Literaturgefluester

2013-08-10

Die Welt der Lisbeth Salander

Filed under: Uncategorized — jancak @ 19:45

„Die Millenium-Trilogie entschlüßelt“, herausgegeben von Dan Burstein und Co-Atuoren, der schon einige Bestseller, wie den „Da Vinci Code“ oder „Das Sacrileg“ entschlüsselt hat, hätte ich im Juni fast im Bücherschrank stehenlassen, dann ist mir das „Drachentatoo“ am Umschlag doch aufgefallen und ich habe mich erinnert, daß ich im Mai, den ersten Teil der Serie Stieg Larssons „Verblendung“ gelesen und mir dann noch gleich den Film angeschaut habe, habe mir das Buch genommen und jetzt in der Sommerfrische gelesen, denn die Welt der Lisbeth Salander ist ja sehr interessant, war ich im von der Figur dieses autistischen, traumatisierten oder was auch immer, Mädchens ja auch sehr fasziniert.
Um es gleich vorweg zu nehmen, so besonders viel hat mir Dan Burstein nicht entschlüßelt und das Buch ist vielleicht sogar ein Ettikettenschwindel, geht es ja vor allem um Stieg Larssons Leben und die schwedische Gesellschaft und im Vorwort erzählt der Amerikaner noch, wie er dazu gekommen ist, Stieg Larsson zu entschlüßeln.
Dann beginnt er ein bißchen über Lisbeth Salander und ihr Asperger-Syndrom zu erzählen und, daß das Buch, das im Englischen das „Mädchen mit dem Drachentatoo heißt“ in Schweden unter „Männer, die Frauen hassen“ herausgekommen, diesen Titel hat der Feminist Stieg Larsson bei seinem Verlag durchgesetzt und der Sinn dahinter ist, Gewalt gegen Frauen aufzuzeigen.
Stieg Larsson, der am 9. November 2004, meinem Geburtstag, wegen einem Liftausfall mehrere Stöcke hochgelaufen ist und an einem Herzinfarkt verstarb, hatte zu diesem Zeitpunkt gerade den Vertrag der ersten drei Bände unterschrieben, das erste Buch war, glaube ich, schon lektoriert, die anderen nicht mehr, das vierte im Computer, das Ganze auf zehn Bände angelegt, war, wie Burstein schreibt, ein Workoholic, der sechzig Tassen Kaffee an einem Tag trank und sportlich nicht sehr trainiert war, sein politisches Leben wird beschrieben und auch die Frage thematisiert, ob die Bücher nicht vielleicht doch von der Lebensgefährtin, die enterbt überblieb, geschrieben worden wären?
Da hat es vor einem Jahr einen Spiegelartikel gegeben, in dem ungefähr dasselbe drinnenstand. Dann geht es zu den Kollegen Larssons, der ja Journalist war und eine Zeitschrift gegen Rassismus namens „Expo“ herausgegeben hat, bevor der Entschlüßeler uns Steg Larssons Lektüre verrät.
Er und Eva Gabrielsson waren Schiece Fiction- und Krimifans und das Vorbild für die Lisbeth Salander war die Pippi Langstrumpf, eine erwachsen gewordenen Rächerin ist Stieg Larsson da ja vorgeschwebt.
Im zweiten Teil gibt es eine Abhandlung über den nordischen Kriminalroman, der ja mit dem Marxisten Duo Per Wahlöö und Maj Sjöwall in den Sechziger-und Siebziger Jahren eine Blüte hatte und auch von Stieg Larsson gern gelesen wurde. Dann gibt es die Wallander-Krimis von Henning Mankell, Ake Edwardson, Liza Marklund etc und ein paar Interviews bzw. Artikeln von heutigen nordischen Krimiautoren, die zum Teil in Larsson ihr Vorbild haben. Ein Paar hat sogar das Pseudonym Lars Kepler, Lars von Stieg Larsson und Kepler von Johannes Kepler gewählt.
