Literaturgefluester

2013-07-17

All you can read

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:50

Weil ich Bücher über Bücher liebe, habe ich im Vorjahr zugegriffen, als auf dem Abverkaufsstapel bei „Thalia“ in St. Pölten Nick Hornby „All you can read – Bücher die ich kaufe – Bücher die ich lese“, lag. Das war dann zweite Bücherbuch meiner heurigen Leseliste, habe ich ja schon Kurt Bracharz „Für reife Leser“ im April gelesen und bin jetzt ein bißchen enttäuscht. Weil wieder nicht sehr viel verstanden, dabei handelt es sich um keinen experimentellen Text und bei Bücher kenne ich mich ja aus, sollte man meinen. Wie man sich täuschen kann!
Wenn ein englischer Autor in der englischen Zeitschrift „Believer“ eine Kolumne hat, in der er von 2005 bis 2006 über die Bücher die er las und die er kaufte, schreibt und das Buch die Fortsetzung von einem anderen, nämlich „Mein Leben als Leser“ ist, kann sich sogar eine so Bibliophile, wie ich, schwer tun, noch dazu, da die angegebenen Bücher mal auf Deutsch, meistens aber auf Englisch zitiert werden.
Und ich lese ja vorwiegend deutsche bzw. österreichische Gegenwartsliteratur. Sicher, von einigen Büchern, sie werden zu Beginn von jeden der vierzehn Kapiteln bzw. Kolumnen angeführt, habe ich schon etwas gehört.
Philip Roth ist mir natürlich ein Begriff und Bob Dylan auch. Andrej Kurkows „Picknick auf dem Eis“ habe ich gelesen, trotzdem macht es einer, behaupte ich mal, der 1957 geborene Autor in der Art und Weise, wie er da lässig über die Bücher, die er las, bzw. kaufte, schreibt, nicht leicht, denn er wirft sehr schnoddrig ein paar Sätze darüber hin, erzählte meist etwas anderes, schimpft über die Zeitschrift für die er arbeitet, erzählt von seinem Schwager Robert Harris und über die Bücher erfährt man nicht so besonders viel.
In der Einleitung steht aber etwas übers Lesen, was ich mir selbst schon dachte und das mich neugierig machte.
„Machen wir uns nichts vor. Das Buch buhlt um unsere Aufmerksamkeit und hat dabei starke Gegner. Wir müssen uns immer häufier zwischen Playstation, CD-Player, Kino, Fußballstadion und Literatur entscheiden.“
Wir erinnern uns, Nick Hornby ist ein begnadeter Fußballfan. Sein „Fever Pitch“ war einmal Gegenstand der „Eine Stadt- ein Buch Aktion“, da habe ich mir mit dem Lesen auch nicht leicht getan, aber Fußball interessiert mich nicht, während das bei Büchern anders ist.
Übrigens habe ich von Nick Hornby auch noch „How to be good“, als Hörbuch konsumiert und da habe ich mir leichter getan.
Es geht also los und was ist mir, die ich ja eigentlich auch eine reife Leserin bin, hängengeblieben?
In der ersten Kolumne wird über die Zeitschrift „Believer“ hergezogen und Philip Roths „Verschwörung gegen Amerika“ mit „Chronicles“ von Bob Dylan verglichen. Auf der Bücherliste stehen dann noch Bücher von Tom Wolfe „Ich bin Charlotte Simmons“ und andere, die ich nicht kenne.
Bei Nummer 2, geht es um Bücher von Kate Atkinson und Ruth Rendell, sowie „Wie man Fanatiker kuriert“ von Amoz Oz und „The Man of the Moon“ das Hornby offenbar seinem kleinen Sohn oftmals vorlesen mußte. Ich habe mir auch noch etwas von einem jungen Mann, der sich eine Zeitlang in einem Altersheim aufhielt, um ein Sachbuch zu schreiben, gemerkt.
