Literaturgefluester

2013-07-07

Letztes Bachmannpreiskolloquium?

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:48

Das ist ein Ausdruck, den ich vor fünf Jahren, als der Bachmannpreis noch in der letzten Juniwoche durchgeführt wurde und ich ihn in Wien zwischen meinen Stunden mitverfolgte, auf dem Blog der Christiane Zintzen hörte, da habe ich von den ersten Blogs erfahren, die darüber berichteten und ein paar Tage später, habe ich beschlossen selbst zu bloggen, so daß ich am Tage der Eröffnung des 37. Bachmannslesen, seit drei Jahren schon in der Sommerfrische, mein Fünfjahrjubiläum feiere und seit ca zwei Wochen hat der Bachmannpreis eine besondere Bedeutung bekommen. Spricht die literarische Welt ja davon, daß er abgeschafft bzw. eingespart werden soll und empört sich darüber. Ich, die ich mich noch an die Empörung der IG Autoren vor siebenunddreißig Jahren erinnere, die meinte, daß ein solch öffentliches Zurschaustellen den Autoren unzumutbar sind, habe wahrscheinlich auch durch die Resignationsphasen durch die ich dauernd gehe, eine differenziertere Meinung, die wahrscheinlich manche erstaunt.
Denn eigentlich ist es mir egal, werde ich ja ohnehin nie dort lesen und nie einen Preis erhalten und wenn ich darüber berichte, laufe ich Gefahr, daß mein Bericht als schlecht und uninteressiert empfunden wird.
Also kann ich im nächsten Jahr auch etwas anderes tun, lesen, schreiben, mich in der Sommerfrische in eine Schreibwerkstatt begeben, etc, denn ich interessiere mich ja sehr für Literatur und wenn ich die Bücher von Joachim Meyerhoff oder Nadine Kegele, etc, in den Schränken finde, werde ich sie genauso lesen, wie die der Autoren, die vielleicht im nächsten Jahr lesen oder nicht lesen.
Aber wenn es einen Bachmannpreis geben wird, was ich eigentlich glaube, werde ich ihn mir wahrscheinlich wieder genauso begeistert anschauen und genauso spannend oder langweilig, wie ich es halt kann, darüber bloggen.
Die Bachmannberichterstattung hat im Literaturcafe schon am Nachmittag begonnen, da konnte man bereits Wolfgang Tischers Twittermeldungen verfolgen, die Portraits wurden auch mehrmals interpretiert und ganz am Schluß gab es noch einen Podcast mit Cornelia Travnicek in einer Klagenfurter Buchhandlung über den ich die Eröffnung fast verpasst hätte und im womöglich letzten Jahr war alles neu.
Ein neuer Moderator, ein neuer Organisator, ein neues Jurymitglied und ein gelbes Design, so schlüpfte Cornelia Travnicek auch mit einer gelben Tasche auf ihren Platz oder ließ sich mit dieser vorher von Wolfgang Tischer fotografieren und die womögliche Abschaffung des Bachmannpreises war auch das große Thema der Eröffnungsredner.
Die meisten versicherten, daß sie dagegen wären, der Kulturbeauftragte der Stadt Klagenfurt erklärte das sogar sehr entschieden und auch Burkhard Spinnen hatte viele Argumente, denn, daß Wasser wichtig ist, merkt man erst, wenn man keines hat und Joe Lendle oder ein anderer Lektor könne dann nicht mehr vier Tage lang ohne Geldsorgen über Literatur diskutieren und die Lehrerinnen wissen auch alle, was der Bachmannpreis ist.
Stimmt, es ist ein Preis, den man öffentlich mitverfolgen kann und ein paar tausend Leute tun das auch, so wie ich jetzt vier Tage lang in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder anderswo.
Und natürlich beschäftigte sich auch Michael Köhlmeiers Eröffnungsrede, der eigentlich über Jörg Fauser sprechen hatte wollen, der 1984 in Klagenfurt sehr verrissen wurde, mit diesem Thema, nur der 3-Sat Mann nahm wahrscheinlich berufsbedingt eine andere Meinung ein und sagte etwa sinngemäß, was passieren wird, entscheiden wir!
Dazwischen gabs immer Musik und danach wurden die vierzehn Autoren und Autorinnen aufgerufen und die erste, nämlich Larissa Boening zog sich gleich als erste und wird am Donnerstag um 10.15 lesen. Dann gings in Klagenfurt zum Buffet.
