Literaturgefluester

2013-08-17

Der Seelenbrecher

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:16

ES geht gleich weiter mit dem Gruseln in der Sommerfrische, nämlich mit dem vierten Roman, des 1971 in Berlin geborenen Sebastian Fitzek „Der Seelenbrecher“, der sich ja, wahrscheinlich familär bedingt, auf psychologisch fundierte Psychothriller spezialisiert und so spielt das Buch auch zu Weihnachten in einer verschneiten Gruselklinik, das heißt dem Privatsantorium „Teufelsberklinik“ und wenn man den Klappentext liest, gerät man, wie von Sebastian Fitzek sicherlich gewollt, in die Irre.
Denn da werden drei Frauen die Seelen gebrochen, sie werden nicht gefoltert, nicht getötet von dem Psychopathen, hört man im Trailer, sonder in den eigenen Körper verbannt, also in ein Wachkoma versetzt und so beginnt es auch mit einer Patientenakte, da wird die Schauspielerin Vanessa Strassmann vergewaltigt bzw. erlebt sie ein diesbezügliches Trauma durch und kann danach nicht mehr aus ihrer Haut heraus.
Die Kapiteln sind mit „Vor“ oder „Nach der Angst“ überschrieben und dann geht es auch, um eine Patientenakte, namens „Der Seelenbrecher“ geschrieben von dem Psychiater Viktor Larenz und ein Professor bestellt „sehr viele Jahre nach der Angst“, einige Studenten gegen zweihundert Euro zu einem Experiment in das alte Sanatorium.
Sie sollen die Patientenakte lesen und dann fängsts an, denn in dem Sanatorium oder sprich Privatpsychoklinik, denn es ist ja alles höchstmodern, wird Weihnachten gefeiert. Da gibt es eine alte Dame, Angstpatientin, die niemals Weihnachten allein, sondern immer fernsehend in der Klinik verbringt, sie ist auch leidenschaftliche Rätselraterin und läßt sich von Caspar, der vor zehn Tagen im Schnee gefunden wurde und jetzt keine Erinnerung mehr hat, den Fernseher richten. Der dritte Patient in der Nobelklinik ist ein Musiker, der durch Drogen seine Sprache verlor und jetzt Unverständliches vor sich hinstammelt. Haben ich das nicht schon im „Augensammler“ gelesen?
Dann gibts den Klinikleiter Prof. Raßfeld, die junge Ärztin Sophia Dorn, die sich so liebevoll um Caspar kümmert, den Hausmeister Bachmann, eine Köchin, eine Krankenschwester, mehr vorerst nicht, erinnert ein bißchen an Agatha Christies „Zehn kleine Negerlein“.
Denn ein Unfallwagen wird umgestoßen, der einen Patienten mit Lungenschnitt und dessen Sanitäter in die Klinik bringt, der dann für den Seelenbrecher gehalten wird und alles gerät in Panik.
Sophia wird als viertes Opfer in der Badewanne gefunden, der Musiker Linnus verschwindet, dann auch der Professor, die Klinik wird eingeschneit, die Verbindung nach daußen gestört, Handyempfang gibts keinen, so zieht der Hausmeister in der Meinung der Seelenbrecher ist draußen das Schott hinunter, dann kann er es aber nicht mehr hochziehen, denn nur der Professor, der inzwischen als Leiche gefunden wurde und Sophia, die im Wachkoma im Rollstuhl sitzt, kennen es.
Bei Casopar kommt inzwischen nach und nach die Erinnerung wieder, er war Arzt und hatte eine kleine Tochter, bei der ihm irgendein Kunstfehler passierte, so setzte er sich betrunken ins Auto und erlitt einen Unfall, jetzt bekommt er heraus, daß Sophia hypnotisiert wurde.
Der Seelenbrecher hypnotisiert seine Opfer, versetzt sie in künstlichen Schlaf und dann sterben sie und so passiert allerhand in dieser Nacht. Minitiös genau wird das aufgezählt und dazwischen sitzt der alte Professor mit den zwei Studenten Lydia und Patrick, die anderen haben den Versuch als zu gefährlich abgebrochen in dem alten Haus und lesen die Akte.
Ich habe zwischendurch, wie ich es gerne tue, den Inhalt nachgegooglet und stieß auf eine Rezension, wo man erst makieren mußte, um herauszubekommen, daß Sophia nicht Dr. Bruck, der Seelenbrecher ist.
Wie soll das gehen, wenn die doch im Rollstuhl sitzt? Aber bei Sebastian Fitzek ist alles anders, der führt gerne in die irre, macht wieder ein fröhliches Rätselraten daraus, während das Blut, bzw. die Infusionen fließen. Gestern habe ich auch noch ein Filmchen gesehen, wo er sagt, daß er seine grausigen Geschichten immer gerne in schönster Umgebung schreibt und dazwischen geht es auch, um die Frage, ob man jemanden gegen seinen Willen hypnotisieren kann?
Die Milton Erikson Therapeutin, die diese Methode in ihrer verhaltenstherapeutischen Praxis betreibt, sagt nein. In der Literatur ist ja immer alles viel abgehobener. Aber einen Schlaganfall kann man wahrscheinlich während der Hypnose genauso gut, wie wo auch immer bekommen. Dann ist der Hypnotiseur nicht schuld, daß das passiert. Wenn mir das aber passieren würde, würde ich mich schuldig fühlen, ganz egal ob ich jetzt weiß, daß das stimmt oder nicht. Und ein Vater sollte sein Kind nicht gegen seinen Willen hypnotisieren, auch wenn er herausbekommen will, ob es vielleicht mißbraucht wurde. Auch im normalen Leben sollte man da aufpassen und vorsichtig sein, auch wenn das wahrscheinlich nur die Anwälte verdienen, aber keine Leichen herumliegen werden.
Und so geht es auch mit den Helden in der sehr erhöhten spannend aufgebauschten Geschichte, in der sehr vieles übertrieben und unlogisch scheint, aber leicht zu lesen und natürlich spannend ist und es beschreibt auch ein Milieu, das mich sehr interessiert.
Ich habe das Buch während meines Lesemarathons vor ein paar Wochen in der Telefonzelle bei der „Seedose“ gefunden, es war schon sehr ramponiert und ist mir beim Lesen buchstäblich auseinandergefallen. Wer es hineingelegt hat, steht nicht in dem Buch, aber interessant ist eines, bei dem Experiment, in dem der alt gewordene Dr.Haberland alias Caspar herausfinden will, ob man beim Lesen der Akte einen psychischen Schaden bekommen kann, geht es um eine Mailadresse, die die Probanden verwenden sollen, wenn sie an sich Schäden merken, die ist zwar nicht in dem Buch, aber in dem beigehefteten handgeschriebenen post it zu finden 131071vl@alznerexperiment.com.
Spannend, spannend also, obwohl ich ja eigentlich keine Kriminalromane lesen will.
Von Sebastian Fitzek sind inzwischen, kann ich noch anfügen, sieben weitere Bücher erschienen, die letzten sind „Der Nachtwandler“ und „Abgeschnitten“ gemeinsam mit Michael Tsokos. Und in Leipzig hatte er, habe ich auf seiner Seite gelesen, einen Stand, wo die Besucher, die im Pyjama dort erschienen, eine Wohnzimmerlesung gewinnen konnten.

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