Literaturgefluester

2013-09-15

Die Teufelsinsel

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:35

Im Bücherschrank lag zu Beginn des Jahres Einar Karasons „Die Teufelsinsel“, eines der sogenannten Wochenbücher und seit Island 2011 Schwerpunktland in Frankfurt war, bin ich auf die isländische Literatur neugierig geworden, inzwischen haben sich auch schon einige Island-Krimis bei mir eingefunden.
„Die Familiensaga aus dem Wilden Norden“ steht auf dem Buch aufgeklebt und wenn man in das Impressum sieht, merkt man auch, Neuauflage des 1983 erschienenen Buches, 2011 und eigentlich ist es eine Trilogie, die der 1955 geborene Einar Karason, da über eine Barackensiedlung in Reykjavik schrieb, mit der er, glaube ich, auch berühmt geworden ist.
„Die Teufelsinsel“ ist der erste Teil, scheint in den Fünfziger- oder Sechzigerjahren zu spielen und erinnert mich in Wort und Handlung ein bißchen an die „Asche meiner Mutter“.
Es geht um eine große Großfamilie, die sich da in den ehemaligen Baracken eines amerikanischen Militärstützpunktes niedergelassen hat.
Am Beginn des Buches gibt es eine Ahnentafel der Familie, damit man sich auskent, am Ende einen Plan, wo die Häuser der handelnden Personen eingezeichnet sind.
Tommi und Lina, die Wahrsagerin, sind jedenfalls das Haupt der großen Familie. Tommi betreibt ein Kolonialwarengeschäft, zuerst war er fliegender Händler und Lina, eigentlich Karolina, zieht alle Kinder ihrer Töchter auf, denn die haben viele und verschwinden dann irgendwohin, meistens in das gelobte Land Amerika und so macht sich Karason über die Säufer und Invalidenbezieher des Viertels gehörig lustig und macht das auf eine so eindrucksvolle Art, daß es offensichtlich auch verfilmt wurde.
Und so gibt es treffende Szenen, treffende Kapitel, wo die Familie in ihren Stärken und Schwächen beschrieben wird.
Um die Jugend vom Schuleschwänzen und vom Raufen abzubringen wurde ein Fußballclub gegründet, einer der Invalidenrentner stellt einen Weltrekord im Kugelstoßen auf, schade nur, daß man später herausfindet, daß er das mit einer Jugendkugel schaffte, so daß er gleich, nach dem Zeitungsreporter erschienen sind, wieder disqualifizert wird und die Jungens, Linas Enkel und deren Freunde, verkaufen die Zeitungen, die sie eigentlich austragen sollen, noch einmal. Nachher sagen sie, sie haben sie gar nicht bekommen und keiner wagt ihnen zu widersprechen.
Dolli, ist eine schöne junge Frau, Mutter von Zwillingen und fast trübsinnig vor Langeweile bevor der Aufschneider Snjolf, der von seinen Abenteuern anderswo, überall war er Chef und einen Haufen Kinder die er eigentlich gar nicht haben kann, hat er auch, erzählt, kommt und sie sich in ihm verliebt. Er verschwindet aber bald. Zum Glück zieht der Schreiner Halldor mit seiner nierenkranken Frau in das Nachbarhaus, da sie nur hier die nötige medizinische Behandlung bekommen kann und Dolli, die mit dem glücklichen Grettir, der bei der Army arbeitet, verheiratet ist, verliebt sich nun in ihm und wird schwanger.
Grettir ist das eigentlich egal und hört nicht hin, wenn ihm die Nachbarn etwas zuflüstern, Lina wird es aber zuviel und Dolli soll sich entscheiden. Sie tut das erst mit Halldor, was aber nicht so recht klappt, dessen Frau ist zu ihren Eltern ins Dorf geflüchtet, was ihm schlecht ausgelegt wird. Dolli schmeißt ihm aber ohnehin bald hinaus und geht zu Grettir zurück, nur als das Kind, das auch noch verkrüppelt ist, ihm so gar nicht ähnlich sieht, verklagen beide, den unglücklichen Halldor auch noch auf Alimente.
So weit, so what, man sieht Karason wählt einen trefflich leichten Ton, um sich über das Elend der Welt lustig zu machen oder es auch nur aufzuzeigen.
Der Enkel Baddi wirdd zuerst nach Amerika geschickt und dann zurückgeholt, er kommt mit Elvis-Platten, einen Grammafon und einem amerikanischen Autor, für das der Opa die Einfuhrgebühren zu zahlen hat und ein anderer Barackenbewohner hat sich einen amerikanischen Leichenwagen gekauft, mit dem er alle stolz herumführt.
Raufereien und anderes gibt es natürlich auch und am Schluß noch einen Epilog, wo ein Schriftsteller in das Alte Haus zu Lina kommt und sie über ihre Familiensaga interviewt.

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