Literaturgefluester

2013-08-04

Fall in die Nacht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 18:15

Melamars, 2003 bei „viza edit“ erscheinener Raoman“Fall in die Nacht“, habe ich mir, obwohl er viel weiter vorne auf meiner Leseliste steht, auf dem Hochschwab mitgenommen, weil das kanpp hundert Seite dicke Büchlein in die Rucksacktasche passte und ich ohnehin soviel auf den Berg mitzunehmen hatte, obwohl die „kleine dunkle Geschichte aus einer kleinen dunklen Ecke der Gesellschaft“, wie es Patricica Brooks in ihrem Beschreibungstext nannte, vielleich nicht als Lektüre auf einen Berg passt, während man auf die Hüttenruhe wartet oder doch, natürlich, denn die kleinen dunklen Ecken unserer Gesellschaft interessieren mich ja sehr und die Gegend Pilgramgasse, Kettenbrückengasse, Margaretengürtel, ist mir auch bekannt, obwohl ich üblicherweise nicht nach Drogendealern Ausschau halte.
Es geht um Kathi, ein noch nicht volljähriges Mädchen, das von seiner Familie ausgerissen ist, von Klagenfurt nach Wien kam und in der Arena Mike, einen farbigen Boxer, der eigentlich Musik machen will, in Wien geborenen ist und am Yppenplatz lebt, kennen und liebenlernt.
So weit so schön und gut, die beiden teilen sich Mikes Wohnung, nehmen gelegentlich ein paar Drogen, Mike boxt, Kathi lebt von Gelegenheitjobs und klaut auch einmal in einem Supermarkt eine Tafel Schokolade, die sie dann aber, wenn sie von Maden zerfressen, angewidert in den nächsten Mistkübel schmeißt.
Das ist die Vorwarnung, meint die Ich-Erzählerin, die ihre Geschichte, die keine Liebesgeschichte ist, einem Du-erzählt, denn als sie nach Hause kommt, wird Mike verhaftet. Es ist Wahljahr, die Polizei oder wer immer braucht ihren Spektakel, so wird bei Mike nach Drogen gesucht, der keine hat und als er nach seinem Anwalt fragt, zusammengeschlagen und sechs Monate lang eingesperrt.
Das gibt Kathi, die vorher nur gelegentlich Drogen genommen hat, den Rest, sie beginnt Heroin zu nehmen. Es folgt eine Abhandlung was Heroin ist oder nicht ist, vorher gab es eine über das angepasste Leben, vor dem man sich, wenn möglich hüten soll.
Als Mike aus dem Gefängnis kommt, will er den „Kick“ und weil er das alleine nicht zusammenbringt, versetzt ihm Kathi den Todesschuß und hat nun Schuldgefühle, den den sie liebte umgebracht zu haben oder war es doch nicht die Polizei, die Gesellschaft, etc, die ihr Mike weggenommen hat?
In zwei Teilen und einigen Kapiteln wird diese Geschichte teils sachlich, teils verzweifelt und manchmal in sehr dichten Bildern erzählt, so ist das zum Beispiel sehr beeindruckend, wo Kathi in der U-Bahn- Station Kettenbrückengasse, ein französisch sprechendes Kind findet, das zu seiner Mama will, die ist ein Junkie und fällt, als sie auftaucht um, das Kind läuft sofort auf sie zu und untersucht ihre Pupillen, ein kleiner Einblick in die Überforderung der Kinder durch ihre Eltern, die das Leben nicht schaffen, was erst jetzt so richtig erforscht wird.
Melamar, die eigentlich Melanie Marschner heißt, 1976 in Klagenfurt geboren wurde, Romanistik, Rumänisch, Spanisch studierte, Redakteurin der Literaturzzeitschrift „Wienzeile“ , sowie Texterin und Sängerin der Band „The Cryptones“ ist, scheint es schon vorher gewußt zu haben, sich ein bißchen in der Drogenszene auszukennen und wahrscheinlich auf die Polizeiaktionen nach dem Tode Marcus Omufumas anzuspielen.
Manches scheint vielleicht auch ein bißchen überzogen zu sein, so kommt mir das, was Karlheinz Schleimig der Kripo Klagenfurt erzählte, im O-ton nicht ganz realistisch vor, weil so wahrscheinlich ein Jugendlicher der Mike, um Haschisch anbettelte, nicht spricht.
Aber ein interessantes Stück Literatur, das eine ein bißchen ratlos zurückläßt,die es schade findet, daß das Buch wahrscheinlich nur in einer sehr kleinen Auflage erschienen ist.
Die „viza edit“, gehört, glaube ich, zur Wienzeile, jedenfalls ist Günther Geiger, der ja auch dort tätig ist, der Herausgeber und auf einer der letzten Seiten gibt es eine Reihe Danksagungen an Institutionen, Firmen, Personen, die die Herausgabe möglich machten.
Mottis, wie „Sei stur und lebe dein Leben, wie es dir in den Sinn kommt!“, gibt es auch und das Buch, das ich, glaube ic,h an dem Tag im Wortschatz fand, als ich von den Krimitagen in der Hauptbücherei zurückgekommen bin, trägt einige Stempel, daß es zu „beam to kost nix“ ausgegliedert wurde.
Patricia Brooks, die ich von der GAV kenne, die bei den „Mittleren VI“ gelesen hat und sich, glaube ich, auch bei der „Wienzeile“, wo ich auch schon mal einen Text hatte, engagiert, hat wie erwähnt, den Beschreibungstext geschrieben und Melamar habe ich 2008 in der Gesellschaft für Literatur kennengelernt, als es dort um Roma-Literatur ging. Bei der GAV-Lesung wo sie sich als neues Mitglied vorstellte, war ich, glaube ich, auch und heuer habe ich sie beim „Tag der Freiheit des Wortes“ gehört und da hat mich ihr sehr poetischer Text sehr beeindruckt.Bei den Poet-Nights habe ich sie auch schon gehört.
Eine vielleicht ein bißchen ungewöhnliche Berglektüre, es geht aber gleich weiter mit dem Gernre und dem Sujet, habe ich ja vorhin der Badewanne Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ begonnen, die allerdings viel jünger als Melanie Marschnig ist.

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