Literaturgefluester

2013-09-01

Impressionen vom Volksstimmefest

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:03
Güni Noggler

Güni Noggler

Gerda Marie Pagoda

Gerda Marie Pagoda

Nach dem Begräbnis von Rolf Schwendter ging es gleich aufs Volksstimmefest und somit ins endgültige Ende der Sommerfrische und in den Herbst- und Schulbeginn.
Wir sind ja schon Freitagfrüh nach Wien gefahren, am Freitagnachmittag habe ich den Alfred besucht und mir den neuen WU-Campus im Prater, der noch ziemlich unfertig ist, angeschaut und am Samstagnachmittag mit der U- und Straßenbahn, die Tasche mit ein paar Bücher aufs Volksstimmefest transportiert, wo es ja heuer zwei Verkaufsstände gab.
Das „Zentrum Donau“ hat ja diesmal die Bücher der „Linken Wort-Leser“ verkauft und dann gab es wieder einen Büchertisch, gleich neben der Siebensternbühne, die es im Vorjahr, glaube ich, nicht gegeben hat. An den Verkaufsstand sollte man die Bücher schon ab dreizehn Uhr bringen. So früh habe ich es nicht geschafft. Trotzdem bin ich schon um ca drei zur Siebensternbühne gekommen, wo alles noch ziemlich unfertig war.
Keine Bänke aufgestellt und auch noch keine Autoren, nur die Ruth ist ziemlich einsam auf einer Bank gesessen.

Rudolf Lasselsberger

Rudolf Lasselsberger

Eva Jancak

Eva Jancak

Nach und nach sind die Autoren aber eingetroffen und es begann dann mit dem 1962 geborenen und Schwaz, lebenden Güni Noggler, mit dem ich schon mehrmals gelesen habe, ich habe auch ein Buch von ihm gelesen, eines steht noch auf der Leseliste und Güni Noggler begann auch gleich mit lauter Stimme von „Es ist Ausverkauf!“, zu sprechen und zählte eine Reihe von Mißständen und Skandale auf, die in diesem Lande vorherrschen, bzw. angepriesen wurden.

Gerald Grassl

Gerald Grassl

Hilde Langthaler

Hilde Langthaler

Gerda Marie Pagoda, 1941 in Bochum geboren, die, glaube ich schon vor zwei Jahren gelesen hat, machte mit dem Ausverkauf gleich lyrisch weiter.
„Es ist Ausverkauf, Rausverkauf, alles muß raus!“ oder so und Rudi Lasselsberger brachte wieder etwas von seiner „Willilogie“. Die vierte Leserin war ich und ich hatte zwei relativ kurze Texte.
Der erste war der „Maimißbrauch“ den ich ja in der Schreibgruppe im Mai geschrieben habe und der zweite den Brief an „Rolf Schwendter“, der glaube ich, sehr gut angekommen ist, zumindestens haben mich einige Leute positiv darauf angesprochen.
Gerald Grassl erklärte, daß er sich mit dem größten Ausverkauf der jüngeren Geschichte, nämlich der „Arisierung“ und dem Jahr 1938 beschäftigt hat und brachte einen Text von einem Juden, den er in einer kommunistischen Gruppe kennenlernte und der erzählte, daß Väterlein Stalin seinem Vater das Leben gerettet hat, in dem er ihm aus dem KZ befreite, während die Nazis ihm bei einer Hausdurchsuchung seine wertvolle Büchersammlung, darunter eine Erstausgabe des „Kommunistischen Manifestes“ raubten und später, als die Nazis keine Nazis mehr wahren, in einem Antiquariat teuer verkauften.

Susanne Ayoub

Susanne Ayoub

Karin Gayer

Karin Gayer

Hilde Langthaler brachte einige kürzere Texte und Susanne Ayoub hatte einige „Mann-Frau-Dialoge“, wo es um den Ausverkauf der Paarbeziehungen ging.
Karin Gayer hat, glaube ich, auch schon einmal auf dem Volksstimmefest gelesen und hatte eine Geschichte, die „Die Katastrophe“ hieß. Da kauft sich eine Sekretärin in der Mittagspause ein paar schöne Halbpreismarkenklamotten, bricht sich einen Nagel, freut sich aber trotzdem auf das Date mit einem jungen Anwalt, denn das ist die Chance für die Zukunft. Sie kauft sich dafür auch eine schöne Tasche und als sie dann mit ihrem Auto nach Grinzig fährt, ist es in der Sommerhitze so heiß, daß sie verschwitzt dort ankommt, enttäuscht zurückfährt und aus ist es mit dem Traum der Anwaltsfrau.
Bernhard Erich Kaute, 1983 in Schwarzach im Pongau geboren, ist eine Neuentdeckung für das Volksstimmefest und las einige Gedichte vor.
Dann kam Judith Gruber-Rizy mit einer Stelle aus ihrem neuen Roman „Schwimmfüchslein“ und dann ein Rolf Schwendter-Gedicht.
Helmut Schranz, der als nächster lesen sollte, fiel aus. Sein Buch „Birnall“ habe ich mir aber vor kurzem beim Morawa-Flohmarkt gekauft.

Judith Gruber-Rizy

Judith Gruber-Rizy

Bernhard Erich Kaute

Bernhard Erich Kaute

Gertraud Klemm las wieder eine Stelle aus ihrem demnächst bei „Droschl“ erscheinenden Roman „herzmilch“ und Erwin Riesss einen „Groll-Text“, der vor kurzem im „Augustin“ erschienen ist. Einen neuen „Groll“-Roman „Herr Groll und die ungarische Tragödie“ wird es auch bald geben.
Die Samstag Lesung endete mit einem Text von Christian Schreibmüller, den ich, glaube ich, schon kannte, nämlich mit dem Kopfsalat in dem Halluzinogene entdeckt und der daher von der Innenministerin verboten werden soll. Ein halbes Gedicht und ein Rap folgten auch noch.
Dann gabs wieder Kaffee, Kuchen und Autorentratsch am Favoritnerstand und ein Herummarschieren, Leute treffen und Sturm trinken im Festgelände.
Am Sonntag bin ich, weil ich über die Hauptalle zum Fest gehen wollte, ein bißchen später zum „Linken Wort“ gekommen, so daß Doris Nussbaumer, die ja die „Lise-Meitner-Anthologien“ vor der „Verramschung gerettet und auf den Bücherständen aufgelegt hat, schon las und ich ihren Text, der in der „Wien-Zeile“ erschienen ist, versäumte, da die neue „Wien-Zeile“ aber demnächst im „Werkl“ präsentiert wird, läßt sich das nachholen.

Gertraud Klemm

Gertraud Klemm

Erwin Riess

Erwin Riess

Als nächstes kam Ruth Aspöck, versprach ihr „Bestes“ zu geben und las einen Kuba-Text, in dem es darum ging, daß die Kubaner das Wort Ausverkauf nicht verstehen, da die Regale zu der Zeit, wo sie dort war, meistens leer waren und die Waren sehr knapp bemessen.
Magdalena Knapp-Menzel las wieder sehr eindrucksvoll von Ideen, wie man die Armen und die Alten entsorgen könnte, um den Wohlstand für alle zu sichern.
Dann kam wieder ein neuer Leser, nämlich der 1987 in St. Veit an der Glan geborene Gabriel Binder, der mir genauso unbekannt war, wie der in Graz lebende Schriftsteller und Liedermacher Franz Stephan Parteder, der in Graz stellvertretender Bezirksvorsteher war.
Elfi Resch, die auch in der Veza-Canetti Anthologie vertreten ist, brachte zwei beeindruckende Texte. Der erste handelt davon, daß es an einem Tag im Jahr 1988 im Burgenland auf einmal keine Bananen mehr gibt, dafür aber viele Autos mit ungarischen Kennzeichen und der zweiten handelt von einer arbeitslosen Frau und ihren Kunststücken von sieben Euro zu leben, bzw. in den Supermärkten einzukaufen und nicht zu verhungern und dann noch fünfzig Cent einer Augustin-Verkäuferin zu spenden.

Christian Schreibmüller

Christian Schreibmüller

20130831-171254

Hilde Schmölzer brachte einige theoretische Erörterungen zum Thema Prostitution und Helmut Rizy einen Traum, wie er sich auf einmal in einem Flugzeug nach Griechenland befindet und ihm dort Inseln, Yachten und Häfen zum Schnäppchenpreis angeboten werden.
Thomas Northoff brachte wieder etwas aus „Nein elefen“ und die Juristin und experimentelle Autorin Neda Bei beschäftigte sich mit dem Thema Ausverkauf aus juristischer Sicht, wobei der Ramsch und die Schnäppchenkäufe auch eine Rolle spielten und der Schriftsteller Peter Clar, der auch schon bei früheren Linken Wörtern las, ich ihn von einem Jelinek-Symposium kenne und schon bei mehreren Lesungen hörte, drückte wieder auf sehr brillante Art und Weise seinen Widerwillen über dieses Thema zu schreiben aus.

Christoph Kepplinger

Christoph Kepplinger

Dazwischen kamen noch Gerald Grassl und Ottwald John zu Wort, um an Rolf Schwendter zu erinnern. Gerald Grassl erzählte Anekdoten von der Angora-Gedenklesung zu der mich Peter Contra eingeladen hat und Ottwald John gab Erinnerungen an den kleinen lesehungrigigen Rolf Schwendter zum Besten bzw. erzählte er wann und wie er ihn kennenlernte.

Den Abschluß bildeten dann die beiden jungen Sprachkünstlerinnen Eva Schörkhuber und Nadine Kegele, die auch auf den Volksstimmefestlesungen kennenlernte, wobei die nächste Klagenfurter Stadtschreiberin ihren Text vom Handy las und sich dafür entschuldige.
„Kein Grund das zu tun!“, schloß Christoph Kepplinger, versprach aber, die nächste Anthologie nicht als E-Book herauszugeben und die Texte auch nicht ins Netz zu stellen und wies nochmals auf die Büchertische hin, wo ich von mir auch tatsächlich zwei Bücher verkauft wurden.
Dann gabs noch einmal Kaffee und Kuchen und ich ging mit dem Alfred zur Volksstimmefest-Bühne, wo Harri Stojka ein sehr eindrucksvolles Konzert gab.

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