnichte besondere Beziehungen zur Wien-Bibliothek, ist sie ja auch Rosa Mayreders Nachlaßverwalterin, die ja öfter ihre Veranstaltungen in der Wien-Bibliothek hat, ich weiß es nicht, kenne aber die Namen des fast vergessenen österreichischen Geschwisterpaars, denn ich interessiere mich schon sehr lange für Literatur und habe von meiner Großmutter einen Stoß gelber Kulturzeitschriften aus den Fünfziger-und Sechzigerjahren geerbt, in denen ich, wenn ich mich nicht irre, das erste Mal auf das Geschwisterpaar, Felix Braun lebte von 1885-1973, seine Schwester Käthe von 1888-1967, stieß und dann haben mich die Abverkaufskisten ja auch schon in den Siebzigerjahren fasziniert, wo ich, glaube ich, auf einen Gedichtband Käthe Braun-Pragers „Das himmlische Kartenhaus“ und auf Felix Brauns „Dramen“ und „Imaginäre Gespräche“ gestoßen bin.
Dann habe ich die beiden wohl vergessen, bzw. hat das auch die Literaturgeschichte so getan, 2010 habe ich, als ich zur Endgeldauszahlung des Lesetheaters ins Gasthaus Sittl ging „Agnes Altkirchner“, Felix Brauns umfangreichen Roman gemeinsam mit einer Hannelore Valencak gefunden, beides ins Badezimmer gelegt und als ich dann das neue Bücherregal, sowie meine „Hundertbücherleseliste“ hatte, das Buch der Hannelore Valencak darauf gesetzt und Felix Braun vergessen.
Inzwischen habe ich dann noch das „Musische Land“ im Schrank gefunden und auf die Leseliste gesetzt und als ich vor zwei Wochen bei der Erica Fischer Veranstaltung in der Wien Bibliothek war, habe ich dann von der Veranstaltung erfahren und mich darauf gefreut, von den beiden „zu Unrecht vergessenen“ wie es im Programm heißt, mehr zu erfahren und auch Tatjana Popovic kennenzulernen, die 2010 auf meinen Blog gekommen ist, als ich von der Mayreder-Veranstaltung berichtete.
Ich war früh dran, weil ich einen Gutschein vom Leiner hatte und sozusagen noch rasch meine Ostereinkäufe, Kerzen und Servietten, erledigte, habe dann den alten Herrn wieder getroffen, mit dem ich mich auch das letzte und das vorletzte Mal in der Wien-Bibliothek unterhalten habe, sonst waren eher wenige Leute da. Auch Silvia Mattl-Wurm, die Direktorin, die eröffnen sollte, ist krank geworden, so hat statt ihr Hermann Böhm, der ehemalige Leiter der Handschriftensammlung eingeführt und ein bißchen was von dem Leben der vergessenen Dichter erzählt.
Tatjana Popovic hat dann die Lebensläufe ihres Großonkels und ihrer Großmutter ergänzt. Die Mutter der Geschwister ist bei der Geburt von Käthe gestorben, Käthe Braun-Prager hat in der CA gearbeitet, Felix Braun, dessen Dramen im Burgtheater aufgeführt wurden, war der Sekretär Hoffmannsthal, hat eine Freundschaft bzw. Briefwechsel mit Stefan Zweig, Hesse, etc geführt, nach dem Anschluß emigirierten die Geschwister mit ihren Familien nach England, 1951 kehrten sie nach Wien zurück, wo sie eine Wohnung im Karl Marx Hof bekamen.
Interessant ist, daß sowohl Hermann Böhm, als auch Tatjana Popovic betonten, daß die Stadt Wien damals sehr viel getan hat, um ihre Emigranten wieder zurückzubekommen, so haben die Geschwister bzw. wahrscheinlich eher Felix, Literaturpreise bekommen, während ich ja am Montag in den Tonspuren hörte, daß das bei Theordor Kramer nicht ganz so war.
Felix Braun hat auch Tagebuch geführt, das bis 1932 ist durch die Flucht bzw. die Besetzung verloren gegangen, danach sind 2000 Seiten erhalten, Tatjana Popovic hat Auszüge daraus gelesen und dann je einen Text, wo der Bruder die Schwester, bzw. die Schwester den Bruder beschrieben hat.
Dann folgte eine Novelle Käthe Pragers „Die Heimkehr“, die mich sehr berührte, da kommt einer aus dem Krieg nach Haus und findet einen Soldaten im Bett seiner Frau. Sieben Tage Urlaub hat er, er holt eine Prostituierte von der Straße, sperrt Frau und Liebhaber ein und zwingt sie zusammenzuleben. Am siebenten Tag schmeißt er das Mädchen und den Liebhaber hinaus und verzeiht seiner Frau.
Dann gabs noch einen Ausschnitt aus einem Essay von Felix Braun über Stefan Zweig.
Es folgten dann noch eine Originaltonaufnahme der Geschwister und Tatjana Popovic hatte Fotos mitgenommen, die man sich ansehen konnte.
Ich bin aber mit dem Herrn hinausgegangen, um mich bei Wein und Brot, der Spezialität der Hauptbücherei, noch ein bißchen zu unterhalten, es kam dann noch eine andere Stammbesucherin dazu, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte, bevor ich mich verabschiedete, um einen verlängerten Heimweg anzutreten, habe ich doch ein Mail von Frank Gassner bekommen, es gibt einen neuen Bücherschrank im achten Bezirk, Ecke Josefstädterstraße Albert Gasse beim Cafe Hummel, flankiert von einer Bank und einem Würstelstand, den ich mir natürlich ansehen mußte und wo ich auch ein kleine Bändchen „Schatten der Objekte“ mit Essays von Bodo Hell, Henriette Horny, Yoko Tawada und Margit Ulama gefunden habe, was ganz passend ist, konnte ich ja am Morgen im Leporello hören, daß Bodo Hell demnächst seinen siebzigsten Geburtstag feiert und „Agnes Altkirchner“, der Roman, der, wie ich hören konnte, von einer Frau zwischen 1914 und 1918 handelt, habe ich jetzt auf meine Leseliste gesetzt und das sowohl Tatjana Popovic, als auch dem Herrn erzählt, wobei eine Dame meinte, daß ich das unbedingt tun soll, weil das eine gute Empfehlung ist.

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