Literaturgefluester

2013-10-03

Wildgans-Preis und Peter Henisch-Schlußveranstaltung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:18

Zum österreichen „Wildgans Preis“ des Hauses der Industrie, den es seit 1952 gibt, bin ich das vorige Jahr das erste Mal eingeladen worden, Barbara Neuwirth, die Jurorin und Laudatorin sagte mir zwar, sie hätte mich schon vor drei Jahren auf die Liste gesetzt, aber voriges Jahr ist ein paar Tage vorher ein Mail gekommen und heuer habe ich mich selber angemeldet, da das ein Preis ist, der mich sehr interessiert und der auch in meinen Sachen, in „Tauben füttern“ und „Lore und Lena“, beispielsweise, immer wieder vorkommt und den ich auch selbst gern hätte, aber höchstwahrscheinlich nicht bekommen werde, da er, wie Barbara Neuwirth weiter launig sagte, ein Preis für die Dreißig bis Sechzigjährigen ist und da hätte ich meine Chance ja jetzt verpasst, obwohl ich in einer anderer Lesart wieder passend wäre, da ich ja schon ein Werk aufzuwarten habe und wahrscheinlich auch noch eines zu erwarten ist, diesmal wurde aber die 1968 in Wien geborene und in Graz lebende Physikerin Olga Flor, die Preisträgerin, die ich seit der Diskussion, um ihre GAV-Aufnahme kenne, kurz darauf hörte ich sie auf dem Rathausplatz bei den steirischen Tagen lesen, vier Romane hat sie geschrieben, wie Barbara Neuwirt erklärte und für „Erlkönig“, dem ersten, sechzig Absagen bekommen, danach einen Preis und dann fand sich „Leykam“ dafür. Aus dem zweiten Roman „Talschluß“ habe ich sie, glaube ich, bei „Rund um die Burg“ oder sonstwo lesen gehört, mit „Kollateralschaden“ stand sie 2008 auf der Longlist des dBp, da hat sie dann auch beim Buch-Wien Erföffnungsfest ein Stück gelesen und aus „Die Königin ist tot“ habe ich sie in der Hauptbücherei lesen gehört. Priessnitzpreis, Stoesslpreis und einige andere Preise gab es auch und ich höre sie auch manchmal in der „Alten Schmiede“ bei Veranstaltungen, so hat sie glaube ich Marlen Haushofers „Die Wand“ vorgestellt und war auch bei den „Jelinek-Dialogen“.
Wie im letzten Jahr gab es Musik von einer Militärkapelle, die Familie Wildgans wurde begrüßt, der Präsident der Industriellenvereinigung hielt die Eröffnungsrede, überreichte Blumen und die Urkunde nach Barbara Neuwirths Laudatio und in der Dankesrede erwähnte Olga Flor in sehr schnellen Worten, „daß es die Preise und die Stipendien sind, die die Bandbreite dessen, was als verlegbar gilt, erhöht“ und setzte dann noch den Satz hinzu „don`t write a novel, a shoppinglist is better!“, dann wurde sie politisch und empörte sich über die österreichische Flüchtlingspolitik, die nur Platz für fünftausend Syrier hat, während man 1956 und 1968 viel größzügiger war, was eine Dame mit der ich später am selben Tisch meine Brötchen aß, sehr empörte. Dabei war das ja eine sehr harmlose Rede, Thomas Bernhard hätte sicher viel schärfere Worte von sich gegeben und so wurde ihm von der IV 1967 das Geld, glaube ich, in einem Kuvert zugesandt und auf die Preisverleihung verzichtet.
Es gab Sekt, Wein, Brötchen und was Süßen, letzteres zu wenig, zumindestens war es schon weg, als ich mit meinen Brötchen fertig war und konnte später, als ich mich mit Barbara Neuwirth unterhielt, gerade noch zwei Stückchen Apfelstrudel von dem Tablett, das den Veranstaltern serviert wurde, erwischen. Danach kam ich in der „Alten Schmiede“ noch zu der Abschlußdiskussion mit Peter Henisch und den meisten Vortragenden der Vortage zurecht und ich hörte gerade Kurt Neumann über den „Kater Murr“ sprechen und die Frage aufwerfen, wieso Daniel Kehlmann mit seinen Romanen mehr Publikum als Peter Henisch erreicht?
Aber diesmal war die „Alte Schmiede“ ziemlich voll, Ruth Aspöck saß vor mir und noch einige andere Bekannte. Es ging weiter mit der Frage, daß man in Österreich und Deutschland lange nach dem Krieg nicht erzählen durfte, etwas was mich ja ebenfalls sehr behinderte und Peter Henisch erklärte, daß er nicht einfach drauflosschreiben würde, sondern zu allen seinen Romanen ein Konzept hätte.
Dann gings wieder in den Keller zum musikalischen Abschluß, aber vorher gab es noch ein Geschenk an das Publikum, nämlich Peter Henisch „Zwischen allen Seseln“, die „Hannibal-Ausgabe“ von 1982, die die Stadt Wien, dem Autor abkaufte und sie in ihren Kellern lagerten, was dem Buch auch deutlich anzuriechen ist. Über diese Kellergeschichten mit den Büchern, die dann abgestaubt und hervorgeholt werden, wenn der Autor zufällig den Nobelpreis bekommt, habe ich, auch einmal geschrieben und das Buch, glaube ich, 1982 beim Libro gekauft, so daß ichs in den Schrank legen kann und im Keller las und sang Peter Henisch mit Woody Schabata und Hans Zinkl, Songs aus dem „Best of Blacks Peter Songbook, Hamlet, Hiob, Heine, Vom Baronkarl zum schwarzen Peter, Wewärts von Wien, Morrisons Versteck u. co“ und der Bogen zur Stadt Wien ließ sich noch einmal schön spannen.
Gab es diese Woche ja in den „Tonspuren“ ein Portrait von Anna Weidenholzer von Eva Schobel und die saß im Publikum und ist, glaube ich, die Lebensgefährtin von Peter Henisch und als ich sie auf das schöne Portrait, das ich am Nachmittag in der Wiederholung hört, ansprechen wollte, kam mir Anna Weidenholzer zu vor, die hinter mir gesesssen ist.
Peter Moser war da und wieder Klaus Khittl, der ja von Peter Henisch noch viel mehr als ich begeistert ist und den ich zu meinem literarischen Geburtstagsfest eingeladen habe, für das ich gestern und heute die Einladungen schrieb und ausschickte.
Zum Wildgans-Preis kann ich noch auf ein kleines „Anton-Wildgans-Buch“ aus dem Jahr 1934, das von Artur Pollak mit „Zustimmung des Dichters“ ausgewählt wurde und außer Gedichte auch Bilder von dem Haus im Mödling und den Dichter sowohl mit seiner Schwester als mit seinen zwei kleinen Buben zeigt, das ich mal im Schrank gefunden habe, hinweisen. Den von Franz Schuh herausgegeben Peter Henischs Reader „Figurenwerfen“ gab es einmal beim Büchterturm der „Literatur in März“ und muß sich irgendwo in meinen Regalen befinden.

Werbeanzeigen

Schreibe einen Kommentar »

Es gibt noch keine Kommentare.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: