Literaturgefluester

2013-04-30

Veza Canetti erinnernd

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:47

Veza Canetti als Venetiana Taubner Calderon 1897 in Wien geboren und 1963 in London gestorben, war die Frau des Nobelpreisträgers von 1981, Elias Canetti, deren Werke „Der Oger“, „Die gelbe Straße“, „Die Schildkröten“, etc, erst in den Neunzigerjahren erschienen sind und die vorher, als Englischlehrerin, Lektorin und Übersetzerin tätig, immer im Schatten ihres Mannes gestanden ist und sich, wie das ja öfter vorkommt, eher für seinen, als ihren Erfolg einsetzte.
Den 1990 bei Hanser erschienenen Roman „Die gelbe Straße“, der sich aus verschiedenen Erzählungen zusammensetzte und die Wiener Ferdinandstraße meinte, in der Veza Canetti mit ihren Eltern lebte, habe ich nach Erscheinen gekauft und gelesen und den „Oger“, wo ein Mann seine Frau sehr unterdrückt, habe ich einmal mit dem Alfred im St. Pöltner Schauspielhaus gesehen.
2006 begann dann ein Kunstprojekt in der Ferdinandstraße, wo Judith Gruber-Rizy, die einmal einen Text über Veza Taubner- Calderon, die unter den Pseudonymen Veronika Knecht, Veza Magd, etc, was ja sehr bezeichnend ist, publizierte, bei der einer von mir organiserten „Tag der Freiheit des Wortes“- Veranstaltung gelesen hat, wurde eingeladen, dort ihren Text zu lesen und hat mich eingeladen hinzukommen.
Ich erinnere mich an ein sehr beeindruckendes Fest, das im Veza Canetti Park in der Ferdinandstraße im zweiten Bezirk begonnen hat. Dann sind wir in das Haus gegangen. Eine Torte wurde angeschnitten, im Hof haben Judith Gruber-Rizy und andere gelesen. Es gab verschiedene Aufführungen, Peter Waugh, den ich, glaube ich, damals kennenlernte, hat mit seiner Künstlergruppe Labyrinth aus verschiedenen Wohnungen Gedichte vorgetragen. Ich habe die Veranstaltungen inzwischen vergessen, gibt es ja viele Künstler und Projekte für die man sich interessieren kann.
Im vorigen Jahr ist dann ein Aufruf zu mir gekommen für eine Anthologie „Veza Canetti lebt“, Texte beizusteuern, es waren wohl experimentelle Texte, die Petra Ganglbauer und Gertrude Moser-Wagner suchten, war Veza Canetti ja auch eine eher expressionistische Dichterin. Ich habe, glaube ich, „Den langen Brief an den Herrn Kurz“, „Nebelschwaden“ und das „Postfrühstück“ hingeschickt. Texte die zum Teil auch in der „5er Edition“ und in der neuen Volksstimmeanthologie drinnen sind, so war ich gar nicht unglücklich, als mir Petra Ganglbauer „Leider, diesmal nicht!“, mailte, obwohl es das eigentlich sein sollte, sondern habe auf das Projekt vergessen und erst im Programm der Alten Schmiede gesehen, daß da am 30. 4. ein Autorenprojekt von Petra Ganglbauer „Lücken-Veza Canetti erinnernd“ stattfindet.
Da da gleichzeitig im Literaturhaus Gustav Ernst seinen neuen Roman vorstellte, habe ich zuerst auch nicht hingehen wollen, dann ist das Buch aber gekommen und „Grundlsee“ wird auch in der Alten Schmiede vorgestellt.
Also hingegangen und es nicht bereut, denn Veza Canetti ist für eine, die sich sehr für die Zwischenkriegs-und andere Literatur interessiert sicher spannend. Ich sah auch gleich viele bekannte Gesichter. Gerhard Jaschke ist gekommen, die Galeristin Batya Horn, die glaube ich, mit Gertrude Moser-Wagner befreundet ist, Lukas Cejpek, der Lebensgefährte von Margit Kreindl, denn die wirkte mit Ilse Kilic und dann noch einer Literaturwissenschaftler bei dem Projekt mit. Aber vorerst, nach der Einleitung von Kurt Neumann, der darauf hinwies, daß sich schon Elfriede Czurda mit Veza Canetti beschäftigt hat, wurde ein Film gezeigt, wo liebe kleine Strickfiguren, die „Gelbe Straße“ in der Hand hielten und daraus vorlasen.
Dann kam Petra Ganglbauer mit ihrem Projekt „Lücken“ und wies auf Veza Canettis Lebenslauf hin, sie hat 1934 nach ihrer Hochzeit mit Elias Canetti zu schreiben aufgehört, dann erst wieder im Exiul damit angefangen und auch einige ihrer Werke verbrannt.
Margret Kreidl folgte und beschäftigte sich mit ihren Text sowohl mit dem „Oger“, als auch mit den Häusern in der Ferdinandgasse, mit denen sie eine Art Stadtrecherche machte. Ilse Kilic hatte einen langen Text, das heißt zuerst einen Film „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in den Himmel kommt“, in den zwei anderen Teilen bezog sie sich dann offenbar auf Veza Canettis Werke, die sie experimentelle abwandelte.
Das war ein wenig lang, so daß die Pause willkommen war, da habe ich mich mit Hans Jörg Liebscher unterhalten, Anita C. Schaub die Schönlaterngasse entlangspazieren sehen, Frau Millner war, glaube ich, da und auch ein paar Studenten, denen es auch zu lange gewesen ist.
Dann folgte wieder ein Film, eine Installationen über Schildkröten, die zuerst am Rücken liegend sich aus eigener Kraft umdrehen mußten. Dann folgte die Literaturwisssenschaftlerin und erläuterte noch einmal literaturwissenschaftlich, was es alles über Veza Canetti zu wissen gibt und die bildende Künstlerin Gertrude Moser-Wagner stellte das Projekt vor, das heißt, sie zeigte einen Film mit Peter Waugh, der aber glaube ich, aus 2000 war, wo auf das Fest von 2006 hingewiesen wurde.
Damals sollte auch eine Gedenktafel an dem Haus befestigt werden, ging aber nicht, jetzt ist es soweit, am Montag wird die in der Ferdinandstraße enthüllt und da wird es auch ein großes Fest, Musik und die Präsentation der Anthologie „Veza lebt“, geben. Eine sehr interessante Veranstaltung, wo ich mir wieder viel mitgenommen habe und vielleicht auch am Montag zur Enthüllung gehen werden.
Am Dienstag ist die diesmal von Ilse Kilic veranstaltete „Tag der Freiheit des Wortes“ Veranstaltung, wo ich nicht mehr eingeladen bin, dafür ist aber heute ein lieber Brief mit einer Einladung von Christoph Kepplinger gekommen, daß ich beim nächsten Volkksstimmefest zum Thema „Ausverkauf“ lesen kann und ich habe in meinem Bücherkatalog nachgeschaut, was ich von Veza Canetti habe.
„Die Schildkröten“, wo sie ihre Exil-Erfahrungen beschreibt, nicht, das müßte ich erst finden und es wäre auch interessant in der Anthologie die Texte zu lesen, die sich sprachspielerisch mit Veza Canetti und den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts auseinandersetzen.

