Literaturgefluester

2013-11-10

Erich Fried Tage 2013

Filed under: Uncategorized — jancak @ 17:00

Die Erich Friedtage unter dem Motto „Welt – wohin? – Literarische Utopien Dystopien“, die am Mittwoch im Literaturhaus begonnen haben, sind diesesmal zum Teil an mir vorbeigegangen, bin ich ja erst am Freitagnachmittag eingestiegen, weil ich am Mittwoch im Musa war und am Donnerstag bei Open Bibliotheksday in der WU, so daß ich sowohl die Einführungslesung von David Mitchell und die „konkrete Utopie zum arabischen Frühling“ versäumte, da hörte ich aber am Freitag im Morgenjournal ein Interview mit Taher Ben Jelloun und als ich am Nachmittag das Literaturhaus erreichte, konnte ich gleich lesen, daß Christian Kracht, der am Abend lesen sollte, leider absagte, aber da war ohnehin mein literarisches Geburtstagsfest.
Am Nachmittag hat es jedenfalls vier Lesungen von einigen Autoren gegeben, die noch nie in Österreich gelesen haben, so zum Beispiel der Däne Kaspar Colling Nielson, dessen Bücher, wie die Moderatorin Susanne Schüssler vom „Wagenbach Verlag“ erklärte, noch nicht auf Deutsch erschienen sind.
Es gibt nur einen Text in „Kolik“ und Kaspar Colling Nielson, 1974 geboren, las aus seinem zweiten Roman „Bürgerkrieg“, der in der Zukunft spielt, wo die Tiere hunderte Jahre werden, sprechen können, mit dem Computer spielen und die Welt sonst durch die Bankenkrise ziemlich zusammengebrochen sein dürfte.
Thomas Raab, nicht der mit den „Metzger-Krimis“, sondern einer der 1968 in Graz geboren wurde und Naturwissenschaft studierte, hat einen noch unveröffentlichten Roman namens „Netzwerk-Orange“, vorgestellt, der auch in der Zukunft spielt und zwar in einer, wo noch alles funktioniert, es aber keine Zeitungen mehr gibt und eine Dissertantin zu einem Psychologie-Professor kommt. Zwischendurch gab er immer Kommentare zu seiner Schreibweise und er zeigte auch eine Skizze vor, an Hand der man sich die Schreibstruktur vorstellen konnte.
Dann folgte eine Europapremiere, nämlich des Amerikaners Nathaniel Richs erste Lesung in Europa. Er stellte seinen in April erschienen Roman „Schlechte Aussichten“ vor, der ebenfalls in der Zukunft spielt und von Cordula Simons „Ostrov Moglia“, die inzwischen auch den Lise Meitner Preis gewonnen hat und beim „Alpha“ bei den Finalisten ist, habe ich schon ein Stück beim Bachmannlesen gehört. Der Roman erklärte Susanne Schüssler hantelt sich in etwa zwanzig Kapiteln von Protagonist zu Protagonist weiter, Fabelwesen und Drachen gibt es dabei und eine Frau bei der immer der Strom ausgeht, wenn sie vögelt.
Dann ging es zu meinen Fest, so daß ich die Europapremiere von Jonathan Lethem versäumte, allerdings habe ich von ihm schon ein Buch im Schrank gefunden.
Am Samstag ging es dann weiter mit einer open lecture vom Filmexperten Thomas Ballhausen, der auch schon mal beim Bachmannpreis gelesen hat, zur Geschichte des österreichischen Science-Fiction-Films, wobei er seltsamerweise Ausschnitte aus alten Propagandafilmen, wie beispielsweise jenem, wo Oskar Werner einem schönen Mädchen, erklärt, wo sie ihr Kreuzerl für diese Nazi Anschlußabstimmung im Jahr 1938 machen soll, aber auch aus der „Stadt ohne Juden“ nach dem Buch von Hugo Bettauer, einem Propagandafilm der SPÖ aus dem Jahr 1950 und und.
Dann folgten wieder ein paar Österreichpremieren zuerst Maurice G. Dantec, der auf Französisch seinen in naher apokalyptischer Zukunft spielnden Roman „Metacortex“ vorstellte.
Dann kam der 1927 in Wien geborene Herbert W. Franke ein sehr bekannter Science Fiction Autor, der sich aber auch mit der Computerkunst und der Höhlenforschung beschäftigte. Ruth Aspöck hat vor langer Zeit ein Buch von ihm herausgeben und ich habe ihn einmal in der „Alten Schmiede“ aus seinen Science Fictions lesen hören.
