Literaturgefluester

2013-08-13

Umgeschrieben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:23

Als gestern meine fünf Uhr Stunde ausgefallen ist, bin ich ein bißchen auf der Terrasse gesessen und habe das erste meiner „Dreizehn Kapiteln“ durchgesehen und war nicht recht zufrieden damit. Erinnern wir uns, da geht es ja um Laura Augustin und die wird demnächst sechzig, hat den Bescheid von ihrer Pensionsversicherung bekommen und überlegt, ob sie eine Einweihungsparty geben soll und kommt darauf, daß sie keine Gäste hat, die sie dazu einladen kann, denn Vater, Mutter, Bruder und Schwester schon lang gestorben, die Freundin Uschy Bischof fährt gerade nach Teheran, ja die Nachbarin Nika könnte als Weihnachtsfrau verkleidet kommen und der ehemalige an Alzheimer erkrankte Kulturstadtrat Laurenz Wolkner.
So etwas hatte ich schon im „Beim Sterben sollte man zu Hause sein“ und eigentlich heißt die Geschichte ja „Bücher für zehn Jahre“ und das war es ja was ich beschreiben wollte. Dann bin ich aber über die Gästeliste der Party gestolpert und war nicht recht zufrieden. Ich sollte das umschreiben, ja, aber meine Leser wissen es wahrscheinlich, ich bin nicht gut beim Umschreiben. So habe ich nur ein bißchen daran herumkorrigiert, dann ist mir eingefallen, daß ich ja schon früher in Richtung Nordwestbahnstraße gehen könnte, weil ich ja so etwas, wie „Fünf Stunden Schreiben“ machen wollte. Da ich um halb fünf weggegangen bin und um sieben „Am Nordpol“ sein sollte, sinds nur zweieinhalb geworden und eine halbe habe ich auch beim „Morawa“ verbracht, um mir die Bücherneuerscheinungen anzuschauen und nachzudenken, was da morgen auf der dBP Longlist stehen wird? Mein Manuskript und das gelbe Notizbuch habe ich mitgehabt. Aber wenn man die Taborstraße hinuntergeht, sieht man Frauen in schwarz weiß gekleidet und ganz kleine Buben mit schwarzen Käppchen und Schläfenlocken und ich habe ja meine dreizehn bzw zwölf Personen eigentlich schon. Ich habe mich dann noch eine halbe Stunde in den Augarten gesetzt, habe einem Türkenmädel mit Kopftuch beim Seifenblasen zugeschaut und heute morgen umgeschrieben. Da heißt Kapitel eins neu gemacht. Sehr viel länger ist es nicht geworden. Ich glaube sogar ein paar Zeilen kürzer. Aber jetzt kommt die Laura mit ihren Pensionsbescheid in ihre Wohnung, stößt dabei über eine Tragetasche mit zwölf Büchern, die sie sich am letzten Tag von den Schränken holte und keinen Platz zum Einräumen fand, aber die Nika wird ihr ihre Wohnung nicht verkaufen und für ein neues Bücherregal ist kein Platz und da sind wir schon bei den tausend Büchern, die in den nächsten zehn Jahren aufzulesen sind. Die Uschy bleibt in Teheran, die Karte aus Edirne ist gekommen, die Mia steht am Fenster und in der Tüte waren unter zwei alten Büchern der Marlene Streeruwitz, einem Daniel Kehlmann und einem Clemens J. Setz, die „Erzählungen aus China“ herausgegeben von Ernst Schwarz und ich war zufrieden, habe das urspüngliche Kapitel eins gelöscht und kann in den nächsten fünf Tagen noch einmal das Ganze durchkorrigieren. Es blieb bei neunundsiebzig Seiten und vorläufig 31169 Wörtern, womit ich zu einer interessanten Frage komme, die der Plagiatsaufdecker Sven Schroder bei Martina Gerckes „Glücksstern mit Schwips“ entdeckte, die hat, meint er, diesmal zwar nicht von anderen, sondern bei sich selber abgeschrieben und zitiert ein paar Stellen aus Holunder- oder Champagnerküßchen und ein paar Amazon-Rezensenten griffen das höhnisch auf, aber ich denke auf diese Art und Weise kann man auch einen Thomas Bernhard entlarven, eine Barbara Frischmuth, eine Courths-Mahler und und und mich natürlich und ich würde das nicht als Plagiat bezeichnen, sondern zitieren „Man schreibt immer den selben Roman, ein Leben lang“ und wenn eine, wie ich zweiunddrei0ßig bzw. fünfunddreißig Bücher geschrieben hat, werden sich die Inhalte wiederholen, vor allem wenn man auf die eigene Sprache und die eigenen Themen Wert legt und authentisch sein will. Denn meistens wird einen ja etwas Bestimmtes beschäftigen, bei mir sind das momentan die Bücherberge, das erfolglose Schreiben war das lange auch und so habe ich schon in den „Zwillingswelten“ von der Lisbeth geschrieben, die ihre Leselisten hinunterliest und das Motiv mit den Geburtstagseinladungen zu denen dann keine Leute kommen, kenne ich auch sehr gut. Die Dora Faust war vierzig, als ich fünfzig war und den Text geschrieben habe, die Laura Augustin wird am ersten Dezember sechzig, ich schon am neunten November und bei mir sind diese Wiederholungen denke ich, auch egal, weil die meisten Leute ja auch meine früheren Bücher nicht kennen.
„Die begrenzte Frau“ kommt nach Hause, als sie von ihren Architekturbüro entlassen wird und bei der „Sophie Hungers“ ist das ähnlich.
Ein wenig bin ich mit diesen sich wiederholenden Motiven auch unzufrieden, weil ich denke irgendwie reiße ich nur an und komme vielleicht nicht so in die Tiefe, wie ich vielleicht will und erinnern wir uns, die „Dreizehn Kapiteln“ sind nur sehr kurz geworden. Ich denke sie sind aber sehr dicht und mein Alter Ego finde ich sowohl in der Laura Augustin mit ihren Bücherbergen, als auch in der Vera Mosebach mit ihren Blog und nein, ich habe noch nie einen „Erich Fried-Preisträger“ therapiert, wohl aber schon andere Schreibende in meiner Praxis gehabt.
Wieder ist ein weiterer Artikel übers Schreiben entstanden, während ich ja schon gespannt auf Morgen und die dBP Preisliste warte, bzw. mir eine eigene mit circa fünfundzwanzig Titeln erstellt habe und neugierig bin, wieviele Treffer ich haben werde. Aber vielleicht ist alles anders und neu und unbekannt. Im Archiv der dBP-Preisseite bin ich auch gewesen und habe mir errechnet, daß ich circa siebzehn der Longlistenbücher von 2005 bis 2012 gelesen habe und circa sieben stehen auf meiner Leseliste, denn das sind ja die Bücher, die man dann bei den Thalia Abverkaufslisten findet und voriges Jahr war ich ja auch auf einen interessanten Flohmarkt, wo ich über einige Rezensionsexemplare gestolpert bin. Also auf Morgen warten und sich freuen, daß ich jetzt ein ganzes Kapitel umgeschrieben habe, auch wenn es nicht wirklich länger geworden ist, aber dafür dichter und ein bißchen traurig finde ich es immer noch, daß ich schreiben kann und schreiben und keiner nimmt es wahr und merksts.

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