Literaturgefluester

2013-10-01

Peter Henisch-Colloquium

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:21

Zum siebzigsten Geburtstag vier Tage, um und mit Peter Henisch in der „Alten Schmiede“ jeweils von achtzehn bis einundzwanzig Uhr und ich werde davon, obwohl ich mich ja als eine Henisch-Fanin bezeichne, den größten Teil versäumen und bin ich auch schon am Montag zu spät gekommen, beziehungsweise dachte ich, daß ich es gar nicht schaffen werde.
Denn zweimal Diagnostik und abrechnen muß ich am Letzten auch und wenn ich nicht bis zwei oder drei Uhr früh vor den Befunden sitzen will…
Aber dann ist die zweite Diagnostik nicht gekommen und ich habe es geschafft, zehn Minuten nach sieben in der „Alten Schmiede“ einzutreffen.
Da hatte ich den Beginn und die Einleitung „Luftwurzeln der Seele – Peter Henisch Peripherie und die postkoloniale Theorie“ zwar versäumt, bin zu der Präsentation der beiden neuerschienenen Henisch-Bücher aber zurecht und neben dem ehemaligen „Presse“- Kulturkritiker Klaus Khittl zu sitzen gekommen, den ich einmal, lang lang ists her, in der Oper kennenlernte und ihn, als ich mit der Monika in Salzburg war, bei den Festspielen getroffen habe. Damals bin ich ja autogestoppt, Helmut Zenker hat uns nach Wien zurück mitgenommen, was mich sehr beeindruckte und Klaus Khittl habe ich, als ich ihn vor zwei Jahren bei der Buchpräsentation von „Großes Finales für Novak“ im Cafe vom Theater an der Wien traf, ja versprochen, ihn mein zweites Exemplar von der „Mai ist vorbei“, wo es um die Wespennestgründung, das er, ein Henisch Fan, noch nicht hatte, zu schicken und habe fast zwei Jahre gebraucht das zu tun, denn das Bücherregal in Harland ist ja groß und unergründlich und jetzt hat Peter Henisch einen neuen Roman geschrieben.
„Mortimer und Miss Molly“ und einen Essayband mit Texten zu „Außenseiter aus Pasion“ zu Politik. Literatur und Gesellschaft, den Wolfgang Müller-Funk gerade fertig eingeleitet hatte, als ich den Kellersaal erreichte.
Peter Henisch hat dann bald zu lesen begonnen, die Erklärung der Zusammenstellung hatte ich versäumt und konnte daher gleich den Text zum Tode von Marcus Omofuma und Peter Henischs E-Mail an Maria Fektor, der ein Engel erscheinen und sie an ihre christlich soziale Orientierung erinnern soll, hören.
Nach der Pause kam Kristina Pfoser, die ich bisher nur als Radiostimme kannte und leitete zu dem neuen Roman ein, in dem es um den Roman im Roman geht.
Ja richtig, einen Text zu den Verwechslungen, die es mit dem Autoren-Ich geben kann, den ich, glaube ich, schon kannte, hat Peter Henisch vorher auch noch gelesen, wo ihn die Kaffeehausbesitzerin bei der er frühstückte fragte, wie es in seiner Zeit als Professor in den USA war, weil eine „Sehr kleine Frau“ dort spielt und für den Sohn eines schwarzen Besatzungssoldaten hätte man ihn auch schon fast gehalten, beziehungsweise einmal als Peter Handke, um ein Autogramm gebeten.
Ich behaupte ja, daß das Roman-Ich viel mehr mit dem Autoren zu tun hat, als die gewöhnlich zugeben, in „Mortimer und Miss Molly“ geht es aber um den Roman im Roman.
Nämlich um zwei junge Leute, die in Italien, in dem fiktiven Ort Urlaub machen, wo Peter Henisch seinen Zweitwohnsitz hat, dort treffen sie in dem kleine Hotel einen alten Mann, Mortimer, der im zweiten Weltkrieg als Soldat mit dem Fallschirm abgesprungen ist und von Miss Molly, einer Sprachenlehrerin versteckt wurde. Das wurde eine große Liebe und die beiden jungen Leute wollen einen Film darüber drehen und gehen den Spuren nach, beziehungsweise erfinden sie sich die Geschichte neu.
Martina Schmidt, die Deuticke-Verlegerin, wo das Buch erschienen ist, ist gekommen und neben Julya Rabinowich gesessen. Dieter Bandhauer, der Sonderzahlverleger des Essaybandes war natürlich auch da. Alexandra Millner und und und und am Büchertisch sind die noch erhältlichen Henisch-Bände gelegen und ein paar Altexemplare und ich habe von ihm zwar nicht alles, aber doch sehr viel gelesen.
Viele der schönen alten „Residenz-Ausgaben“ und am Dienstag ist es gleich mit einem Grundsatzreferat des Literaturwissenschaftler und Autors Martin Kubaczek zu den Erzähltechniken von Peter Henisch weitergegangen, die er in einigen Punkten und an dem frühen Buch „Steins Paranoia“, das sonst in dem Symposium glaube ich, nicht vorkommt, ausführte und zu dem ich auch eine Beziehung habe, denn ich habe, als ich es mir 1987 oder 1988 wird das gewesen sein, kaufte, gerade an „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“ oder an „Marthas Wohnungen“ geschrieben, das an „Residenz“ nach Salzburg geschickt und zurückbekommen, dann war ich im NIG im Hörsaal eins, bei der Henisch Lesung aus dem Buch und habe mir gedacht, „Wann ist es bei mir soweit, daß der Jung mich nimmt?“ oder „Jetzt müßte er doch mal endlich…“.
