Literaturgefluester

2013-11-14

Nach Bük ins Bad

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:28

Der Alfred, der ja ein reisefreudiger Typ ist und mehrmals im Jahr mit seinem Freund Karl große Reisen zu machen pflegt, konnte heuer wegen dem WU-Umzug in den Prater keinen Urlaub nehmen und kam so, nach dem jetzt das Ärgste ja vorbei ist und am Samstag mein sechzigster Geburtstag war auf die Idee, in der Woche danach mit mir, der Anna und seiner Mutter das ein bißchen nachzuholen. Es schwebte ihm ursprünglich eine Kreuzfahrt durch Portugal vor, die hat dann aber im November nicht stattgefunden und so schwenkte er auf Ungarn um, denn nach Bük ins Bad sind seine Eltern jahrelang regelmäßig gefahren und die Schwiegermutter mit einem Bus vor einem halben Jahr auch manchmal über die Grenze. Dann ist sie aber gestürzt und traut sich alleine nicht mehr und wir waren, als die Anna klein war, vor zwanzig bis dreißig Jahren im Sommer auch ein paarmal in Bük, obwohl ich ja keine Schwimmerin bin und auch die Heilbäder nicht so frequentiere, aber im Sommer kann man im Shirt und in Shorts auf der Wiese liegen, lesen und schreiben.
Und da kann ich mich auch an den Sommer 1989 war das, glaube ich, bevor wir nach Amerika fuhren, erinnern, wo ich Tom Wolfes „Fegefeuer der Eitelkeiten“ gelesen und an den „Hierarchien“ geschrieben habe und irgendeine deutsche Dame erzählte mir, daß die Leute aus der DDR jetzt nicht mehr nach Ungarn fahren dürfen. Es muß der frühe Sommer gewesen sein, dann als wir aus Amerika zurückkamen waren die Bortschaften in Budapest und Prag voll von DDRlern und die Ungarn haben irgendwann die Grenze nach Österreich geöffnet.
Seither bin ich nicht mehr sehr oft in Ungar gewesen, das heißt in BÜK nicht mehr, nach Sopron mit diesen Werbereisen bin ich ja noch ein paarmal gefahren, bevor mich Herr Mark von seiner Liste gestrichen hat, weil ich ihm zu aufmüpfig war.
So schließen wir diesen opulenten sechzigjährigen Geburtstag mit einer Kind und Kegel bzw. Schwiegermutterreise ab und sind am Dienstagmorgen nach Bük aufgebrochen, ursprünglich wollten wir ja schon gleich nach dem Fest fahren, aber da hätte ich sowohl den „Erich Fried“ als auch den „Alpha Preis“, zu dem ich diesmal eingeladen wurde, versäumt und das hätte mir sicherlich sehr leid getan, so haben wir es um zwei Tage verschoben und ich dachte mir, da ich ja keine Schwimmerin bin, keine Heilbäder frequentiere und bis vor kurzem nicht einmal einen Badeanzug hatte, daß ich diese Novemberwoche für einen Lesemarathon nützen werde, ist meine Leseliste ja sehr lang und einige dicke Schinken stehen noch auf dem Programm.
Im November ist zwar auch der „Nanowrimo“ bei dem ich mich bezüglich der „Brüderschaft“ zum Mitschreiben entschlossen habe und ursprünglich dachte, keinen Computer mitzunehmen, dann hat der Alfred ein Hotel mit Internetzugang gebucht und mir ist irgendwann eingefallen, daß ich meine Reisen ja seit ich blogge dazu nütze, die landesspezifische Literatur zu lesen und so habe ich meine Leselisten durchforsten und bin auf einiges von ungarischen Autoren gestoßen. Habe ich in den Schränken in den letzten Jahren ja einige Anthologien, wie beispielsweise „Nachts im Grase-Erzählungen aus Ungarn, eine DDR Ausgabe aus dem Jahr 1988 gefunden, dann gabs noch einiges vom Wespennest als Ungarn Gastland in Frankfurt war, das dann bei den Büchertürmen, der Literatur im März landete. Vor drei Wochen als ich meine Recherchetage und meinen „Kaufrausch“ hatte, bin ich ja wieder bei der „Buchlandung“ eingefallen und habe mir elf völlig unnötige ein Euro Bücher, ich kanns nicht lassen, gekauft, darunter „Ungarn von Montag- bis Freitag“, eine Suhrkamp Anthologie, herausgegeben von György Dalos und von demselben dann das Vorläuferbuch des „Fall des Ökonomen“ und als ich das alles und noch ein paar Gedichtbände herausgesucht hatte, ist mir noch eingefallen, daß ich auch noch ein Buch von Sandor Marai habe, von Antal Szerb „Die Pentagonlegende“ und von Franz Molnar „Die Jungen von der Paulstraße“, ein ziemlich beeindruckender Stoß, der in fünf Tagen gar nicht zu schaffen ist, noch dazu, wenn ich mit der „Brüderschaft“ zwar im Rohkonzept eigentlich schon ziemlich fertig bin, mir für den „Nanowrimo“ aber noch zehntausend Worte fehlen.
