Literaturgefluester

2013-06-07

Aufgehoben and or not ausgehoben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:40

„Text im Speicher“, lautete das Thema eines Symposiums des Instituts für Germanistik, das Donnerstag und Freitag im Literaturhaus stattfand und das ist für eine Sammlerin und Archivarin wie mich ja das Thema, obwohl ich anfangs gar nicht sicher war, ob es sich an mich richtet. So habe ich am Morgen auch ein bißchen getrödelt, bzw. bin ich mit der „Eva Bakos“ in die Badewanne gegangen, damit ich nicht in der Kaffeepause, die gleich nach der Erföffung stattfand, vielleicht isoliert herumstehe, da die Vorträge erst um halb elf beginnen sollten. Dann hat sich aber die Frau Millner sehr nett mit mir unterhalten und ich bin auch gerade zu Susanne Hochreiters Frage, die ich ja von dem VezaProjekt kenne, an Konstanze Fliedl zurechtgekommen, wer bestimmt was archiviert wird und hörte sie antworten, daß das wohl die Eliten seien und da war ich schon beim Thema, habe ich ja inzwischen ein sehr umfangreiches Archiv von fast tausendfünfhundert Blogartikeln und das Internet macht es möglich, daß sich auch die „Minoritäten“ bzw. die Gruppen, die sonst nicht gehört bzw. verstanden werden, zur Wort melden und auf sich aufmerksam machen können.
Ich tue das, seit es das Literaturgeflüster gibt und Susanne Hochreiter, die in der Pause die „Stichwortflyer“ auf den Anmeldetisch legte, erläuterte in ihrem Referat „Women only“, das sie das im Frauen und Lesbenarchiv tut, denn die Frauen sind so eine Minoritätengruppen, die sich erst Raum schaffen mußten und da gibt es ja auch über vierzig Jahre „AUF“ und ein Buch das in Promedieverlag erscheinen wird, von dem mir die Ruth am Dienstag erzählte.
Dann kamen Christa Gürtler und Martin Wedl und berichteten über die Schwierigkeiten beim Aufarbeiten des Gerstl Nachlaß und da kamen wir zu der interessanten Frage, ob die Elfriede Gerstl eine nicht so bekannte Dichterin oder ein stadtbekanntes Wiener Original war? Ich denke, sie war beides und ich habe mir schon in den frühen Achtzigerjahren, als ich noch Geld für Bücher ausgab, die „Wiener Mischung“ gekauft, während ihr Portrait in Hilde Schmölzers Frauenbuch, erschienen Ende Siebzig, nicht enthalten war und als ich die Hilde daraufhin ansprach, meinte sie, sie wäre nicht so bekannt gewesen. Das meinte auch der Referent und erzählte dem Publikum etwas aus dem Leben der kleinen zarten Hut tragenden Dame, zeigte Bilder aus ihrer Wohnung und von ihrem Kleiderarchiv in das sie mich einmal mitgenommen hat.
Christa Gürtler arbeitet ja an der Werkausgabe, der erste Teil wurde schon in der „Alte Schmiede“ vorgestellt, der nächste wird, glaube ich, in zwei Wochen im Cafe Korb folgen und die Referenten erzählten auch, wie chaotisch und ungeordnet der Nachlaß bzw. der Vorlaß war, den sie zu bearbeiten hatte.
Nach der Mittagspause kam Manfred Mittermayer aus Salzburg, erzählte von den Hochwasserschäden dort und dem Salzburger Literaturarchiv, das auf Anregung des Germanisten Adolf Haslingers entstanden ist und die Nachläße von Autoren die mit Salzburg zu tun haben, also auch wenn sie in dem damaligen Residenz-Verlag verlegten, also Bernhard, Handke, Kappacher, Innterhofer ect, archivieren, sammeln, herausgeben und für Ausstellungen vorbereiten.
Evelyne Polt-Heinzl erzählte etwas in sieben Thesen von wiedergefundenen Manuskripten und vorgeschobenen Herausgeberschaften, also wenn der Autor behauptet, irgendjemand hätte ihm ein Manuskript übergeben, von dem er jetzt erzählen soll und Katharina Serles, die ich auch von der „Alten Schmiede“ kenne, behauptete, daß es nicht stimmt, daß das Netz nichts vergißt, sondern zeigte an einigen Beispielen, daß es sehr sehr flüchtig ist.
