Literaturgefluester

2013-05-16

elffriede.aufzeichnungssysteme

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:13

Am Mittwoch gab es harte Kost im Literaturhaus oder experimentelle Literatur pur, sowie die Präsentation des Klever-Buches „schrei zum hummel. eine art buch.“ ein monologisches hörspiel stark reduzierter, dramatisierter dichtung und zeichnung in elf akten, sprachlich, akustisch und visuell vergegenwärtigen und die experimentelle Performancerin und was auch immer ist seit einigen Jahren GAV-Mitglied. Ich würde sie dem fröhlichen Wohnzimmerkreis zuordnen. Biografie konnte ich im Internet keine von ihr finden, kann mich aber an eine oder mehrere Ausstellungen erinnern, die sie im Literaturhaus hatte und die aufzeichnungssysteme scheint es schon länger von ihr zu geben.
Also eigentlich nicht unbedingt die Veranstaltung, die ich mir primär aussuchen würde, wie auch Wolfgang Helmhart im Gespräch anmerkte, aber diese Woche war nur der Mittwoch dafür frei, weil wir am Montag die Ingrid trafen, am Dienstag Psychologen Jour fixe, Donnerstag Fixstunde und am Freitag schon Pfingsten Barock in Melk, wozu ich wieder Karten gewonnen habe und da gab es nicht sehr viel Auswahl. Richtig die literarische Soiree im Radiokulturcafe, wo Michael Köhlmeiers „Joel Spazierer“ besprochen wurde, hätte es gegeben, aber das werde ich ohnehin lesen und ich interessiere mich ja für alles oder jedenfalls für sehr viel und das Literaturgeflüster soll auch ein sehr vielseitiges Bild des Wiener Literaturlebens zeigen. Außerdem habe ich auch gerade ein Buch gelesen, wo es mehrere experimentelle Texte gab und bei diesbezüglichen Veranstaltungen bin ich vor kurzem auch gewesen. In Wien kommt man nicht umhin, das zu tun, wenn man regelmäßig die literarischen Orte besucht, wie Wolfgang Helmhart ebenfalls anmerkte. Als ich das Literaturhaus erreichte, war es drinnen still und dunkel, draußen reihten sich die Raucher um Barbara Zwiefelhofer, drinnen gab es eine Ausstellung von Hanno Millesi zum Thema „Grantourismo“, die dieser Tage auch im „Leporello“ vorgestellt wurde und nach und nach kamen auch die experimentellen Besucher.
Angelika Kaufmann, Michael Hammerschmid, Wolfgang Helmhart, Jörg Piringer, Birgit Schwaner und für mich überraschend, der Chemiker, den ich öfter in der WienBibliothek treffe. Dem wird es nicht gefallen, habe ich gedacht und mich getäuscht und mir hat es auch gefallen, denn die Allroundperformancerin war wirklich sehr poetisch. Zuerst hat Barbara Zwiefelhofer begrüßt, Ralph Klever, der Verleger eingeleitet und das Buch vorgestellt, das, wie er sagte, sowohl Lyrik enthält, die man auch von Schubert umrahmt, in der „Holden Kunst“ senden könnte, Dramatisches, nämlich Gespräche mit Bibern gibt es auch, sogar die Romanform wurde erwähnt und auch, daß man am Büchertisch mehr T-Shirts als Bücher finden konnte, elffriede scheint wirklich eine Allroundkünstlerin zu sein und derzeit in einer Galerie auch eine Ausstellung zu haben.
Dann kam die Performance, der Lesetisch war voll von technischen Geräten und elffriede holte eine Feder heraus und begann zu zeichnen und dann selbst bzw. aus dem off ihre Auffzeichnungssysteme zu rezitieren und wie erwähnt, sehr poetisch, aphoristisch hat es der alte Herr genannt, dem es sehr gefallen hat.
„es wird verzeichnet, was auf dem tisch kommt, elffriede aufzeichnungssysteme, 2000-2013“, steht auf der Karte und im Literaturhausprogramm gibt es auch eine Zeichnung, die elffriede am Beginn präsentierte „betrachten sie dieses schreiben als gegenstandslos“ steht darauf.
Ein paar der poetisch klingenden Sätze habe ich mir auch mitgeschrieben „jeden tag spiele ich mit dem leben, spitze die ohren“, beispielsweise und nehme an, daß sich elffriede in der Kleinschreibung übt.
„es gibt mindestens zwei schwierigkeiten mit dem buch. in dem buch ist nichts. das buch ist vollkommen leer.“
„das weiße vom ei, die spreu vom weizen mischen“ und so weiter und so fort. Dazwischen wurden die zeichnungen projeziert und elffriede mischte gekonnt das Bild mit der Akustik und als sie das Ende der Performance verkündete, gab es großen Applaus.
Nachher gab es noch was zu trinken, ich habe mich beim Wein, sowohl mit dem Chemiker, als auch mit Wolfgang Helmhart unterhalten und wieder was gelernt oder eingetaucht in der experimentellen Szene Wiens. Ob das Literaturgeflüster auch experimentell ist wollte Wolfgang Helmhart, der sich schon auf das Literaturgeflüsterbuch freute, von mir wissen. In gewisser Weise ja wahrscheinlich, zumindest ist es auch ein gigantisches Aufzeichnungssystem des literarischen Lebens, das am dritten Juli seinen fünften Geburtstag feiert und wenn ich so diszipliniert weiter mache, wie bisher, wird es auch bald meine Aufzeichnungen geben, in denen zumindest von einigen experimentellen Veranstaltungen berichtet wird, denn in Wien kommt man nicht darum herum, wenn man es einigermaßen konsequent betreibt und das kann auch für eine psychologisch-realistische Schreiberin durchaus spannend sein.

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