Bei 3 wird es interessant, zwar sind mir da die Bücher „Saturday“ von Ian Mc Ewan und „Bullshit Nights“ von Nick Flynn, die beschrieben werden, mir nicht sehr bekannt, was sich auch nach der Lektüre des Artikels nicht verändert, aber Hornby geht zum Friseur und dieser erzählt einer Kundin „Das ist ein berühmter Schriftsteller!“, worauf das hübsche Mädchen ihn erstaunt anschaut und „Kenn ich nicht antwortet!“ Es stellt sich heraus, außer Enid Blyton, die sie auch noch falsch ausspricht, hat sie von Bücherschreibern keine Ahnung.
Bei Nr. 8 hat Hornby kein Buch gekauft und gibt als Grund dafür die Bombenanschläge in London an. Der Verlag schickt ihm aber Voltaires „Candide“, das er liest, weil man Klassiker gelesen haben muß, es hat auch nur neunzig Seiten. Er kommt dabei auf allgemeine Erkenntnisse und darauf, daß er in seinen Regalen schon eine ungelesene Ausgabe mit hundertdreißig Seiten hatte, denn das ist für einen so alten Schinken offenbar zuviel.
Bei 9 hat er sich „Was ich liebe“ von Siri Hustvedt gekauft, was mir, glaube ich, die Trude Kliber zum Geburtstag schenkte und Andrej Kurkows „Picnic auf dem Eis“, das habe ich mir von einem der Rezensions-Gutscheine, die mir „Thalia“ einmal schickte, eingetauscht. Kennengelernt hat Hornby die Autoren bei „tollen Literaturtagen“ in Island und den Kurkow hat der in Nummer 11 gelesen, eine Kolumne, die er wieder mit „Also der letzte Monat war ein Reinfall. Dabei hatte ich mir so viel davon gesprochen. Es war Weihnachtszeit in England und ich hatte mich auf ein bisschen gemütliche Feiertagslektüre gefreut“, so wie er offenbar auch den März 05 begonnen hat. Sehr lustig und für eine die nicht über soviel Humor verfügt, ein wenig unverständlich, der Kurkow kommt aber gut weg und mir hat die Geschichte von dem Nachlaßschreiber mit dem Pinguin auf dem Balkon ja auch sehr gut gefallen. Ich habe es sicher für „Thalia“ rezensiert, leider war es vor Juli 2008, also nichts davon im „Literaturgeflüster“.
Weiter gehts bei 13 mit dem „Persepolis-Comic“ von Marjane Satrapi, der einmal, lang lang ists her, als es die „Literatur im März“ noch gab, dort vorgestellt wurde und mit „Es liegt in der Familie“ von Michael Ondaatje und eines der Ondaatje Bücher wurde, glaube ich, auch einmal in Ex Libris besprochen.
Dazwischen macht sich Hornby noch über Ghostwriter lustig, meint, daß inziwschen jeder ordentliche Schriftsteller einen solchen hat und mokiert sich darüber, daß soviele Schriftsteller über Schriftsteller schreiben.
Kurt Vonnegut kommt auch noch vor und von dem habe ich auch einmal ein Buch im Schrank gefunden, das ich noch zu lesen habe und insgesamt hat Nick Hornby in dem hundertvierzig Seiten Bändchen, wenn ich mich nicht irre, an die achtundfünzig Bücher besprochen oder sie erwähnt.
Interessant ist, daß die Amazon-Leser, bei denen ich mich in meiner Verzweiflung kundig machte, postive Rezensionen abgaben, obwohl einer zugab, von den meisten der besprochenen Büchern noch nichts gehört zu haben, aber „Hornbys kurzweilige Geschichten leuchten am zeitgenössischen Literatur-Himmel“ und das ist für die Leser spannend.
Ich habs ein wenig oberflächig empfunden, aber vielleicht bin ich von falschen Voraussetzungen ausgegangen und meine Buchbesprechungen sollen ja auch nicht immer verständlich sein.
Wenn die Neugier auf das Buch geweckt wird und man es sich dann besorgt, hat eine solche Kolumne, die man ja vielleicht beim Friseur oder in der U-Bahn liest, aber ihren Sinn getan.
Sein Leben als Leser, hat mir Nick Hornby zwar nicht besonders eröffnet, aber das war ja schon das vorangegangene Buch.

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