Literaturgefluester

2013-03-11

Der Sohn des Knochenzählers

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:47

Evelyn Grill führt mit ihren neuen Roman genannten hundertdreißig Seiten Text wieder in die beklemmende Welt der oberösterreichischen oder salzburgischen Provinz. ein kleinwenig moderner als bei „Winterquartier“ scheint es zu sein und ist überhaupt die Fortsetzung von „Wilma“, beziehungsweise tauchen die Ev und die Agnes wieder auf und der Totengräber Kilian ist ja seit Wilmas Tod verschwunden, so daß in dem neunhundert Seelen Städtchen mit dem See und der Kältenausgrabung ein Totengräber gesucht wird und sonst auch recht unheimliche Dinge passieren und beginnen tut es mit der Frau, die der Archäologe und Hofrat Franziskus, genannt der Knochenszähler plötzlich in das denkmalgeschützte alte Haus mitbringt und in der Kellerkammer vorübergehend einquartiert.
Es ist seine Assistentin Frau Dr. Martha Tengler. Aber eigentlich ist etwas ganz anderes passiert, die Frau des Knochenzählers, die schöne Benita aus la bella Italia ist verschwunden, als sie am Faschingssamstag auf einen Ball gehen wollte, läßt Mann und den zwanzigjährigen Sohn Titus zurück und der fungiert eine Zeitlang als Erzähler und versteht sich nicht mit seinem Vater, stellt ihm die Pendeluhr ab und quält seine Hamster, die ihm alle sterben. Sein Freund Connie besorgt ihm immer neue und der ist auch recht seltsam, besteht er doch auf ein schwarzes Boot, eine schwarze Gondel mit der er über den Traunsee oder welchen See auch immer fahren will und Titus ist im Dorf ein Außenseiter, ließ ihn seine schöne Mutter doch als Jugendlicher über das Osterfeuer springen. Er rutschte aus und seither ist die halbe Gesichtshälfte entstellt, so bunkert er sich ein in seinem Zimmer, streichelt die Kleider der verschwundenen Mutter, streicht nachts in der Gegen herum, wirft die verstorbenen Hamster in die Zisterne, aus der es schon fürchterlich stinkt und trinkt auch immer wieder ein Bier.
Der Vater, die Mutter und auch die Putzfrau Agnes haben ihm zu einem Studium in Wien oder wenigstens einer Lehre drängen wollen, er verweigert und interessiert sich nur für das Amt des Totengräbers.
Da taucht aber schon ein italienischer Schauspieler namens Luziano Zanotti auf, der am Friedhof Festspiele auführen will und engagiert ihn als seinen Assistenten. Er hat einen Hut mit einer Teufelsfeder, das läßt an Mephisto denken und die sechzehnjährige Förstertochter Rita fürchtet sich vor Titus Nachstellungen. Der fährt mit den beiden Freunden im schwarzen Boot, Connie stößt ihn und Rita ins Wasser. Luziano hält Titus fest und sagt ihm, daß die Mutter am Tag ihres Verschwindens mit ihm durchgehen hätte wollen und der Herr Hofrat, der seine Martha in das Schlafzimmer von Benita läßt, sagt ihr, das Kind war nicht von ihm, es war nur eine platonische Ehe und drei verschwundene kaputte Porzellanpuppen gibt es auch.
Am Ende erhängt sich Titus, in der Zisterne wird Benitas Leiche gefunden, der Sohn hat sie nicht hergeben wollen und der Vater verschwindet mit seiner Assistentin nach Wien, ob sie wiederkommen ist unklar, obwohl Ev und Agnes beim Kaffee am Nachmittag darüber sprechen.
Ein beklemmendes Leseerlebnis, das mir manchmal wieder zu dick aufgetragen ist, da erscheint mir Evelyn Grill zu bemüht dem Österreichklischee mit dem morbiden Dunkeln zu entsprechen, hat sich von einer Psychoanalytikerin beraten lassen und möglicherweise auch einen Hang zur Burleske.
Ein bißchen erinnert das Buch auch an Thomas Wollinger „Archäologin“, obwohl die längst nicht so überhöht ist und eher ins science fiction genre geht.
Ich bin ja inzwischen fast sowas wie eine Grill Expertin, habe außerdem noch „Ins Ohr“, die „Schönen Künste“ und das „Antwerpener Testament“ gelesen und die „Rahmenhandlungen“ vor Jahrzehnten als Fortsetzungsroman in der sozialistschen Wochenzeitschrift, „Die Frau“, die meine Mutter abonniert hatte.
„Vanitas oder Hostätters Begierden“, „Hinüber“,“Das römische Licht“ und den „Sammler“ noch nicht, aber letzter steht schon auf meiner Leseliste.

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