Literaturgefluester

2013-05-21

Der Tanz der sieben Teufel

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:47

Weiter gehts mit einem Buch von der Harlander Leseliste aus den Beständen meiner Eltern, nämlich die Büchergilde Gutenberg Ausgabe von 1952 von Fritz Habecks „Der Tanz der sieben Teufel“ und von dem 1916 geborenen und 1997 verstorbenen österreichischen Autor, Dramaturgen, Übersetzer, Juristen, Theaterdirektor etc, habe ich schon zwei Bücher hier besprochen und wenn ich mich nicht irre „Das Boot kommt nach Mitternacht“ in einem der Bücherkästen gefunden.
Das letzte Habeck-Buch, das ich gelesen habe, handelte von Francois Villon, bei diesem gibt es ein Stück einer seiner Balladen als Eingangszitat und dann noch eines weiter hinten, in dem es, wie ich dem Netz entnehmen, um die Teufel Habsucht, Neid, Wut, Ehrgeiz, Besserwissen, Idealismus geht, falls mein Buch jemals diesen Klappentext hatte, ist er längst verschwunden,von denen der Held Robin de Morteby auf fast sechshundert Seiten gebeutelt wird und in fünf Büchern samt Pro-und Epilog durch das Mittelalter zur Zeit der französisch-englischen Kriege taumelt, was aber, da es das Buch 1952 erschienen ist, wahrscheinlich auch zeitgenössischere Assoziationen zu world war war I und II aufzuweisen hat.
Es beginnt in einem Schloß, wo sich der einbeinige und halbseitig gelähmte Schloßherr mit seinen drei Söhnen auf das Schlachtfeld begeben will, wo sie dann auch fallen.
Der vierte Sohn ist ein Außenseiter, denn er will die Menschen nicht töten, sondern sie heilen, so studiert er Medizin, wird aber an das Schloß gerufen, um sein Erbe anzutreten, vorher von seinem Diener einem ewigen Studenten auf groteske Art und Weise ausgebeutet und dort von der Tante, die ihm als Bastard bezeichnet, hinausgeworfen. Er soll der Sohn einer Hebamme sein, die ihn in das Schloß hineingeschmuggelt hat, so zieht er aus, um nach dem Mann der Hebamme, einem Wundarzt zu suchen, der bezeugen soll, daß er der richtige Schloßherr ist, denn er braucht einen legitimen Namen, um weiter studieren zu können, da man das im vierzehnten Jahrhundert sonst offenbar nicht durfte.
Aber alle, die er trifft, raten ihm, davon abzulassen und stattdessen in den Krieg zu ziehen. So verdingt er sich auch den Engländern, zieht aber bald mit Marion, der Gehilfin des Wundarztes nach Paris, verliebt sich in sie, wird aber von ihr getrennt und die Berechtigung zum Studium erhält er ebenfalls nicht, so reist er als gewöhnlicher Bader weiter, wird verspottet, weil er die richtigen Ratschläge gibt, Äpfel essen wenn man zu fett ist, statt sich den Bauch aufschneiden zu lassen, erlebt die Pest in Avignon, kommt zu Geld, und verliert seine Sitten, hurt und säuft herum, bevor er durch ein erlauschtes Gespräch mit vier Bettlern bekehrt nach Montepellier zurückkommt, dort nicht nur sein Medizinstudium beendet, sondern auch noch Jus studiert und, um einen freien Bauern zu seinem Recht zu verhelfen, einen Steuereinnehmer, einen Richter, sowie einen Serganten erschlägt bzw. erhängt, so daß er zuerst im Kerker landet, diesen später mit einigen Narben entfliehen kann, um im dritten Teil des Buches Berater des Königs von Navarra zu werden, der gegen seinen königlichen Vetter kämpft.
Im vierten Teil kehrt Robin nach Paris zurück, wechselt die Seiten und trifft seine Jugendliebe Marion wieder, die ausgerechnet mit dem Schloßherrn verheiratet ist, der den König von Navarra gefangenhält, den Robin befreien soll. Das führt zu abenteuerlichen Aktionen, zuerst dringt Robin unter verschiedenen Vorwänden bei Marion ein, dann verschafft er sich mit vergifteten Brandtwein, den Leibarztposten beim Schloßherrn, den er schließlich betäubt, so daß er Navarra der seinen Bewacher tötet, befreien kann und mit ihm nach Paris zurückkehrt.
Dort kommt es zu einem Aufstand der Bürger und einem der Bauern. Die drei Kräfte, Navarra, der Dauphin und Marcel, der angeblich für die Guten eintritt, kämpfen gegeneinander und halten lange Reden für oder gegen die Gerechtigkeit. Der Bauernaufstand wird als erstes beendet, Robin rückt von Marcel ab, als es zu einer Begegnung mit einem Bettler kommt, der keine Nase und keine Ohren hat und als ihn Marcel über eine Mauer stößt trotzdem lachend davonhumpelt.
Robin kehrt zu dem verfallenen und ausgeplünderten Schloß Morteby, das Mordsdorf heißt, heute könnte man das noch anders benennen, zurück, findet das Testament seines Vaters und wird, als der Dauphin, der später zum König Karl dem Weisen wird, zuerst zum Tod verurteilt und später als er sagt, daß er zu seinem Arztberuf zurückwill, begnadigt und auf seinen Stammsitz zurückgeschickt, wo er mit Marion, die ihm nach und nach drei Söhne und ein Töchterlein schenkt in Ruhe und in Frieden lebt, die Bauern heilt, ihren Frauen bei Gebären ihrer Kinder hilft, etc.
Am Schluß wird er noch seine Geschichte aufschreiben und dem Gelehrten der zu ihm sagt „Und wenn die Welt noch hunderttausend Jahr steht – die Wahrheit wird man trotzdem noch nicht sagen dürfen“- Mit „Man wird!“, antwortete Robin fest, sagen.
Ich bin da, wie wahrscheinlich auch Fritz Habeck, nicht ganz sicher.

