Literaturgefluester

2013-07-01

Feuerlinie

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:57

Jetzt kommt wieder etwas Lyrik, nämlich Gioconda Bellis „Feuerlinie“ – Gedichte aus Nicuargua. Der Bücherschrank machts möglich, denn da ist wieder ein ausrangiertes Büchlein der städtischen Büchereinen aus dem Peter Hammer Verlag hineingekommen und die Lektüre der Gedichte der großen lateinamerikanischen Lyrikerin sind wirklich interessant, weil sehr direkt und politisch, weiblich und magisch realistisch auch, also weit abgehoben vom Elfenbeinturm, wie Lyrik sonst vielleicht manchmal ist und ich habe von der 1948 geborenen Gioconda Belli, dank der Bücherschränke, schon einen Roman gelesen, der mich auch sehr beeindruckt hat. Den Namen habe ich, glaube ich, aus der Lektüre der lateinamerikanischen Notizen der Erika Danneberg das erste Mal gehört, inzwischen noch einmal, ist ja im letzten Jahr ein neues Buch erschienen, das von der Presse sehr besprochen worden und ein weiteres Gedichtbändchen wartet ebenfalls auf mich.
Das Bändchen mit den ausgewählten Gedichten ist nur sehr dünn. Gerade sechundsechzig Seiten hat es und ist dennoch sehr zu empfehlen. Dem Buchrücken kann man entnehmen, daß Gioconca Belli ihren ersten Gedichtband mit sechsundzwanzig Jahren veröffentlicht hat. 1975 beteiligte sie sich an den Guerilla-Kämpfen, wurde verhaftet und verurteilt, konnte aber nach Costa Rica entkommen. 1978 erschien ihr zweiter Gedichtband aus beiden Bänden sind Gedichte in „Feuerlinie“ enthalten, so daß man kurz und knapp einen dichten Eindruck in das frühe dichterische Schaffen der Lyrikerin bekommen kann.
So beginnt es mit der Liebe zu Nicuargua. „Was bist du Nicuargua?“, fragt sie, wünscht sich einen „Streik“.
„Oh Nicuargua, ich mag dich“, geht es gleich weiter, bevor es in „Und Gott machte eine Frau aus mir“ zu ihrer Weiblichkeit geht. Sie beschreibt ihre „Mutterschaft“, das „Ungeborene“, stellt sich vor, wie es ist „Die Brust zu geben“, bevor sie davon spricht, wie lange sie ihr Kind schon nicht mehr gesehen hat und die Frage stellt, wie man einem zweieinhalbjährigen die Revolution erklärt?
Es bleibt auch erster, wenn sie schreibt, daß sie früher einmal ein fröhliches Mädchen war und in einem Prosagedicht vom „Sprengstoff“ spricht.
Ein weiteres Prosagedicht schildert „Die Begegnung“, in dem sie vom Nußkochen schreibt, den sie mit ihrem Geliebten ißt und von den Taxifahrten, bei denen sie an die Gedichte denkt, die sie für ihn geschrieben hat.
Der Geliebte spielt in ihren Texten eine große Rolle, wie auch die Liebe, für sie sehr wichtig scheint. Dem „Commandante Marcos“ ist ein Gedicht gewidmet, „Der Angriff auf meine linke Schulter“ wird beschrieben, bevor sie in „Monimbo“, von dem „Kind an der Straßenecke“ spricht.
„Sein Vater ist tot: 600 Mann, 2 Panzer, 3 Panzerwagen, 5 Maschinengewehre Kaliber 50, Hubschrauber und bewaffnete Flugzeuge.“
„Und da fragt das Volk:wieviele Tote sind nötig für eine Verletzung der Menschenrechte? Wieviele Leichen müssen wir ansammeln?“
So weit, so gut und wir haben in einem Schnellkurs viel von der Revolution in Nicuargua und einer ihrer Kämpferinnen gelernt.
Nur schade, daß das Büchlein von der Städtischen Bücherei ausrangiert wurde, aber vielleicht sind inzwischen neuere ihrer Werke dort zu finden.
„Die Republik der Frauen“ heißt der letzte, im vorigen Jahr erschienene Roman.
Und die Revolutionen sind ja inzwischen auch weitergegangen und finden derzei gerade in der Türkei bzw. in Brasilien statt.
Auch davon wird man wahrscheinlich bald lesen können.
Es ist aber immer gut, ein bißchen in die Vergangenheit, in die Jahre 1975, 1978, etc zurückzublicken und sein Wissen aufzufrischen. Eine starke direkte Sprache, die sehr zu empfehlen ist, hat die lateinamerikanische Dichterin allemal und die Weiblichkeit ist auch nicht zu verachten, denn Dichterinnen sehen bestimmt noch einmal vieles anders, als es vielleicht die männlichen revolitonären Dichter, wie beispielsweise Ernesto Cardenal tun können, der in dem Büchlein auch beworben wird.

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