Literaturgefluester

2013-10-17

Zweischritt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:59

Es ist ein sehr poetisches Buch, Andrea Grills zweiter Roman „Zweischritt“, obwohl Roman kann man die Traumsequenzen, Gedankensplitter, die da ziemlich plotlos durch die vierundzwanzig Kapiteln, mit einem „Vorneweg“ und einem „Hintenan“, gleiten, gar nicht nennen. Eher poetische Gedankensammlung einer Frau, die wahrscheinlich ähnlich, wie Andrea Grill 2007, viel reist und als Biologin Eichhörnchen an den Haarbüscheln zieht oder Schmetterlinge impft und den seltsamen Namen Hans Lokomotif trägt.
Ein Männernamen für eine Frau? Andrea Grill scheint phantastische Einfälle zu haben, die sie schön erzählen kann, ob sie inzwischen realistischer und handlungsreicher geworden ist, weiß ich eigentlich gar nicht, denn ich war zwar schon bei einigen ihren Lesungen und Preisverleihungen, es ist aber das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe.
Im Jänner oder Februar gab es es bei Frick oder Morawa für drei Euro, ihre „New York- Geschichten“ habe ich inzwischen noch im Bücherschrank gefunden und werde sie demnächst lesen.
Ein frühes Grill-Buch würde ich also schätzen, das zweite nach dem „Gelben Onkel“ und damit habe ich Andrea Grill vor Jahren im Literaturhaus kennengelenrt. Sie hat beim Bachmannpreis gelesen, den Stoeßl-Preis gewonnen, scheint auch öfter auf Auslandsaufenthalte zu gehen oder überhaupt viel in der Welt herumzureisen und an verschiedenen Ort zu leben, wie Hans Lokomotiv, die Biologin, Wissenschaftlerin, die im Flugzeug sitzt, um nach Brasilien zu reisen, das Buch passt also auch ganz gut zur diesjährigen Buchmesse und dort Moor Corriagua kennenlernt.
Das Buch hat nach dem Prolog eine Seite, wo die Personen, die Orte und die Zeit, an denen es spielt, genau erklärt werden.
Außer Hans Lokomotiv, der mich am Anfang sehr verwirrte, dachte ich doch, die Ich-Erzählerin ist eine Frau, gibt es noch den Moor und dann noch mehrere „ers“ mit denen sich die Erzählerin an den wechselnden Orten abwechselnd trifft, mit ihnen ißt, ins Kino geht oder sich Geschichten erzählen läßt.
Wieso eine Frau Hans heißen kann, wird erst viel später im Buch aufgeklärt. Sie sollte Johanna nach dem Onkel Hans heißen, der bei dem die Geburt angemeldet wurde, war aber betrunken und der Onkel wurde später von seinen Geliebten ermordet.
Man sieht Andrea Grill ist sehr einfallsreich und die Wissenschaftlerin reist viel in der Welt herum, reißt den Eichhörnchen, ground squarrels werden sie an einer Stelle genannt, die Haarbüscheln aus, markiert sie mit verschiedenen Farben und so erfährt man in einem sehr poetischen Text sehr viel von der Grausamkeit in der sich die moderne Biologie abzuspielen scheint.
So reist sie an einem Kongreß und tauscht dort mit einem russischen Wissenschaftler, der nach Kümmel stinkt und auch mit Studenten Experimente macht, die Tiere an denen sie forschen will aus, weil man das in der Wissenschaft offenbar so macht.
Die Poetin entzaubert also die moderne Biologie und gibt uns Grundlagenforschung. Es wird aber auch die Geschichte von dem Maler Diego erzählt, der Abbruchhäuser bewohnt, in die er sich keine Telefonleitungen legen lassen will und die Bilder seines Vaters erbt.
Andrea Grill wirkt manchmal auch erstaunlich brutal und offen, so wie sie erzählt, daß sie sich in einem Geschäft Schminksachen kauft, von der Verkäuferin eine Shampooprobe zugesteckt bekommt und von ihr gefragt wird, ob sie für mißbrauchte Kinder spenden will?
Will sie nicht und die handlungslose poetische Geschichte zieht sich durch, von Braslien, wohin die Erzählerin am Anfang fliegt und wo das „portugiesische „Tschau“ klingt, als würde man jemanden fressen“, zu der offenbar erfundenen Stadt Mokum, wo sie lebt, zu einem Haus unweit eines italienischen Bahnhofs, in die Schweiz, wo sie den Turm besucht, den Rilke einmal bewohnte und den man nicht beheizen kann, sogar bis nach Amerika, wo Andrea Grill, wenn ich mich nicht irre, erst viel später war, aber vielleicht war sie dort schon früher und die New York-Geschichten habe ich genauso noch zu lesen, wie den Gedichtband, den mir Alfred damals im „Thalia“ kaufte, das „Aspern-Buch“ aus dem sie bei im „Musa“ gelesen kann kann ich vielleicht noch finden.
Die 1975 in Bad Ischl geborene Andrea Grill habe ich, wie beschrieben 2005 oder 2006 im Literaturhaus kennengelernt, dann den Namensartikel über sie geschrieben, sie früher immer wieder bei Lesungen gesehen und mich jetzt ein bißchen in Ihren Sprachstil eingelesen, den ich sehr interessant und poetisch finde, obwohl ich ja ganz anders schreibe.

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