Literaturgefluester

2013-06-26

Otto Wanz – ein Leben für und gegen das Telefonbuch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:28

„Heute 18 Uhr Telefonbuchzerreißen mit Otto Wanz“, diese Meldung soll vor einem Jahr bei Facebook, wie der Online-Standard“ berichtete, aufgetaucht sein. Ohne Mitteilung wann und wo das Event stattfinden soll und dem Nachsatz, daß Menschen, die nach dem Vierteltelefon aufgewachsen sind, den Namen Wanz vielleicht nicht mehr kennen würden.
Das bin ich erstens nicht und von den Telefonbuchzerreißer kann ich mich erinnern, daß mir irgendjemand bei dem ich lesen wollte oder gelesen habe, erzählte, daß er demnächst auftreten würde oder das schon sei.
Thomas Rottberg schrieb am 11. Juli 2012 im „Standard“ weiter, daß Wanz im Museumsquartier aufgetreten sein sollte, da spürt die Spur vielleicht zum Holzbaumverlag, weil die ja dort ihre Ausstellungen haben und Daniel Jokesch, den wir ja schon vom „Buwockl“ kennen, hat ein Buch über den ersten Telefonbuchzertrümmerer geschrieben und gezeichnet.
„Wenn jemand stärker ist als du, hau ihn nieder – dann ist er es nicht mehr!“ (Otto Wanz, Einführung in den nonverbalen Destrukitivismus, Band I)“
Für alle Leser, die nach dem Vierteltelefon aufgewachsen sind und auch ein bißchen für mich selber, habe ich schnell nachgegooglet und herausbekommen, daß „Big Otto“, 1943 in Graz geboren wurde und ein ehemaliger Wrestler und Schauspieler ist, der mit 1.89 und 175 kg, zu den Superschwergewichtlern zählt. Er war Boxer, Ringer, Wrestler und spielte im Film „Hilfe ich liebe Zwillinge.“ Vom Telefonbuchzerreißen steht nichts in Wikipedia, nur, daß er heute Wettbewerbveranstalter ist.
Der „Standard“ wollte es genauer wissen und hat den Neunundsechzigjährigen angerufen, der über die Nachricht staunte, da er, weil seine rechte Hand seit einen Motorrradunfall gelähmt, heute ein Telefonbuch nicht einmal mehr heben kann, sich aber freute, daß sich seine Fans noch an ihn erinnern. Dank Daniel Jokesch, der ihm in der ersten Otto Wanz-Biografie zum Telefonbuchphilosophen und Poeten machte, können das nun noch viel mehr Leute tun. Das kleine Büchlein im knallgelben Telefonbuchdesign ist auch schnell gelesen und erinnertn an die gute alte knallgelbe „Telephonzelle“. Die nach dem Viertelanschluß geborenen, werden sich auch an sie nicht erinnern können und Jokesch behauptet, daß der „Dichter und Philosoph in einer Grazer Telefonzelle geboren wurde und, daß der Arzt, der die mit dem Telefonkabel verwickelte Nabelschnur durchtrennte, gesagt haben soll „Der wird wohl einmal ein Telefonbuch schreiben.““
Vorerst lag der kleine Otto aber im Gitterbettchen und wuchs und wuchs, wurde mit seinem Teddybär im Arm immer dicker und dicker „…bis er eines Tages so groß war, daß er sein Kinderzimmer nicht mehr verlassen konnte.“
Die Mama las ihm vor und vor und weil sie, da er so viele Lebensmittel brauchte, kein Geld mehr Bücher hatte, verlegte sie sich aufs Telefonbuch was dem kleinen „Big Otto“ sehr gefiel, so daß er beschloß „Wenn ich groß bin, werde ich das schönste und dickste Telefonbuch der Welt schreiben“.
Er versuchte es vorerst mit anderen literarischen Versuchen, wie „Ich will dich anrufen. Doch der Nachbar telefonier und telefonier und telefoniert. Vierteln will ich diesen Hund!“
Dann wurde es soweit, das Telefonbuch entstand, aber die Kritiker waren von dem „Otto Wanz Telefonbuch“ aber gar nicht so begeistert.
„Dieses Buch ist keine große Nummer, sondern nur ein großes Buch mit Nummern“, schrieben sie boshaft.
Was zuerst Ottos großes Herz zeriß, was er dann aus Wut nach seinen Lesungen mit den anderen Telefonbüchern machte. Dem Publikum gefiels und so „wurde Otto zum bekanntesten Telefonbuchautor der Welt.“
Im Epilog wird noch angeführt, daß es auch im digitalen Telefonzeitalter, wo man keine Telefonbücher mehr braucht, in der finnischen Stadt Savolinna jährlich Otto Wanz zu Ehren, eine Handyweitwurf-Weltmeisterschaft stattfinden würde und, daß Otto Wanz öfter in einem Grazer Kafeehaus sitzen und in sein Handy Nummern eintippen würde.
In Wikipedia steht die Biographie ein wenig anders, trotzdem kann ich das kleine gelbe Büchlein sehr empfehlen, weil es die heutigen Handybesitzer an eine vielleicht tragische Legende der österreichischen Nachkriegszeit erinnnern kann und mich, daß ich offenbar einmal irgendwo vor oder nach dem bekannten Telefonbuchzertrümmerer gelesen habe, auch wenn ich über das wo und wann ebenfalls nichts mehr erinnern weiß.

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