Literaturgefluester

2013-12-12

Cartoons über Kunst

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:08

„Also ich finds primitiv“ sagt der Neandertaler in der Höhle mit dem Glas Sekt in der Hand bei der Vernissage der Höhlenzeichnungen“ und ich kann zu Zeiten der Weihnachtseinkäufe, mitten in der Weihnachtsbuchlektüre meinen p.t. Lesern ein solches empfehlen, das eigentlich keines ist, aber ein Geschenk, für die die, ohnehin schon alles haben, Buffets auf Vernissagen oder auch Cartoons lieben etc…
Die „Komischen Künste“ beziehungsweise der „Holzbaum-Verlag“, der mich ja schon seit fast zwei Jahren so lieb mit seinen Neuerscheinungen versorgt, machts möglich und da habe ich auch Oliver Ottitsch, von dem der beschriebene Cover-Cartoon ist, kennengelernt und auch einige andere, denn der von Clemens Ettenauer herausgegebene Band vereint die Arbeiten von Ari Plikat, Bruno Haberzettel, Daniel Jokesch, Dorte Landschulz, Hannes Richert, Harm Bengen, Hauck u. Bauer, Martin Perscheid, Matrattel, Michael Holtschulte, Miguel Fernandez, Nicolas Mahler, Oliver Ottitsch,Peter Gaymann, Peter Thulke,Renate Alf, Rudi Hurzlmeier, Stephan Rürup und vielen mehr.
„Treten Sie ein in die Bilderwelt!“, steht am Buchrücken und ich laufe zwischen Punsch und Weihnachtskeksen den Parcour der bildenden Kunst mit dem lachenden Auge darauf und weil ich eine Wortfrau bin, tue ich es mit den Überschriften. Wer das Ganze sehen will, ist bei den „Komischen Künsten“ im Museumsquartier gut aufgehoben, denn da gibt es gerade die diesbezügliche Ausstellung.
„Nicht übel“, sagt also Adam mit der Palette in der Hand vor dem „Schrei“ von Munch „..aber das Gähnen ist ein echt lahmer Titel!“
Dann gehts weiter zu den roten Flecken im Museum „War das nicht früher mal schwarz?“, fragt Andreas Pruestel „Hoch lebe Malenitsch“ und auch „Ja scheiss die Wand an – Was haben wir denn da?“
Der „Schrei“ von Munch scheint für die Cartoonisten bzw. dem Herausgeber überhaupt sehr wichtig zu sein, finden wir ihn in dem Buch doch immer wieder in seiner entstellten Form. Und so hat ihn Ari Plikat auf einen Schreibtisch gestellt. „Was habe ich da geheiratet?“, fragt der Mann davor.
„Die Kunst hat etwas Tröstliches. Man fühlt sich selbst gleich viel weniger scheußlich!“, läßt Bernd Zeller eine blonde Vernissagebesucherin im roten Kleid mit dem Glas Sekt fröhlich sagen.
Bruno Haberzettl hat „Guiseppe Arcimboldos frühes Selbstportrait“, Gurke auf Melone und Radieschen dargestellt.
„Ist das Kunst oder soll das weg?“, läßt Christian Habicht den Klempner vor dem Klo den Kurator in der Ausstellung fragen und Daniel Jokeschs „Kunstdünger“ kostet gleich mal eine Million Euro.
„Sieh an, sich an, der Hinrichs hat ein neues Gemäde. Dafür ist also das Geld da!“, fragt die Sekretärin vor dem roten Bild hinter dem Schreibtisch des Chefs. Der liegt mit Pistole und heraushängender Zunge in seinem Blut unterm Schreibtisch und sie sieht es nicht. Ein Bild, das dem Alfred am besten gefiel, so daß er mich nach Ruths Adventbrunch gleich in den „Shop“ zerrte, um ein Poster zu kaufen.
„Die Kunstfälscher unter sich“ von Erich Rauschenbach haben es schwer, denn „Rembrandt fälschen ist echt bescheuert. In der Zeit, die du für einen Rembrandt brauchst schaff ich locker zwanzig Modrians!“ und auf ein Hochhaus ist das Bildnis einer nackten Frau gesprayt.
„In den erogenen Zonen ist die Miete natürlich etwas höher“, bestimmen die beiden Männer die darunter stehen.
Dann gehts wieder in die Vernissage und zu dem Plakat „Der Künstler ist anwesend und beobachtet heimlich, ob Sie nur wegen Sekt und Schnittchen hier sind!“, sehr viel Eindruck scheint das nicht zu machen, beziehungsweise stehen alle vor dem Objekten und mampfen und trinken in sich hinein. Das läßt sich natürlich auch wieder hinauskotzen, wie uns Hannes Richert im nächsten Cartoon zeigt und beim „Letzten Selbstportrait“ springt der Künstler vom Hochhaus in den darunter aufgestellten Rahmen.
„Ich bewundere Picasso! Niemand hat sein Öl so teuer verkauft wie er“, läßt La Razzia den Scheich sagen und der Meister muß bei Martin Perscheid, für die auf die Kaffeehaustischdecke gemalte Gams fünfzig Mark extra zahlen. Wärs ein echter Picasso, wär die Wirtin reich geworden, aber da wäre die Decke sicher längst weg, ehe sie es bemerkt hätte.
So geht es weiter mit der Kunst und dem lachenden Auge darauf. Der begabte Malerlehrling punselt seine Meisterwerke an die Wand, statt der weißen Farbe, der Künstler kommt in die sixtinische Kapelle zu spät, „denn Michelangelo war schneller!“ und in die Vernissage der schwarz-weiß Zeichnungen bringt sich das Publikum seine bunten Bilder selber mit.
Köstlich, köstlich und sehr zu empfehlen, das „MUH SEUM“ von Oliver Ottitsch, wo die Kühe in die Ausstellung gehen und die Frau im Bett im Zimmer des Bildes von Van Gogh, dem Meister androht, ihm ein neues Ohr abzuschneiden, wenn er nicht mehr verkauft. Böse ist das, während die Behauptung von Raphael Dillhof, daß an der zeitgenössischen Kunst, die Häppchenindustrie am meisten verdient, meiner Meinung, die ich bei Vernissagen meistens nur billigen Wein und Soletti sehe, nach nicht stimmt.
Vor dem Picasso-Bild sitzt bei Rudi Hurzlmeier im Museum ein Wärter, der den Portrait des Meisters nur „ganz zufällig“ ähnlich sieht. Bei einem anderen Cartoon, hat sich ein ehemaliger Polizist ins Museum geschlichen und erklärt nun allen, „daß sie weitergehen sollen, weil es absolut nichts zu sehen gibt“, was zur Frage führt, ob man das, was die Künstler ausstellen, nicht vielleicht doch selber kann?
Stephan Rürup hat sie vortrefflich beantwortet, so daß ich mich nur wiederholen und das Buch als treffliches Weihnachtsgeschenk allen Interessierten empfehlen kann.
Biografien der Künstler gibt es im Anhang auch.

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