Literaturgefluester

2013-03-13

Lili Körber erlebt den Anschluß

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:44

Zum fünfundsiebzigsten Jahrestag des Einmarschs der Nazis in Österreich, gab es eine Veranstaltung des ersten Wiener Lesetheater im republikanischen Clubs, die Frauen lesen Frauen Gruppe las Lili Körbers „Eine Österreicherin erlebt den Anschluß“, das schon ab 23. April 1938 in einer Schweizer Zeitung als Fortsetzungsroman unter dem Pseudonym Agnes Muth erschienen ist.
Ich habe das Buch, der 1897 in Moskau geborenen und 1982 in New York verstorbenen Lili Körbers, die in Wien in den dreißiger Jahren in der Arbeiterzeitung publizierte und als Schriftstellerin „Eine Frau erlebt den roten Alltag“, etc, bekannt war, vor ca zwanzig Jahren beim Libro, um wahrscheinlich zehn Schilling gekauft und ein paar Mal gelesen und in den alten Büchergilde Gutenberg Katalogseiten, die ich von meinen Eltern erbte, habe ich ihr Bild, glaube ich, neben dem von Elisabeth Gürt und Erika Mitterer gefunden und der Anschluß an Österreich, wie überhaupt die ganze Nazizeit ist ja ein Thema, das mich sehr interessiert.
So habe ich mir vor ein paar Tagen, als mir die Mediathek das virtuelle Museum zum Thema „Progpaganda des Anschlußes“ schickte, die Originaltonaufnahmen angehört und höre jetzt auch die Journal Panorama Sendung zum Anschluß und bin am Abend in den Republikanischen Club zur Lily Körber-Lesung gegangen.
Traude Korosa, die, wie mir Judith Gruber-Rizy sagte, immer so alte Sachen ausgräbt, war die Verantwortliche. Judith Gruber-Rizy, Heidi Hagl, Traude Korosa, Hilde Langthaler, Angelika Raubek, Gabriela Schmoll und Hilde Schmölzer haben gelesen.
Elfriede Haslehner, Eva Geber, Richard Langthaler, Antia C. Schaub und noch viele andere waren im Publikum.
Traude Korosa gab eine kurze Einleitung, zitierte Lili Körbers Lebenslauf und erwähne, daß das Buch inzwischen nur mehr antiquarisch zu bekommen ist, dann wurden Ausschnitte daraus gelesen, beginnend mit dem 12. März.
„Eine Österreichin erlebt den Anschluß“, ist ein Tagebuchroman, die Ich-Erzählerin Agnes Muth, die in Wien bei einem Verlag arbeitet, einen sozialistischen Bruder und einen jüdischen Freund hat, erfährt im Büro von der Schuschnigg-Rede, verbrennt mit ihrem Chef Briefe und Manuskripte und geht über den Heldenplatz nach Hause bzw. zu der Familie ihres Freundes, ein altes Mutterl weint dort, während die anderen begeistert „Heil Hitler!“, schreien, die Schwester ihres jüdisches Freundes ist Schriftstellerin und daher besonders gefährdet und soll flüchten, aber wo soll sie sie hin und wo sind noch die Grenzen offen?
Der Bruder Franz ist mit dem Mann der Arbeiterin Mitzi, die im Karl Marx Hof wohnt schon mit den Schiern in die Schweiz geflüchtet und Agnes wird in den nächsten Tagen schief angeschaut, weil sie kein Hakenkreuzzeichen trägt, denn das ist den Juden verwehrt, so wird sie für eine Jüdin gehalten gehalten, der Vater ihres Freundes meint aber, daß es nicht feig ist, ein solches zu tragen. Dr. Levy ihr Chef schenkt ihr dreihundert Schilling, damit sie sich etwas Schönes kauft und es nicht die Nazis gekommen, der entlassene Buchhalter Winkler übernimmt den Verlag und will Agnes Pass, so muß sie sich schließlich auch in den Zug in die Schweiz setzen, wo ein paar Wochen später der erste Roman über den Anschluß erscheint und niemand wußte, daß Lili Körber die Verfasserin war.
So weit die Lesung, ich kann mich noch an die Stelle erinnern, wo, ich glaube, die Mitzi, bei irgendeiner Dame putzt, die sich als Volksgenossin protzt, ihr einen Vortrag darüber hält und dann entsetzt ist, daß die couragierte Mitzi, sie einfach als „Volksgenossin!“, anspricht, denn so war das natürlich nicht gemeint.
Ein sehr interessantes Buch, schade, daß es nicht mehr zu bekommen ist, nachher gab es wieder Gespräche bei Wein und Soletti und schon am Mittwoch und im April weitere Lesetheaterveranstaltungen.
Am Mittwoch eine in Memoriam Ceijka Stojka-Veranstaltung, die ja eine KZ-Überlebende war und am 28. Jänner gestroben ist und am 18. April „Vilma Neuwirth: „Glockengasse 29“, wo sich eine Jüdin in der NS-Zeit versteckte und ein Buch das ich, glaube ich, auch schon gelesen habe, weil ich es einmal im Bücherturm der Literatur im März Veranstaltungen fand, wobei man wieder sieht, wie wichtig solche Bücherfunde und das Büchersammeln ist.

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