Literaturgefluester

2013-10-16

Recherchetag II und Bernhard-Fritsch-Briefwechsel

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:55

Am Mittwoch hatte ich einen neun Uhr Klienten und dann eine Dame um achtzehn Uhr, dazwischen war Zeit für meine Roman-Recherche eingeplant, denn das mache ich bei meinen neuen Projekten ja schon länger, daß ich, bevor ich zum Schreiben anfange, einen oder mehrere Tage in der Stadt herumfahre und Anni Bürkl hat mich zur Jahreswende ja auf das fünf Tage lang fünf Stunden an den schönsten Orten Wiens schreiben gebracht.
Bei den „Dreizehn Kapiteln“ ist sich das dann nicht ganz ausgegangen, denn das war ja während der Zeit, als ich in Harland meine Sommerfrische verbrachte und St. Pölten ist bezüglich dem Recherchieren mit Wien nicht ganz zu vergleichen.
Aber jetzt passt es eigentlich ganz gut meine praxisfreien Stunden auf der Recherche für die „Verbrüderung“ zu verbringen und dann im November mit dem Schreiben im Rahmen des Nanowrimos anzufangen oder auch nicht, denn der November ist ja ein besonders intensives Monat, da gibt es zuerst mein literarisches Geburtstagsfest, dann wollen wir eine Woche nach Ungarn fahren und die Buch-Wien kommt auch.
Da würden mir noch fast drei Wochen für das Herumlaufen, Stadtschreiben, Materialsammeln etc. bleiben und das geht oder geht auch nicht, denn gestern habe mich mich zwischen dem Buch-Wien-Pressegespräch und der „Ohrenschmaus-Jurysitzung“ gar nicht so leicht getan und heute war das ähnlich.
Zwar bin ich zuerst zum Friseur gegangen, denn das gehört neben dem Fensterputzen zu den Ritualen die vor dem Neuanfang liegen und dann wollte ich mir ja die Seestadt Aspern anschauen. Da bin ich aber schon ein bißchen verzögert hingekommen, denn in dem „Ein Euro Laden“ in der Reinprechtsdorferstraße, der schräg gegenüber meiner früheren Praxis liegt, habe ich mir zuerst ein paar Unterhosen und ein Nachthemd und dann noch eine Haube gekauft, dabei habe ich den Bus versäumt und entdeckt, daß es beim Anker nebenan ein Schokocroissant und einen Cappuccino um drei Euro gibt.
Dann bin ich nach Aspern hinausgefahren und entdeckt, das ist eine Baustelle, dann noch ein bißchen ins SMZ-Ost bzw. Donauspital, wie das jetzt heißt, denn zwei der Pohlfahrtbrüder sind ja Ärzte und dann ein bißchen mit der U-Bahn herumgestreunt und da habe ich eine interessante Endeckung gemacht, denn in der U1 saßen lauter Leute, die eifrig in ihr Handy bzw. Tablets tippten, eine ältere Dame mit kurzen grauen Haaren, Jeans und einer grauen Manteljacke las aber ausgerechnet in „F“ von Daniel Kehlmann und stieg dann in der Großfeldsiedlung aus.
Soviel zu meinen Vorurteilen und ein paar andere Entdeckungen habe ich auch dabei gemacht.
Mit meinem Romanplot bin ich dabei zwar nicht unbedingt weiter gekommen, nur festgelegt, daß die Svetlana Alexewitch aus Minsk auch zuerst in einem Bordell gelandet ist, dann haben ihr Freunde geholfen, sie hat eine Pflegehelferinnenausbildung gemacht und betreut jetzt Tante Lilly, sie möchte aber Literatur studieren.
Da ich um sechs eine Stunde hatte, habe ich eigentlich gedacht, daß ich auf die Wien-Bibliothek und die Präsentation des Briefwechsels zwischen Gerhard Fritsch und Thomas Bernhard verzichten werde müssen, ich hatte aber einen Tagesfahrschein und die Klientin ist auch zehn Minuten früher gekommen, so ist es sich ausgeangen und die Buchpräsentation war wirklich interessant.
Marcel Atze eröffnete statt der Direktorin und erklärte, daß er die Entstehung des Briefwechsels sehr gut mitbekommen hat, weil sich ja der Fritsch-Nachlaß in der Wien-Bibliothek befindet.
Der Herausgeber des „Korrekturverlags“, der auch bei Suhrkamp Lektor ist, begrüßte dann die Bernhard und die Fritsch Erben und Martin Schwab und Martin Huber lasen die Briefe aus den Fünfziger und Sechzigerjahren vor und die waren wirklich interessant, denn Thomas Bernhard, der große Übergott, scheint sich sehr um die Gunst von Gerhard Fritsch, der auch die Zeitschrift „Text und Kritik“ herausgegeben hat, bemüht zu haben, bittet ihn mehrmals um seine Vermittlung und zweifelt dabei auch an seinem Schaffen und übertreibt dabei natürlich schamlos, bzw. kokettiert er wahrscheinlich auch und der Herausgeber forderte die Leute zum Kaufen des Buches auf, weil man nur damit alles verstehen würde, weil es viele Anmerkungen gäbe und die Karte, die die Industriellenvereinigung Thomas Bernhard 1968 geschickt hat, als sie aus Angst die Wildgans-Preisverleihung abgesagt hat, ist auch in dem Buch abgebildet.
Nachher gab es Brot und Wein, ich unterhielt mich mit dem Chemiker, den ich meistens in der Wien Bibliothek treffe und mit Christoph Kepplinger, der ebenfalls gekommen war. Beim nach Hause fahren habe ich dann den Alfred in der U-Bahn getroffen, vielleicht sollte ich öfter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.

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