Literaturgefluester

2013-03-24

Mord in Oberösterreich

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:11

Sieben Kapitalverbrechen. Der Kehrwasserverlag hat mir im letzten Jahr ja drei Krimis geschickt, ein oberösterreichischer Verlag, den ich bis dahin nicht kannte, der sich mit oberösterreichischen Autoren zu beschäftigen scheint und sich jetzt auch in OberöstterreichVerlag umgenannt hat, bzw. mit dieser Schiene eine oberösterreichische Krimianthologie herausgegeben hat.
„Tatort-Wien“, gibt es ja schon und da ist mir auch das Milieu bekannt, bei Oberösterreich ist das anders, das hat Linz, die Donau an der man ein Stück entlangfährt, wenn man von Traismauer nach Passau oder vielleicht sogar nach Bamberg will und das Salzkammergut, das kenne ich schon weniger und wenn dann auch durch Krimis, hat der Haymon Verlag da ja einen oder ein paar herausgegeben, Anni Bürkl beschäftigt sich in ihrer Serie damit und Krimi Anthologien gehen wahrscheinlich immer und wenn man dadurch gleich ein ganzes Bundesland kennenlernt, ist es wahrscheinlich auch für den Tourismus sehr geeigent.
Der Kehrwasser-Oberösterreichverlag hat dazu aber noch das who is who der oberösterreichischen Autorenschaft aufgeboten und man sieht, das Land hat außer schöner Landschaft auch noch sehr viel Literatur zu bieten, die nicht nur Krimikenner entzücken werden, so sind doch Beate Maxian, Kurt Palm, Gabi Kresslehner, Ernst Schmid, Franzobel, Rudolf Habringer und Erich Weidinger darin vertreten und es geht auch gleich los mit Beate Maxian, die sonst eher Wien Krimis zu schreiben scheint, leuchtet einem doch gleich der Stephansdom entgegen, wenn man auf ihre Website geht, die geborene Müncherin lebt aber in OÖ und da geht es gleich in den „Dirndlkrieg“ und nach Bad Goisern und zu Nora Furtner aus einer bekannten Trachtenmodendynastie, sie trägt das traditionelle knöchellange grüne Alltagsdirndl und ärgert sich über eine Münchnerin, die nach Bad Goisern kommt und dort das sogenante Wiesndirndl mit kurzen Röckchen, tiefen Ausschnitt zu dem man natürlich High heels statt der tradionellen Trachtenschuhe trägt, einführen will. Dazu kommt noch eine gehörige Portion Sex und Crime und so haben wir am Ende eine abgebrannte Boutique, eine solche Scheune in der drei Leichen liegen und am Ende eine neue Dynastie, die das Traditionelle mit dem Modernen vereinigt.
Kurt Palm kenne ich noch besser, habe ich doch nicht nur sein letztes Buch gelesen, sondern war mit ihm auch lange in einer Jury, er wurde 1955 in Völklabruck geboren und dort bzw. am Attersee, spielt auch „Der Tote im Attersee“, denn dort wird der erfolgreiche Rechtsanwalt Roitner aus Vöcklabruck aus dem Wasser gezogen, der in den letzten Jahren alle Fischereirechte aufgekauft hat, schon um vier Uhr früh mit dem Boot über den See düst, alle aufweckt und denen, die nicht verkaufen wollen, wahrscheinlich ganz legal sehr zusetzt, so hat er auch Hechtbisse am Hals, obwohl er erwürgt wurde und einen toten Taucher gibt es auch. Ermittelt wird von einer Frau Kommissarin, die den Fall in ein paar Stunden aufklärt, sich aber trotzdem unbedarft von Polizeiinspektor Gruber in die Ussancen der Fisch- und Geschäftswelt am Attersee einführen läßt und wir haben viel gelernt am Schluß, wie beispielsweise, daß die Reinanken in einem Restaurant am See bis zu siebzehn Euro kosten können.
