Literaturgefluester

2013-12-06

Küsse unterm Weihnachtsbaum

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:26

Der Dezember ist herangekommen und damit die Zeit der Weihnachtsbücher und, ich glaube, ich bin auch durch „Leselustfrusts-Blog“ darauf gekommen, mich damit beschäftigten, beziehungsweise durch die offenen Bücherschränke, in denen sich ja gelegentlich welche finden, so daß ich es mir angewöhnt habe, sie zu sammeln, auf die Liste zu schreiben und im Dezember der Reihe nach herunterzulesen.
Zwar bin ich nicht religiös und auch kein unbedingter Konsumtyp, aber doch ein bißchen sentimental und für Weihnachten sehr empfänglich und da das offensichtlich nicht nur mich betrifft, gibt es auch Weihnachtsbücher in großer Zahl und so haben sich diesen Dezember fünf auf meiner Liste angesammelt und das erste, ein romantischer Liebesroman aus dem neunzehnten Jahrhundert, habe ich mir, glaube ich, Anfang Jänner oder war es noch Dezember letzten Jahres?, vom Alfred vom „Thalia Abverkaufsstoß“ in der Kremsergasse kaufen lassen und es jetzt auf einem Zug gelesen, weil ich Zeit hatte und meine Leseliste noch lang ist.
Trazy Cozzens „Küße unterm Weihnachtsbaum“, eine Mischung aus „Küß mich Kätchen“ und „In achtzig Tagen um die Welt“, am Buchumschlag steht etwas von „Liebe, Abenteuer und Romantik“, bei der Biografie der Autorin, daß sie in den USA schon einige Preise gewonnen hat und mit ihrer Familie dort lebt.
Das ist nicht sehr viel, aber vielleicht kann das Buch für sich sprechen, das am Buchrücken auch noch „Als Lesevergnügen für lange Winterabende empfohlen wird.“
Es beginnt in Conneticut 1897 am „Thanksgiving-Tag“. Der wird in Amerika ja immer sehr gefeiert, also auch in der Familie des Eisenbahnkönigs Carrington. Das heißt, seine Damen stehen zu Hause und bereiten den Truthahn vor, das Personal scheint an diesem Tag Ausgang zu haben, die Herren gehen derweil auf Jagd und diesmal ist auch Mister Carringtons jüngste Topchter Meryl dabei, die gerade von der Universität, wo sie ein Studium abgeschlossen hat, zurückgekommen ist und nun große Pläne im Kopf hat, sie will Papas Nachfolgerin im Eisenbahnimperium werden, denn, jawohl Frauen können das auch und sie hat auch schon einen Kaufvertrag ausgearbeitet und ist auch in seiner Firma tätig. Da darf sie allerdings nur Akten ablegen und Papa, der leider nur fünf Töchter und keinen Sohn hat, hat in Joe Hammond, der gerade aus Mexiko zurückgekommen ist, auch schon einen Nachfolger gefunden, mit dem tritt Meryl, die wahrscheinlich so an die zwanzig sein wird, genauer habe ich es in dem Buch nicht gefunden, in Konkurrenz, zuerst beim Moorhühner schießen, da trifft sie zwei, Joe leider drei und so handelt sie während des Festessens mit ihm einen Vertrag aus. Papa will nämlich eine Eisenbahnlinie in San Francisco kaufen und hat ihn damit beauftragt, Meryl aber schon den Vertrag gemacht. Wer von den beiden der erste ist, wird Abteilungsleiter und der andere findet sich damit ab.
So weit so gut, aber im Winter 1897 ist es nicht so einfach nach San Fransisco zu reisen, zumindestens für eine junge Dame nicht, weil die muß ja schon eine ganze Reihe von Koffern und Hutschachteln mitnehmen, um anständig gekleidet zu sein, während die Männer mit viel leichteren Gepäck reisen können. So versäumt sie auch fast den Zug, bzw. bekommt sie nur ein Billett, in dem sie sich als Joes Frau ausgibt, was aber auch bedeutet, daß sie mit ihm im Schlafwagen in einem Bett liegen muß und 1897 war eine Tochter aus gutem Hause sicherlich noch Jungfrau.
