Literaturgefluester

2013-04-19

Holzfällen und Niedermetzeln

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:16

„Bislang unentdeckte, ja geradezu nicht für möglich gehaltene Zombietexte von Thomas Bernhard, Peter Handke, Franz Kafka, Johann Nestroy, Arthur Schnitzer & Joseph Roth“, steht am Buchrücken.
Stimmt nicht ganz, denn die Texte wurden durch Curt Cuisine und andere von der Hydra-Gruppe tippunterstützt, mit Anknabberhilfe souffliert, Untergangsunterstützt, bzw. ungehobelt Reimgeholfen“ etc und so spaziert Thomas Bernhard dreiundzwanzig Jahre nach seinem Ende, als Zombie mit der Metallaxt von der Grinzinger Gruft auf den Graben und in die Kärntnerstraße, versucht der „stumpfsinnig machenden Isolation“ zu entkommen und gerät prompt in die Arme des Ehepaars Auersberger, die er dreiundzwanzig Jahre nicht gesehen haben und ihm vom Selbstmord der Jolanda erzählen und zu einem kannibalischen Abendessen in die Gentzgasse einzuladen, das sie einen berühmten Burschauspieler nach der Dracula-Aufführung geben wollen.
Sitzt der ewige Grantler als Zombie verkleidet im Ohrensessel und denkt über die Achtzigerjahre nach, bzw. an das was passierte, seit er in der Gruft verschwand.
Da gab es nämlich ein „abscheuliches Brüderpaar, das in Klagenfurt anzutreffen ist, einen selbsternannten Freizeitjäger und nebenberuflichen Ministerialsgatten, einen waffenschieberischen Blutsauger der verlogensten Art und selbstverständlich auch noch einen geschniegelten und gestriegelten Vorzeigeschwiegersohnzombie und grinsenden Exfinanzministerleichnahm.“
Einen „sogenannten Landesvater der sich in seinem protzigen Dienstwagen überschlagen hat“, gab es natürlich auch und einen „grinsenden Zahntechnikerzombie von dem der Protagonist nicht einmal eine Leberkäsesemmel kaufen will“.
Er sitzt also mit seiner Axt auf dem Ohrensessel, denkt und schimpft und Curt Cuisine hat in seinem Nachwort geschrieben, daß ihm die Berhardsche Schmutzwäsche nicht interessierte und er den Text gekürzt und andere Personen einführte, sich aber nicht damit begnügte, das Wort Mensch nur durch Zombie zu ersetzen.
So kommen also nicht nur die Auersberger und die Elfriede Billroth vor, sondern auch ein paar junge Dichter, die die Namen „Glavunoc und Kohlmann oder Kohlmeier oder Kohldampf“ tragen und unser Protagonist hätte statt der Einladung zu folgen in der Gruft besser“ Handke, Horvarth oder Roth oder Artmann“ gelesen.
Am Ende erscheint der Burgschauspieler, Herr Auersberger verwechselt die Mary Shelly mit Bram Stoker, das kannibalische Abendessen wurde natürlich nach Jamie Oliver zubereitet, der Schauspieler hält seine Haßtiraden, verwandelt sich in einen Wehrwolf, beißt die Billroth und den Auersberg tot und Papa Bernhard kehrt in seine Gruft zurück.
Dann geht es mit Jürgen Miedl weiter zu „Leutnant Grusel“, der sitzt im Konzert und wartet bis es zu Ende ist, weil er „keine fünf Minuten mehr stillsitzen“, kann. Dann beginnt aber gleich einiges zu passieren, die Soubrette, eine Ungarin, ein schöner Zombie schlägt dem ersten Geiger die Schädeldecke ein und ein Zuschauer beißt den Dirigenten in den Hinterkopf, bevor es in die Pause geht. Der Leutnant seine Vorgesetzten trifft, den süßen Mädeln beim Handküßen, den ganzen Arm abreißt und so weiter und so fort mit dem „Metzelwetzel“, wo man nur „Putzfrau möcht ich keine sein von derer Oper!“, stöhnt und schließlich in „Hirne, Hirne, Ach, Hirne, mein ich!“, enden kann.
Wesentlich moderner wirds bei der „Verwesung“ von Franz Kafka mit soufflierender Anknabberhilfe durch Konrad J. Gregor, denn da wird Gregor Samsa eines Morgens in einen Zoombie verwandelt und der scheint einer der Schüler zu sein, die die Nächte vor den Computerspielen verbringen und sich den Wecker statt um acht, um zehn stellen, weil sie zwar nicht in die Schule gehen, aber irgendwann weiterspielen wollen. An diesem Morgen schafft er es nicht den Fernseher aufzudrehen, so daß die Mutter, die eine erstaunliche altmodische, wahrscheinlich die Originalsprache hat, als sie ihm mitteilt, daß sie zu einem Geschäftsessen aufbricht, doch die Türe zu seinem Zimmer öffnet, weil sie sich Sorgen um ihn macht, was ihr nicht gut bekommt, weil sie vom Zombiesohn gleich überfallen wird, das Gleiche passiert der Schwester, die etwas später kommt und ihre Facebook-Statusmeldungen niederschreibt, nur der Vater bleibt eine Respektperson, der kommt mit einem Stapel Zeitungen unterm Arm nach Haus und wartet auf das Abendessen, als er bemerkt, daß es nichts damit werden wird, bestellt er im Gasthaus zuerst zwei, dann mit Blick auf den bluttriefenden Sohn, nur eine Portion Zwiebelrostbraten, Frittatensuppe und Sachertorte mit einer Flasche Wein, dreht dem Sohn lautlos den Fernseher auf und liest seine Zeitungen weiter.
