Literaturgefluester

2013-12-28

Die Augenblicke des Herrn Faustini

Filed under: Uncategorized — jancak @ 19:54

Herr Faustini, der liebenswürdige Neurotiker oder Sonderling, der Wolfgang Hermann, 2002, den „Siemens Literaturpreis“ eingebracht hat, hat einen Riß in seiner Seele, deshalb geht er, der in Hörbranz mit einem Kater lebt, der inzwischen zur Nachbarin übersiedelt ist, zu der Psychotherapeutin Angela Nussbächle nach Dornbirn und die empfieht ihn, weil bald Sommer, eine Reise.
So legt Herr Faustini den Finger auf die Landkarte, entscheidet sich für einen Ort namens Edenkoben am Rhein und ruft die Telefonauskunft an, um sich dort die besten Zugverbindungen sagen zu lassen.
Herr Faustini ist höflich rücksichtsvoll hat offenbar auch alle Zeit der Welt und kann sich auch genau erinnern, daß ihm die Telefonistin schon einmal die allerbesten Verbindungen gesagt hat.
Gibt es ja noch zwei andere „Faustini-Bände“, die ich zwar nicht gelesen habe, aber, glaube ich in der einen oder anderen diesbezüglichen Veranstaltung war.
In Edenkoben angekommen quartiert er sich in eine Pension ein, das Zimmer gefällt ihm aber nicht und wegen einer Fliege kann er auch nicht schlafen. So lernt er im Supermarkt am nächsten Tag den Hobbyeisenbahner Emil kennen, mit dem er in ein anderes Zimmer zieht und weil die Augenblicke kostbar sind, fährt er auch nach Speyr um sich den Dom anzusehen, gelangt von dort auf ein Rheinschiff, entpuppt sich als wunderbarer Tänzer einer alten Holländerin, die mit ihrem Mann auf goldener Hochzeitsreise ist. In Köln steigt er wieder aus, trägt der Frau mit dem wunderbarsten Gang der Welt den Koffer zum Zug nach Berlin, fährt aber doch nicht mit, hat der etwas in den Weinbergen verloren. So scheint er dort bis es Winter ist zu verbleiben, schreibt an die Nachbarin noch eine Ansichtskarte, um sich dann irgendwann wieder auf den Bahnhof und in einen Zug zu begeben.
Der liebenwürdige kleine Mann des 1961 in Vorarlberg geborenen Wolfgang Hermann, den ich wie beschrieben, von den „Siemens-Literaturpreisen“, bei denen ich mich ja auch immer eifrig beworben habe und zu den Preisverleihungen hingegangen bin, kenne.
Das Buch „Fahle Landschaft“ habe ich, glaube ich, einmal bei den Büchertürmen von „Literatur im März“ gefunden und gelesen. Den „Wildgans-“ und auch andere Preise hat er bekommen und jetzt, glaube ich, einen Gedichtband bei „Limbus“ herausgebracht.
Ich gehe manchmal zu seinen Lesungen ins Literaturhaus oder in die „Alte Schmiede“ oder sonstwohin und jetzt habe ich bei diesem „Morawa-Abverkauf“, um zwei Euro wahrscheinlich „Die Augenblicke des Herrn Faustini“, die Geschichte von dem kleinen Mann, der naiv die Welt erobert und uns das einfache Leben lehrt, gelesen.
Diese naiven Heiligen sind zwar nicht ganz das Meine, das Buch war aber ganz amüsant und Anspielungen auf das Nichtwählen, den Fremdenhaß und andere Unsinnigkeiten unseres Lebens sind darin auch zu finden.
Interessant ist noch, daß Wolfgang Hermann für dieses Buch offenbar ein Aufenthaltsstipendium in Edenkoben in Anspruch genommen hat, wofür er auf der ersten Seite dankt.

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