Jetzt hielt er einen Vortrag über Science Ficton Short-Stories und erzählte aus seinem Leben, daß er nach dem zweiten Weltkrieg in Wien Physik studierte und sich in dieser Zeit für vieles interessierte und alles ausprobierte. So schickte er an die Zeitschrift „Neue Wege“ Gedichte. Die wollten aber lieber Wissenschaftliches von ihm, bis sie schließlich doch seine Science Ficton und auch seine Gedichte druckten.
Es folgten zwei Beispiele, eine Geschichte von einem „Sprung in Nichts“ weil ein Guru ohne Gesicht, den Menschen einredete, daß sie fliegen können. Die zweite schildert auf höchst amüsante Art, die Schwierigkeit beim Kommunizieren, wenn sich am anderen Ende der Leitung nur die Anrufbeantworter melden.
Dann wurde es im Literaturhaus sehr voll. Die Jugend unter ihnen, glaube ich, auch Nina Horvath strömte herein, denn es kam ein Guro der amerikanischen Comic und Graphic Novel-Kunst,namens Scott McCloud, der mir völlig unbekannt war, zu seiner Österreichpremiere und hielt mit einigen hundert Dias eine sehr beeindruckende „Visual lecture“ wie man Comics macht, daß sich nach dem Vortrag, die Schlange die ein Autogramm von ihm wollte, das Literaturhaus verstopfte, bzw. das anschließende Roundtable Filmgespräch mit Thomas Ballhousen und einigen Filmemachern um eine halbe Stunde verschob, so daß ich das Filmbeispiel „Empire me“, wo es um die Utopien von sechs Lebensläufen ging, versäumte und mich stattdessen am Schrank nach einem Geburtstagsbuch umschaute, zuerst nichts zu finden glaubte und jetzt „Die Liebe am Nachmittag“ des mir völlig unbekannten Ernö Szep, ein Weggefährte von Sandor Marai und Antal Szerb, nächste Woche nach Ungarn mitnehmen kann.
Am Sonntag gab es dann die Preisverleihung, die seit 1990 jährlich von der Fried Gesellschaft durch einen Juror an einen Autor vergeben wird. Diesmal war es Kathrin Röggla, die den Preis, den 1964 geborenen Schriftsteller und Psychologen, der 2009 mit seinem Roman „Lichtjahre entfernt“ auf der Longlist des dBp stand, Rainer Merkel, verlieh.
Kathrin Röggla war, die demnächst wieder Mutter wird, sandte eine Vedeobotschaft, Robert Huez, Heinz Lunzer, der Präsident der Fried-Gesellschaft und Robert Stocker vom Bundesministerium eröffneten und begrüßten die Ehrengäste, die ehemalige Unterrichtsministerin Hilde Hawlicek und Friederike Mayröcker, die mir zum Geburtstag gratulierte und Rainer Merkel, der sich inzwischen auch mit Liberia, Somoalia und den Kosovo beschäftigt hat und dort auch gearbeitet und gelebt hat, las in in seiner Dankesrede eine Geschichte, wie er in Beiruth spazierengeht, in einem Jeansgeschäft von einer Frau im Tschador nicht verstanden wird, dann einem Helfer einen Zettel mit ein paar Adressen entgegenstreckt und sich an die Besetzungen in den Achztigerjahren in Berlin, als er für bessere Studienbedingungen demonstrierte, erinnerte.
Nachher gab es Sekt, ich habe mich ein paar Stammbesuchern, darunter mit Christel Fallenstein, die mir ein Buch abkaufte und sozusagen eine Geburtstagsrose schenkte und Cordula Simon unterhalten, der ich für die morgige „Alpha-Preisverleihung“ alles Gute wünschte. Der Hauptjuror Josef Haslinger war auch da und noch ein paar andere illustre Gäste, aber gar nicht so viele „gewöhnliche Besucher“ und ein Teil von Kathrin Rögglas Laudiatio ist im Wochenendstandard sowie in der Erich Fried Sommernummer der Zeitschrift „Kolik“ abgedruckt.

Werbeanzeigen

Schreibe einen Kommentar »

Es gibt noch keine Kommentare.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: