Literaturgefluester

2013-10-16

Buch-Wien Info, Ohrenschmausjurysitzung, Romanrecherche und Hermynia zur Mühlen-Lesung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:11

Der Dienstag war wieder einmal ein höchst literarischer Tag, manchmal gibt es das bei mir und diese Woche wird gleich mehrere für mich haben, wo ich nicht nur auf der passiven Zuhörerseite sitze, sondern selber wenigstens ein bißchen mitmischen kann.
So begann es gleich um elf mit meinem Pressegespräch zur Buch-Wien in der Grünangergasse, diesmal gab es ja keinen Jour fixe, sondern eine Präsentation von Gerald Schantin, Günther Kaindlsdorfer und Inge Kralupper und gleich die Pressemappe mit dem kleinen rosa Programmheftchen.
Und natürlich wird wieder alles schöner, besser, größer, toller werden. Am 18. November beginnt die Lesefestwoche im Stadtsenatsaal im Wiener Rathaus mit Ferdinand von Schirach und die Eröffnung ist dann wieder am Mittwoch darauf in der Halle D mit einer Festrede von Sibylle Lewitscharoff über das Lesen. Am Freitag den 22. wird der Ehrenpreis des Buchhandels an Barbara Coudehove-Kalergi im Rathaus vergeben und dazwischen gibt es Lesungen auf vier Bühnen auf der Messe, in der Hauptbücherei, im Literaturhaus und noch an diversen anderen Orten. Die Donau Lounge wird es wieder geben. Peter Stamm wird kommen, Clemens Meyer, Brigitte Kronauer u.u.u.
Preise werden vergeben werden, wie ein neuer des PEN-Clubs und natürlich der „Exilpreis“, die jungen Autoren lesen im „Literaturcafe“ und für die Kinder wird es ein Kinderprogramm geben.
Am Donnerstag ist der Eintritt für Pensionisten und Studenten frei, ansonsten wird der Eintritt sieben Euro kosten, ein moderater Eintritt, wenn man ihn mit Frankfurt vergleicht und dann gibt es auch noch den Lesepaß, der in den Buchhandlungen aufliegt, wo es nur vier fünfzig kostet.
Danach gabs Kaffee und Brötchen, ich stand eine Weile herum und beschloß dann meinen ersten Wien-Recherchetag zu machen, bis fünf, denn dann fand ja die „Ohrenschmaus-Jurysitzung“ im Albert Schweizer Haus statt. Also bin ich zuerst in den „Morawa“ studiert, habe mir Daniel Kehlmanns „F“ und noch ein paar andere Bücher vorgenommen und habe mich mit meinem gelben Buch an den Donaukanal gesetzt, das Wetter war ja wieder traumhaft schön und habe meinen Plot skizziert.
Eine Idee bei den Recherchetagen ist ja auch, mit einem kleinen Block in der Tasche herumzugehen und möglichst viele der herumschwirrenden Gesprächsfetzen einzufangen. Ich war dann nicht ganz sicher, ob ich mir einen Nudeltopf oder eine Nachspeise kaufen soll, habe mich für einen Dinkelvanillekrapfen entschieden, die Buchhandlung der Brigitte Salanda besucht, die wirklich eine tolle Auswahl hat, aber mit ihrem Kompagnon so herumschimpfte, daß ich einen Moment lang glaubte, ich wäre in eine Besprechung oder ein Interview hineingeplatzt.
Bei Maria am Gestade habe ich mich ein zweites Mal hingesetzt, um alles aufzuschreiben, auf einmal rief einer „Hallo, Eva!“, es war der Stephan EiblErzberg, der sich gerade auf den Weg zu seinem Arzt machte und mir von einer Schreibblockade berichtete und davon, daß alles „Scheiße!“, ist.
Das denke ich auch manchmal, diesmal aber nicht, denn ich kam langsam in meinen Recherchetag hinein, setzte mich beim „Kuppitsch“ noch einmal eine halbe Stunde mit dem Kehlmann-Buch auf einen bequemen Sessel, machte ein paar Notizen und verbrachte die nächste halbe Stunde auf einer Bank im Votivpark, um mich langsam dem Albert-Schweitzer-Haus anzunähern.
Barbara Rett, Niki Glattauer und Heinz Janisch waren von den Jurymitglieder gekommen, die anderen ließen sich entschuldigen, denn sie hatten neue Bücher oder keine Zeit sich die Texte anzuschauen.
Wir waren uns bezüglich unserer Vorschläge aber bald einig und da der Psychologen-Jour-fixe, der eigentlich stattfinden sollte, abgesagt wurde, konnte ich ins Literaturhaus zur Lesetheateraufführung von Hermynia zur Mühlen gehen, was ich sehr gerne machte, denn ich habe, die 1883 geborene „Rote Gräfin“ schon im Bücherschrank meiner Eltern kennengelernt.
Gab es da ja „Reise durch ein Leben“. Der Sysyphos-Verlag hat in den Neunzigerjahren, den Erzählband „Fahrt ins Licht“ wieder aufgelegt, aus denen die Frauen sieben Kurzgeschichten lasen und „Promedia“ legte „Als der Fremde kam“, „Unsere Töchter die Nazinen“ und „Ewiges Schattenspiel“ wieder auf.
Diese drei Bücher habe ich gelesen und war auch vor ein paar Jahren bei einer Veranstaltung der Exilbibliothek im Literaturhaus, die „Zum Tee bei Hermynia“ hieß, wo es, glaube ich, vor allem um das englische Exil ging.
Da kann ich mich erinnern, das gesagt wurde, daß die literarische Qualität gelitten hat, weil Hermynia zur Mühlen im Exil sehr viel schreiben und übersetzen mußte, so hat sie zum Beispiel den ganzuen Upton Sinclair übersetzt, ich habe davon auch ein paar Bücher von meinem Vater geerbt und die sieben Geschichten, die die Lesefrauen Judith Gruber-Rizy, Hilde Schmölzer, Heidi Hagl, Andgelika Raubeck, Gabriela Schmöll lasen, waren durchaus spannend und sehr originell.
Da gab es die von dem kleinen Mädchen, das lernen muß, wie die Zeit vergeht und die von dem italienischen Koch, der nicht kochen kann, aber der Tante erzählt, daß er das Erdbeben von Messina nur knapp überlebte, die von dem Zeitungskönig, der einmal mordete, um berühmt zu werden und das an seinem achtzigsten Geburtstag erzählt und die von der Frau, die am Morgen an der Seite eines Polizisten gesehen wird und vom Klatsch und Tratsch zur Giftmörderin gemacht wird.
Spannend, spannend und im offenen Bücherschrank habe ich auch noch Andreas Unterwegers „wie im siebenten“ gefunden, ein Buch, das ich schon lange haben wollte und jetzt nur noch lesen muß.

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