Die 1965 geborene und in Ottensheim lebende Gabi Kreslehner, mit der ich schon einmal in der Alten Schmiede gelesen habe, macht es dagegen viel poetischer in „Ach … Hyazintha..“, sie geht vom Krimi Klischee, könnte man so sagen, weit weg und erzählt trotzdem eindrucksvoll und vielleicht ganz leicht zu verstehen, das Leid einer jungen schönen Köchin in einem Donaurestaurant, vielleicht bei Ottensheim, erzählt von Fliegen, der Küche, vom „Klumpen Fleisch, das kein Mensch mehr ist“ und von einer Marianne und einem Georg, die Marianne hat in dem Wirthaus gekocht und ist in den Pausen baden gegangen, der Georg hat gekellnert, sie haben es zu Wohlstand gebracht, dann kam der Selbstmordversuch und die jungen Frauen. Georg schickte Marianne in die Stadtwohnung nach Linz, wenn die jungen Dinger kamen und einmal kam sie zu früh zurück und eine Hyazintha, bat um Hilfe und sagte, daß sie nicht freiwillig gekommen ist, am Ende gibts das gute Frühstück, denn das kann nur die Marianne dem Georg kochen, nur sie weiß, wie kross der Speck zu den Eiern sein darf und den guten Kaffee, in dem sie ihm aus einem kleinen Fläöschchen etwas gießt. Dann kommen die Fliegen und Marianne legt sich in die Badewanne, um dort auf die „Polizisten, die Spurensicherer, die Totengräber“ zu warten.
Dann kommt Ernst Schmid, der einem meiner Leser ja nicht gefallen hat und beweist mit seiner „Familienangelegenheit“, wie man Krimis schreiben kann, bzw., wie ich sie mir vorstelle.
Da verschwinden in einem Kaff an der deutschen Grenze zwei kleine Mädchen. Die Ermittler fahren mit dem Auto die Gegend entlang und denken, die ist für eine Entführung, wie geschaffen, obwohl man ja weiß, daß die meisten Gewalttaten in der Familie passieren. So fahren sie zu dem Vater Marias, Sabrina, die bei ihr übernachtet hat, ist die Nichte eines der Ermittler. Der Vater ist seltsam, die Mutter beim kranken Vater in Graz, die Zimmer unaufgeräumt und es gibt eine Zeichnung mit einem riesigen schwarzen Mann, der auf das kleine Mädchen losgeht.
Mißbrauch, man weiß, das bemerkte auch die junge schöne Lehrerin und hat im Gespräch mit der Frau Direktor beschlossen, die vorpubertäre Phase der Achtjähjrigen, die nichts mehr aß und schon ihre Idole im Zimmer hängen hatte, ist das nicht vielleicht doch ein bißchen früh?, zu beobachten. Dem Hauptermittler fällt inzwischen ein, daß er ein rotes Geschirrtuch im Müll gesehen hat, nichts wie hin, die Müllabfuhr ist gerade dabei auszuräumen und der Vater gräbt ein Grab, darin ist aber nur ein toter Hund und die Mutter war auch nicht beim kranken Vater, der gar keinen Schlaganfall erlitten hat, sondern hat den arbeitslosen Mann verlassen, der aber dennoch, um im Dorf nicht aufzufallen, jeden Tag zur Arbeit ging. Windtner wird verhaftet, dann aber wegen mangelnder Beweise freigelassen und als er nach Hause kommt, ist groß „Kinderschänder“, auf dem Haus gemalt. Frau Windtner kommt zurück und erzählt den Polizisten von einer Hütte, dort liegen keine Leichen, sondern die zwei Mädchen, die weggelaufen sind, um dem Vater einen Denkzettel zu verpassen, weil er den Hund erschlagen hat und sich dann nicht mehr nach Hause trauten.
Frau Windtner beschließt den Mann mit Maria zu verlassen und der fragt, ob er in der Hütte bleiben kann?
