Literaturgefluester

2013-12-19

Fremdes Land

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:35

„Fremdes Land“, der dritte Roman des 1970, in Gmünd geborenen Thomas Sautners, ein Fund vom „Wortschatz“ habe ich eigentlich für den von dem jenischen Mädchen, aus dem ich ihm einmal bei „Rund um die Burg“ lesen hörte, ein Thema das mich eigentlich gar nicht so sehr interessierte, dann war es aber doch der Roman in dem es um die fernste Zukunft und um den Verlust der Freiheit geht, den Thomas Sautner auch bei „Rund um die Burg“ vorstellte.
Ein spannender Roman, mit dem ich die letzten vier Stunden in der Badewanne verbrachte, „1984“ und doch sehr vertraut und natürlich wieder sehr übertrieben, das show not tell, wurde, glaube ich, auch nicht sehr eingehalten, denn Thomas Sautner baut in seiner neuen Welt ein sehr komplexes System auf, das er sehr genau beschreiben muß und man muß aufmerksam lesen, um das alles zu verstehen, so daß die Rahmenhandlung dabei fast untergeht.
Da gibt es einmal Jack Blind, den Helden, der Name ist natürlich nicht zufällig gewählt und der doppt sich in der Nacht mit Träumen, in dem er alle zehn Minuten den Wecker stellt und sich aufwecken läßt, „Traumunkies“ nennt sich das. Im Eiskasten gibt es Gemüse und Früchtesäfte aus künstlicher Herstellung, weil alles andere zu ungesund wäre und wenn Jack sich nicht wohl fühlt, schluckt er „Feel good Pills“. Er wohnt in einem Dachausbau eines Hauses, wo sonst nur Sozialempfänger, Arbeitslose, Rentner, Sozialarbeiter, Alleinerzieher ect, die Underdogs halt. leben, Jack ist aber der künftige Stabschef des künftigen Präsidenten und fährt mit der U-Bahn zur Arbeit.
Da wird man ständig überwacht und wenn man seine P-Card nicht dabei hat, kommt die Security.
Weil Jack das beobachten will, fährt er eine Station zu viel, wird dann nach seinem Ausweis gefragt, als er die Entfernung des letzten Geldautomaten beobachtet, denn den braucht man in der schönen freien Welt nicht mehr und weil die Moslems, die separiert werden, einen Terroranschlag verübten, wird Jack auch in ein Beobachtungszimmer geführt und verhört.
Jack und sein Chef kandieren für das Volksbündnis, dann gibt es noch das Sozialbündis, aber dessen Chef dankt vorzeitig ab und wird dann auch noch ermordet, so daß Mike Forell sehr leicht Präsident wird.
Aber als er sein Amt antreten will und dabei Sekt trinkt und tanzt, was auch streng verboten ist, kommt eine siebzigjährige Beamtin, sagt, sie ist die Kabinettschefin und verlangt vom Präsidenten, das er etwas unterschreibt, womit er seine eigene Execution erlaubt.
Dann kommt noch ein „Vertreter“ genannter Herr und schwatzt dem Präsidenten vor, was er alles zum Wohl des Volkes tun soll, es geht da um die Implantierung von Sicherheits- und Gesundheitschips. Einen Kabinettchef der Übergewicht hat und sein Gesundheitsprogramm nicht erfüllt gibt es auch noch und dann natürlich die Terroristen. Zuerst sind das die Moslems, gegen die das Land im Krieg liegt, dann aber die LBs, die sogenannten „linken Brigaden“, die Flugblätter verteilen beziehungsweise herumsprayen, daß das Volk entmüdigt ist, während der Vertreter dem Präsidenten etwas von Umfragen vorschwämt, das die Leute ja sehr gerne diesen Chip haben wollen und ihm außerdem vorschlägt, sich ihm selbst implantieren zu lassen.
Jack Blind hat noch eine Schwester namens Gwendolyn, die ihr Soziologiestudium abbrach, bevor es verboten wurde und nun als Altenhelferin jobbt, sie ist, wie Jacks Vater, ein Siebzigjähriger, der nicht bis achtzig arbeiten will und dafür Strafzahlungen in Kauf nimmt, für die Freiheit und wird auch bald als Haupt der LBs verhaftet, soll exekutiert werden. Nur der Chip kann das verhindern, für den will sie sich aber nicht „entscheiden“, will sie ja nicht entmündigt werden.
Am Schluß wird auch noch Jack verhaftet und der Leserin raucht der Kopf. Dabei ist es ja gar nicht soviel Unbekanntes, was sie da gelesen hat, das meiste ist ja nur ganz leicht übertrieben und der Wirklichkeit nur um eine klitzekleine Spur voraus und dann ist das Ganze wieder zu viel und zu dick aufgetragen und auch ein bißchen zu mühsam zu lesen, um spannend zu sein.
Das Buch wurde dennoch in einem Zug durchgelesen und man bleibt mit einem sehr unguten und sehr hilflosen Gefühl zurück und der dreiundvierzigjährige Autor, der seine ersten beiden Bücher bei „Picus“ verlegte, das dritte und das vierte, „Der Glücksmacher“ aus dem ich ihn bei „Rund um die Burg-Neu“ lesen hörte, bei „Aufbau“ erschienen, wird am Buchrücken als österreichischer Bestsellerautor bezeichnet und scheint ein ähnlicher Aufsteiger, wie beispielsweise Reinhard Kaiser- Mühlecker zu sein, der der Genren wechselt, von den Jenischen bei „Fuchserde“, über Intrigen und Inzest in „Milchblume“, über die „schöne neuen Welt“ in „Fremden Land“ über die „Glücksmacher“ schreibt, zuletzt ist wieder bei „Picus“ ein Band über das Waldviertel erschienen, über den sich staunen und sich wundern läßt.
Aber Österreichs Literaturlandschaft ist reich von literarischen Talenten, denen mehr oder weniger große Aufstiege gelingen und dank der „Offenen Bücherschränke“ und der „Rund um die Burg Veranstaltungen“, kann ich sie auch kennenlernen.

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