Literaturgefluester

2013-10-06

Feuchtgebiete

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:39

Die achtzehnjährige Helen Memel liegt nach einer mißglückten Intimrasur im Krankenhaus und quasselt vor sich hin, über ihre Hämorrhoiden, ihren „Blumenkohl“, den Venushügel, über Analverkehr, Gott und die Welt, über vorletzteres nicht so viel, obwohl sie im Krankenhaus „Maria Hilf“ liegt, wo überall Kreuze und Heiligenbilder hängen, klingelt ständig nach den Schwester oder dem hübschen Pfleger Robin und bringt das Krankenhaus zur Verzweiflung oder eigentlich gar nicht, denn die 1978 geborene Charlotte Roche, die mit ihren ersten Roman „Feuchtgebiete“ berühmt geworden ist, so daß das Buch, das ich im Schrank gefunden habe, gerade verfilmt wurde, hat sich für ihren Erstling in dem es gegen oder vieleicht auch für die Hygiene geht, einen ganz besondereren Protagonistenteenager ausgedacht, ein bißchen erinnert die Frühreife, die da so locker über ihr Intimleben plaudert und vielleicht gar nichts versteht, an Helene Hegemann, die Überforderung fehlt aber oder ist nicht so stark zu spüren, wahrscheinlich weil Charlotte Roche älter ist, ihre Bücher sollen aber, wie ich gelesen habe, zu siebzig Prozent autobiografisch sein und natürlich hat Helen Memel schon einiges erlebt, so einmal die Mama und den Bruder am Boden liegend nach einem Selbstmordversuch gefunden oder hat sie sich das nur eingebildet?
Die Eltern sind jedenfalls geschieden, so ist es Helens größter Wunsch sie wieder zusammenzubringen und dafür nimmt sie viel auf sich.
Sie war aber offenbar immer schon ein Extremcharakter, so hat sie sich einmal, als sie eine Schularbeit vermeiden wollte, den Blindarm operieren lassen, jetzt hat sie sich am Arsch geschnitten, wird deshalb operiert, liegt mit ihren Avocadokernen, die sie im Krankenhaus gar nicht haben darf und die sie deshalb unter der Bibel versteckt in ihrem Zimmer und läßt sich von Robin ihren Arsch bzw. die OP-Wunde rasieren, um sie dann Dr. Notz, dem Operateur zu zeigen, der sich damit gar nicht so besonders auszukennen scheint. Sie muß jedenfalls solange im Krankenhaus verbleiben, bis sie unblutigen Stuhlgang hat und da sie ihre Eltern wieder zusammenführen will, beschließt sie den solange zu vermeiden, bis das geschehen ist und sich die Eltern bei ihren gemeinsamen Besuchen wieder versöhnen.
Christine Nöstlinger hat auch einmal etwas Ähnliches geschrieben.
Bei Helen klappt es ebenfalls nicht. Die Eltern kommen nicht gemeinsam, obwohl Helen sie zur selben Zeit bestellt, verspätet sich die Mutter um zwei Stunden und den unblutigen Stuhlgang hat sie auch, als sie sich mit einem Leintuch über dem Krankenhausnachthemd in die Cafeteria begibt, vorher hat sich noch ein paar Besucher mit ihren blutigen Tampons verschreckt, denn die Regel hat sie gerade auch und von ihren Bordell- und anderen Fickversuchen, hat sie uns vorher auch schon vollgequasselt.
Im Krankenhaus verschweigt sie also den Stuhlgang, obwohl sie alle danach fragen und ihr nur noch Müsli und Vollkornbrot zum Essen geben und als ihr der Vater, der etwas zugänglicher ist, ein Kissen gegen die Hämorrhoiden bringt, die Schwester aber davon abrät, weil es die Wunde wieder aufreißt, hat Helen schon die nächste Idee, die zur Notoperation führt, Robin soll die Eltern davon verständigen, die kommen aber nicht, weil er nur die Antwortbeanrufer erwischt, so läßt sich Helen gleich danach vom „grünen Engel“ mit Trauben füttern und als Professor Notz sie dann trotz fehlenden Stuhlgang, offenbar um, die schwierige Patientin loszuwerden, entläßt, die ständig nach allen klingelt, unterm Bett zu masturbieren versucht, sich dabei ein Glas Wasser übern Kopf schüttet und beim Duschen die seltsamsten Experimente anstellt, erzählt sie Robin von ihrem längst gehabten Stuhlgang und verläßt mit ihm gemeinsam das Kranenhaus. Sie werden zusammenziehen und er wird sie vorerst nur von vorne vögeln, ihre schönste Avacado hat sie ihm schon geschenkt.
Ein Kultbuch, das die Welt veränderte? Jedenfalls ein Bestseller, das sich die Anna vor ein paar Jahren vom Alfred schenken ließ, ob es ihr gefallen hat? Ich habe es eher ein langweilig gefunden, aber auch, als eher prüde fast Sechzigjährige, die sich nicht intim rasiert, nicht alles verstanden.
Charlotte Roche habe ich mit ihrem zweiten Erfolgsbuch „Schoßgebete“, das ich noch nicht gefunden habe, einmal auf einer Buch-Wien gehört und ich denke sie hat damit wahrscheinlich den Zeitgeist getroffen, die einen sind empört, die anderen begeistert, ein bißchen ironisch ist es auch und widersrpüchlich, denn ist Helen, die sich ja soviel intim rasiert jetzt für oder gegen zuviel Hygiene und ob sich eine Achtzehnjährige wirklich das Kreuz im Krankenzimmer abhängen läßt? Sie ist altklug, wohlstandsverwahrlost, ein Scheidungskind, überfordert und hat eine große Schnauze mit dem sie altklug Sachen schwätzt von denen ich bis dato noch nichts wußte und lustig, wie sie mit dem Professor umgeht und wie sie das Krankenhaus dirigiert ist es vielleicht auch.
Interessant wie das vor sich Hinmonologisieren im Krankenhaus im Film ungesetzt sein wird, die Szene wie sie mit der Toga in die Cafeteria maschiert und dabei den verblüfften Besuchern ihre Tampons kredenzt, kann ich mir dagegen plastisch vorstellen und das Buch wurde zum Film passiend, auch wieder neu aufgelegt.

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