Literaturgefluester

2014-01-31

Gefährliche Geliebte

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Seit Weihnachten kommt man in den Blogs, den literarischen Kalendern und den Buchhandlungen, nicht an Haruki Murakami vorbei, der am 12. Jänner seinen fünfundsechzigsten Geburtstag feierte und auch noch einen neuen Weltbestseller verlegte, den jetzt alle lesen und auf meiner Leseliste steht ganz zufällig die „Gefährliche Geliebte“, das ist das Buch, 1992 erschienen, das Sigrid Löffler aus dem literarischen Quartett aussteigen ließ, weil sie sich durch den Meister beleidigt fühlte, der ihre Einstellung zum Sex bemängelte.
Das hörte ich erst nach MMRs Tod letzten Herbst, da ich mir da ja eine Woche lang sehr intensiv alle Reich-Ranicki Videos ansah, die sich im Internet finden ließen und der Name Haruki Murakami hat sich bei mir, glaube ich, auch durch die Blogs eingeprägt. Waren 2012 doch alle sehr empört, daß er nicht den Nobelpreis bekommen hatte und im Schrank habe ich „Mister Aufziehvogel“ und „Nakos Lächeln“ gefunden.
Als ich aber 1991 nach Japan flog und mich da diesbezüglich nach japanischer Literatur erkundigte, ich bin im Flugzeug neben einem Botschaftsangehörigen gesessen, der über Ostern nach Hause flog, habe ich von ihm nichts mitbekommen oder den Namen schnell vergessen.
Jetzt leben wir aber im Murakami-Fieber, überall werden seine Romane sehr gelobt, obwohl die Meisten jetzt „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ zu lesen scheinen.
Die „Klappentexterin“, die ein besonderer Murakami-Fan zu sein scheint, hat einen eigenen Geburtstagsartikel verfaßt und manchmal kann man in den Blogs lesen, daß der japanische Surrealismus abschreckt, aber so habe ich das „Skandalbuch“ gar nicht empfunden.
Da geht es um ein Einzelkind, 1951 geboren, in einer japanischen Vorortesiedlung mit gepflegten Garten und einer nicht berufstätigen Mutter aufgewachsen und dessen Sozialisierung als Mann, der ein wenig darunter leidet ein Einzelkind zu sein.
In den japanischen Vorortesiedlungen der Fünfzigerjahre gab es offenbar keine solchen und da kommt die hinkende Shimamoto daher, mit der er nach Hause geht, um sie in den Unterricht einzuführen, mit ihr Platten hört und ihre Hand berührt. Mehr geschieht zwischen den Zwölfjährigen nicht.
Dann kommt er in eine andere Schule, hat mit Sechzehn seine erste Freundin, Izumi, Tochter eines tennisspielenden kommunistischen Zahnarztes, diese Beschreibungen finde ich sehr spannend, es kommt zum ersten Kuß und einer Annäherung im Bett, während die Eltern bei einem Familientreffen sind.
Leider taucht in diesem Moment eine Tante auf, die den Sechzehnjährigen ein Abendessen kochen will und dann gibt es noch eine ältere Cousine in Kyoto, mit der es der Siebzehnjährige ein paar Monate wild im Bett treibt, bis Izumi dahinter kommt und sich tief verletzt fühlt.
Nach dem Studium arbeitet er lustlos in einem Verlag, schläft mal mit einem Mädchen und denkt an seine Geliebten zurück. Einmal trifft er eine hinkende Frau, verfolgt sie durch die Stadt, sitzt mit ihr in einem Cafe ohne sie anzusprechen und als er es endlich tun will, hält ihn einer am Ärmel fest und steckt ihm ein Kuvert mit Geldscheinen zu, die er nicht anrührt.
Mit Dreißig heiratet er ein nettes Mädchen und bekommt von ihr zwei Töchter, der Schwiegervater ermöglicht ihm in Tokio zwei Jazzclubs zu eröffnen und da trifft er nach Jahren Shimamoto wieder.
Sie ist sehr elegant, hinkt nicht mehr und fordert ihn auf mit ihm an einen Fluß zu reisen, wo sie die Asche ihres nach der Geburt verstorbenen Kindes versenkt, damit sie ins Meer kommen und zu Regen werden kann.
Im Auto erlebt sie dann einen Schwächeanfall, so daß sie fast das Flugzeug versäumen. Nachher hält der Schwiegervater Hajime einen Vortrag, daß er seine Frau zwar betrügen, aber nie verlassen darf, weil sie schon mal einen Selbstmord versuchte und versucht ihn in schiefe Geschäfte zu verwickeln.
Shimamoto besucht ihn weiter unregelmäßig in seinen Bars, meistens kommt sie im Regen und erzählt nicht viel aus ihrem Leben. Dann verschwindet sie wieder, was Hajime in eine Krise bringt, so daß er, als sie mit einer Platte, die sie als Kinder hörten, wiederauftaucht, mit ihr in das Wochenendhäuschen fährt und seine Frau anruft, daß er nicht nach Hause kommt.
In dem Häuschen kommt es zum erotischen Liebesakt und dem Versprechen, daß ihm Shimamoto über deren Leben er nach wie vor nichts weiß, entweder ganz oder gar nicht gehören soll.
„Ganz natürlich!“, sagt er. Aber am nächsten Morgen ist sie verschwunden und kommt nie wieder. Die Frau fragt ihn, ob er sie verlassen will?
Er weiß es nicht und so zieht er nur aus dem Schlafzimmer auf die Wohnzimmercoach. Hat Alpträume, findet das Kuvert mit den hunderttausend Yen, das er doch aufbewahrte, nicht mehr, sieht auch das Gesicht von Izumi wieder, das seit dem er sie betrogen hat, so zerstört ist, daß sich die Kinder vor ihr fürchten, fällt auch einem Polizisten auf, weil er an falscher Stelle parkt, um sich mit seiner Frau, der er auch nicht viel erzählt, auszusöhnen, von seiner Schuldhaftigkeit spricht und davon, daß sie morgen ein neues Leben beginnen werden.
Ganz schön symbolhaft, das ist wahrscheinlich das Japanische am Stil, den ich gut ausgehalten und gern gelesen habe. Ein Maruakami-Fan, der dem Meister verfallen ist, so daß er zitternd mit dem Buch in der Schlange steht, um sich ein Autogramm zu holen, ist nicht aus mir geworden, was auch nicht zu erwarten war und von der Erotik, wegen der es beim Literarischen Quartett zum Streit kam, habe ich auch nicht sehr viel gespürt.
War die ja nur sehr zart angedeutet und hat sich eher in der Innenwelt der Helden abgespielt, was ich ganz spannend fand.
Vielleicht lag das an der Übersetzung. Steht bei Wikipedia ja etwas von einem Übersetzungsstreit, da das Buch, das ich gelesen habe, aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt wurde, die neueren Ausgaben sind Direktübersetzungen.
Ich würde ja eher denken, daß das Japanische sehr indirekt und symbolhaft ist, aber was weiß man schon so genau?
Mir hat das Buch gefallen, es hat mich weniger aufgeregt, als das des anderen Murakami, obwohl es natürlich aus der Sicht eines Mannes geschrieben wurde. Aber das ist legitim.

