Literaturgefluester

2013-05-18

Götter und ihre Fans

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:02

Jetzt kommt ein Buch dessen Titel auf den ersten Blick wie eine Ode auf den Fußball klingt, zum Glück hat sich aber Dietmar Füssel die Religion aufs Korn genommen und stellt gleich zu Beginn die Frage „Darf man über Gott lachen?, die er in fünfundvierzig kurzen Geschichten zu beantworten versucht.
Da steigt zu Beginn der Prophet auf den Berg und will dem Volk davon erzählen, wird aber ausgelacht und nicht angehört, weil, wie die kluge Frau errät, man diesen etwas Schönes versprechen oder aber drohen muß.
Dann gehts mit der „Tätowierung“ weiter. Da hat sich ein Priester „Jesus liebt dich“ auf seinen Schwanz tätowieren lassen und nach einer Polizeikontrolle die liebe Not damit.
Eine Tintenpatrone will unbedingt rot werden und als der weichherzige Jesus seinen Vater einen „bösen Bullen“ nennt, wird er von unsichtbarer Hand an einen Heizkörper geschleudert und Erzengel Charly hat die Schwester Maria geschwängert, der war zwar ein Betrüger, aber „schön“ war es doch und das zweite Mal erscheint der Engel bei der Jungfrau und sagt ihr Gott hat sie dazu auserkoren sich das Kind von einem widerlichen Lebensmittelhändler machen zu lassen, diesmal ist der Engel echt, der Lebensmittelhändler nimmt aber ein Präservativ und schon wieder nichts.
Bei der „Beichte“ wird es bösartiger, da kommt der Engel zum Atheisten ans Sterbebett und sagt „Ich hole dich um 15.35, du kannst noch vorher beichten, damit du nicht in die Hölle kommst“. Der Priester erscheint um 15.24 mit dem Notar und will zuerst die Kirchensteuerschulden zurückhaben, bis das erledigt ist, ist es zu spät zum beichten und der Arme muß in die Hölle.
Dann kommt eine Satire auf die „Beschneidung“ und eine bezüglich des „Schlimmsten Verbrechens“, bevor es mit den zehn Geboten weitergeht, die leider auch eine Falschmeldung sind.
Ein Mann kommt nach Hause und trifft seine Frau nackt mit einem Mann im Schlafzimmer an, der ihm erzählt, daß er ein Janist ist, der seine Frau bekehren wollte und ein anderer Bekehrter dankt der Glaubensinformation, daß er beim Rosenkranzbeten zwar seine Potenz verloren hat, das Leben jetzt aber trotzdem viel schöner ist.
Nach Texten, wo sich die Anhänger der verschiedenen Religionen gegenseitig bekriegen, geht Dietmar Füssel in ein paar weiteren Texten spielerisch mit den Gottesbeweisen um. Es gibt eine „Hochzeitspredigt“ und eine Satire, wo „Gott Bodo“ zuerst für einen Irren gehalten wird, dann liegen alle zu seinen Füßen, weil er das Fernsehgerät reparieren kann und schließlich steigt er wieder in den Himmel hinauf, nicht ohne die Familie zum ewigen Nichtfersehen zu verdammen, so daß sie in ihrer Verzweiflung sogar zu Büchern greifen muß.
Ein anderer „Messias“ steht auf einer Bühne und schießt alle Gottesungläubigen tot, während bei der „Letzten Ölung“ ein Priester in den „April“ geschickt wird.
Dann gibt es noch eine „Blasphemische Legende“ über den „Stall zu Bethlehem“, eine Neudeutung der „Drei Weisen“ und noch einiges anderes, bevor Dietmar Füssel den „religiösen Fanatikern, Gotteskriegern und Selbstmordattentätern zehn gute Gründe, ihn nicht zu ermorden, nennt.
Man sieht Dietmar Füssel hat Humor und Fantasie in seinen Texten eines „Ungläubigen an Ungläubige“, läßt dabei keine der großen Religionen aus und ist ein bemühter literarischer Arbeiter, der in seinen Buchproduktionen ähnlich unermüdlich, wie ich zu sein scheint, aber schon zehn Bücher in den verschiedensten Kleinverlagen hat.
Ich habe ihn, ähnlich wie Rudi Lasselsberger durch den „Max von der Grün-Preis“, den er gewonnen hat, kennengelernt und bin 2008 durch das „Autorenhausverlagslexikon“ auf seine Homepage und monatlichen Gewinnspiele gestoßen, durch die er sich und seine Arbeit präsentiert und damit auch so ziemlich alle seine Bücher bekommen.
Inzwischen habe ich ihn einmal in Wien bei einer Lesung getroffen und bei den GAV-GVs sehe ich ihn manchmal auch. „Rindfleisch“, „Unterwegs“, „Diesseits von Eden“ und „Leidenschaft“, habe ich schon besprochen. Sein neuestes Buch „Der Sohn einer Hure“, soll noch in diesen Jahr kommen. Dann stehen noch „Die Arbeit ehrt Mensch und Pferd“ und „Mörder wie du und ich“ in meinem Katalog, bzw. auf meinen Regalen. Das erstere habe ich jetzt an das Ende meiner Leseliste gesetzt, das zweite muß ich noch finden und über die anderen Bücher und Veröffentlichungen gibt seine Homepage Auskunft, die ich schon wegen der Chance jedes Monat einen „Füssel“ zu gewinnen, sehr empfehlen kann.

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2 Kommentare »

  1. Das klingt nach herrlich schräger Literatur. Habe Dietmar Füssel gleich auf meine Leseliste gesetzt.
    Liebe Grüße
    Gabi

    Kommentar von Buchmanie — 2013-05-18 @ 10:04 | Antwort

    • Ich würde sagen einer der wahrscheinlich sehr zahlreichen Autoren und Autorinnen, die unentwegt schreiben, ihre Texte in Klein- Selbst oder anderen Verlagen verbreiten und von denen ich es für sehr wichtig halte, auf sie aufmerksam zu machen. Das ist neben meiner eigenen Vermarktung, die bisher nicht sehr erfolgreich war, wahrscheinlich eine meiner Motivationen für das Literaturgeflüster, in dem ja Platz für den Wiener Literaturbetrieb, Lesungen, Veranstaltungen und natürlich auch für meine Bücher ist.
      Freut mich, daß ich auf Dietmar Füssel, der ein sehr bemühter Autor ist, aufmerksam machen konnte und kann, da ich ja nun schon fast alle seiner Bücher habe, sein Gewinnspiel sehr empfehlen.
      Er ändert die Aktualisierung meist um den Achtundzwanzigsten, wenn man da schnell genug ist, hat man eine Chance zu gewinnen, also viel Erfolg und Bezug meiner eigenen Texte, bzw. Nadine Kegele, die mit mir in den letzten zwei Volksstimmeanthologien erschienen ist. Da hätte ich eine Anthologie zu verschenken, bei der zweiten muß ich noch die Fahnen lesen, wenn Interesse besteht und bezüglich Dietmar Füssel habe ich nun auch „Mörder wie du und ich“ gefunden und könnte es auf meine Leseliste setzten, aber auf welche da ich ich ja schon weit voraus plane und das langsam langsam abbauen will?
      Schönes Pfingstwochenende, mit einem oder mehreren Büchern, letztes Jahr habe ich einen Lesemarathon daraus gemacht, heuer werde ich mehr radfahren und Fritz Habecks „Der Tanz der sieben Teufel“, ein inzwischen wahrscheinlich vergessenes Buch aus dem Fundus meiner Eltern lesen.

      Kommentar von jancak — 2013-05-18 @ 11:08 | Antwort


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