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2013-05-20

Pfingstwochenende

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:27

Pfingsten hat für mich, für die die Strukturen zum Festhalten und Anklammern zunehmend wichtig werden, eine schöne Tadition. Als Studentin habe ich 1977 mein Dissertantengespräch bei Professor Guttmann absolviert und bin dann mit Herrn Lembacher vom Klub der logischen Denker das erste Mal zum Pfingsttreffen nach St. Gallen in die Steiermark gefahren. Seit eingen Jahren ist das Pfingstfest in Nussdorf an der Traisen für uns Tradition. Wenn wir in Harland sind, fahren wir mit dem Rad hin, essen dort ein Fleischknödel oder ein halbes Hendl und verkosten Wein.
Da der Alfred zu dieser Zeit aber manchmal in Harland ist, habe ich Pfingsten zu dieser Zeit auch schon allein in Wien verbracht. 2006 gab es, glaube ich, ein Bachmannsymposium mit einer Stadtführung und dann bin ich ein bißchen im Wienerwald herumgewandert. 2011 lud Batya Horn zur Zwanzigjahrfeier der Edition Splitter und 2012 habe ich mich auf einen ganz speziellen Lesemarathon begeben weil der Alfred mit dem Karli in Australien war.
Da habe ich in drei Tagen sechs Bücher gelesen, was angesichts meiner endlos langen Bücherliste jetzt auch ganz gut wäre, aber heuer sind wir wieder nach Harland gefahren, bzw vorher zu den Internationalen Barocktagen in Stift Melk, weil ich da bei Berhard Trebuch wieder Karten bekommen habe. 2007 war ich, glaube ich, am Pfingstsamstag um 15. 30 schon einmal dort. Damals hatte ich nur eine Karte, so ist der Alfred, während ich im Kolomanisaal gewesen ist, im Gastgarten gesessen, diesmal hatten zwei Karten und es wurde mit dem Gambe di Legno, das wir schon zu Ostern in der Kartause Mauerbach hörten Carlo Gesualdos vierhunderterstem Todestag gedacht. Barbara Coudenhove-Kalergi, die ich schon beiLiteratur und Wein hörte, hielt die Eröffnungsrede, erinnerte daran was Heimat ist, wies auf Pfingsten und die schönen Deckenfresken im Stift hin und kam dann zu ihrer Prager Heimat, bevor sie sie Nationen aufzählten, die die Musiker haben, die an den Barocktagen beteiligt sind.
Es war ein tolles Konzert, vorher gab es einem Spaziergang durch den Stiftpark, nachher Wein und Käse- bzw. Speckweckerln und jetzt ein langes Wochenende.
Fritz Habecks „Tanz der sieben Teufel“ steht auf der Leseliste und aus Wien habe ich mir eine im Bücherschrank gefundene Gesamtausgabe von Sigrid Undsets „Kristin Lavranstochter“ mitgenommen, die zwar schon auf meiner Harlander Leseliste steht und nach dem Habeck Reihe kommt, aber da habe ich bei den Büchergilde Gutenberg Ausgaben meiner Eltern nur den ersten und zweiten Band. In der gefundenen Donaulandausgabe sind das erste zweite und dritte Buch „Der Kranz“, „Die Frau“ und „Das Kreuz“ enthalten. Die Bücher scheinen aber nicht ganz übereinzustimmen, so daß ich die beiden Harlandbücher nicht zurücktragen kann, wie ich das ursprünglich wollte, sondern erst herausfinden muß, ob es wirklich dieselben Bücher sind und wo sie sich überschneiden.
Am Samstag bin ich nicht mit dem Rad nach St. Pölten gefahren, um mit dem Alfred am Markt ein Achterl zu trinken und eine Kümmelbratensemmel zu essen, sondern habe, weil er den Bus seiner Mutter verkaufen mußte, Fische gebraten, dann in Richtung Wilhelmsburg gefahren und den Rest des Nachmittags mit dem Laptop auf den Knien auf der Terrasse verbracht, um zuerst das „Nanowirimo-Novel“ durchzuschauen, da gibt es immer noch ein paar Fehler, obwohl es ja schon am 8.Juni fertig sein soll. Als Idee für die Schreibgruppe am 7. Juni werde ich das heurige Volksstimmefestthema „Ausverkauf“ einbringen und dort den Text schreiben, der mit „Jetzt hat sich Elena in Folge der prekären Arbeitsverhältnissen umgebracht, liebe Schwester“ oder so beginnen wird. Die Fahnen für die vorjährige Volksstimmeanthologie waren auch zu korrigieren, da konnte ich dann gleich an Christoph Kepplinger mailen und ihn nach Doris Nussbaumers Adresse frage, denn ich habe von Barbara Neuwirth ein Mail bekommen, daß die „Femal Schiene Facton-Anthologie“ vom Lise Meitner Preis, in der ich ja einen Text habe, wegen nicht gerechtfertigter Lagerkosten verramscht werden soll, wenn man will kann man die Bücher um einen Euro fünfzig kaufen. Das will ich wegen meiner Bücherbeschränkungspläne und meiner Leselisten über die sich ja schon die Leute, bei denen ich Rezensionsexemplare anfrage, mokieren, nicht, sondern habe schon ernsthafte Pläne, wie der Abbau bis 2025 gelingen kann. Dann habe ich noch am Literaturgeflüsterbuch weiter korrigiert, beim Surfen erfahren, das Martina Gerckes „Holunderküßchen“ jetzt wieder bei Amazon erhältlich ist und bin mit den „Sieben Teufeln“ mit denen ich mich ein bißchen quälte, in die Badewanne gegangen. Das Pfingstfeuerwerk habe ich dann nur noch akustisch aus dem Bett verfolgt.
Am Sonntag sind wir dann mit den Rädern nach Nußdorf an der Traisen gefahren, was nicht ganz so einfach war, weil beim Alfred ständig die Luft ausging, so daß er eine große Pumpe mitnehmen mußte und ich hatte beim Treten etwas Schwierigkeiten. Das Wetter war aber schön, nur bei der Heimfahrt fuhren wir knapp an einem Gewitter und einigen Regentropfen vorbei, das Fleischknödel und das Grillhendel gut, die Weinverkostung im Keller gab es nicht mehr, dafür „befoffene Marille“ und Erdbeerbowle und einen Studienkollegen hat der Alfred auch getroffen. Und da Alfred Mutter nicht zum Pfingstfest will werden wir am Pfingstmontag wahrscheinlich einen Ausflug auf die Rudolfshöhe machen.

2013-05-19

Schachnovelle

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:37

Jetzt kommt eine weitere Demonstration bezüglich dem, was man in den offenen Bücherschränken, Wortschätzen etc finden, seine Bildungslücken auffrischen an den 10. Mai 1933 und diese unselige Bücherverbrennung erinnern und vielleicht auch ein Urteil der neuen Literaturgeschichte revidieren kann. Habe ich ja einmal im „Tag zu Tag“ in einer Vorstellung über eine neue Literaturgeschichte Österreichs sagen hören, Stefan Zweig und Peter Rossegger wären gar nicht so wichtig, wie man glaubte. Da habe ich mit „Jakob dem letzten“ gekonntert, den „Waldbauernbub“ habe ich nicht gelesen, dafür aber „Marie Antoinette“, das als Beispiel für das schwache Schreiben Zweigs angeführt wurde, die „Büchergilde-Gutenberg-Ausgabe“ aus dem Bücherfundus meiner Eltern, noch in meiner Hauptschulzeit, als ich von dem Fach Geschichte und Napoleon sehr angetan war, von Stefan Zweig und seinem Platz in der Literaturgeschichte hatte ich damals nicht viel Ahnung. Nach der Matura ist mir die „Welt von Gestern“ in die Hände gefallen. Viel anderes habe ich nicht von ihm gelesen und vor ein paar Wochen auch einen Teil der Gesamtausgabe oder einen seiner Romane bezüglich meiner Bücherbeschränkungsvorsätze im Kasten stehen lassen.
Die „Schachnovelle“ habe ich schon früher herausgenommen und natürlich auch gehört, daß das ein bedeutendes Stück Weltliteratur ist und ich glaube auch, einmal beim Kochen im Radio daraus gehört, als ich vorher die Wikipedia Beschreibung gelesen habe, habe ich die Faszination auch nicht ganz mitbekommen, dazu muß man den Text lesen und vielleicht ein wenig über Zeitgeschichte und die Biografie Stefan Zweigs Bescheid wissen, der Jude war, deshalb stand er auch auf dem Index der Nazistudenten, 1881 in Wien geboren wurde und sich 1942 in der Emigration in Brasilien das Leben nahm. Die „Schachnovelle“ wurde auch 1942 geschrieben und sie beginnt mit der Überfahrt eines großen Passagierdampfers von New York nach Buenos Aires, da trifft der Ich-Erzähler, ein Österreicher, auf den Schachweltmeister Mirko Czentovic, der zu neuerlichen Triumphen nach Argentinien reist. Der ist ein seltsames Wunderkind, nämlich ein Bauernbub aus dem Banat, bei einem Pfarrer aufgewachsen, langsam und schwerfällig im Denken und im Lernen, als der Pfarrer aber einmal während eines Schachspiels zur letzten Ölung muß, erkennt sein Partner die Begabung des Buben, des „Idioten“, hat nicht einmal Prof Spiel in einer Vorlesung, lang lang ists her, das Genie Mozarts auf eine ähnliche Art und Weise erklärt?, der rasch zum Weltmeister aufsteigt und jeden schlägt, obwohl er sonst seltsam unbeholfen ist, geldgierig und menschenscheu und bauernschlau.
Die psychologische Seele des Erzählers will den Meister kennenlernen und fängt am Schiff zum Schachspielen an. Dort trifft er auf einen Schotten, der nicht verlieren kann und den Meister auffordert, gegen Geld spielt der natürlich gegen die Dilettanten und gewinnt, aber da kommt auf einmal ein seltsam blasser Mann daher und flüstert den Dilettanten die Züge ein, so daß es zum Remis kommt. Der Ich-Erzähler wird aufgefordert den Geheimnisvollen, ein Österreicher soviel steht fest, zur Revanche zu bitten und der erzählt seine Geschichte.
Ein Rechtsanwalt aus alter österreichischer Familie, deren Namen man kennt, er wird nur Dr. B. genannt, ein Verwandter Leibarzt des letzten Kaisers, ein anderer Abt in Seitenstetten, so daß er und sein Vater, als die Nazis kamen, das Vermögen der Kirche zu retten versuchten, noch als Schuschnigg seine Rede im Radio hielt oder etwas später, wurde er verhaftet und zur Isolationsfolter in das berühmte Hotel Metropol, nicht ins KZ, für solch Sonderfälle hatten die Nazis ihre speziellen Methoden, gebracht, und starrt nun monatelang sein Bett, seine Waschschüßel und das vergitterte Fenster an. Während er auf ein Verhör warten muß, bekommt er Gelegenheit aus einem Uniformmantel ein Buch, eine Anleitung zum Schachspielen, zu stehlen und lernt nun die Partien auswendig, spielt sie nach und spielt schließlich gegen sich selbst, so daß er dem Wahnsinn verfällt, was ihn aus seiner Gefängniszelle zuerst in ein Spital und später auf das Schiff bringt. Es kommt zum zweiten Spiel bzw. dritten, denn das erste verliert der Meister, beim zweiten hält der Ich-Erzähler Dr. B. davon ab in seine „Sucht“ zu verfallen, so daß er sich entschuldigt und enteilt und ich habe, liebe österreichischen Literaturexperten ein großartiges Stück Literatur und ein großartiges Stück Psychologie gelesen, das mir ohne die offenen Bücherschränke vielleicht entgangen wäre, deshalb danke ich noch einmal sehr für diese Gelegenheit meine Literaturlücken zu schließen und kann die „Schachnovelle“ schon, um an den 10. Mai 1933 beziehungsweise den 8. Mai 1945, der ja nun ein Fest der Freude ist, zu erinnern, zu lesen und wenn die Zweig-Biographien etwas langweilig sind, das kann ich nicht beurteilen, hat man in den Zwanziger und Dreißigerjahren vielleicht Biografien anders gestaltet, als beispielsweise Jeannine Meighörer, die der Philippine Welser, interessante Details über eine nicht sehr glückliche Tochter Maria Theresias wird man darin bestimmt finden, zumindest hat das die vierzehjährige Hauptschülerin, für die der Bücherkasten ihrer Eltern, damals schon sehr wichtig war, so empfunden.

