Literaturgefluester

2013-07-29

Schreiben in der Sommerhitze

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Mit meiner Schreibklausur bin ich eigentlich ganz gut vorangekommen, das heißt so hundert Prozent klappte die Konzentration darauf nicht, erstens war es dazu wahrscheinlich zu heiß, dann ist die Schwiegermutter am Dienstag in Ungarn gestürzt und hat sich die Nasenspitze gebrochen, Rolf Schwendter ist gestorben, das gab einen regen Mailverkehr und am Donnerstag war Bürgermeister-Stadtspaziergang, also eigentlich noch eine Stadtschreiberaktion, obwohl ich ja schon zum Schreiben hinüberschwenken wollte und das habe ich auch getan, Mittwoch-, Donnerstag- Freitag- Samstagnachmittag in Harland auf dem Balkon ist je ein Kapitel entstanden, jetzt habe ich schon sechs von den geplanten dreizehn und zwei Personen sind mir inzwischen auch abhanden gekommen. Kurz sind die Rohentwürfe auch, es bleibt bei den jeweils sechs Seiten und so bin ich am Freitagabend wieder sehr frustriert mit dem Gefühl „Du kannst es nicht und alle, die dir das ohnehin schon immer sagen, haben vollkommen recht!“, mit dem Rad zum Viehofnersee und zur Büchertelefonfzelle gefahren.
Damit gehe ich inzwischen auch schon lockerer um, denke mir, natürlich habe ich was zusammengebracht, aber dieser Kampf mit den Sätzen vor dem leeren Blatt oder auf dem Laptop, da ich seit dem ersten Nanowrimo nicht mehr händisch vorschreibe, denn gibt es immer noch. Da hat sich, glaube ich, nicht viel geändert. Obwohl ich wirklich schon viel lockerer und selbstbewußter, dank dem „Literaturgeflüster“ bin.
Wie gehe ich beim Schreiben vor? Da kommt einmal die erste Idee, das war bei den „Kapiteln“, irgendwann auf der letzten Buch-Wien im November, vielleicht, als ich bei der Donau-Lounge gesessen bin und einem Ungarn und Cornelius Hell oder so ähnlich zugehört habe.
Dann schreibe ich das auf und in diesem Fall habe ich die Idee besonders lang aufs Eis gelegt, weil es ja noch drei Sachen zum Fertigmachen gab.
In dieser Zeit sind Ideen gekommen und wieder vergessen worden. Einiges habe ich aufgeschrieben, einiges kann ich nicht mehr lesen. Zwischen Weihnachten und Sylvester bin ich mit dem Buch auch einmal nach St. Pölten gefahren.
Als ich vorigen Dienstag mit dem „Literaturgeflüsterbuch“ fertig geworden bin, hatte ich, glaube ich, die vage Idee mit der Laura Augustin und den Büchern bis 2025. Darüber will ich ja sehr gerne schreiben. Das erste Kapitel hat dann die schon erwähnten sechs Seiten bekommen und beim ersten Hinunterschreiben ein genauso großes Gefühl des Versagens und des Nichtschaffen in mir erregt, scheint es mir doch nicht zu gelingen, das so breit und barock hinzukriegen, wie ich es will. Beim Schreiben verflüchtigt es sich, könnte man es nennen. Dann habe ich aber das Gerüst darum konzipiert, die anderen Personen gefunden, zumindestens zehn. Das Schlußkapitel wollte ich wieder der Laura zehn Jahre später widmen. Ein zwölfter Handlungsträger tauchte kurzfristig auf, verschwand wieder bzw. wurde in einen anderen umgewandelt. Da gibt es ja die Idee mit den zwei Lesben, Ruth und Vera und die einer Bloggerin, dann habe ich die Vera dazu gemacht und der Corvin Seidelhofer scheint auch in den Jakob Pröchtl, dieser schöne Name mir erst am Dienstag im Auto eingefallen, überzugehen. Das erste Laura-Kapitel habe ich und das über den Ernst Schwarz, diesen Wiener Juden, den es wirklich gegeben hat und der das „Gesprengte Grab“ ein Buch, das ichm Bücherschrank gefunden habe herausgeab. Da habe ich mich gewundert, daß eine chinesische Anthologie einen deutschen Herausgeber hat, habe „die Ostdeutschen!“, nachgegooglet und mir gedacht, das ist interessant. Dann darauf vergessen und die Idee dann wieder in meinem gelben Buch gefunden. Das dritte Kapitel ist die Uschy Bischof, die Freundin mit dem blauen Bus, die fährt jetzt über die Türkei nach Teheran und dann irgendwann nach China und schon ist das Kapitel fertig. Weil ich diese zwölf kurz oder längeren Romane, die mir eigentlich vorschwebten, irgendwie nicht schaffe, dazu bin ich offenbar zu ungeduldig. Ich schreibe mir was auf, dann sechs Seiten hinunter und schon bin ich fertig, ich bin unzufrieden, denke mir niedergeschlagen „Ich kann es nicht!“ und fange beim nächsten Mal wieder damit an. Dann kam das Kapitel mit dem Laurenz Wolkner, dem ehemaligen Stadtrat mit dem Alzheimer, auch eine Idee, die man schon von mir kennt. Das sechste Kapitel war das mit der Vera Mosebach und ihrem Klienten Jakob Pröchtl, der den Ernst Fried-Preis bekommt. Etwas Ähnliches habe ich schon in der „Mimi“ und schon wars mit dem Aufdröseln schwer und der Frust war da. Am Samstag kam die „Frau am Fenster“, Mia Maschawilli aus Tiflis, die in einen Massagesalon geraten ist, die Ruth wird ein Kapitel haben und der Jakob Pröchtel, sowie der Stefan Horetzky der Psychiater, ein Bindeglied zwischen dem Laurenz Wolkner, dem Ernst Schwarz und der Ruth Horvath und der Reigen und der Reiz dieser dreizehn Kapitel ist ein bißchen verschwunden.
Zwei Personen habe ich nun zu suchen. Oder ich werde einen elf Kapitel-Roman mit sechzig oder siebzig Seiten haben. Macht zwar nichts, aber der Frust bleibt vielleicht da und das Gefühl, daß ich es nicht kann.
Wie gehe ich weiter vor? Jetzt erstmal die drei ausständigen Kapitel schreiben. Dazwischen fahre ich nach Wien und drucke mir das alles aus und nächste oder übernächste Woche, wenn ich damit fertig bin, kann ich damit mit dem Rad an die Traisen oder wohin auch immer fahren und versuchen aufzudröseln, das Ganze als erste Materialsammlung verstehen und neu und umzuschreiben, weil der erste Entwurf ja noch sehr lange kein Roman ist, was mir zwar einleuchtet, aber bisher nicht wirklich gelingt.
Was mache ich damit? Wieder in eine Krise geraten, wie im letzten Jahr und wie gehabt, ein paar Sätze ändern, etwas einfügen, glätten, korrigieren und Buch 32 wird „Elf- oder Dreizehn Kapitel“ heißen, nicht besonders lang und auch nicht besonders neu und anders sein, schnell dahingeschrieben und höchstwahrscheinch wieder nicht besonders auffallen.
Anni Bürkl bietet ja ein sehr detailliertes Schreibcoaching an und bis zum 30. Juli siebzig Seiten sogar zum Preis für fünfzig.
Soviele Seiten bekomme ich vielleicht gar nicht hin und habe auch nicht wirklich vor mir ein Textcoaching geben, obwohl Anni Bürkl ja „Verlagsreife“ verspricht und natürlich etwas dran ist, von anderen zu hören, wo es noch nicht sitzt, was man verändern muß, um weiter zu kommen und ich meine Potentiale eigentlich gar nicht wirklich kenne, sondern insgeheim vielleicht glaube, ich hätte keine und schreibe wirklich am allerschlechtesten von allen auf dieser Welt und das ist auch der Sinn meiner Schreibberichte, wer hat eine Idee für mich?
Soll ich versuchen das Ganze noch einmal zu schreiben und wie schaffe ich das? Wahrscheinlich wirklich nur mit Feedback, weil man selber seine blinden Flecken hat und in der eigenen Suppe schwimmt und die heißt bei mir ja auch „Hat eh keinen Sinn, du hast ja schon soviel geschrieben und zurück kommt auch nicht viel, außer Schweigen oder der Satz mit dem „Das ist das Allerschlechteste, was ich..“
Die Zwischentöne fehlen und die bekommt man vielleicht wirklich bei seinem Lektor, wenn man einen hat, oder bei einem neoliberalen Coaching für viel Geld, das ich mir nicht leisten will.
Das „Literaturgeflüster“ ist vielleicht so ein Zwischending und deshalb schreibe ich auch so genau, wie es mir beim Schreiben geht, bevor ich mich dann wieder vor den Text setze und Kapitel acht „Eine Schwester für Zoe-Filipa“, schreiben und mit dem Ergebnis auf Überarbeitung gehen werde und bis dahin schon sehr gespannt und neugierig bin, wie es mir damit geht?
Denn natürlich ist es ja nicht ganz so düster. Ich habe schon viel geschrieben, habe auch viele Ideen, aber auch meine Schwachstellen, wie zum Beispiel meine Ungeduld und Schnelligkeit und keinen, der mich wirklich an der Hand nimmt und mir weiterhilft, wenn ich es bräuchte. Wie ich mich kenne, werde ich das auch diesmal selber tun, es sei denn, es ist vielleicht einer oder eine so lieb und gibt mir Feedback…

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