Literaturgefluester

2013-12-07

Weihnachtserzählungen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 19:10

Das „Knaur LeseFestival“, irgendwann einmal im Schrank gefunden und noch mit D-Mark Preisen angeschrieben, bietet „die schönsten Erzählungen zur Weihnachtszeit und ein buntes Kaleidoskop brillanter Kostproben weltbekannter Autoren“, an und rührt wahrscheinlich nicht zufällig an das Tränenpotential, der Mittelschichtfamilien, die diese Geschichten zu lesen bekamen und noch bekommen werden.
Weihnachten von unten aus ferner und fernerer Zeit, könnte man es etwas respektlos nennen und feiert dann gleich „Heiligabend“ mit Maxim Gorki und da gibt es, wie es früher mal so üblich war, einen Erzähler.
Ein Ich läßt sich von einem abgerissenenen Subjekt in einer Gaststädte für ein Bier seine Geschichte erzählen, als er einmal mit Jaschka Sisow auf der Straße war und sie sich die Kopeken für ein weihnachtliches Abendessen „zusammenbettelten“, beziehungsweise so einrichteten, daß sie zufällig die Geldtaschen der feinen Damen „geschenkt“ bekamen, da waren ein paar Rubel drin, so daß sie sich einen Schinken kaufen konnten, damit wollten sie nach Hause, trafen dabei einen betrunkenen Steuereintreiber mit dem sie dann feierten und der dann auch „zufällig“ den Geldbeutel bei ihnen vergaß.
Mit Victor Hugo geht es weiter und der erzählt „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“, bei dem ich immer weinen muß, gleich noch einmal mit dem Schicksal „Der kleinen Cosette“, die ist acht und sitzt im Gasthaus Thenardier unterm Tisch und strickt Strümpfe für die beiden Töchter des Hauses. Draußen gibt es einen Weihnachtsjahrmarkt und dort eine wunderschöne Puppe, die sich keiner leisten kann und die Kleine wird in den Wald zur Quelle um Wasser geschickt, fürchtet sich vor Geister, da kommt auf einmal ein alter ärmlich gekleideter Mann daher, trägt ihren Zuber und nimmt im Gasthaus Quartier, wo es für Arme das Doppelte kostet, ißt nicht viel, ist mit dem Heu zufrieden, gibt der kleinen aber die Münze, die sie verloren hat, gibt der Wirtin auch Geld damit sie spielen kann und als sie Schläge bekommen soll, weil sie sich am Püppchen der Wirtskinder vergreift, geht er hinaus und kauft ihr die wunderschöne Puppe und wir ahnen, daß er wohl ihr unehelicher Vater ist, den die später Reue packt, erfahren sonst aber nicht sehr viel.
ein wenig behaglicher wirds mit E.T.A Hoffmann im „Marie und ihr Nußknacker“, das wir alle wohl als Ballett kennen, denn da geht es in eine Medizinalratsfamilie, die wohlerzogene Marie spielt mit ihren Puppen, der freche Fritz mit seinen Zinnsoldaten und als siesich dann an der Glasscheibe des Spielzeugskasten stößt, erlebt sie wohl die Fieberträume, die E.T.A. Hofmanns phantastische Geschichte ausmacht und Leo Tolstoi erzählt und von einem Schuster, der nach dem Tod seines Sohnes fromm wird, die Bibel liest und auf die Erscheinung Christi wartet, die er dann auch in Form eines armen Straßenkehrers, einer armen Frau und eines Straßenjungen trifft.
Die Geschichte von Alphonse Daudet und den „Drei stillen Messen“, habe ich, glaube ich, schon im Vorjahr gelesen. Dann gibts eine Geschichte von Selma Lagerlöf, der Nobelpreisträgerin von 1909,Marcel Pagnol erzählt von Weihnachten in einem Knabeninternat und Truman Capotes „Weihnachtserinnerung“ führt in seine Kindheit, wo er als Knabe mit einer alten Freundin, Früchtekuchen buk, den Weihnachtsbaum holte und ihr aus Mangel an Geld einen Drachen bastelte. Das Weihnachtsbäume holen scheint eine beliebte Erinnerung zu sein, erzählt doch auch Stefan Andres, leider hat das Buch keine Autorenbiografen und alle Dichter sind mir nicht bekannt, davon, wie er als Knabe den Weihnachtsbaum vom Gemeindewald klaute, dabei vor dem Wildhüter flüchtete und von der Familie als Versager belächelt wurde. Erich Kästner erinnert sich an „Sechsundvierzig Heiligabende“, in Dresden, bei Muttern, während in München sitzt und leider in die im Krieg zerstörte Stadt nicht fahren kann.
Dann geht es mit Max Kruse zur „Christnacht“ nach München, wo zwei Kinder Tobias Traxl ein schönes Fest beschweren.
Heinrich Bölls „Monolog eines Kellners“ habe ich, auch schon , wie B. Brechts „Paket des lieben Gotts“, im „Weihnachtsbuch“ des Vorjahrs gelesen.
Rudolf G. Bindig läßt wieder das Christkindlein am Weihnachtsmarkt aufmarschieren und drei armen Kindern ihr Geschenk bewahren, während in „Ausgerechnet Rimini“ von Monika Boette vordergründig gar nichts weihnachtlich ist. Das heißt der Tag natürlich und reißt der berühmte Sänger vor seinen Eltern, seinen zwei Frauen und seinen Kinder aus, fährt nach Rimini um dort der Flötistin zu begegnen, die er schon vorher im Orchestergraben treffen hätte können. Zu Weihnachten ist aber alles anders, so begegnen sie einander bei Eugenio Ferrani und sagen beglückt „Buona sera!“, zueinander.
Zdenek k. Slaby läßt in Prag das kleine Männchen seine schöne Puppe finden und Wolfgang Schnurre führt mit seiner Leihgabe wahrscheinlich in das Berlin der Zwischenkriegszeit. Da hat der Vater, ein Präparator seine Arbeit verloren, die Tochter hat noch eine als Küchenhilfe, so bringt sie den Bienenstich und das Gänseklein nach Hause und der Weihnachtsbaum wird ausgebraben, mit Staniol behangen und am übernächsten Tag wieder zurückgebracht und es war am zweiten Adventwochenende schon ein paar besinnlich schöne Badewannestunden, die ich mit dem Lesefestival zur Weihnachtszeit verbrachte.
Das Buch war schon ein bißchen abgegriffen und schon mal gelesen, am Cover steht ein Bäumchen und vier bidermeierlich bekleidete Mädchen blasen Trompete oder schauen ehrfürchtig, das Bäumchen an, daneben gibt es noch das Püppchen und den Puppenwagen und dazu passt vielleicht ein bißchen, die gestrige „Buchandels-Flash Mob Aktion“, die ich auf der „Ihr Buch hat ein Gesicht-Facebook Seite“ gefunden habe, wo man in den kleinen Laden gehen und möglichst viele Bücher kaufen sollte, statt beim „bösen“ Amazon bestellen und auf der „To do list“ konnte man ebenfall lesen, daß man neben „Weihnachtskarten schreiben und Kekse backen auch einen Stapel Bücher kaufen soll“.
Nicht alle werden das vielleicht können und so ist es gut, daß man sie sich die auch im Laufe des Jahres aus dem offenen Bücherschrank nehmen und im Monat Dezember lesen kann.

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