Die Buttons mit der Kampfaufschrift „bleibt“, die bei der Eröffnung ausgeteilt worden schienen, wurden bei den Lesungen nicht getragen und der neue Moderator Christian Ankowitsch, wies bei seiner Einleitung auch darauf hin, daß es jetzt, um die Texte gehen würde.
Es begann, wie erwähnt Larissa Beoning mit einem Ausschnitt aus einem Roman mit dem Arbeitstitel „Zucker“, eine Kaptialismuskritik oder eine Krebsbewältigung durch Kochen, wie es in der Diskussion genannt wurde?
Annemarie eine Wirtshaustochter hat Krebs und noch ein paar Monate zu leben und lädt sich einen Vermögensberater namens Matthias ein. Der will an ihre Millionen, sie will ihn zur Puppe machen oder ein Mutter-Sohn Verhältnis und beginnt ihn mit Buttercremeschnitten und Zunge vollzufüttern und er hält das in dem Gedanken, sie zu beerben und nie wieder arbeiten zu müssen, aus, obwohl er sich nicht sicher ist, ob man sich beim Geschlechtsakt nicht mit Knochenkrebs anstecken kann?
Ein wenig dicht am Kitsch vorbeigeschrammt, könnte man vielleicht meinen, Wolfgang Tischer twitterte, das ist nicht die Bachmannpreisträgerin, diskutiert wurde heftig und dann kam der Burgschauspieler und Bremer Literaturpreisträger Joachim Meyerhoff, den ich vor kurzem bei „Rund um die Burg“ hörte und dessen Videoportrait einen sehr sympathischen Eindruck machte mit einem Text der den sehr interessanten Titel „Ich brauch das Buch“ hat und der natürlich grandios vorgetragen wurde. Die Diskussion drehte sich darum, ob das Kafka, Kleist etc nachempfunden wurde und Meyerhoff war auch einer, der sich auch sein Recht, etwas dazu zu sagen nahm und der Text war meiner meiner Meinung nach, eine Pubertätsgeschichte im typisch Meyerhoffschen Übertreibungston.
Da geht ein Zweiundzwanzig- und nicht Fünfzehnjähriger, der also die Pubertät schon überwunden haben sollte, in eine Buchhandlung und schaut sich ein paar Tage ein Live-Magazin mit den Beinen von Marylin Monroe an, dann beschließt er, er muß das Buch klauen, owohl es ihm seine Großeltern sicher gekauft hätten, schwarz ist er auch schon mal gefahren und ließ sich dabei erwischen. Jetzt nimmt er einen Umhang probt vor dem Spiegel, gerät im Buchladen in Ängste und rennt dann mit dem Buch davon, der Kaufhausdetektiv ihm hinter her, sie ringen um das Buch, er schreit „Ich muß es haben“, so läßt er es ihm schließlich. In einer Kirche in die er auf der Flucht gekommen ist, sieht er einen lateinischen Spruch, zu Hause ruft er den Großvater an und fragt, was das bedeutet.
„Glücklich, der, der ohne Schuld“, oder so. Na ja, ich würde sagen, ein wenig anders als die üblichen Bachmanntexte, wie weit er es in die Preisrunde bringt, wird sich zeigen, danach folgte Nadine Kegele, die ich ja von den Volksstimmefesten, der „Alten Schmiede“ und der „Gesellschaft für Literatur“ kenne und löste bei der Jury Ratlosigkeit aus, obwohl der Text sicher literarisch angelegt und in zwanzig Abschnitten unterteilt war und einige treffende Erkenntnisse, wie die, daß das eigene Unglück immer das größte ist, enthielt.
„Scherben schlucken“ hieß er oder der Auszug daraus, es geht um eine Frau, deren Mutter im Sterben liegt und der sie nicht verzeihen kann, daß sie sie als Kind offenbar dem Vater oder Stiefvater auslieferte, jetzt ist sie von einem Mann schwanger, der sie nicht heiraten möchte und geht auf Kinderspielplätze, um den unartigen Kindern zuzusehen und dabei das eigene Unglück zu bewältigen.
Mir hat es sehr gut gefallen, die Jury fand es aber teilweise für unfertig und fehlerhaft.
