Literaturgefluester

2013-03-26

Ortstermin:Schauplatz

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:03

In der Alten Schmiede gab es wieder einmal Textvorstellungen und Friedrich Hahn präsentierte zwei Autoren und eine Autorin, deren Texte er an Orten verknüpft sah, obwohl das eigentlich nur für zwei Autoren bzw. zwei Romane galt und den ersten hatte ich schon einmal in den „Beispielen“, am Freitag in Ö1 gehört.
„Teta Jelka überführt ein Hendl“, von der 1971 in Deutschkreuz geborenen Michaela Frühstück, die Kulturjournalistin im Radio Burgenland ist und deren Debutroman in den Fünfzigerjahren in einem Dorf an der burgenländisch ungarischen Grenze spielt und die Jelka überfährt ein Huhn, wie es Hochdeutsch heißt, aber das ist im Cover durchgestrichen und durch das „Hendl“, ersetzt, damit es auch die Deutschen oder andere Leser verstehen, das Buch ist in der edition lex liszt erschienen und Michaela Frühstück hat offenbar, dieselben Stellen, wie im ORF gelesen.
In den Fünfzigerjahren, wo sich noch die Russen im Dorf befinden, fährt Jelka mit dem Fahrrad über das Huhn Viktorija, das dem Pfarrer gehört, sie fährt ihm zwei Zehen, bzw. wahrscheinlich Krallen, ab, fängt es ein und bringt es nach Hause, bzw. zu ihrer Freundin Margit, die nebenan wohnt, besäuft es mit Schnaps, die Freundinnen saufen auch, dann geht sie in der Nacht zum Pfarrer und beschließt es ihm abzukaufen und ewig, bzw. bis der Koch Jacov es später mal zur Suppe mit Paprika machen wird, bei sich zu behalten.
Dann kommen noch ein paar Stellen in die Kindheit der beiden Freundinnen und ins Jahr 1937, wo sie bei ihren Großeltern aufwachsen, weil sich die Eltern mit den Brüdern nach Amerika aufmachen und dort irgendwie verschwinden, der Großvater versucht einen Sockel blauzustreichen und stirbt daran und Margit bekommt von der Lehrerin eine alte Schreibmaschine geschenkt, der ein „S“ fehlt und beschließt alles aufzuschreiben, weil man sich ja seine Geschichten selber macht.
„Skurril!“, befand Friedrich Hahn in der Diskussion und das galt auch für den Stadt- oder Dorfroman „Felden“, des steirischen Autors Wolfgang Pollanz, in der edition keuper erschienen, der sich offenbar eine ganze Stadt erfunden hat, das Dorf von Michaela Mondschein gibt es ja, bei Felden könnte man aber an Leibnitz oder auch an Klagenfurt denken und dort passieren skurrile Dinge mit den vier Hauptpersonen, die nur der Autor, der das Ganze streng konzipiert hat oder nicht einmal er, selber weiß.
Jedenfalls rennt ein nackter Mann durch den Ort, der aus dem psychiatrischen Krankenhaus entsprungen sein könnte und jeder will ihn gesehen haben, die Lehrerin, die mit den Kindern durch die Fauna geht, ein Liedchen summt und Kaulquappen fängt, der Briefträger, der Schnapsexperte ist und sich durch alle Schnäpse säuft und die Musik scheint in dem Buch auch noch eine Rolle zu spielen, jedenfalls ist eine CD beigelegt und der 1954 geborene Wolfgang Pollanz, der schon viele Bücher geschrieben hat, ist auch Musiker.
Danach kam der Nichtroman, nämlich Philipp Weiss Miniaturen, ein kleines Bändchen in der Edition Atelier erschienen, das man quer oder auch von hinten nach vorne lesen kann, in dem es keinen Schnaps und kein Hendl, aber einen nackten Mann, gibt, wie der Autor launig einleitete und der 1982 in Wien geborene Philipp Weiss ist auch der, der in Klagenfurt 2009 seinen Text verspeist hat, ein eher sprachexeperimenteller Autor also und seine Miniaturen, die er, wie er betonte, schon länger geschrieben hat, waren das auch.
Im Beschreibungstext steht noch etwas von einem Stotterer und einer Herculine und das ist offenbar die Erzählerin, die von ihrem verschwundenen oder verstorenen Mann namens „Tataglia“, erzählt, was auch der Titel der Miniaturen ist.
Philip Weiss habe ich ja vor kurzem auch bei der Kolikvorstellung zum Thema Geld gehört und im Gespräch erzählte er Friedrich Hahn, daß er jetzt an einem Roman, aber auch viel fürs Theater schreibe und seine Texte jetzt eher politischer und nicht mehr so sprachexperimentell wären.

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