2013-05-18

Götter und ihre Fans

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:02

Jetzt kommt ein Buch dessen Titel auf den ersten Blick wie eine Ode auf den Fußball klingt, zum Glück hat sich aber Dietmar Füssel die Religion aufs Korn genommen und stellt gleich zu Beginn die Frage „Darf man über Gott lachen?, die er in fünfundvierzig kurzen Geschichten zu beantworten versucht.
Da steigt zu Beginn der Prophet auf den Berg und will dem Volk davon erzählen, wird aber ausgelacht und nicht angehört, weil, wie die kluge Frau errät, man diesen etwas Schönes versprechen oder aber drohen muß.
Dann gehts mit der „Tätowierung“ weiter. Da hat sich ein Priester „Jesus liebt dich“ auf seinen Schwanz tätowieren lassen und nach einer Polizeikontrolle die liebe Not damit.
Eine Tintenpatrone will unbedingt rot werden und als der weichherzige Jesus seinen Vater einen „bösen Bullen“ nennt, wird er von unsichtbarer Hand an einen Heizkörper geschleudert und Erzengel Charly hat die Schwester Maria geschwängert, der war zwar ein Betrüger, aber „schön“ war es doch und das zweite Mal erscheint der Engel bei der Jungfrau und sagt ihr Gott hat sie dazu auserkoren sich das Kind von einem widerlichen Lebensmittelhändler machen zu lassen, diesmal ist der Engel echt, der Lebensmittelhändler nimmt aber ein Präservativ und schon wieder nichts.
Bei der „Beichte“ wird es bösartiger, da kommt der Engel zum Atheisten ans Sterbebett und sagt „Ich hole dich um 15.35, du kannst noch vorher beichten, damit du nicht in die Hölle kommst“. Der Priester erscheint um 15.24 mit dem Notar und will zuerst die Kirchensteuerschulden zurückhaben, bis das erledigt ist, ist es zu spät zum beichten und der Arme muß in die Hölle.
Dann kommt eine Satire auf die „Beschneidung“ und eine bezüglich des „Schlimmsten Verbrechens“, bevor es mit den zehn Geboten weitergeht, die leider auch eine Falschmeldung sind.
Ein Mann kommt nach Hause und trifft seine Frau nackt mit einem Mann im Schlafzimmer an, der ihm erzählt, daß er ein Janist ist, der seine Frau bekehren wollte und ein anderer Bekehrter dankt der Glaubensinformation, daß er beim Rosenkranzbeten zwar seine Potenz verloren hat, das Leben jetzt aber trotzdem viel schöner ist.
Nach Texten, wo sich die Anhänger der verschiedenen Religionen gegenseitig bekriegen, geht Dietmar Füssel in ein paar weiteren Texten spielerisch mit den Gottesbeweisen um. Es gibt eine „Hochzeitspredigt“ und eine Satire, wo „Gott Bodo“ zuerst für einen Irren gehalten wird, dann liegen alle zu seinen Füßen, weil er das Fernsehgerät reparieren kann und schließlich steigt er wieder in den Himmel hinauf, nicht ohne die Familie zum ewigen Nichtfersehen zu verdammen, so daß sie in ihrer Verzweiflung sogar zu Büchern greifen muß.
Ein anderer „Messias“ steht auf einer Bühne und schießt alle Gottesungläubigen tot, während bei der „Letzten Ölung“ ein Priester in den „April“ geschickt wird.
Dann gibt es noch eine „Blasphemische Legende“ über den „Stall zu Bethlehem“, eine Neudeutung der „Drei Weisen“ und noch einiges anderes, bevor Dietmar Füssel den „religiösen Fanatikern, Gotteskriegern und Selbstmordattentätern zehn gute Gründe, ihn nicht zu ermorden, nennt.
Man sieht Dietmar Füssel hat Humor und Fantasie in seinen Texten eines „Ungläubigen an Ungläubige“, läßt dabei keine der großen Religionen aus und ist ein bemühter literarischer Arbeiter, der in seinen Buchproduktionen ähnlich unermüdlich, wie ich zu sein scheint, aber schon zehn Bücher in den verschiedensten Kleinverlagen hat.
Ich habe ihn, ähnlich wie Rudi Lasselsberger durch den „Max von der Grün-Preis“, den er gewonnen hat, kennengelernt und bin 2008 durch das „Autorenhausverlagslexikon“ auf seine Homepage und monatlichen Gewinnspiele gestoßen, durch die er sich und seine Arbeit präsentiert und damit auch so ziemlich alle seine Bücher bekommen.
Inzwischen habe ich ihn einmal in Wien bei einer Lesung getroffen und bei den GAV-GVs sehe ich ihn manchmal auch. „Rindfleisch“, „Unterwegs“, „Diesseits von Eden“ und „Leidenschaft“, habe ich schon besprochen. Sein neuestes Buch „Der Sohn einer Hure“, soll noch in diesen Jahr kommen. Dann stehen noch „Die Arbeit ehrt Mensch und Pferd“ und „Mörder wie du und ich“ in meinem Katalog, bzw. auf meinen Regalen. Das erstere habe ich jetzt an das Ende meiner Leseliste gesetzt, das zweite muß ich noch finden und über die anderen Bücher und Veröffentlichungen gibt seine Homepage Auskunft, die ich schon wegen der Chance jedes Monat einen „Füssel“ zu gewinnen, sehr empfehlen kann.

