Literaturgefluester

2013-05-19

Schachnovelle

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:37

Jetzt kommt eine weitere Demonstration bezüglich dem, was man in den offenen Bücherschränken, Wortschätzen etc finden, seine Bildungslücken auffrischen an den 10. Mai 1933 und diese unselige Bücherverbrennung erinnern und vielleicht auch ein Urteil der neuen Literaturgeschichte revidieren kann. Habe ich ja einmal im „Tag zu Tag“ in einer Vorstellung über eine neue Literaturgeschichte Österreichs sagen hören, Stefan Zweig und Peter Rossegger wären gar nicht so wichtig, wie man glaubte. Da habe ich mit „Jakob dem letzten“ gekonntert, den „Waldbauernbub“ habe ich nicht gelesen, dafür aber „Marie Antoinette“, das als Beispiel für das schwache Schreiben Zweigs angeführt wurde, die „Büchergilde-Gutenberg-Ausgabe“ aus dem Bücherfundus meiner Eltern, noch in meiner Hauptschulzeit, als ich von dem Fach Geschichte und Napoleon sehr angetan war, von Stefan Zweig und seinem Platz in der Literaturgeschichte hatte ich damals nicht viel Ahnung. Nach der Matura ist mir die „Welt von Gestern“ in die Hände gefallen. Viel anderes habe ich nicht von ihm gelesen und vor ein paar Wochen auch einen Teil der Gesamtausgabe oder einen seiner Romane bezüglich meiner Bücherbeschränkungsvorsätze im Kasten stehen lassen.
Die „Schachnovelle“ habe ich schon früher herausgenommen und natürlich auch gehört, daß das ein bedeutendes Stück Weltliteratur ist und ich glaube auch, einmal beim Kochen im Radio daraus gehört, als ich vorher die Wikipedia Beschreibung gelesen habe, habe ich die Faszination auch nicht ganz mitbekommen, dazu muß man den Text lesen und vielleicht ein wenig über Zeitgeschichte und die Biografie Stefan Zweigs Bescheid wissen, der Jude war, deshalb stand er auch auf dem Index der Nazistudenten, 1881 in Wien geboren wurde und sich 1942 in der Emigration in Brasilien das Leben nahm. Die „Schachnovelle“ wurde auch 1942 geschrieben und sie beginnt mit der Überfahrt eines großen Passagierdampfers von New York nach Buenos Aires, da trifft der Ich-Erzähler, ein Österreicher, auf den Schachweltmeister Mirko Czentovic, der zu neuerlichen Triumphen nach Argentinien reist. Der ist ein seltsames Wunderkind, nämlich ein Bauernbub aus dem Banat, bei einem Pfarrer aufgewachsen, langsam und schwerfällig im Denken und im Lernen, als der Pfarrer aber einmal während eines Schachspiels zur letzten Ölung muß, erkennt sein Partner die Begabung des Buben, des „Idioten“, hat nicht einmal Prof Spiel in einer Vorlesung, lang lang ists her, das Genie Mozarts auf eine ähnliche Art und Weise erklärt?, der rasch zum Weltmeister aufsteigt und jeden schlägt, obwohl er sonst seltsam unbeholfen ist, geldgierig und menschenscheu und bauernschlau.
Die psychologische Seele des Erzählers will den Meister kennenlernen und fängt am Schiff zum Schachspielen an. Dort trifft er auf einen Schotten, der nicht verlieren kann und den Meister auffordert, gegen Geld spielt der natürlich gegen die Dilettanten und gewinnt, aber da kommt auf einmal ein seltsam blasser Mann daher und flüstert den Dilettanten die Züge ein, so daß es zum Remis kommt. Der Ich-Erzähler wird aufgefordert den Geheimnisvollen, ein Österreicher soviel steht fest, zur Revanche zu bitten und der erzählt seine Geschichte.
Ein Rechtsanwalt aus alter österreichischer Familie, deren Namen man kennt, er wird nur Dr. B. genannt, ein Verwandter Leibarzt des letzten Kaisers, ein anderer Abt in Seitenstetten, so daß er und sein Vater, als die Nazis kamen, das Vermögen der Kirche zu retten versuchten, noch als Schuschnigg seine Rede im Radio hielt oder etwas später, wurde er verhaftet und zur Isolationsfolter in das berühmte Hotel Metropol, nicht ins KZ, für solch Sonderfälle hatten die Nazis ihre speziellen Methoden, gebracht, und starrt nun monatelang sein Bett, seine Waschschüßel und das vergitterte Fenster an. Während er auf ein Verhör warten muß, bekommt er Gelegenheit aus einem Uniformmantel ein Buch, eine Anleitung zum Schachspielen, zu stehlen und lernt nun die Partien auswendig, spielt sie nach und spielt schließlich gegen sich selbst, so daß er dem Wahnsinn verfällt, was ihn aus seiner Gefängniszelle zuerst in ein Spital und später auf das Schiff bringt. Es kommt zum zweiten Spiel bzw. dritten, denn das erste verliert der Meister, beim zweiten hält der Ich-Erzähler Dr. B. davon ab in seine „Sucht“ zu verfallen, so daß er sich entschuldigt und enteilt und ich habe, liebe österreichischen Literaturexperten ein großartiges Stück Literatur und ein großartiges Stück Psychologie gelesen, das mir ohne die offenen Bücherschränke vielleicht entgangen wäre, deshalb danke ich noch einmal sehr für diese Gelegenheit meine Literaturlücken zu schließen und kann die „Schachnovelle“ schon, um an den 10. Mai 1933 beziehungsweise den 8. Mai 1945, der ja nun ein Fest der Freude ist, zu erinnern, zu lesen und wenn die Zweig-Biographien etwas langweilig sind, das kann ich nicht beurteilen, hat man in den Zwanziger und Dreißigerjahren vielleicht Biografien anders gestaltet, als beispielsweise Jeannine Meighörer, die der Philippine Welser, interessante Details über eine nicht sehr glückliche Tochter Maria Theresias wird man darin bestimmt finden, zumindest hat das die vierzehjährige Hauptschülerin, für die der Bücherkasten ihrer Eltern, damals schon sehr wichtig war, so empfunden.

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