In der Pause ging es nach Wien, zum Wirtshaus beim Friedhof der Namenlosen, wo es Peter Handke Katja Gasser in einem Interview nicht leicht machte und danach las die Berliner Schauspielerin Verena Güntner einen Text, der ebenfalls von einem pubertierenden Jungen handelt, der psychologischer an seine Grenzen geht. Er schrammt an seinem Körper um ihn zu erforschen, hat dabei ein gutes Verhältnis zu seiner Mutter, seinen Stiefvater mag er nicht, er muß alles unter Kontrolle haben und versucht sich ständig zu trainieren und als er mit den Eltern auf das Nebelhorn fährt, lernt er ein rosarotes dickes Mädchen kennen und alles wird scheinbar gut. Ein dichter Text, ohne Kleist und Prinz von Homburg und Übertreibungen, voll aber psychologischer Dichte, wie es auch der, der Twitterin Anousch Müller war. Die kommt auch aus Berlin und erzählt von einer Skandinavienreise und einer Trennung, die dabei passiert und wieder geht es um den Körper und psychosomatische Reaktionen, denn die Frau hält den Mann offenbar nicht aus und reagiert sehr stark auf ihn. Die Lymphdrüsen sind geschwollen, am Mund gibt es Bläschen und Krusten, der Mann nimmt das alles nicht ernst, er hat das Geld und bestimmt die Richtung und hat die Frau offenbar durch sein Reden überzeugt, so daß sie sich von ihm nur durch Schweigen trennen kann, was ihr auch gelingt.
Während die Donnerstagstexte erstaunlich ähnlich waren, von Pubertierenden, Mißbrauchserfahrungen, Schamhaaren und Brüsten handelten, wurde es am Freitag erstaunlich differenziert und spannend. Gleich zu Beginn mit dem in Brasilien geborenen Ze do Rock und seinem Text „Gott ist Brasilianer, Jesus anscheinend auch“, in dem Sätze stehen, wie „ja, die geschichte bestätigt das chlischee, aber in diesem buch wird das chlischee nich sehr oft bestätigt: die brasilianische bahn hat practisch aufgehört zu existieren. er kaufte das ticket und am näxten Tag ging er um 12 uhr zum bahnhof“ und so weiter uns so fort.
Vorher, als ich auf die Übertragung wartete, habe ich mir das Video von 1984 angesehen, wo Marcel Reich Ranicky lautstark begründete, warum der Fauser-Text, so gut er auch geschrieben sein möge, nicht nach Klagenfurt passe. Das habe ich mir dann ein bißchen bei dem von Joachim Meyerhoff gedacht, aber jetzt natürlich viel mehr, denn Ze do Rock ist offenbar ein Kabarettist und hat die Rechtschreibfehler der „Kanakensprach“ bestimmt mitkonstruiert und dann passt es vielleicht nicht zu fein stilisierten Texten einer Nadine Kegele, Andrea Winkler etc und was sagt die Jury zu den Rechtschreibfehlern? Natürlich,“Ich bin mir ganz sicher, Herr do Rock schreibt ausgezeichnet Deutsch!“, das glaube ich zwar auch, aber der Text ist dann eine Paradie und das sollte vielleicht nicht sein oder wurde schon bei anderen Texten so argumentiert, daß das dann nicht nach Klagenfurt passt, zum Beispiel wenn sich einer den Literaturbetrieb auf die Schaufel nimmt.
Aber auf jeden Fall sehr spannend und die Jury hat das „vielleicht nicht so literarisch“ auch nur sehr fein und absolut politisch korrekt angedeutet.
Dann gings weiter mit Cordula Simon und die hatte es natürlich schwer, obwohl sie ja aus Odessa kommt, von einer Babuschka erzählte und gleich selbstbewußt andeutete, daß man ihren Roman, der demnächst erscheinen würde, schon bestellen könne.
Über Heinz Helle, der mir, wie die meisten anderen deutschen Autoren bisher unbekannt war, habe ich in den Tweets gelesen, vielleicht den möglichen Preisträger vor mir zu haben. Der Text von dem Münchner Philosophen und Werbetexter, der in Biel lebt und daher als der einzige Schweizer des Bewerbs gehandelt wird, hieß „Wir sind schön“ und erzählt sehr bedächtig, distanziert fast experimentell, eine Beziehungsgeschichte, bzw. die von einem Mann, der sich vielleicht von seiner Freundin trennt, obwohl er immer in „Wir-Form“ spricht, also das Beziehungsthema viel weniger psychologisch, als die gestrigen Texte aufrollt.
Phillip Schönthaler, das ist der, der 2012, den Clemens Brentano-Preis bekam, hatte mich auch schon neugierig gemacht und er erzählte in „Ein Lied in allen Dingen“, von einem Starflötisten, der in allen inszeniert wird, er wird auf einen Seil in die Vorstellung gehievt, die persönliche Assistentin antwortet für ihn und bestellt ihm das Schnitzel mit Pommes frites und Salat ohne Zwiebel. Er geht von Interviewtermin zu Interviewtermin und kann nur auf einer Zugstoilette während eines Zwischenfalls in Ruhe und für sich allein üben.