„Sie sind ein freier Mann und können tun und lassen, was Sie wollen!“, sagt darauf der Ermittler und ich dachte, „Uje, das war nicht gut, lernt man das denn nicht in der Polizeischulung?“
In den Spitälern tut man es, glaube ich und lese eine halbe Seite weiter unten, daß sich der Mann erhängte, der Ermittler fährt nach Haus „hatte er doch keine Lust mehr, sich durch diese Familienangelegenheiten den Tag verderben zu lassen“, und hat noch Windtners Worte im Ohr „Wenn du hier die Wahrheit sagst, kannst du dich gleich erschießen!“
Nein, Herr Parzer, da muß ich Ihnen widersprechen, Ernst Schmid ist ein guter Autor und schrieb diesen Krimi so, wie ich sie gerne schreiben möchte und dann wird es trotzdem wieder literarischer, geht es doch zum Bachmannpreisträger von 1995, dem Sprachgewaltigen, der uns mit seinen „Biertod“, wieder zeigt, das Krimis noch einmal ganz anders gehen können.
Wie stellt man sich nämlich den Übergang vom Leben in den Tod vor? Gehts da zur „Himmelspforte, wo einem Petrus mit einem Blumenkranz begrüßt, oder ist der Übergang eher eine leicht muffige Umkleidekabine eines Fitnesscenters?“
Der mittelmäßige Schriftsteller John Hart alias Michael Kerbelmeier hats erlebt, als er am ersten Mai zu einer Schullesung in ein oberösterreichisches kleines Dörfchen kam, zuerst gar nicht zum Maifest wollte, sich dann von einem sprechenden Mistkübel zu einem Bier und einer Bratwurst verleiten ließ, mit der hiesigen Intelligenzia ins Gespräch kam, auf die Tombola warten mußte, in der Nacht Blut spukte und am nächsten Morgen mit einem riesigen Geschenkkorb ins Frühstückszimmer wankte, obwohl er sich an den Gewinn gar nicht mehr erinnern kann.
Stefan Griebl, der Autor wird es wissen und hat ähnliches, bei seinen Lesungen vielleicht auch schon erlebt, kommt er ja immer mit einer Flasche oder Dose Bier auf die Bühne, die er sich bei seinen Lesungen aus dem Rucksack zieht.
Der 1960 in Schwanenstadt geborene Rudolf Habringer, mit dem ich auch schon mal in der Alten Schmiede gelesen habe und von dem ich kürzlich ein Buch im Schrank gefunden habe, erzählt in „Man muß spüren, wie das ist“, von den Initionsriten arbeitsloser Jugendlicher, die zwischen Linz und Ottensheim hin und herpendeln und der mir bisher unbekannte Erich Weidinger, 1964 geboren, der in Seewalchen am Attersee lebt, schildert in seinen „Sauna Impressionen“, die seltsamen Passionen eines frühjpensionierten Berufsschullehrers. Er findet Briefe auf der Straße, öffnet sie über Dampf, findet in ihnen Saunagutscheine, schaut dort dann zwei Lokalpolitikern beim Unfallen zu, vorher hat er ein Buch von Erwin Einziger an sich bringen wollen, nachher läßt er sich statt des Verstorbenen massieren und danach ruft er noch den anderen an, um sich von von ihn auf die Seychellen einladen zu lassen.
Seltsam, seltsam und auch sehr interessant und ungewöhnlich, diese sieben sehr verschiedenen oberösterreichischen Krimis, vom üblichen Regionalkrimi, bis zur großen Kunst und Realsatire ist alles drinnen, man hat sieben Schriftsteller und innen kennengelernt und auch eine Tour durch das schöne Oberöstterreich gemacht. Sowohl für die Radtour als auch die traditionelle Sommerfrische in Bad Ischl, falls es die noch gibt, sehr zu empfehlen.

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