Isabella Schwendter kam dann nach der Kaffeepause zu Arthur Schnitzler und begann von einer seiner Jugendlieben zu erzählen, über die er dann eine Erzählung geschrieben hat, da mußte ich das Literaturhaus aber verlassen, gab es ja im Hotel Ibis eine Treffen über das neue Psychologengesetz, das gerade in Begutachtung ist, so daß ich einige Vorträge, die Weinpause und dann noch Lisa Spalts Lesung aus „Dings“, zu dem es auch einen Vortrag gab versäumte.
Am Freitag ging es weiter mit Verena Schaffner aus Wien und Christiane Fritze aus Göttingen, die ein bißchen was zu Bibliothekskatalogen, Katalogisierungssysteme und über digitale Katalogisierungsprojekte erzählten.
Alexandra Millner machte es dann wieder konkret und berichtete über ihr konkretes Forschungsprojekt, wo es um einen zeitgenössischen Literaturkanon, bzw. um schreibende Frauen in der Monarchie mit Migrantenerfahrung, also Ada Christen, Berta von Suttner etc ging und die Schwierigkeiten sie und ihre Werke in den Katalogen aufzufinden.
Interessant waren auch Marina Rauchenbachers Ausführungen zum Günderrode Nachlaß bzw. die Mythenbildung, die es darum zu geben scheint. Daran knüpfte sich eine Diskussion, ob Handschriften in Literatursammlungen Aufforderungscharakter haben und ich habe mit einem der Teilnehmen darüber diskutiert, ob es in Zukunft noch Handschriften und Originalen geben würde, was ich nicht glaube.
In Panel 6 nach der Mittagspause ging es um die kritische Robert Walser Ausgabe, die der Schweizer Literaturprofessor Wolfram Grodeck in Zürich vorbereitet. Davon gab es einen Editionsprospekt und viele interessante Aspekte, die zur Frage führten, wie das nun mit der Digitalisierung ist?
Irene Fußl aus Salzburg erzählte etwas von der Briefedition zwischen Marie Ebener von Eschenbach und Josephine Knorr und Dietmar Pravida aus Frankfurt am Main erzählte, wie Handschriften zerstört werden können, wenn man sie lesbar machen will. So hat Karl Emil Franzos Amoniaksäure über den Woyzeck gegossen und beim Faust wurde auch an einigen Stellen manipuliert.
Stefan Lotter, ein Poetryslamer und Literaturhausmitarbeiter erzählte in sehr tragischen Tonfall über seine Diplomarbeit, „Faksimileprobleme bei Franz Kafka und Frierike Mayröcker“, über ganz moderne digitale Projekte wurde auch noch diskutiert.
Am Schluß gabs eine Podiumdiskussion mit einer Frau aus der Nationalbibliothek, die ja gerade mit Google alles digitalisieren, Gerhard Ruiss, der sehr dagegen ist, Klaus Kastberger, der sowohl das Handke-Online Projekt, als auch eine ganz konventonelle Horvath-Gesamtausgabe betreut, der meinte, daß er das macht, was ihm nützt, während der Philosoph Franz Schuh das Netz war nicht verwendet, aber prinzipiell positiv dazu eingestellt ist, Karl Kraus und noch manches andere zitierte.
Konstanze Fliedl moderierte, die Reihen hatten sich schon etwas gelichtet, es gab aber noch einen kleinen Sektempfang und ich hatte vom Alfred noch eine Einladung zu einem Bibliotheksfest bekommen. Roberts Schreibgruppe habe ich auf diese Art und Weise auch versäumt, aber eigentlich meinen Text für das Volksstimmefest ohnehin schon das letzte Mal geschrieben. Jetzt raucht mir der Kopf, ich kann mich auf die Lesung morgen in der Klimt-Villa freuen und eine Einladung zu einer Lesung für nächstes Jahr habe ich von Irene Wondratsch auch bekommen.

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