2013-05-17

Veza Canetti lebt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

„Sozialkritische Literatur zeitgenössischer Autorinnen“, steht auf dem Umschlag des „Promedia“-Bändchens mit dem Bild einer Frau im altmodischen Kleid, von der statt eines Gesichtes nur ein riesiger großer roter Mund zu sehen ist und die mit dem Finger auf eine Hauswand mit einem Briefkasten und einer Uhr zeigt.
Vor zirka einem Jahr ist der Aufruf von Karin Ballauf, Petra Ganglbauer und Gertrude Moser-Wagner, den Herausgeberinnen, anläßlich Veza Canettis fünfzigsten Todestages, sozialkritische beziehungsweise formal spannende Kurzprosa einzureichen, zu mir gekommen.
Detail am Rande war noch, daß sich der Aufruf an deutschsprachige Autorinnen wandte, die das vierzigste Lebensjahr schon überschritten hatten, um dem Jugendkult und dem Fräuleinwunder bei den Einreichungen entgegenzusetzten und ich, die ich als Verza Canetti in den Neunzigerjahren zum ersten Mal in Buchform aufgelegt, bzw. im Theater gespielt wurde, mir sowohl die „Gelbe Straße“ kaufte, als auch den „Oger“ im St. Pöltner Landestheater gesehen habe und 2006 von Judith Gruber-Rizy eingeladen, auch bei dem „Fest für Veza“, in der Ferdinandstraße war, habe das Literaturgeflüster durchforstet, denn irgendwie habe ich ja vielleicht etwas mit der 1897 geborenen Dichterin gemein, obwohl ich nicht expressiv schreibe, in keiner experimentellen Szene verhaftet bin und auch keinen späteren Nobelpreisträger zum Mann habe, aber ich wurschtle mich an die vierzig Jahre im literarischen Untergrund dahin, gebe meine Bücher selbst heraus, weil ich bis auf einen Roman in einem Kleinstverlag und zwei Sachbüchern auch nur in Anthologien und in Zeitschriften zu finden bin und mir, auch wenn das nicht bemerkt wird, die Literatur, das Schreiben und das Lesen sehr wichtig sind, so daß ich die Möglichkeit des Bloggens, die Veza Canetti noch nicht hatte, seit 2008 nütze und seither mein literarisches Leben fast täglich und manchmal auch darüber ins Internet stelle.
Aus diesen dann drei Texte herausgefischt, die zwar keinen unmittelbaren Bezug zu Veza Canetti haben, hatte ich im „Literaturgeflüster“ ja ,glaube ich, noch nicht sehr viel über sie geschrieben.
Aber mein „Langer Brief an den Hern Kurz“ schien mir die die „aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen“ widerzuspiegeln, „Nebelschwaden“, ein Kurztext zum Projekt an dem ich gerade arbeitete, ebenfalls und das „Post-Frühstück“ schien mir auch geeignet.
Da die ersten beiden Texte inzwischen in anderen Publikationen erschienen sind oder noch erscheinen werden, war ich gar nicht so unglücklich, als mir Petra Ganglbauer oder war es wer anderer schrieb „Diesmal leider nicht!“ und ich wollte zuerst auch gar nicht zu der Veranstaltung in die „Alte Schmiede“ gehen, dann ist sich das aber doch ausgegangen, habe ein paar liebe Kommentare auf den Artikel bekommen und vielleicht sogar eine neue Kommentiererin für das „Literaturgeflüster“ gefunden, was mich sehr freuen wurde und bei der Tafelenthüllung im Hause Ferdinandstraße Nummer 29 bin ich kurz auch gewesen und dann ist jetzt noch das Buch zu mir gekommen, so daß ich auch noch einen Eindruck über die aktuelle Zeitgenössische Auseinandersetzung der deutsprachigen Autorinnenschaft über Vierzig geben kann.
Gertrude Moser-Wagner, die mir auch einen Kommentar schickte,leitete in ihrem Vorwort in das Projekt ein, erzählte, wie es zu der Textauswahl kam und bedankte sich auch den nicht ausgewählten Autorinnen, für ihr Engagement was ich auch sehr interessant finde.
„Veza-werden“ ist der erste Text, der mir bisher unbekannten Elke Krasny, der ein bißchen an die Erinnerungsbücher erinnert, von denen ich vor kurzem eines gelesen habe.
„Ich erinnere mich. Ich erinnere an sie. Die Positionen sind vielfach verschoben.“
Ein Zitat von Virginia Woolf gibt es auch und die Aufzählungen all der Namen unter denen Veza Canetti in den erwähnten Zeitungen und Zeitschriften geschrieben hat „Veza Magd, Veronika Knecht, Martha Murner, Martina Murner, Marina Muner, Martin Murner“
„Sie war eine Frau. Sie war eine Jüdin. Sie war eine Behinderte. Sie war eine Austromarxistin. Sie war eine Emigrantin. Sie war eine Übersetzerin. Sie war eine Schriftstellerin. Sie war eine Feministin“.
Da ist interessant, daß ich das mit Behinderung bisher genausowenig wußte, wie das Valerie Szabo-Lorenz Jüdin war, zumindest kann ich mich nicht erinnern, das von ihr gehört zu haben, obwohl ich mit ihr ja sehr gut und lang befreundet war.
Susanne Hochreitner, deren Text zu den literaturwissenschaftlichen Texten gehört, die auch noch eingefügt wurden, habe ich schon in der Alte Schmiede gehört.
Dann wird es literarischer und so erinnert die 1949 in Heidelberg geborene Lebensberaterin Shobhar C.Hamann in ihren Text vorher an fünf Frauen, die von ihrem Männern geschlagen werden, um die Alimente betrogen, von den Jugendamtsmitarbeitern belächelt, werden, bevor sie zu Vezas Briefwechsel mit Elias Canettis Bruder George kommt und daran erinnert, daß sich Elias, erst an das Schreiben seiner Frau erinnerte, als er schon Nobelpreisträger war, sie hat ihm dagegen bei der Herausgabe der „Blendung“ geholfen und war auch offensichtlich auch noch sehr depressiv.
In „Nachrichten aus dem „Hier und jetzt“ der 1965 in Bregenz geborenen Ute Liepold spricht eine Frau eine andere auf der Straße an, erzählt von der Gewalt, die Frauen von ihren Männer erleiden, die sie aus Liebe heiraten und retten wollen und dann mit ihren Kindern, mit blauen Augen und zerkratzten Händen im Frauenhaus landen, wo sie vielleicht langsam wieder zu sich kommen.
Brigitte Menne geht es in „Dorothea mit dem Hammer oder die Eingebungen des heiligen Geistes“ poetisch an und erzählt in einer Mischung zwischen Polizei und anderen Protokollen die Geschichte einer Schizoprenen mit religiösen Wahn, einer Bäuerin, die mit einem Hammer auf ihren schlafenden Mann einschlug, „um die Welt vor dem Teufel zu retten.“ Er will sie, ihren Sex und ihre Arbeitskraft zurückhaben, sie ist aber ganz froh über die geschlossene Anstalt in der sie landet,“beschäftigte sich mit nützlichen Arbeiten und wurde mit der Zeit ausgeglichen und umgänglich.“
In „Valerie und Valerie“ erzählt Sylvia Treudl von Valerie Lorenz und ihrer Tante die in Weitra im Waldviertel lebt und Valerie Lorenz-Szabo, habe ich ja in den späteren Siebzigerjahren im „Arbeitskreis schreibender Frauen kennengelernt“ und bin jung und blauäugig auch in ihre Gemeindewohnung nach Grinzig gekommen, wo mir der Lyriker Wilhelm Szabo zwar die Hand küsste, aber mich und mein literarischen Arbeiten nicht so förderte, wie ich es mir erwartete.
Er hat auch seine Frau nicht gefördert, die eine Kunstschule besuchte, mit ihm im Waldviertel und später in Wien lebte, an deren Jausen ich mich sehr gern erinnere, haben wir uns ja bis zu ihrem Tod 1996 regelmäßig bei ihr getroffen und wir haben auch einmal ein Frauenbuch herausgeben wollen, in dem sie einen Text mit dem Titel „Kafka ist es nicht“ drinnen haben hätte sollen, wo man die mangelnde Anerkennung des gefeierten Lyrikers an seiner schreibenden Frau finden kann. Nach ihrem Tod sind in der Edition Doppelpunkt „Veras Puppen“, erschienen, vorher, glaube ich, auch Texte in Anthologien. Sylvia Treudl hat recherchiert, daß sich im Literaturkreis Podium niemand an die Valerie erinnert hat. Da hat sie vielleicht Elfriede Haslehner nicht befragt, aber vielleicht ist die dort nicht mehr so aktiv. Eine Parallele zu Verza Canetti kann man aber sicher herstellen und es ist auch sehr wichtig, daß Syvia Treudl an sie erinnert, ob sie in den ersten Frauenverlagsanthologien Texte drinnen hat, weiß ich nicht und „Veras Puppen“ ist ja auch nicht im „Wiener Frauenverlag“ erschienen, aber jetzt kann man Interessantes über die Dichterin nachlesen.
Weiter geht es bei den achtzehn Prosatexten mit und ohne Veza Canetti mit prezzemolas „Konditormeisterin“, die wahrscheinlich authentische Geschichte einer Frau, die als alleinerziehende Mutter eine Konditorei gründete und ihr Kind um siebenunddreißig Jahre überleben mußte.
Die Musikredakteurin Irene Suchy, die ich von Ö1 kenne überraschte mit einer „Litanei gottloser Gebete.“
Dine Petrik, deren zweites Hertha Kräftner Buch ich vor kurzem erst besprochen habe, ging auf Spurensuche ihres nicht aus dem Krieg zurückgekommenen Vaters und Irene Wondratsch, ebenfalls GAV-Kollegin und seit kurzuem in Pension erzählt sehr poetisch und mit Farbenangabe wie eisengrau oder erdbeerot „Was Katja zwischen dem 19. März und dem 11. Mai erlebt.“
In „Die Puppe zu Besuch beim alten Mann“, erzählt die aus Polen stammende Magdalena Diercks, was Agnieska bei ihrem Nachbarn erlebte, und wie sie dem einsamen und verbitterten langsam näher kommt. Und in „Kreuzungen“ von Silvia Hlavin fährt ein 1956 Ungar Flüchtling jetzt Rosenzüchter mit einem solchen Strauß für seine Mutter nach Budapest. Der Wartburg einer entlassenen Staatssicherheitsbeamtin rast in ihn hinein und sie erinnert sich an alle seine Briefe, die sie einmal lesen und an ihre Vorgesetzen weiterletien mußte.
In „Fahrige Zeichen im Nirgendwo“ von Katja Schröckenstein geht es dann langsam wieder zu den Canettis zurück. Zuerst werden aber Grenzen gebrochen, Päße gezeigt und auch sonst von Flüchtlingsschicksalen erzählt. Und Gertraud Klemm mit der ich ja erst vor kurzem gelesen habe, gibt wieder eine Probe ihres bei Droschl erscheinenden Romanes „Herzmilch“ ab.
Gerda Sengstbratl, die glaube ich, einmal in einer von Petra Ganglbauers Schreibgruppen war, zeigt in einem sehr poetischen Text, wie die Auslöschung der Frauen am Land passiert und die in Kurks geborene Ljuba Arnautovic geht in das Wien des Austrofaschismus und zeigt sehr eindrücklich die Angst einer evangelischen Frau, die mit einer Nonne in einem Keller eines Polizeigefängnis eingesperrt ist, in dem langsam das Wasser hochsteigt. Dann kommen zwei Horrorvisionen, bevor es mit Fotos des Veza-Projektes und den zwei Männern im Buch weitergeht.
In „Gehen und Stehen“ beschreibt Claudia Bittner, die glaube ich, zweimal den Siemens-Preis gewonnen hat, die weiblichen Arbeitsbienen in ihrem Alltagstrott und die 1948 geborene Elfie Resch, die Redaktionsmitglied des „Driesch“ ist, neben der ich bei Veza-Veranstaltung in der „Alten Schmiede gesessen bin und die ich auch mit dem Buch unterm Arm an nächsten Tag bei den Maidemonstrationen gesehen habe, schildert ein Szenario, nach dem Frau, die erfolglos bei den schwarz-blau Demos mitmarschierte, sich auf einen Berg zurückzieht, als die Chips eingeführt wurden und die Bücher abgegeben werden müssen, in Wahrheit wird letzteres wahrscheinlich viel subtiler passieren, sie vereinsamt dort ein bißchen und als die Depression zu groß ist, kommen die Mädchen, die sie versorgen mit zwei Flüchtlingen hinauf, so, daß „Die Alte vom Berg“ wieder eine Aufgabe hat.
Klaus Zeyringer erzählt ein bißchen, wie wenig Schriftstellerinnen bis zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts publiziert wurden und kommt zu den vierzehn Erzählungen, die unter den schon erwähnten Pseudonymen in der Arbeiterzeitung in den Dreißigerjahren von Veza Canetti publiziert wurden und Klaus Neudlinger ist zu einem Symposium nach Ruse gefahren, wo das Geburtshaus Elias Canetti steht, an dem die Veza ja „zwanzig Jahre Dienst versah“ und der Bogen hat sich geschlossen.
Eine wunderbare Textauswahl von mir bekannten und auch unbekannten Autorinnen, interessant wäre nun auch die Texte der nicht Ausgewählten zu kennen und zu wissen, wie und inwiefern, sie sich von den ausgewählten unterscheiden und einige Namen, die zu diesem Thema wahrscheinlich auch etwas zu sagen hätten, wie Ruth Aspöck, Judith Gruber-Rizy etc habe ich vermißt, weiß aber nicht, ob sie eingereicht haben.