Dann kommt eine Anmerkung des Herausgebers „Der folgende Text fand sich im Nachlaß des 1939 verstorbenen Schriftstellers Joseph Roth. Möglicherweise handelt es sich bei diesem Romanfragment um ein früher, nicht veröffentlichtes Konzept zum berühmten „Radetzkymarsch“. allegemein anerkannt unter Literaturwissenschlichen ist aber inzwischen die These, daß dieser Text der einzige ist, den Joseph Roth je nüchtern verfasst hat.“
Dann geht es zu Leutnant Trotta der von Wien und der Frau von Taußig in seine Garnisonstadt zu seinem kaiserlichen Vampirjägerregiment fährt, im Wirtshaus seine Vorgesetzten trifft, die ihn erzählen, daß die Zombies in der Stadt ist, die Regiment muß gegen sie ausrücken, der treue Bursche Onufrij bringt den verletzten Trotta schließlich in ein Krankenhaus um von ihm dann angefressen zu werden.
Konrad J. Gregor hat wieder bei Peter Handke und der „Angst des Zombies vor der Schrotthilfe“, mitgeholfen und erzählt die Geschichte des Zombies Josef Blochs, der nachdem er dazu geworden ist, beißend durch die Stadt läuft, in den Kinos, Hotels und Fußballplätzen die Leichen hinterläßt und sich schließlich nach den Beschreibungen durch die Literatur sehnt.
Und bei dem „Zombielied von Johann Nepomuk Nestroy“: „Da fallen sich die Leute an und beißen sich ganz tot“, scheint überhaupt eine Verwechslung passiert sein, es gibt aber noch zwei andere Gedichte, die wie in der Anmerkung steht, nicht von Nestroy, sondern von zwei anderen Dichtern noch dazu unösterreichischer Herkunft sind.
„Welch ein faux pas. Andererseits… haben nicht auch Deutsche Anrecht auf ein klein wenig Zombietum? Egal. blutegal sogar. Wer die Originale kennt, besucht uns auf hydrzine.at.
Erkannt habe ich nur das Hobellied, das von Ferdinand Raimund ist und mich, die ich ja nicht gerade ein Fan der Satire bin und das Gelächter bei Lesungen und Kabaretts oft nur sehr schwer aushalte, trotzdem bei der Zombieweltliteratur aus Österreich amüsiert.
Das was man in den literarischen Reiseführern als das typisch österreichische, bei Franz Kafka bin ich mir da nicht ganz sicher, nachlesen kann, wird daq fröhlich vom Zombietum durchsetzt. Ein bißchen blutrünstig zwar für die nicht sehr gewaltsame Eva, ja, aber die „Kinder der Toten“ haben mir auch sehr gut gefallen und interessant, daß die Jelinek in dieser Sammlung nicht enthalten ist.
Österreichs Literatur ein bißchen weniger sentimental und so satirisch, daß ich es ausgehalten habe, könnte man sagen und spannend ist es sicher auch, das Ganze mit den Originalen, wenn man es gelesen hat, zu vergleichen.
„Holzfällen“, habe ich gleich nach Erscheinen, an dem Wochenende, als wir nach München in ein Hotel, in dem es zufälligerweise auch einen Ohrensessel gab, gefahren sind und noch nicht sehr viel verstanden. Von der Rolle der Jeannie Ebner, die ich ein paar Jahre vor ihren Tod öfter in der Gesellschaft für Literatur, aber auch in dem kleinen Park, weil sie ja in der Nähe wohnte, öfter traf und dem klagenden Komponistenpaar noch nicht sehr viel gewußt. Jetzt weiß ich ein wenig mehr und habe mich von Thomas Bernhard Negativismen eigentlich abgewendet.
„Holzfällen“, satirisch liest sich aber eigentlich sehr flüßig. Bei der „Verwesung“ habe ich an Milena Michiko Flasars Hikikomoris denken müßen.
Den „Radetzkymarsch“ habe ich im Sommer gelesen, Peter Handke auch einmal im Schnellkurs, betrachte das als Fortsetzung und kann das Buch jeden, der sich über die vielgelobte österreichische Literatur von Josepf Roth bis Thomas Bernhard einmal etwas lustig machen will, empfehlen, die jungen Leute von Hydra haben dabei wahrscheinlich ihren Spaß gemacht und man frischt sein vorhandenes Literaturwissen dabei sicher auf oder sollte ich aufbluten schreiben?

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