Literaturgefluester

2013-11-27

Franz Werfel-Abend

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:09

Der 1890 in Prag geborene und 1945 in Beverly Hills verstorbene Schriftsteller Franz Werfel ist 1928 mit seiner Frau Alma Mahler über Kairo nach Jerusalem und Damaskus gereist und dort auf die Kinder von während des Genozids von 1915 erschlagenen Armeniern aufmerksam geworden, was ihn veranlaßte einen historischen Roman „Die vierzig Tage des Musah Dags“ zu schreiben, der 1933 erschien und von den Nazis verboten wurde.
Von den Armeniern wurde der Roman aber mit Begeisterung aufgenommen, die ihn bis heute feiern, so am Dienstag in einer großen Veranstaltung im Radiokulturhaus, auf die ich durch das Programm der „Gesellschaft für Literatur“ aufmerksam wurde und aus Interesse an Franz Werfel, von dem ich schon einige Romane gefunden habe und den Roman „Verdi“ noch in meiner Schul- oder Studentenzeit gelesen habe, hinging und dann etwas erstaunt war, daß zuerst eine ganze Reihe von Exilenzen begrüßt wurde und außer ein paar Literaturinteressierten, fast nur Armenier anwesend waren.
Irene Suchy führte durch das Programm, der Botschafter begrüßte, dann spielte ein Streichquartett rumänische Weisen und das handgeschriebene sogenannte Wiener Manuskript war auch ausgestellt und man durfte es in der Pause, von der Security der Nationalbibliothek bewacht, bewundern.
Es kam dann noch ein Herr von einer „Johannes Lepsius Gesellschaft“, wer Pastor Lepsius war, sollte ich erst im Laufe des Abends erfahren und der Direktor des „Genozid-Museums“ in Jerewan, der auf Englisch einen Kurzvortrag hielt und einige Dias von Schiffen mit denen die Armenier nach Ägypten gebracht wurden und von den Holzlöffeln mit denen sie in den Flüchtlingslagern aßen, zeigte, dann aber bald zu seinem Flugzeug mußte, das ihn wieder nach Armenien zurückbrachte.
Danach kam der Festvortrag von einem in London lehrenden Germanisten, der ein bißchen etwas über den Roman erzählte, in dem es paar historische Personen nämlich jenen Orentialisten und Pastor und auch den türkischen Kriegsminister, aber auch erfundene, wie den Exilarmenier Gabriel Bagradian und seine französische Frau Juilette, gibt.
Nach der Pause, wo sich alle um das Buch scharten, gab es eine Musikeinlage mit Fragmenten von Werfel, der auch gerne komponiert hätte und ein Gedicht von ihm an Alma, das in Jerewan gefunden wurde.
Der Schriftsteller und offenbar Armenienkenner und Übersetzer Herbert Maurer las es vor und dann aus dem fünften Kapitel des Romans, das auch, wie er erwähnte, Franz Werfel gerne vorgelesen hat.
Dann kam ein Herr von der Nationalbibliothek, die das Wiener Manuskript angekauft hatte, projezierte einige Seiten und erklärte etwas über die Entstehungsgeschichte.
Dann gab eine Diskussion dazu und am Schluß der Veranstaltung wurde vom armenischen Botschaft „Werfel-Plaketten“ für Verdienste um die Zusammenarbeit Österreich Armenien verteilt.
Marianne Gruber als Vorsitzende der „Werfel-Gesellschaft“ hat eine bekommen, ein paar der schon genannten und auch andere Personen.
Eine sehr interessante Veranstaltung, die mir, die ich ja keine unbedingte Werfel-Expertin bin, einen mir unbekannten Roman in einer spannenden Facette nähergebracht hat. Habe ich doch so Einblick in die armenische Geschichte und in die in Österreich lebende armenische Gemeinde, die gar nicht so klein scheint, bekommen und die Zaruhi einer der wenigen Armenierinnen, die ich kenne, habe ich auch dabei getroffen.
Ansonsten habe ich nicht gewußt, daß die Gesellschaft für Literatur und der ORf so mit Armenien verbunden ist und Irene Suchy im Vorjahr mit Herbert Maurer sogar eine Reise dorthin machte. Und als ich nach der Veranstaltung in die Badewanne gestiegen bin, um Robert Schindels „Der Kalte“ weiterzulesen,k bin ich prompt auf der ersten Seite, die ich gelesen habe, auf die Stelle gestoßen, wo Rosa nach ihrem Herzinfarkt im Spital liegt und in den „Vierzig Tagen des „Musah Dagh“ liest. Es gibt eben immer wieder interessante Zufälle und Verbindungen.
Von Franz Werfel habe ich den „Veruntreuten Himmel“ und „Das Lied von Bernadette“ auf der Leseliste.

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