Erzählt wird das von seinem Simultanübersetzer und die Juroren hörten heraus, daß er bei der letzten Aufführung abgestürzt wäre oder Selbstmord begangen hätte, weil die Geschichte nur so Sinn mache. Ein Paar bezweifelten dann, daß die Geschichte so ausginge, ich habe das fanale Ende auch nicht gelesen, zeigt aber ganz schön, was in den Köpfen der Leser passiert und was sie sich erwarten und so war es auch bei der letzten Leserin.
Einer Russin aus Berlin, bzw. wurde Katja Petrowskaja 1970 in Kiew geboren und schon, als sie die ersten Sätze gelesen hat, es ging um eine Urgroßmutter, die 1941 in Kiew zurückblieb, während die anderen evakuiert wurden, weil sie nicht mehr gehen konnten, hieß es auf den Tweets „Das ist die Bachmannpreisträgerin“ und dann wurde darüber diskutiert, ob ihr Text ähnlich, wie der von Olga Martynova vom Vorjahr oder von Maya Haderlap, 2011 sei. Maya Haderlap hat vom zweiten Weltkrieg und den slowenischen Partisanen gelesen, Olga Martynova ist Russin und ich war erstaunt, daß ein Text der von der Deportation und der Massenerschiessung 1941 handelt, unbedingt den Bachmannpreis bekommen muß. Wenn das so klar wäre, wären das die deutschen Schuldgefühle und dann könnte man den Text dahin konstruieren und das stand auch in den Teweets. Wolfgang Tischer hat, glaube ich, von „Weltkriegskitsch“ getwittert und gemeint, daß Philipp Schönthaler besser weggekommen wäre, hätte er die Geschichte 1940 spielen lassen.
Ich habe schon viele Deportationsgeschichten und Holocausttexte gelesen und war vielleicht von daher nicht so von den Socken. Das Publikum applaudierte aber stark und lang und die Jury war mit Ausnahme von Paul Jandl, der Bedenken hatte und sogar beleidigt reagierte, als ihn Hildegard Elisabeth Keller unterbrach, genauso begeistert. Jandl störte, daß die Urgroßmutter vielleicht erfunden wäre, etwas was ich wieder nicht so nachvollziehen kann, denn womöglich ist es autobiographisch und, daß eine Tochter, die nur geboren wurde, weil der Vater durch den Zufall eines zurückgelassenen Ficus, Platz im Lastwagen fand, sich die in Kiew verschollene Großmutter vielleicht phantasiert, erscheint mir aus der Traumaforschung nachvollziebar.
Eine interessante Diskussion. Wir werden sehen, ob es die Preisträgerin ist, mein Tip wäre es so schnell nicht gewesen, aber ich hätte auch keine Alternative und nichts dagegen.
Die Jury hat wieder überzogen, so daß die Diskussion erst richtig angefangen hatte, als das Fernsehen schon abgedreht wurde, im Internet kann man aber weitersehen und es war ein spannender Tag mit interessanten Erfahrungen.
Am Samstag ging es weiter mit einem Text über ein blindes Kind. Die 1977 geborene, in Berlin lebende Hannah Dübgen, hat, eingeladen vom neuen Jurymitglied Juri Steiner aus der Schweiz, „Schattenlider“ vorgetragen und da war es interessant, gleichzeitig mit dem Lesen und den Hören die Tweets mitzuverfolgen und immer wieder von „Behindertenkitsch“ und „Betroffenheitsprosa“ zu hören. Das habe ich mit der „Mimi“ schon einmal selbst erlebt und die Twitterer sind unerbittlich, gingen mir mit ihrem Urteil aber manchmal auf die Nerven und wenn ich am Donnerstag nicht so schnell war, bei Katja Petrowskaja sofort sagen zu können, die wünsche ich mir als Siegerin, habe ich bei Frau Dübgen umdisponiert, denn ich habe ja Nadine Kegele meine Stimme geben wollen. Aber dieser Text hat mir sehr gefallen und liebe Kritiker, wenn dir die Schwester im Krankenhaus ein Kind ohne Augenlicht zeigt, kapierst du das manchmal nicht sofort, auch wenn du sonst nicht blöd bist, das nennt sich Abwehrmechanismus und meiner Meinung nach hat diese Mutter, diese Familie alles das perfekt durchgemacht, was eine Familie mit behinderten Kind in dieser Gesellschaft erlebt und das, das bei den Zuhörern Abwehr, Angst und Widerwillen auslöst war an den Tweets zu merken.
Kompliment!