2013-05-16

elffriede.aufzeichnungssysteme

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:13

Am Mittwoch gab es harte Kost im Literaturhaus oder experimentelle Literatur pur, sowie die Präsentation des Klever-Buches „schrei zum hummel. eine art buch.“ ein monologisches hörspiel stark reduzierter, dramatisierter dichtung und zeichnung in elf akten, sprachlich, akustisch und visuell vergegenwärtigen und die experimentelle Performancerin und was auch immer ist seit einigen Jahren GAV-Mitglied. Ich würde sie dem fröhlichen Wohnzimmerkreis zuordnen. Biografie konnte ich im Internet keine von ihr finden, kann mich aber an eine oder mehrere Ausstellungen erinnern, die sie im Literaturhaus hatte und die aufzeichnungssysteme scheint es schon länger von ihr zu geben.
Also eigentlich nicht unbedingt die Veranstaltung, die ich mir primär aussuchen würde, wie auch Wolfgang Helmhart im Gespräch anmerkte, aber diese Woche war nur der Mittwoch dafür frei, weil wir am Montag die Ingrid trafen, am Dienstag Psychologen Jour fixe, Donnerstag Fixstunde und am Freitag schon Pfingsten Barock in Melk, wozu ich wieder Karten gewonnen habe und da gab es nicht sehr viel Auswahl. Richtig die literarische Soiree im Radiokulturcafe, wo Michael Köhlmeiers „Joel Spazierer“ besprochen wurde, hätte es gegeben, aber das werde ich ohnehin lesen und ich interessiere mich ja für alles oder jedenfalls für sehr viel und das Literaturgeflüster soll auch ein sehr vielseitiges Bild des Wiener Literaturlebens zeigen. Außerdem habe ich auch gerade ein Buch gelesen, wo es mehrere experimentelle Texte gab und bei diesbezüglichen Veranstaltungen bin ich vor kurzem auch gewesen. In Wien kommt man nicht umhin, das zu tun, wenn man regelmäßig die literarischen Orte besucht, wie Wolfgang Helmhart ebenfalls anmerkte. Als ich das Literaturhaus erreichte, war es drinnen still und dunkel, draußen reihten sich die Raucher um Barbara Zwiefelhofer, drinnen gab es eine Ausstellung von Hanno Millesi zum Thema „Grantourismo“, die dieser Tage auch im „Leporello“ vorgestellt wurde und nach und nach kamen auch die experimentellen Besucher.
Angelika Kaufmann, Michael Hammerschmid, Wolfgang Helmhart, Jörg Piringer, Birgit Schwaner und für mich überraschend, der Chemiker, den ich öfter in der WienBibliothek treffe. Dem wird es nicht gefallen, habe ich gedacht und mich getäuscht und mir hat es auch gefallen, denn die Allroundperformancerin war wirklich sehr poetisch. Zuerst hat Barbara Zwiefelhofer begrüßt, Ralph Klever, der Verleger eingeleitet und das Buch vorgestellt, das, wie er sagte, sowohl Lyrik enthält, die man auch von Schubert umrahmt, in der „Holden Kunst“ senden könnte, Dramatisches, nämlich Gespräche mit Bibern gibt es auch, sogar die Romanform wurde erwähnt und auch, daß man am Büchertisch mehr T-Shirts als Bücher finden konnte, elffriede scheint wirklich eine Allroundkünstlerin zu sein und derzeit in einer Galerie auch eine Ausstellung zu haben.
Dann kam die Performance, der Lesetisch war voll von technischen Geräten und elffriede holte eine Feder heraus und begann zu zeichnen und dann selbst bzw. aus dem off ihre Auffzeichnungssysteme zu rezitieren und wie erwähnt, sehr poetisch, aphoristisch hat es der alte Herr genannt, dem es sehr gefallen hat.
„es wird verzeichnet, was auf dem tisch kommt, elffriede aufzeichnungssysteme, 2000-2013“, steht auf der Karte und im Literaturhausprogramm gibt es auch eine Zeichnung, die elffriede am Beginn präsentierte „betrachten sie dieses schreiben als gegenstandslos“ steht darauf.
Ein paar der poetisch klingenden Sätze habe ich mir auch mitgeschrieben „jeden tag spiele ich mit dem leben, spitze die ohren“, beispielsweise und nehme an, daß sich elffriede in der Kleinschreibung übt.
„es gibt mindestens zwei schwierigkeiten mit dem buch. in dem buch ist nichts. das buch ist vollkommen leer.“
„das weiße vom ei, die spreu vom weizen mischen“ und so weiter und so fort. Dazwischen wurden die zeichnungen projeziert und elffriede mischte gekonnt das Bild mit der Akustik und als sie das Ende der Performance verkündete, gab es großen Applaus.
Nachher gab es noch was zu trinken, ich habe mich beim Wein, sowohl mit dem Chemiker, als auch mit Wolfgang Helmhart unterhalten und wieder was gelernt oder eingetaucht in der experimentellen Szene Wiens. Ob das Literaturgeflüster auch experimentell ist wollte Wolfgang Helmhart, der sich schon auf das Literaturgeflüsterbuch freute, von mir wissen. In gewisser Weise ja wahrscheinlich, zumindest ist es auch ein gigantisches Aufzeichnungssystem des literarischen Lebens, das am dritten Juli seinen fünften Geburtstag feiert und wenn ich so diszipliniert weiter mache, wie bisher, wird es auch bald meine Aufzeichnungen geben, in denen zumindest von einigen experimentellen Veranstaltungen berichtet wird, denn in Wien kommt man nicht darum herum, wenn man es einigermaßen konsequent betreibt und das kann auch für eine psychologisch-realistische Schreiberin durchaus spannend sein.