Sie ist aber, weil sie Joe schon von ihren Kindertagen kennt und schon damals mit ihm in Rivalität stand, wohl auch ein wenig verliebt in ihm und schreibt das auch in ihr Tagebuch, das sie ebenfalls mit sich führt und Joe nützt das enge Bett auch aus, indem er das nur mit Höschen und Leibchen bekleidete Mädchen fest an sich drückt.
Am nächsten Tag beim Frühstück vergießt sie ihren Fahrplan und Joe mogelt nun an der Abfahrtszeit, am Abend gibt es zwei Stunden Pause, damit man Abendessen gehen kann, Joe macht drei daraus, führt Meryl in eine Spelunke und läßt sie dort stehen, sie rächt sich, in dem sie in sein Hotelzimmer kommt, ihren Schmuck in seinen Morgenmantel gleiten läßt und ihn dann wegen Diebstahls verhaften läßt. Joe hat aber ihr Tagebuch, in dem Zug sind ja ihre Sachen geblieben. So kommt er frei, läßt den anderen Zug in dem sie sich nun befindet, anhalten, es kommt zu einer Verfolgungsjagd und einer sehr verfänglichen Situation. Joe schlägt ihr dann Versöhnung bis San Francisco vor. Aber da wird die Eisenbahn von zwei ehemaligen Mienenarbeitern überfallen, die das Geld und den Schmuck der Reisenden wollen, Meryl will ihr Armband nicht hergeben, sagt naiv „Ich bin Mister Carringtons Tochter!“, wird prompt von den Beiden entführt und Joe muß sich sehr bemühen sie frei bekommen, was ihm auch gelingt. Im Hotelzimmer macht er ihr dann einen Heiratsantrag, sie lehnt ab, gibt sich ihm so hin, reist danach nach San Fransisco mit ihrem Vertrag, aber Mister Philbotton verhandelt nicht mit einer Frau, was Joe, der nach ihr das Büro betritt, wieder einen Vorsprung verschafft. Der Vertrag ist aber wirklich ausgezeichnet, auch Joe hätte das nicht besser machen können, so unterschreibt Herr Philbotton, Joe handelt noch einen kleinen Zusatz aus und das Weihnachtsfest ist in Conneticut inzwischen herangekommen. Alle Töchter haben sich im Hause Carrington versammelt, eine ist sogar aus Indien mit ihrem Ehemann angereist gekommen und Meryl hat einen Entschluß gefaßt, sie wird die Firma verlassen und so, wie es sich gehört nur mehr für Keller und Küche tätig sein, da kommt aber Joe und macht ihr ein besonderes Geschenk, ein Türschild „Meryl Carrington, Abteilungsleiterin, Geschäftsbereich Westgate“, denn das war der Zusatz den er mit Mister Philbotton ausgehandelt hat. Es kommt noch zu einigen Plänkeleien, er geht, nein sie, nein er, bis die Beiden nun doch zu heiraten und die Firma gemeinsam zu leiten beschließen (bis das erste Kind kommt, wird das schon gut gehen), die Schwestern haben sich vorher noch Gedanken über das zwanzigste Jahrhundert gemacht, das ja in zwei Jahren kommen wird, das da wohl geschehen wird in Punkte Frauenrecht etc und die Mama macht sich noch Sorgen, was mit ihr nun wird, nachdem ja alle ihre fünf Töchter jetzt brav unter der Haube sind?
Nicht unbedingt das, was ich sonst lese? Ja und nein, denn ich habe einmal Hedwig Courths Mahler sehr gern gelesen und die hat auch öfter solche Themen behandelt und sich immer ein bißchen schwer mit dem Frauenrecht und der Moral getan, aber Trazy Cozzens ist, wenn ich es richtig verstehe und dem Buch auch kein Geburtsjahr zu entnehmen ist, eine heutige Autorin, die den Romantikroman 2003 erscheinen ließ, so ist er sicher ganz amüsant zu lesen und ärgern kann man sich auch ein bißchen und denken, die Frauen 1897 hatten es, auch wenn sie der Oberschicht entstammten, nicht gerade leicht, denn für sie war es in der freien Wildbahn eines Eisenbahnwaggon zwischen Conneticut und San Fransico viel schwerer als für die Männer, die mit Colt und leichten Gepäck immer ein bißchen voraus waren.

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