Literaturgefluester

2013-06-04

Von Jean Paul zu Birgit Schwaner

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:39

Diese interessante Autorenkombination war Montag in der Alten Schmiede zu hören und „Wer ist „Jean Paul, noch nie etwas von ihm gehört?“, sagte mir der Alfred am Morgen auf die Frage, ob er in die Alte Schmiede käme. Dabei steht er doch auf den Maturaleselisten, aber vielleicht habe ichs falsch artikuliert und muß zugeben, daß ich auch nicht viel mehr Ahnung hatte, als mir einmal Herr Wesenauer vor fast vierzig Jahren, während meines Akademikertrainings bei „Rettet das Kind“, von einem Johann Paul Friedrich Richter erzählte, den er gerne lesen würde.
„Wer ist das?“, keine Ahnung. Also hat er Jean Paul dazu gesagt und ich bin sicher rot geworden, habe genickt und mich daran erinnert, daß ich mir einmal, wahrscheinlich wars in der Buchhandlung in der Kalvarienberggasse, eine Goldmannausgabe von „Dr.Katzenbergers Badereise“ gekauft und glaube noch nicht gelesen habe, so kann ich es auf meine Harlander Leseliste setzen, denn Bernhard Setzwein, Christian Thanhäuser und der Haymonverlag machen es möglich, sich wieder für den Klassiker, der 1763 in Wunsiedel geboren und 1825 in Bayreuth gestorben ist, zu interessieren oder eigentlich war das, seltsamerweise H.C.Artmann, denn der hat dem Verleger und Buchdrucker Thanhäuser einmal eine Jean Paul Ausgabe geschenkt und ihn daher zum Liebhaber gemacht. So hat er was gezeichnet, Bernhard Setzwein, der in der Nähe des Fichtenwaldes lebende Schriftsteller, hat ein Abcdarium von „Adam“ bis „Zucker“ daraus gemacht und aus diesem vorgelesen.
Eigentlich hätte er das im Duett mit Christian Thanhäuser tun sollen, aber der ist wegen dem Hochwasser nicht von Ottensheim weggekommen, so hat Kurt Neumann die Entstehungsgeschichte erzählt und gesagt, daß Bernhard Setzwein in seinem ABC, die Biografie mit der Werkgeschichte und der Wirkgeschichte verbunden hat und „Ihren Jean Paul müssen Sie selber lesen, verehrtes Publikum!“
Der Büchertisch machts möglich, denn da sind nicht nur einige Reclamheftchen, „Dr. Katzgraber“, „Siebenkäs“ etc aufgelegen, sondern auch einige J.P. Biographien und Romane von Bernhard Setzwein und eine Autobiografie hat Jean Pauul, der seinen Namen ein Viertel französisiert, in Verehrung von Jean Jaques Rousseau, hat, auch geschrieben.
Bernhard Setzwein hat dann mit dem „Adam“, angefangen, bzw. mit den Fragen, „Wer sind Sie und was wollen Sie?“
Denn da hat einer lang. lang ist her dem Dichter vom „Anton Reiser“, sein Manuskript geschickt und das war dann gleich viel besser, als das von dem großen Goethe, der den Provinzautor, der ihm Konkurrenz machte, offenbar nicht recht leiden konnte.
Jean Paul war aber ein Pfarrerssohn und hat in Joditz gelebt, das ist irgendwo, bei Hof, an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze und hat dort vor dem Pfarrhaus seines Vaters, das erste Mal die Erkenntnis von „Ich bin ich“ gehabt.
an sieht das Buch ist eine Anekdotensammlung, das wahrscheinlich versucht, dem unbedarften literarischen Publikum, wie ich es beispielsweise bin, den Klassiker nahezubringen und der war mir wahrscheinlich auch sehr ähnlich, denn er ist sehr viel zu Fuß gegangen, wie Johann Gottfried Säume, Peter Handke, Julian Schutting, etc, allerdings nicht, wie ich von der Krongasse zum Zentralfriedhof, wenn beispielsweise Elfriede Gerstl ihr Begräbnis hat, sondern von Joditz nach Leipzig, denn dort hat er kurzfristig Theologie studiert, nach dem Tod des Vaters das Studium aufgeben müßen, denn die Familie war, bevor es ihm gelungen ist, der erste deutsche Schriftsteller zu werden, der vom Schreiben leben konnte, sehr arm.
Jetzt gibt es in der Gegend einen Jean Paul Wanderweg und den ist Bernhard Setzwein mit Christian Thanhäuser auch abgewandert und Jean Paul wurde, als er das tat, öfter für wahnsinnig gehalten, offensichtlich hat er laut vor sich hingeredet oder seine Geschichten fabuliert.