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4 Kommentare »

  1. Liebe Frau Jancak,

    vielen Dank für den tollen Bericht. Ich hätte mir den Vortrag gerne life angehört, leider bin ich aber nach drei Wochen krank sein, noch nicht so ganz fit und von daher habe ich gehofft, dass es auf Ihrem Blog einen Beitrag dazu gibt. Schön, dass Sie dort waren und so ausführlich darüber erzählen.
    Was ich noch sagen wollte, die Mischung Ihres Blogs, Rezensionen, Persönliches und Dies und Das aus dem österreichischen iLiteraturgeschehen, gefällt mir sehr gut. Jetzt, wo es mir besser geht und die Freude am Lesen zurückgekehrt ist, werde ich wieder regelmäßig bei Ihnen vorbeischauen und mich auch wieder um mein Blogbaby kümmern. Den habe ich in den letzten Wochen ja sträflich vernachlässigt.
    Alles Liebe,
    Gabi

    Kommentar von Buchmanie — 2013-05-01 @ 13:53 | Antwort

  2. Dann schauen Sie vielleicht bei den anderen Veranstaltungen zum Beispiel bei der Buchpräsentation vorbei.
    Vielen Dank für Ihr Lob, das mich natürlich sehr freut, fein, wenn Sie mich lesen und viel Freude bei Ihrem Blog!

    Kommentar von jancak — 2013-05-01 @ 20:45 | Antwort

  3. Liebe Frau Jancak,
    danke für das tolle Feedback, das ich gerade gelesen habe!
    Ich lese, Sie waren schon 2006 (beim Fest für Veza) dabei und kürzlich wieder!
    Erstaunlich und erfreulich für uns, wie viele Menschen sich für Veza Canetti interessieren.
    Inzwischen ist ja die Widmungstafel am Haus Ferdinandstraße 29 der Bevölkerung übergeben worden.
    Und heute (Sonntag) Abend ist der letzte Tag, wo die Projektion VEZA FEHLT auf die Mauer in der Tempelgasse 12 (bis 24 Uhr) erscheint. Sie sieht gut aus und vielleicht können wir (Natalie Deewan und ich) sie 2014 als Lichtinstallation realisieren – hier zum Jubiläum erst mal als Projektion. Ein Anfang.

    Und, weil Sie Peter Waugh erwähnen: kommen Sie doch wieder, wenn Sie seine Performances mögen – am 24.5. werden Performances und Lesungen von Labyrinth im Salon, Praterstraße 17/Hof stattfinden und zuvor feiern wir im Sternstudio, Mayergasse 7 und heben ein Glas auf Veza – wer möchte, kann sich mir anschließen, denn ich zeige dann einige andere (Ausstellungs-)Orte in der Nähe, wo sich die Gruppe VEZALEBT visuell einbrachte. Finale dann mit der öffentlichen Lesung aus „die Schildkröten“ am 12.Juni 2013, im Hotel Praterstern/Hof.
    Besten Gruß,
    Gertrude Moser-Wagner

    Kommentar von Gertrude Moser-Wagner — 2013-05-12 @ 19:49 | Antwort

    • Ja, ich interessiere mich sehr für Literatur, nicht nur für Veza Canetti, aber auch und habe zum Beispiel gerade ein Buch aus dem berühmten Prager-Verlag gelesen, in dem auch Else Feldmanns „Der Leib der Mutter“ in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts erschienen ist, das bei „Milena“ vor einigen Jahren wieder aufgelegt wurde, als der noch ein reiner Frauenverlag gewesen ist. Ob ich am vierundzwanzigsten kommen kann, weiß ich nicht, möglicherweise habe ich da eine fixe Abendstunde oder ein Fest, aber ich habe ja noch die „Veza lebt“-Anthologie zu lesen, die inzwischen zu mir gekommen ist und die ist sicher auch sehr interessant.

      Kommentar von jancak — 2013-05-12 @ 20:29 | Antwort


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