Literaturgefluester

2013-11-09

Annuschka Blume

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:53

„Annuschka Blume“, der erste, 2010 bei „Residenz“ erschienene Roman, der 1981 in der Ukraine geborenen Marjana Gapaneko, ist ein Buch, mit dem ich mir wieder schwer tat, obwohl es in den Rezensionen hoch gelobt, von einem wunderbaren Buch in einer seltsamen Sprache, die an Kurt Switters erinnert, gesprochen wird, sie 2011 damit bei den Finalisten des „Alpha Literaturpreises“ war und ich, glaube ich, das erste Mal von dem Buch und der Autorin 2010 anläßlich der Buch-Wien durch Cornelia Travniek hörte. Wahrscheinlich war mir der Stil zu schwülstig und der Inhalt zu durcheinander, daß ich richtig folgen konnte.
Und das steht auch schon ein bißchen im Klappentext „Das ist ein Buch, das vor Seele, vor Liebe, Pathos, Witz und Farben nur so trieft. Das ist wahrlich kein Buch für Musterschüler und Bürokraten. Hände weg!“
Dafür hätte ich mich zwar gar nicht gehalten, es stimmt aber wahrscheinlich, daß ich es einfacher, strukturierter, geordneter und wahrscheinlich auch realistischer haben will.
„Annuschka Blume“, ist jedenfalls ein Briefroman zwischen einer ukrainischen Lehrerin in der Provinz und einem Journalisten, der zuerst ins Gebirge reist, „um zu beweisen, daß es keinen Unterschied zwischen Steppen und Berge“ gibt und dann nach Bagdad, wo er sich in einer Burka als Frau verkleidet auf die Suche nach dem Gilgamesch-Epos macht und in seinem Briefen an Annuschka Blume vom hundersten ins tausenste kommt, von herabfallenden Kometen, die vielleicht Bomben waren, am Arm getroffen wird, in seinem Badezimmer mit den großen Fenster die Ruinen des Kulturpalastes bestaunt, die verschiedensten Kartoffelsorten beim Namen nennt und Annuschka oder Anna Konstantinowa bittet mit ihren Kindern in der Schule zu der heiligen Eiche zu gehen und sie keine pathetische Gedichte von Nationaldichtern auswendiglernen zu lassen.
Aber die ist auch nicht von schlechten Eltern, obwohl sich ihre Mutter mit dem Strick auf dem schon Groß- und die Urgroßmutter die Wäsche trockneten erhängt hat, so kein christliches Begräbnis und kein Kreuz am Grab bekam. Sie wollte auf dieses aber ohnehin eine Birke gepflanzt haben und Annuschka Blume, die außer zu unterrichten mit ihrer Freudin Gorinowa in einem Bergwerk arbeitet, ihren Schülern einen Papgei zum Geburtstag kaufen will und mit einer Krähe nach Hause kommt, fordert ihre Schüler auch ordentlich zum Ungehorsam auf. Außerdem sammelt sie Pilze, geht mit den von ihrem Schülern gestifteten Karten mit fünfzig das erste Mal ins Theater und schreibt das alles in der blumigsten Sprache für ihren liebsten Piotr auf.
Marjana Gaponeko hat inzwischen mit „Wer ist Martha“ einen zweiten Roman geschrieben, der bei Suhrkamp erschienen ist, mit dem sie wieder zu den Finalisten des „Alpha Literaturpreises“, gekommen ist und der, glaube ich, in Wien, im Hotel Imperial spielt.

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