Wie wir wissen, ist es nicht dazu gekommen und nach einer Pause ging es mit den Schnittstellen zwischen den beiden Henisch-Büchern „Die kleine Figur meines Vaters“ und eine „Sehr kleine Frau“ mit einer besonderes Choreographie weiter. Das heißt Peter Henisch las zuerst zwei Stellen aus den Büchern, dann kam Klaus Amann, der Literaturprofessor aus Klagenfurt und erzählte was dazu, am Schluß faßte Martin Kubazek zusammen und Peter Henisch saß still lächelnd daneben, weil mit den Veranstaltern ausgemacht war, daß er erst am Donnerstag bei der Schlußdiskussion, die dann Cornelius Hell leiten wird, was sagen darf und Schnittstellen zu den beiden Büchern gibts ja viele, ist ja „Die kleine Figur meines Vaters“, eines der Grundbücher, wie Kurt Amann später sagte und das wahrscheinlich, womit Peter Henisch bekannt geworden ist, zumindest habe ich ihn damit kennengelernt.
1975 ist es das erste Mal noch unter dem Titel „Erzählung“ erschienen, dann wurde es zum Roman, Peter Henisch überarbeitet und erweitert ja seine Bücher ständig, kam 1988 noch einmal heraus und 2003 beim neuen „Residenz“ mit einem Bildteil und es ist eine autobiographischer Roman, wo er sich mit seinem Vaters, der, obwohl jüdischer Abstammung, einer der berühmtesten Wehrmachtsfotografen war, auseinandersetzte, nicht richtete, wie Klaus Amann betonte und bei der „Sehr kleinen Frau“, geht es um die Großmutter, aber da heißt, wie schon in dem Essay vorgekommen ist, der Held Paul Spielmann und ist ein Literaturprofessor aus Amerika, der nach Wien zurückkommt, es ist aber trotzdem Henischs Großmutter und die Mutter von jenem Walter und die Mischung zwischen Autobiografie und Fiktion scheint sehr interessant und ausgeklügelt zu sein, wie Klaus Amann erklärte.
Die „Sehr kleine Frau“ ist 2007 erschienen, ich habe sie gelesen und Peter Henisch damit, glaube ich, auch bei der letzten Buch-Woche gehört, da bin ich neben ihm im Rathaus gesessen und habe ihn einen Kugelschreiber zum Autogrammschreiben geborgt, um wieder aus meinen Anekdotenschatz zu flüstern und interessant, die Vortragenden haben sich noch ausgemacht, ihren persönlichen Henisch-Bezug zu erläutern, Klaus Amann hat Peter Henisch 1970 bei einer Lesung im NIG im Hörsaal ein, als junger Literaturstudent kennengelernt.
Dann gabs wieder eine Pause wo ich mich wieder mit Klaus Khittel sein scheint und mit Friedrun Huemer unterhielt, Thomas Stangl war auch im Publikum, sonst waren seltsamerweise gar nicht so viele Leute da und dann gabs wieder eine Büchergegenüberstellung, nämlich den „Schwarzen Peter“ und „Pepi Prohaska Phrophet“, das letztere ist 1986 erschienen und eines das ich zwar in meinen Regalen habe, mich an das Lesen aber nicht erinnern kann, beim „Schwarzen Peter“ 2000 erschienen war idh bei einer Buchpräsentation an einem Donnerstag im Februar oder März in einer Buchhandlung am Graben, auf einmal gabs einen Krach und Schlüßelrascheln von der Straße.
„Aha, die Donnerstagsdemonstration!“ rief Peter Henisch und ich bin aufgestanden, hinaus- und mitgegangen, wie oft damals in dieser Zeit und habe mich gewundert, daß Peter Henisch das nicht ebenso machte.
Die Schnittstellen bei beiden Büchern sind die Außenseiter, der eine, der Peppi besetzt mit seinen Jüngern oder Anhängern eine Fabrik und wird in dem Ausschnitt von einer Zeitung interviewt und der schwarze Peter, ist der Sohn einer Schaffnerin und eines Besatzungssoldaten, in Wien aufgewachsen, war dann zwanzig Jahre in New Orleans, um seinen Vater zu suchen und kommt zurück, da wird ihm seine Tasche mit den Dokumenten gestohlen und er wird von der Polizei beim Straßenmusizieren als Drogendealer verhaftet, die ihm nicht glaubt, daß er kein Afrikaner ist.
Peter Henisch hat, glaube ich, eine Neigung zu einem skurrilen Humor und Hazel Rosenstrauch, die kommentierte, war mit den Frauenfiguren in dem Buch unzufrieden, nannte sie „hysterische Weiber“, was Peter Henisch wieder still belächelte, Martin Kubaczek anders sah und sich am Schluß das Publikum einmischte, obwohl es das auch erst am Donnerstag sollte.
Am Mittwoch gehts weiter mit dem „Verirrten Messias“, „Morrisons Versteck“, „Vom „Wunsch Indiander zu werden“ und „Kommt eh der Komet“, aber da gibts im „Musa“ eine neue Reihe, wo die Stadt Wien monatlich ihre Stipendiaten oder Preisträger vorstellt und am Donnerstag bekommt Olga Flor den „Wildganspreis“, den Peter Henisch, der nach der Schlußdiskussion als Musiker auftreten wird, 1977 bekommen hat, mal sehen, ob es sich ausgeht zum Schlußteil zu kommen.

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