Literaturgefluester

2013-11-16

Die Pendragon-Legende

Filed under: Uncategorized — jancak @ 16:57

Die „Pendragon-Legende“ von Antal Szerb habe ich mir gleich zweimal gekauft, einmal die englische Version, ohne es zu merken, bei „Buchlandung“ auf der Landstraße, vor ein paar Jahren, als ich, glaube ich“ zu einem Vortrag oder Seminar zur Sigmund Freud Uni hinausging und dann in einem der zwei Buchgeschäfte auf der Wiedner Hauptstraße, von denen es nur mehr eines gibt, ebenfalls um einen Euro oder zwei, die deutsche Ausgabe.
Die englische Version habe ich inzwischen in den Schrank gestellt, weil es wenig Sinn macht, eine ungarische Übersetzung auf Englisch zu lesen und als ich meine ungarischen Anthologien und die Wespennest-Bücher vom Ungarn Schwerpunkt in Frankfurt zusammengesammelt hatte, um sie auf die Badereise mitzunehmen, ist mir der 1901 Geborene eingefallen, der ja auch vor kurzem widerentdeckt wurde und dessen „Reise im Mondlicht“ schon durch das auffallende Cover sich bei mir sehr eingeprägt hat.
Sonst hatte ich keine Ahnung von dem Szegeder Universitätsprofessor, dessen Leben, wie im Nachwort steht aus Büchern und Bibliotheken bestand und der eine Literaturgeschichte schrieb, die heute noch Geltung hat. Sehr jung, nämlich 1945 ist er in einem Internierungslager gestorben und die „Pendagron-Legende“, die ich jetzt in knapp vierundzwanzig Stunden im Bad und in der Badewanne ausgelesen habe, ist wirklich interessant und knüpft irgendwie an die beiden anderen ebenfalls schon längst verstorbenen Ungarn, die ich vorher gelesen habe, obwohl das Buch nicht in Budapest sondern in Wales bzw. in London spielt und wahrscheinlich, sowohl als Satire auf den englischen Snobismus zu verstehen ist, als auch eine Mischung zwischen einer Kriminalgeschichte und einem mysthischen Rätsel ist, die man heutzutage wohl Phantasy nennen würde.
Da ist Janos Batky, ein Philologe, wohlhabend und aus Passion in England lebend, wo er sich reichen Leuten zeitweise als Sekretär zur Verfügung stellt, dem weiblichen Geschlecht nicht abgeneigt, obwohl er sonst eine Neigung für die Mystik des siebzehnten Jahrhunderts hat und der lernt auf einer Gesellschaft in London den Earl of Gwynedd kennen, der als seltsamer Mensch beschrieben wird, der auf seinen Besitzungen Experimente macht und auch unsterblich sein soll. Der ist von dem Wissenschaftler begeistert und lädt ihn auf sein Schloß ein, um dort seine Bibliothek zu benützen und die Ereignisse überstürzen sich.
Denn als Batky am nächsten Tag die britische Bibliothek benützt fällt ihm dort ein merkwürdiger Lügenbaron auf, der den Eindruck macht, als hätte er noch nie im Leben eine Bibliothek benützt, sich Batky aber anschließt, ihn nicht mehr aus den Augen läßt und ihn auch nach Wales zu den Besitzungen des Earls begleitet. Vorher lernt Batky noch dessen Neffen Osborne, einen ziemlichen Snob kennen und einen Ring von einer schönen Dame soll er dem Earl auch mibringen. Der empfängt die drei dann ziemlich ungnädig und in den ersten Nächten führt Szerb uns das vor, wie man sich die englischen Gespensterschlößer wohl vorstellen soll.
Das Zimmer hat keinen Schlüßel, draußen wachen die Hellebarden und die Gespenster in mittelalterlicher Kleidung rasen auch vorbei, das Gepäck wird durchsucht, das Päckchen das der seltsame Maloney Batky übergeben hat, verschwindet und der Pfarrer kommt auch, wirkt besorgt, erzählt Batky von den seltsamen Experimenten des Grafen, der die nächsten Tage verschwunden ist und den Ahnungen seiner Schwester. Dann taucht der Earl wieder auf und die Nicht Cynthia, eine seltsam ahnungslose Volkskundlerin, die Bela Bartok für einen Dichter hält, erzählt Batky von einigen Mordanschlägen an den Onkel.
Osborne, Maloney und Batky fahren dann auch zur Burg Pendragon, das ist das Mausoleum der Grafen, wo der erste, der vor einigen hundert Jahren gestorben ist, sich unversehrt befinden soll, wie Batky aus den alten Schriften herausbekam. Die Schwester des Pfarrers warnt davor, denn sie hat geträumt, Osborne wird dort umkommen, es gibt auch eine Falltür und Maloney wird zuerst vom Earl hinausgeschmissen, weil er gestohlen haben soll, später stürzt er aus dem Fenster und der Earl schickt Batky nach London zurück, um eine Schrift aus der Bibliothek zu holen, die will aber die Lady haben, die dem Earl schon den Ring schickte und es beginnt auch in London eine wahre Gespensterjagd. Am Schluß klären sich die Geheimnisse, es geht auch um eine seltsame Erbschaft, ein paar Mal werden dabei noch die Welten gewechselt, Sigmund Freuds Traumdeutung, die Geschichte handelt 1933, spielt dabei auch eine Rolle. Eine Verfolgungsjagd mit einer Verkleidungsszene wo Batky sich mit dem Arzt Morvin trifft, der von ihm die Bestätigung haben will, daß Maloney vom Balkon gestoßen wird, ihm dabei erpresst und dann von den harmlosen Indern am Nebentisch, die sich als Osborn und die Berlinerin Lene Kretzsch, ein in Oxford studierender Blaustrumpf, entpuppten, überwältigt wird, in einen Keller werden die drei auch noch gesperrt, bis sich die Sache aufklärt, die Bösen ihren gerechten Ton finden, der Earl seine Experimente einstellt und die Riesenaxolotls, die er gezüchtet hat, dem Zoo übergibt und Batky, der sich in die schöne Cynthia verliebte, bekommt diese natürlich nicht, da sich die in der Schweiz standesgemäß verlobt.
Spannend spannend, die ungarische Literatur der fast vergessenen und wiederentdeckten Dichter, die heutigen Phantasyromane sind wahrscheinlich mit mehr Bezugnahme auf den Lesergeschmack geplottet, soviel Gelehrsamkeit, Satire und schwarzer Humor ist aber nicht so schnell zu finden. Vielleicht hat es Antal Szerb Spaß gemacht, sich über die Engländer lustig zu machen und die Genres zu verwechseln und so schreibt auch Thomas Steinfeld am Buchrücken „Szerb nicht gekannt zu haben, ist ein Versäumnis“ und Gyorgy Dalos weiß über seinen Schriftstellerkollegen auch nur Lobendes zu sagen.
Jetzt wäre es wohl noch spannend Sandor Marais „Ein Hund mit Charakter“ zu lesen, das ich ebenfalls nach Ungarn mitgenommen habe, aber dafür ist der Aufenthalt wohl zu kurz

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