2013-05-15

Demeter, der Schweinehirt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:10

Jetzt kommt ein Buch von der Harlander-Leseliste, beziehungsweise aus dem Bücherschrank meiner Eltern, ein ganz altes aus dem berühmten E.Prager-Verlag, in dem auch Else Feldmanns „Der Leib der Mutter“, in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunders erschienen ist und von meinem Onkel Hans meiner Mutter zu Weihnachten 1932 oder so geschenkt und gewidmet wurde, das habe ich schon vor Jahren gelesen, damals, als es der Milena-Verlag, der jetzt ja leider nicht nur mehr Frauen verlegt, wieder herausbrachte und als ich meine Bücher 2005 oder so katalogisierte bin ich auf Andreas Szilagyis „Demeter, der Schweinehirt“ gestoßen, Copyright 1931, das ich im letzten Sommer auf die Leseliste setzte.
Leider finden sich im Internet keine biographischen Anfaben zu Buch und Autor und auch im Buch selbst ist nichts davon zu finden. Es dürfte aber in Siebenbürgen spielen zur Zeit der Wirtschaftskrise, auch das ist nicht näher angegeben, am Land, wo der zwölfjährige Demeter, als er die Schule verläßt „Ich will ein Handwerk lernen!“, zu seiner Mutter sagt. Er sucht dann auch ein paar Jahre und findet nichts Rechtes, will er ja nicht ausgenützt und geschlagen werden, bis ihm seine Mutter beim Großbauern Ruzsa als Schweinehirt anmeldet und so zieht er los mit seiner Herde, in der sich auch ein paar Wildschweine befinden, in den Wald, wo es die Eicheln gibt und löst den alten Pavel ab, der bisher dieses Amt versah und der hat bei Ruzsa Schweirigkeiten seinen Lohn zu bekommen, will der ihn doch um fünfzig Schweine betrügen.
Demeter freundet sich inzwischen mit den Schweinen an, nennt sie bei ihren Namen und folgt den beiden Wildschweinen Tobias und Istok an eine Stelle, wo er die schöne Szabina mit dem roten Röckchen und den großen Busen trifft, die dort Holz einlädt. Sie ist schon siebenundzwanzig, eine arbeitsame Frau und bringt den Knaben zu wilden Fantasien und auch zu großen Ängsten, was er machen soll, wenn sie noch Jungfrau ist? Ist sie nicht mehr, denn sie hatte schon viele Geliebte und verdingt sich auch im Winter bei einem alten jüdischen Holzhändler als Magd.
Demeter bekommt indessen von Pavel Besuch, der ihn bittet zu bezeugen, daß er dreihundert Schweine von ihm übernommen hat. Der tut das auch unerschrocken, obwohl ihm das der Stuhlrichter nicht glaubt. Er geht auch zum Pfarrer und will bei ihm beichten, der ihm aber nicht zuhört, sondern Honig und Schnaps auf den Tisch stehen hat und den Großbauern erwartet. Der läßt nicht nach den alten Pavel um seinen Lohn zu betrügen, als der aber von den Schweinen aufgefressen wird, bezahlt er ihm das Begräbnis und den aufmüpfigen Demeter jagt er im Winter, als die Schweine wieder hinabgetrieben und geschlachtet wurden, aus den Dienst.
Der hat inzwischen Szabina, die von ihm schwanger wurde und das Kind doch nicht abtreiben läßt, geheiratet und versucht es bei den Holzfällern, die aber auch um ihren Lohn betrogen werden. Überall betrügen die reichen Herrn die armen Tagelöhner und als Szabina, um Demeters Lohn aufzubessern, wieder in das Bett des alten Holzhändlers will, läßt er das nicht zu. Er bringt auch die anderen Holzknechte dazu, sich zu wehren und sich die Unterdrückung nicht gefallen zu lassen, so daß er und sein Freund Gyuszi von den Genarmen zum Stuhlrichter gebracht und verprügelt werden, als der ihm „Kommunist“ beschimpft und Demeter, der eigentlich keine Ahnung hat, was das ist, „Selber Kommunist!“ antwortet. Er erfährt dann aber, daß das „Revolutionär oder Räuber“ bedeutet und ist stolz darauf. Am Ende kommt es zum Streik bei den Großbauern und Holzhändlern, so daß Ruzsa selbst die Kühe melken muß und ihm nichts anders über bleibt, als mit Demeter zu verhandeln und seinen Leuten Maria und Boris „vierzig Kreuzer mehr Lohn zu geben.“
„Im Herbst werden die Großbauern aber wieder unverschämter“ und Demeter ärgert sich, daß er nicht, wie Pavel ihm das schon geraten hat, nicht schriftlich ausgehandelt hat.
„Ein zweites Mal werden wir klüger sein, sagen sich aber die Armen“ und das Buch schließt mit den Sätzen „Aber der Kampf währt fort. Der Klassenkampf zwischen reich und arm. Revolution. Die Auflehnung sämtlicher Dörfer und Sädte – Berge und Ebenen nennt man Revolution!“
Inzwischen schreiben wir 2013, haben einige Kriege und Klassenkämpfen überwunden und schlittern einer neuen Wirtschaftskrise entgegen, wo zwar alle noch zu essen haben, inzwischen aber wieder ähnliche Ausbeutung, Lohndumings und Freisetzungen passieren und so war es spannendend, die Krise heute mit der in dem alten, inzwischen wahrscheinlich längst vergriffenen Büchlein zu vergleichen. Interessant welche Schätze sich im Bücherkasten meiner Eltern finden und schade, daß im Netz so wenig über Andreas Szilagyi, über den ich gar nichts weiß, zu finden ist und es war auch spannend das Buch zu lesen, wechseln sich doch die klassenkämpferischen Passagen mit expressionistischen, wie die mit den beiden Wildschweinen, die den alten Hirten fressen, ab, so daß ich es fast lesbarer, als andere Bücher aus dieser Zeit, wie beispielswweise den „Karl“ fand und die Szenen, wo der Jüngling seine ersten Erfahrungen mit Frauen macht, sind auch erstaunlich offen und freizügig erzählt.

2013-05-14

Neuigkeiten

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Wenn man letzte Woche Cornelia Travniceks Twitter und Facebookeinträge mitverfolgte, konnte man merken, daß das Bachmannwettlesen langsam naht, jedenfalls hat sie ihre Klagenfurter Stadtschreiberstelle angetreten, Fotos von dem Schriftsteller Atelier gepostet, ihr „Dienstrad“ und die Volksküchengutscheine und die Badekarte gezeigt, die ihr die Stadt Klagenfurt zur Verfügung stellt, eine Lesung im Musil-Haus und ein Foto mit den Kulturreferenten vor dem Lindwurm gab es auch.
Also lag es nahe auf die Bachmannseite zu gehen und nachzusehen, wann die Namen der 2013 Lesenenden bekanntgegeben werden. Eine Schätzung gab ich nicht mehr ab, gibt es ja einige Österreicher und Österreicherinnen die dafür in Fragen kommen und die jungen Deutschen und Schweizer, die dafür ausgewählt werden, kenne ich ja vorher nicht.
Nadine Kelgele war in den letzten Tagen öfter bei meinen Suchanfragen zu finden, sie hat aber vor kurzem ihr ersten Buch, die „Annalieder“ herausgegeben, das vor einer Woche bei den „Beispielen“ und ich glaube auch in „Ex Libris“ war, also nachsehen und herausfinden, die Namen werden am Montag den Dreizehnnten bekanntgegeben. Spannendes Warten und, um die die Spannung zu steigern, kann ich vorher ein paar andere News melden, so daß Olga Flor die nächste Wildganspreisträgerin ist und auf meiner Seite hat sich auch etwas getan.
Ich kann ein neues Jubiläum bekanntgeben, denn als ich am Donnerstag meine Mailbox öffnete, hatte ich ein Deja-vue Erlebnis, war da doch eine Einladung von Reinhard Wegerth für die „Textvorstellunge“ am 30. 10, aber das war doch schon im vorigen Jahr, dann las ich 2013 und „Kerstin Achterln“ und toll, toll, das ist also flott gegangen und heute habe ich noch erfahren, daß ich mit Ludwig Roman Fleischer und Andrea Wolfmayr lesen werde.
Dann ging ich ich am Vormittag, als wir von Harland nach Wien gekommen sind, ein paarmal auf die Bachmannpreisseite, aber da war noch nichts zu finden, dafür habe ich ein liebes Mail von Buchmanie bekommen, die mir schrieb, daß sie sich schon lange ein Buch von Marlen Schachinger lesen wollte, dann machte ich zwei Stunden und als ich dann wieder nachschaute, hatte ich die Namen und die Bachmannseite hatte auch ein neues für mich gewöhnungsbedürftiges, nämlich sehr hellgelbes Design und es gibt auch einen neuen Organisator Horst E. Ebner, haben sie doch Michaela Monschein, die das bisher machte hinausgeschmissen und einen neuen Moderator, nämlich Christian Ankowitsch, sowie einen neuen Juror gibt es auch.
Also dann die Namen und wie meist stehe ich staunend vor den inwischen sehr jungen Eingeladenen, denn außer Nadine Kelgele, Cordula Simon und Joachim Meyerhoff, der, glaube ich, heuer einer der Bremer Preisträger war, kannte ich wieder niemanden und keine Ahnung, an wenm dann in sechs Wochen der Preis vergeben werden wird.
Nadine Kegele kenne ich ja ganz gut, habe ich ja schon zweimal mit ihr beim Volksstimmefest gelesen, habe sie einmal bei den „Textvorstellungen“ und einmal in der „Gesellschaft für Literatur“ gehört und Cordula Simon wurde im Literaturhaus bei den „Auftritten“ vorgestellt, hat da sehr extravertiert aus ihrem Buch gelesen und eine Flasche Wodka aus der Ukraine, wo sie lebt, mitgebracht. Spannend, spannend und natürlich auch ein bißchen deprimierend, denn da hätte ich auch einmal ganz gern gelesen, aber leider keine Chance, keine Chance, warum eigentlich? Keine Ahnung, aber dafür gibt es inzwischen schon die Informationen für das Rahmenprogramm. Da wird Michael Köhlmeier, auch ein Bekannter, den Erföffnungsvortrag halten, Angelika Reitzer eine „Bachnmannvorlesung“ und Marlen Schachinger wird im Literaturkurs ihr neues Buch vorstellen, war sie ja einmal auch Literaturkurseingeladene und die Namen der Literaturkursteilnehmer sind mir noch unbekannter, weil da schon wieder keine Österreicher und nun wissen wir fast alles bezüglich des schönsten Betriebsauflug in Sachen Literatur und ich kann von mir vermelden, daß ich am Wochenende sehr sehr fleißig und diszipliniert gewesen bin und das Literaturgeflüster-Texte-Buch gleich zweimal durchkorrigiert habe, so daß es langsam mit den einheitlichen Anführungszeichen klappen sollte. Die Namen habe ich auch alle abgekürzt, die Verbindungssätze eingeführt und noch einen Artikel weggestrichen, so daß ich, wenn ich während meiner Sommerfrische und bis dahin weiter so diszipliniert verbleibe, vielleicht wirklich bis zum Nanowrimo fertig bin und mich dann ein paar Schreibetage lang auf Materialsuche für mein „Dreizehn Kapitel-Projekt machen kann und wenn wir im November eine Woche nach Ungarn fahrne, kann ich mich dort auch auf Lesemarathon begeben um meine lange Leseliste ein wenig abzuarbeiten. So weit so what, um meinen Frust mit ein paar internen Schmankerln, die ich mir selber geben kann, zu versüßen und mich auch auf den Bachmannmarathon, der wieder Anfang Juli sein wird, freuen, vielleicht verstärkt er mein konzentriertes Korrigieren und bringt mich auch auf ein paar Ideen, so daß ich mich im Oktober oder November, etc, frisch und energiegeladen auf mein neues Projekt stürzen kann.

2013-05-13

denn ihre Werke folgen ihnen nach

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:49

Diesen, bei Otto Müller, erschienenen Roman von Marlen Schachinger, habe ich vorige Woche bei den Empfehlungen zur ORF-Bestenliste gefunden und war fasziniert, denn Romane über den Literaturbetrieb interessieren mich ja sehr, habe schon einige geschrieben und immer zu hören bekommen, daß man das nicht soll, weil das niemanden interessiert, was ich eigentlich nicht glaube und die 1970 in OÖ geborene Marlen Schachinger ist mir auch bekannt.
2000 ist ihr erster Roman „morgen vielleicht“, in Ruth Aspöcks Edition herausgekommen, da habe ich sie auch kennengelernt und wir haben Bücher mit einander getauscht. Später haben wir uns eine Zeitlang in der „Frauen lesen Frauen“- Gruppe des ersten Wiener Lesetheater getroffen und auch ein paarmal bei dieser Frauenlesung in der Galerie Heinrich zusammen gelesen. Eine Lesung bei Radio Orange haben wir auch einmal gemeinsam gehabt. Da ist mir Marlen Schachingers poetischer lyrischer Ton aufgefallen. Zur ersten „Mittleren“ Lesung, die noch im Literaturhaus stattgefunden hat, habe ich sie eingeladen und sie später einmal bei der „Hausdurchsuchung“-Lesung in der Hauptbücherei getroffen, wo sie mit einem Tonband hantierte und die Lesung aufgenommen hat. Dann referierte sie im Literaturhaus bei einer Schreibveranstaltung, ich war auch bei dem Vortrag in Gallizinstraße, wo sie an einem Lehrgang für Schreibpädagogik mitarbeitete, jetzt hat sie, entnahm ich dem Buch und ihrer Website ihr eigenes Institut für narrative Kunst, hat eine Dissertation geschrieben und einen Roman über den Literaturbetrieb, der ihr Indiserwissen bekanntgibt und ganz anders ist, als ich mir erwartet habe. Reißerischer und weniger poetischer, als ihre letzten Texte vielleicht, aber für eine, die sich ja ebenfalls sehr für den Literaturbetrieb interessiert und sich dort viel herumtreibt, sehr interessant.
„Alles ist Lug und Trug, ist Täuschung und Traum, ist nicht das, was es scheint“, lautet eines der Motti, von Nikolaus Gogol und das geht es gleich in medias res und zu dem Bestsellerautor Mario Kamov dessen Lebensgrundsatz „Klug geflunkert ist halb gewonnen“ lautet. Der schlägt eine Zeitung auf in der „Kein Gericht der Welt würde mich schuldig sprechen, und dennoch trage ich die Verantwortung für Luca H.s Tod“ steht.“
Deshalb schreibt er auch einen Beichtroman, das heißt er schickt seine Berichte an eine Internetbeichtseite ab, die ihm dann Vergebung bzw. Betaufträge sendet. So kommen wir in das Geschehen hinein. Mario ist ein Schulabbrecher, auch seine Buchhandelslehren hat er hingeschmissen und so ist er in jugendlichen Jahren mit zwei Freunden in einen Verlag eingebrochen und hat außer einer Kaffeemaschine auch eine Tasche mit abgelehnten, unverlangt eingesandten Manuskripten mitgenommen. So etwas Ähnliches hatte ich auch schon einmal. Unser Held schreibt sie um und wird zum Bestseller, zum „U“ nicht zum „E“, was ja nicht für die Karriere gut ist, trotzdem nimmt er eine Poetik-Vorlesung an, das heißt er wird Lehrer in einem Wiener Universitätsinstitut für Sprachkunst, was meiner Meinung nach zwar nicht dasselbe ist, aber hier lernt er Luca kennen und das ist der Sohn einer Verfasserin eines der Manuskripte und der hält ihm das Manus entgegen.
„Aha!“, denkt man und „Eh schon wissen!“
Aber jetzt fängt es erst an und entwickelt sich rasant in eine ganz andere Richtung, eigentlich in viele Richtungen weiter. Zuerst ist es Ostern und Mario braust mit seinem Motorrad nach Salzburg, wo die Mutter lebt, verfolgt sie ins Bett und nimmt mit ihr aus dem Hotel, wo der Beischlaf stattfindet, sämtliche Badeprodukte mit, was ich eigentlich auch immer tue. Dann fährt der Schalträger noch nach Venedig und liest dort Thomas Manns berühmte Erzählung. Inzwischen ruft der Verlag an und schlägt ihm ein Mentorprogramm vor. Mario wählt Luca und nicht die begabte Lisa, deren Arme Schnittspuren tragen und die auch schlecht liest, dafür aus und Luca, der für Proust und Thomas Bernhard schwärmt, lädt Mario zum Essen ein, der sein Mail aber nicht bekommt und zur gemeinsamen Lesung ins Literaturhaus erscheint er stark geschminkt. Der Verlag will ihm einen Platz im Herbstprogramm reservieren, ein Bachmannjuror ihn dort lesen lassen. Mario lehnt ab, sein Schützling ist noch nicht so weit, schlägt stattdessen sein eigenes Werk vor und Luca soll stattdessen in „Germany next Bestseller“- Show auftreten. Da magert er stark ab, wird hinausgeworfen, vorher ist er Mario noch bös, weil er vom Beischlaf mit seiner Mutter erfuhr, blamiert ihn bei einer Preisverleihung und seine Schreibmaskottchen stiieht er ihm auch, Marlen Schachinger läßt nichts aus, was Mario immer zu eigenen Texten anregt. Am Ende bekommt Marios Mutter ein tolles Manuskript von Luca, der sich umbrachte, war ja seine Motivation im Schreibinstitut „einen einzigen genialen Roman zu schreiben und dann abzutreten“, der Verlag bringt es groß heraus, es steht aber trotzdem ein paar Wochen weniger lang auf der Bestsellerliste, als das Werk Marios, so daß der gewonnen hat und wenn man jetzt wieder „Eh schon wissen!“, denkt, hat man sich noch einmal geirrt, denn noch ist es nicht aus und das Flunkern der Großmeister geht weiter, denn daran schließen sich noch zwei Kapitel, wo es einen anderen Schluß zu lesen gibt.
Das Ganze ist in siebenunddreißig Kapiteln und zwei Perspektiven geschrieben, in der Marios als Ich-Erzähler und in der von Lucas und man erfährt viel vom Literaturbetrieb, Marcel Proust, Mario Vargas Llosa , Thomas Mann, Thomas Bernhard etc, was ich sehr interessant finde und nur etwas bedauere, daß die Feministin Marlen Schachinger, die ja auch ein Buch über Herta Firnberg geschrieben hat und frauenspezifische Stadtspaziergänge macht, das Ganze so männlich und homoerotisch schildert. Sämtliche Vorbilder der Literaturgeschichte sind Männer, wo bleiben da Virginia Woolf, die Bachmann und die Jelinek? Aber dann wäre es vielleicht nicht so erotisch geworden und vielleicht auch nicht so boshaft, wenn eine Frau das Manuskript gestohlen und geflunkert hätte.
Interessant also, auch wenn mir einiges schon bekannt war, habe ich ja auch Milena Mosers „Möchtegern“ gelesen, wo auch so eine Schreibshow beschrieben wird und krebse seit vierzig Jahren im Literaturbetrieb, wenn auch auf der anderen, auf der Verliererseite, wie Mario vielleicht sagen würde, herum und bezüglich Marlen Schachinger ist interessant, daß inzwischen noch ein anderer Roman von ihr erschienen ist, der am 14. Mai in Lhotzkys Literaurbuffet vorgestellt wird, eine höchst umtriebige Autorin also, die sich von der Kleinstverlagschiene in die mittlere Verlagswelt hinaufgearbeitet hat, was sicher nicht so einfach ist, der ich einen Platz auf der ORF-Bestenliste wünsche und auch ihren Krimi „Der Unschuld Verlust“, gelesen und für „Thalia“ besprochen habe. Den Erzählband „Störung“, habe ich ebenfalls in meinen Regalen stehen.

2013-05-12

Sonnenblumen im September

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:03

Ein Erzählband aus dem „Loma“- Verlag, der bewährten Edition von Rudolf Lasselsberger, für die er sich im Vorjahr zehn ISBN-Nummern kaufte, nach dem sein „Tanz in den Mai“, zuerst ohne richtige erschienen ist. Von Rudolf Lasselsberger, der ja öfter hier kommentiert, ist schon viel auf meinen Blog erschienen, zuletzt habe ich aber vorige Woche etwas von ihm gehört, als er als Mitaufrufer für die Kundgebung am ersten Mai vor dem Parlament auftrat.
Die Zeichnungen in dem kleinen weißen Büchlein mit dem „Loma“ – Stern, der eine eigene Seite hat, sind wie auch bei anderen Bänden von Erich Sündermann, der 1952, wie Rudi Lasselsberger in Ruperechtshofen, NÖ geboren wurde und die „Sonnenblumen im September“ enthalten acht Kurzgeschichten, die schon in Anthologien und in Literaturzeitschriften, wie „Kolik“ oder „Wespennest“ von den Achtzigerjahren bis 2000 erschienen sind.
Zwei der Erzählungen stammen aus den „Geschichten aus der Arbeitswelt“, eine im Europa-Verlag erschienene Anthologie, die ich vielleicht sogar in Harland stehen habe und ich habe den Rudi, wenn ich mich richtig erinnere, auch 1987 in Linz kennengelernt, als der den „Max von der Grün“-Preis gewonnen hat und ich im Jägermayerhof zu einer Schreibwerkstatt eingeladen war.
Es sind auch Geschichten aus der Arbeitswelt, die dieser Sammelband versammelt und die eifrige Lasselsberger-Leserin kennt auch schon das Szenario, des den beiden Schwestern gewidmeten Buchs, denn höchstwahrscheinlich treffen wir die Familie Lasselsberger in der Elfriede, der Anna und dem Franz und „Franz in Linz“ ist noch ein Buch aus der „Loma“- Sammlung, das mir fehlt, während ich die „Willis“ schon gelesen oder noch auf meiner Liste stehen habe.
„Bekanntlich meldet … der Kitzbühler Sportmoden-Erzeuger Zavratsky am 17. Juli den Ausgleich an, im St. Leonharder Zweigwerk wurden daraufhin fast 100 Frauen beschäftigungslos (Niederösterreichsche Nachrichten, Woche Nr 37, 1981“, ist der Titel, bzw. die Einleitung zum ersten Text, der von der Elfi, der Putzfrau dieser Firma handelt, die aufsteht, Husten und Kopfweh hat, an die Tochter, die für die Hauptschulprüfung lernen muß und an das Enkerl denkt, auf das sie aufpassen soll, der Sohn Franz ist in Wien und hat sein Lehrerstudium unterbrochen, dann geht es in die Firma, die Elfi putzt und darf nicht mehr mit der Erika Kaffee verkaufen, dann geht es nach Hause, die Osternesterl herräumen und dann noch einmal in die Firma, bevor die Elfi am Abend im Fernsehen den Kurt Tozzer hört, der ihr von der drohenden Arbeitslosikeit in der Steiermark erzählt.
In „Über die Äcker“, besucht der Enkel Franz die Großmutter Anna, die immer noch in einer Baracke wohnt, Fäustlinge stopft, damit sie etwas zu tun hat, von Sohn und Schwiegertochter versorgt wird, Diabetes hat und sich in der Früh spritzen muß. Sie sinniert über ihr hartes arbeitsreiches Leben nach, als sie dem Enkel „Hätscherltee“ kocht und darüber, ob sie mit ihren viertausend Schilling Rente auskommen kann, die zweitausend Schilling Pflegegeld gehen an die Gerda, die ihr dafür den Haushalt macht und die Haare wäscht.
In Verkäuferin im Traumgeschäft“, das sowohl in den Geschichten aus der Arbeitswelt als auch im Wespennest erschienen ist, geht es um die Erni, die eigentlich Goldschmiedin werden wollte, aber das ließ sie die Mutter nicht, weil sie das auswärts lernen hätte müßen, was zu gefährlich wäre, so weckt sie sie immer frühmorgens auf und bringt sie zu dem Supermarkt, wo sie die Küche macht. Erni sitzt dann am Hocker des Fotogeschäfts, das hier seine Filiale hat, putzt die Spinnennester weg, sortiert Platten, läßt sich vom Chef und von den Kunden sexistisch belästigen und bekommt das Kotzen wenn sie an ihre Erlebnisse vom letzten Tanzabend denkt.
In „Ein schönes Stück Österreich“, treffen wir den Franz wieder, Rudis Alter-Ego, wie ich behaupten würde, der fährt von Wien, wo er in der Neustiftgasse wohnt, nach Haus, trifft schon nach St. Pölten auf die Gartenzwerge, geht ins Wirtshaus Kartenspielen, wo die Ewiggestrigen dröhnen, die Kelnerin alle Mühe hat, die Gäste zum Nachhause gehen zu bewegen und die Idee, in dem Ort einen Jugendclub mit Lesungen, etc zu gründen, eingegangen ist, weil die Chefs der Mitglieder ihnen das Kommen untersagte.
In „Zeit“ begegnen wir Georg und Andrea, der Lehrerin und ihrem Mann, die ich, glaube ich, schon aus „Tanz in den Mai“ kenne, es kommt ein Anruf bei dem sich keiner meldet, Georg arbeitet am Haus, Andrea fährt mit dem Rad, geht durch den Wald spazieren und denkt dabei an Martin, der Deutsch und Turnen an der Parallelklasse unterrichtet und sie im Auto heftig küsste, so „daß sie wie die Haftelmacher aufpassen müssen, daß nichts herauskommt, weil beide verheiratet und im Lehrerberuf, das gäbe einen Wirbel, den sie sich lieber ersparen wollen.“
In „Sonnenblumen im September“ geht es nach Linz, wo Ulrike, die Kunst studierte, mit ihren zwei Kindern lebt, da gibt es wieder Gustostückerl von der Lasselsbergerschen Sprache, die so deftig erdig ist und manchmal auch ein bisserl infantil „Na, du Deppi, bist mein patriotisches Kind, gö“, beispielsweise und bei „Come together“ begleiten wir Ulrikes fünfzehnjährige Tochter Gabi und deren sechzehnjährigen Freund Karl durch die Stadt. Das ist nichts für schwache Nerven, denn Fritz zündet im Jugendclub Mäuse an und wirft sie der eintretenden Gabi entgegen, dann trinken sie Punsch und essen Bratwürstl am Weihnachtsmarkt und rennen ohne zahlen davon und die Ausländer und die Tschuschen werden auch ordentlich angemacht oder niedergeschlagen.
Zuletzt treffen wir in „Alles in Ordnung“, Franz wieder, der, wie der Rudi Stadtschreiber in Linz geworden ist, seine Schreibmaschine samt leeren Blatt stehen läßt, von der Polizei perlustriert wird, die sich seinen Beruf erklären läßt und ganz genau wissen will, was er so schreibt.
Eine interessante Textsammlung mit sehr eindrucksvollen Geschichten aus einer Welt von der man sonst vielleicht nicht so viel lesen kann. Wenn man wissen will, was der Rudi so in „Kolik“, „Rampe“, „Wespennest“ etc in Laufe der Jahre veröffentlicht hat, ist das weiße Lomabändchen sehr zu empfehlen und live war er am Freitag mit Christian Katt, Armin Baumgartner und Peter A. Krobath, den ich, glaube ich, auch aus Linz kenne, im „Heureka“ zu hören und aus den „Sonnenblumen“ hat er, glaube ich, auch schon am Volksstimmefest gelesen.

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