Dann kamen die Höhepunkte des Samstags nämlich zwei mögliche Preisträger, zuerst Roman Ehrlich mit einem Ausschnitt aus einem Roman, der schon am Dienstag bei Dumont erscheinen wird und die Twitterer und die Jury an einen Vorvorjahressieger „Schimmernder Dunst über Coby Country“ erinnerte und dann Benjamin Maack, der schon in seinem Vorstellungsfilm sehr witzig war.
Setzte er sich doch mit einem Eis auf den Spielplatz und sagte „Mein Traum ist Schriftsteller zu werden, bitte, bitte geben Sie mir Ihre Stimme!“
Die Twitterer meinen, er wird einen Preis bekommen und „Wie man einen Käfer fängt von Joachim Kaltenbach“, war wieder, ähnlich wie der Güntner Text psychologisch interessant, aber auch sehr literarisch. Da ist einer in der Pubertät, sagt seiner Mutter alles nach, fängt Käfer und gerät über das Tampon seiner Angebeteten, der er so gerne die Käfer zeigen will, ihn große Nöte. Spannend, spannend, ich habe nichts gegen diesen Preisträger, wie ich überhaupt finde, daß dieser Bachmannpreis ein sehr perfekter war.
Sehr gute, sehr verschiendene Texste, selbstbewußte Autoren, ein bißchen zu überhebliche Twitterer, das muß sich vielleicht noch einspielen, die werfen mit ihren Floskeln und Bewertungen vielleicht noch ein bißchen zu vorschnell herum und eine Jury, die das nicht mehr macht, sondern höchst professionell agiert, obwohl die letzte Leserin Nikola Anne Mehlhorn sehr schlecht weggekommen ist.
Die ist auch Musikerin und erzählte, wieder eingeladen von Juri Steiner, in dem Auszug aus „Requiem einer Vierzigjährigen“, vielleicht das, was man schon Chicklit oder Unterhaltungsroman nennen könnte und daher natürgemäß bei Jury und Twitterer, die wahrscheinlich alle elitäre Literaturkritiker sind, schlecht ankam. Vielleicht unnötig zu sagen, mir hats gefallen, schade, daß ich keine zweite oder dritte Stimme habe.
Eine Frau ist in ihrer Musikerkarriere gescheitert, sammelt Teebeutelsprüche, hat einen Mann, den sie nicht mag und den sie daher geschnetzelte Regenwürmer in die Spaghetti mischt. Ihr Kind verschwindet, der Vater ist nicht der verhaßte Oliver, sondern der Polizist, der ihr das Verschwindet meldet und sie denkt in diesem ersten Kapitel an das Millenium zurück und wie sich ihr Leben seitherentwickelt hat. Alles was man in unzähligen Unterhaltungsromanen lesen kann und wie es die Leute auch mögen.
Kompliment an Juri Steiner, der immer sehr fein argumentierte und auch großen Zuspruch bekam, daß er den Mut hatte, einen solchen Text ins Gespräch zu bringen und ich finde die Themenvielfalt des heurigen Wettbewerbs wirklich sehr interessant. Habe, wie meine Leser wissen, mit den vielleicht etwas übertriebenen Texten meine Schwierigkeiten, bin aber gespannt, wer Publikumspreisträger wird? Joachim Meyerhoff vermuten Wolfgang Tischer und die Twitterer oder vielleicht doch Katja Petraskaja?
In der Nacht auf Sonntag beziehungsweise am Vormittag kam dann die Überraschung, ORF-Direktor Alexander Warabetz hat für „Bachmann bleibt“ unterschrieben und gab das dann auch im ORF-Theater bekannt.
Die Shortlist bestand für mich überraschend aus Larissa Boening, Roman Ehrlich, Verena Güntner, Heinz Helle, Benjamin Maack, Joachim Meyerhoff und Katja Petroskaja, die dann gleich im ersten Durchgang den Preis, wie ja schon am Donnerstag deutlich wurde gewann.
Der Kelag-Preis ging an Verena Güntners Text „Es bringen“. Dann wurde es endlich Benjamin Maack, wie sich das die Twitterer schon lange wünschten und der Ernst Willner Preis ging an Hein Helle mit seinem Beziehungstext „Wir sind schön.“ Und der Publikumspreis ging sehr überraschend nicht an Joachim Meyerhoff oder Katja Petrowskaja, sondern an Nadine Kegele, die sich sehr freute und auch überrascht wirkte. Der Preis der automatischen Textkritik ist schon vor einer Stunde an Roman Ehrlich gegangen, den sich auch Katja Petrowskaja als Preisräger wünschte.
Und hier mein Archiv der Bachmannpreisberichterstattung der letzten fünf Jahre, das meiner Meinung nach sehr interessant ist, auch wenn es natürlich nur meine subjektive Meinung widergibt.