Und als ich am Wochenende ins Literaturhaus und dabei an einigen Bücherschränken vorbeigekommen bin, habe ich mir gedacht, jetzt hole ich mir ein „Geburtstagsbuch“ und bin mit einem weiteren Ungarn, Zeitgenosse von Szerb und Marai nämlich Ernö Szep „Die Liebe am Nachmittag“ nach Hause gekommen.
Sechs Bücher habe ich also am Dienstag eingepackt und dazu noch eine Karte von einer Lesung, die im Oktober zu Cornelius Hells „Lesereise Ungarn“ stattgefunden hat, als Lesezeichen mitgenommen, auf der das Bild einer Kleinstadt, ich glaube, Sopron, zu sehen ist, denn die Bücher die ich da eingepackt habe, spielen ja hauptsächlich in Budapest und passen vielleicht nicht gut in ein Thermalbad, wo sich hauptsächlich ältere Deutsche und Österreicher aufhalten.
Der Alfred hat aber ein schönes vier Sterne Hotel, das „Repce Gold“ gebucht, wo es nicht nur Internetanschluß und freien Zugang in das Bad, mit Bademantel und Handtuch gibt, sondern man auch Halbpension buchen muß, das heißt außer Frühstücksbuffet noch eins am Abend und das ist ein bißchen ein Problem für mich, weil ich am Abend eigentlich nichts mehr esse und auch nicht zunehmen will und in der letzten Woche bin ich ohnehin über ein paar sehr üppige Buffets gestolpert.
Aber trotz allem Krisengeschichten, die man derzeit in den Medien hören kann, geht es uns sehr gut und die Buffets sind üppig und so bin ich mit der Büchertasche und dem Laptop losgezogen. Habe den Dienstagnachmittag und den Mittwochvormittag im neuen Badeanzug und dem weißen Bademantel, den Szep lesend auf einer Liege verbracht und bezüglich „Nanowrimo“ korrigierte ich mich noch immer durch, schrieb mal ein paar hundert Worte hinzu, strich die dann wieder weg oder stagnierte überhaupt.
Am Mittwochnachmittag war ich damit durch und habe wieder weitergeschrieben, so hat der Hanno von seinem Arzt erfahren, daß seine Immunsystem nicht in Ordnung ist, dann Schwester Elfriede vor einem Autounfall gerettet und der Konrad, der einen Lehrstuhlin Budapest annimmt, könnte vielleicht doch zum Geburtstagsfest von Tante Lilly erscheinen und bin jetzt bei 43.700 Worte angelangt, habe am Mittwochnachmittag, als ich vom Bad zurückgekommen bin, drei Szenen und 3150 Worte geschrieben und Ideen für ca noch drei Szenen hab ich auch noch, zu einer davon haben mich die dicken fetten Kuchenstücke beim Mittagssbuffet inspiriert, wo sich die Anna dick mit Rahm und Käse bestrichenes Langos geben hat lassen es dann nicht es konnte.
Einfach die handelnden Personen hernehmen und solange Szenen schreiben, bis ich die fünfzigtausend Worte habe, war der Plan das scheint jetzt doch zu funktioneren, obwohls noch nicht so ganz passt. Im Dezember, wenn ich korrigiere, kann ich ja wieder etwas wegnehem, den Handlungsverlauf ergänzen, umändern etc.
Nächste Woche ist die Buch-Wien, da werde ich wieder beschäftigt sein, dann bleibt noch eine etwas ruhigere „Nano-Woche“, bevor der November zu Ende ist, am 2. 12. die Ohrenschmaus-Preisverleihung stattfindet, bei der ich diesmal keine Laudatio halte, das „Literaturgeflüster-Texte-Buch“, das sich zum Geburtstag doch nicht ausgegangen ist, erschienen ist und sich das Jahr zu Ende neigt.
Aber jetzt noch ein paar schöne Urlaubstage mit Mann, Tochter und Der Schwiegermutter in einem schönen Hotelzimmer, mit üppigen Buffets, wo nachher der Magen drückt, sehr viel Ungarn-Literatur und weiteren literarischen Impresssionen.

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