Er hat auch sehr viel Bier getrunken und wurde in Beyreuth für einen Säufer gehalten, brauchte aber offenbar, wie später Joseph Roth, den Alkohol zum Schreiben und die Frauen haben ihn verehrt. Er ist wahrscheinlich an Diabetes gestorben, vorher hat er noch „Salina und die Unsterblichkeit“ geschrieben, wovon sich der Büchner Preisträger Walter Kappacher inspirieren ließ und Thomas Bernhard war vom „Siebenkäs“ begeistert, erklärte ein Herr aus dem Publikum auf Bernhard Setzweins Frage, was die Österreicher von Jean Paul wissen oder halten?
Ich weiß, wie man merkt, nicht sehr viel, interessiere ich mich ja eher für die Gegenwartsliteratur, werde aber meinen „Dr. Katzenberger“ lesen und Birgit Schwaner, die um zwanzig Uhr an die Reihe kam, hat sich in ihrem neuen Klever-Buch „Polyphems Garten“ auch auf ihn bezogen.
Da füllte sich dann die Alte Schmiede mit einem Teil der experimentellen Dichterszene, während die Jean Paul Liebhaber nach Hause gingen, Lisa Spalt, Gerhard Jaschke, Nils Jensen, Evelyn Holloway und noch einige andere habe ich gesehen und Birgit Schwaner habe ich, glaube ich, durch das Lesetheater kennengelernt. Dann hat sie einmal den Siemenspreis gewonnen und da ist es um eine Flaschenpost gegangen, was interessant ist, denn die kommt in ihrem neuen Buch auch vor und das ist ein Kunstwerk, denn Birgit Schwaner hat eine wirklich sehr poetische Sprache, so daß sie eigentlich für den Priessnitzpreis in Frage käme, das Buch ist aber ein Science Fiction Roman oder viel viel mehr, wie Kurt Neumann einleitete, auf jeden Fall etwas, das den Leser fordert und Ray Bradbury kommt auch darin vor, bzw. seine Ideen, die er in Fahrenheit 451 verwendet hat und Birgit Schwaner, die in ihren schönen Worten, den Leser anspricht und ihm die Geschichte von dem Garten und den wenigen und den meisten, die von einer Mauer getrennt leben, von einem Schiff in dem die Stadträte regieren, erzählte, brachte eine köstliche Satire über die Angst vor dem E-Book, die in der Flaschenpost gefunden wird, da ersetzen zuerst die kleinen Tabletts die Bücher, dann wird das Lesen und das Schreiben aus hygienischen Gründen verboten, es gibt aber noch Vorleser, wie beispielsweise Lena und noch vieles andere, wie Spatzen, Automaten, Chips und natürlich die literarische Montage, die schon Tristan Tzara anwandte, Zitate in einen Sack durcheinander gewirbelt und der neue Science Ficton Roman kann bei Klever erscheinen…
Zu den Satzmontagen fällt mir Martina Gercke ein, deren beiden Bücher „Holunder- und Champagnerküßchen“ jetzt neu überarbeitet wieder bei Amazon erhältlich sind. Für „Champagnerküßchen“ hat sie eine Leserunde bei Lovelybooks eröffnet und zwanzig Freiexemplare versprochen. Zuerst kamen ein paar Bewerbungen, dann traten Tom Lier und Sven Schröder auf und wiesen darauf hin, daß in der Neuüberarbeitung von „Holunderküßchen“ noch immer ein paar Plagiatsstellen aus „Höhenrausch“ von Ildiko von Kürthy zu finden sind. Daran knüpfte sich eine rege Diskussion mit den Hinweis, daß offenbar auch ChickLit Autoren mit Monatage- bzw. Platzhaltertechnik arbeiten und ich finde Martina Gerckes Entschlossenheit, von der jetzt auch zwei neue Bücher erscheinen sollen, sehr spannend und nur schade, dßa sie nicht persönlich Stellung nimmt, allerdings als sie das zu Weihnachten versuchte, ist man ihr sehr grob über den Mund gefahren und hat ihre Erklärungen als „Blödsinn“ bezeichnet.
Sonst kann ich vermelden, das „Nanowrimo-Novel“ ist an die Druckerei gegangen und sollte bald als Dummie zurückkommen und das „Literaturgeflüstertextebuch“ macht den Eindruck, als könnte es doch einmal fertig werden und ich habe wieder viel gelernt an diesen Abend und in dieser interessanten Kombination von zwei sicher sehr unterschiedlichen Autoren, mein literarisches Wissen aufgefrischt.
Und jetzt noch zwei Preisberichte, GAV-Kollege Christian Steinbacher erhält den Heimrad Bäcker, Sybille Lewitscharoff den Georg Büchnerpreis. Ich gratuliere, hätte mich aber auch gefreut.

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