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3 Kommentare »

  1. […] Lite­ra­tur­ge­flüs­ter […]

    Pingback von TDDL 2013 – Die Preisträger des 37. Bachmann-Wettbewerbs » Atalantes Historien — 2013-07-07 @ 17:09 | Antworten

  2. Zitat „“und was sagt die Jury zu den Rechtschreibfehlern? Natürlich,”Ich bin mir ganz sicher, Herr do Rock schreibt ausgezeichnet Deutsch!”, das glaube ich zwar auch,…““

    Irgendwie lustig, Alle glauben Zé do Rock könnte richtiges Deutsch oder noch lustiger, sogar ausgezeichnetes. Nö, kann er nicht. Er hat sich dieses Holterdipolter zurechtgezimmert, weil ihm Deusch zu kompliziert ist, Und im Gegensatz zu Petrowskaja hat er keinen Drang sich eine Fremdsprache so zu anzueignen, dass man damit literarisch schreiben kann. Mach ja nichts, ulkig ist es allemal. Der wirkliche Witz an der Sache: Jemand der kein Deutsch kann, liest in Klagenfurt und alle glauben, sein Unvermögen muss ein Fake sein, sonst säße er doch gar nicht da.

    Wie sagte eine Twitterin so schön: Der Guildo Horn von Klagenfurt

    Kommentar von Frank Roth — 2013-07-09 @ 13:04 | Antworten

  3. Das wäre dann noch interessanter und es stimmt, ich hätte der Jury nicht zugetraut einen solchen Text zuzulassen, allerdings ist mir jetzt eingefallen, daß es eine hochgelobte Schweizer Autorin mit ähnlichen, vielleicht weniger kabarettistischen Rechtschreibfehlern gibt und das Kabaretthafte hat mir an dem Text Ze do Rock eher mißfallen, weil ich damit ja meine Schwierigkeiten habe.
    Aber ich denke dieser Bachmannpreis war für mich deshalb so interesant, weil er soviele ganz unterschiedliche Texte hatte.
    Meine Shortlist wäre im Nachhinein betrachtet Larissa Boening, Hannah Dübgen, Verena Güntner, Heinz Helle, Nadine Kegele, Benjamin Maack, Nicola Anne Mehlhorn, Anoush Müller, Katja Petrowskaja, Philip Schöntaler gewesen, (bei Cordula Simon habe ich vielleicht nicht so zugehört, so daß sich der Text bei mir nicht einprägte. Der Meyerhoff Text war mir auch zu lustig und Roman Ehrlich habe ich vielleicht zu auf den Wettbewerb hinkonstruiert empfunden, aber das trifft sicher auch anderen Texte zu) und das Preisgeld hätte ich unter allen aufgeteilt!
    Aber eigentlich mag ich keine Einteilungen und Hervorhebungen und denke vierzehn Autoren sind sowieso viel zu wenig, wenn vierzehntausend, hundertvierzigtausend oder vielleicht sogar vierzehn Millionen Leute schreiben.
    So hat mich dieser Bachmannpreis und die Diskussion darüber auch zum Nachdenken und zu dem Schluß gebracht, daß ich keinen Bachmannpreis brauche, obwohl die Aufmerksamkeit darauf wieder sehr gut war! Mehr lesen Leute und mehr Toleranz auch auf das vielleicht andere, ist nach wie vor mein Credo und das nehme ich mit, wenn ich mich hoffentlich recht bald wieder auf das Schreiben von etwas Neuen mache, für das es dann vielleicht auch ein Bißchen Interesse gibt!

    Kommentar von jancak — 2013-07-10 @ 05:00 | Antworten


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