Es geht um den Zusammenhang mit der Gewalt an Frauen und es wird auch die Gewalttätigkeit Schwedens untersucht, Olov Palme und eine Innenministerin wurden ja auf offener Straße erschoßen, es gibt einen Polizeichef, der selbst vergewaltigt hat und die Frage wird untersucht, wie weit sich dieses Schweden, das ich zum Beispiel 1975 mit meinen Vater und einer Gruppe Sozialisten besuchte, um Kindergärten, Spitäler etc zu besichtigen, inzwischen vom überall gelobten Wohlfahrts- und Sozialstaat ins Gegenteil verändert hat.
Dann geht es zu den Verschwörungstheorien bezüglich Stieg Larssons Tod, vielleicht ist er am 9. 11. 04 gar nicht gestorben, sondern nur verschwunden. Ich persönlich, glaube das zwar nicht, aber Gordon Kutnik stellt Verbindungen zu dem Werk auf, wo ja auch Leute verschwinden und erst Jahre später wieder wiederkehren. Das Rätsel um den vierten Roman wird gestellt, von dem es ja schon an die hundert Seiten geben soll und den Eva Gabrielsson gerne fertig schreiben würde, wenn sie der Bruder Joakim das nur lassen würde. Dann geht es um die Verfilmungen und Lars Stegsson als Theaterstück.
Im dritten Teil erzählt ein Freund John-Henri Holmberg in der „Stieg-Larsson-Story“ Details aus Stieg Larssons Leben, die zum Teil schon in den vierhundert früheren Seiten thematisiert wurden. Also, daß Stieg Larsson die ersten neun Jahre seines Lebens ziemlich abgeschieden bei seinen Großeltern verbrachte, dann erst zu seinen Eltern und dem jüngeren Bruder Joakim kam. Weil er sehr viel schrieb und die Schreibmaschine den Bruder störte, mieteten ihn die Eltern einen Kellerraum, mit Sechzehn zog er in ein Zimmer gegenüber, 1974 lernte er Eva Gabrielsson kennen, 1977 zogen beide nach Stockholm, die „Expo- Gründung“, die Frage, wieweit Eva Gabriellson an der Trilogie beteiligt war und daß Larsson sie finanziell beteiligen wollte, aber kein Testament vorhanden war und ohne dem bekommt in Schweden alles die Familie.
Im vierten Teil den „Millennium-Akten“ geht es hin und her mit den Informationen. Über Lisbeths Gewalttätigkeit und ihr Asperger-Syndrom wird diskutiert, dann Stieg Larsson sogar mit Franz Kafka verglichen, der ja auch erst nach seinem Tod berühmt geworden ist, weil sich Max Brod nicht daran gehalten hat, seine Werke, wie er sollte, zu verbrennen, was ich wieder etwas übertrieben finde, obwohl ich ja kein besonderer Kafka-Fan oder Spezialistin bin.
Stieg Larssons Trink und Eßgewohnheiten werden analysiert, er trank viel Kaffee und ernährte sich vorwiegend von Fast Food, wie Pizza. Dann geht es nach Stockholm auf Millenium-Tour, da kann man jetzt den Spuren der Trologie nachreisen und Stieg Larsson hat den Tourismus angekurbelt.
Zuletzt kommt eine lange Biografie und eine lange Danksagung, sowie die Vorstellung des Autors und der Co-Autoren und man hat ein buntes Sammelsurium an Informationen gelesen, das sicher helfen kann, den Roman besser zu verstehen, obwohl das meiste habe ich, glaube ich, schon aus dem Buch herausgelesen und ich habe nur den Teil eins, die „Verblendung“ gelesen, mir dann den Film im Internet angeschaut, der erste Teil war zur Gänze zu bekommen von den anderen gab es nur Ausschnitte.
Gleich am Anfang des Buches steht, daß die Trilogie süchtig macht, kennt man Teil eins, will man alles lesen, so schlimm war es nicht bei mir, ich werde aber natürlich, sollte ich auch „Verdammnis“ und „Vergebung“ irgendwann finden, die Bücher lesen und habe auch ein bißchen in Eva Gabrielsons „Stieg und ich“ hineingeschaut.

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