Advertisements

2014-01-30

Jüdisches Leben in Ottakring und Hernals

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:32

Eine Buchpräsentation der Wien-Bibliothek in ihrer Dependance der Musiksammlung in der Bartensteingasse, eine großbürgerliche Wohnung, die sich „Loos-Räume“ nennt und in der es inzwischen eine Ausstellung über die Familien, die dort gewohnt haben gibt und in die ich nicht so gerne gehe, weil man auch um dreiviertel keinen Platz mehr bekommt, von dem man das Podium sieht, mich die Veranstaltung aber interessierte, weil ich ja in der Hernalser Wattgasse aufgewachsen bin und die „Jancak-Oma“ in den sogenannten Jubiläumshäusern in der Lorenz-Mandel Gasse im Sechzehnten wohnte, wo auch mein Vater 1912 geboren wurde, während die Mutter aus Rudolfsheim stammte und die Eltern nach dem sie im Krieg ausgebombt wurden, irgendwann in den Gemeindebau aus den Dreißigerjahren mit meiner 1978 verstorbenen Schwester zogen und das Buch „Jüdisches Leben in der Vorstatadt – Hernals und Ottakring“ wurde von Evelye Adulka, die ich von den „Zwischenwelt-Veranstaltungen“ kenne und Gabriele Anderl, die mir bisher unbekannt war, geschrieben und vorgestellt wurde es von Jacob Lind, den ich von der jüdischen Sommerakademie und der St. Pöltner Synagoge kenne und Georg Traska, mir bis jetzt ebenfalls unbekannt, er hat aber an der Hermann Leopoldi Ausstellung bzuw. Biografie gearbeitet.
Eingeleitet wurde von der Direktorin der Wien-Bibliothek und Rosina Kohn, offenbar eine der Personen, die in dem Buch vorkommen, in Israel geboren, in den Sechzigerjahren nach Ottakring gezogen und Inhaberin einer KFZ-Werkstatt in Hernals, saß außerdem noch am Podium und diese Buchpräsentation fand ich sehr interessant, da ich, die ich bis 1977 in Hernals lebte von einem jüdischen Leben eigentlich nicht sehr viel mitbekommen habe.
Die Autorinnen bzw. die Moderatoren sagten dann auch gleich, daß die meisten Juden vor 1938 im ersten, zweiten und neunten Bezirk gelebt haben.
Ein paar Tausend hat es aber auch in den genannten Bezirken gegeben und zu der Idee des Buches ist es durch das Bezirksmuseum Ottakring gekommen, das etwas über das jüdische Leben in ihrem Bezirk wissen wollte.
Der sechzehnte und der siebzehnte Bezirk, sogenannte proletarische Gegenden, was aber für Neuwaldegg und die Gegend am Wilhelminenberg wahrscheinlich nicht zutrifft, es gibt aber das Ottakringer Volksheim, den sogenanten Albert-Seversaal und viele Juden sagten die Autorinnen oder Moderatoren sind aus der Religion ausgetreten und konfessionslos geworden.
Ein paar Familien werden in dem Buch erwähnt, darunter die des Kaufhaus Dichter, das später Osei hieß und, daß ich noch als solches kannte, als ich vor fünfzig Jahren mit meiner Mutter am Brunnenmarkt einkaufen ging. Beim Osterspaziergang vor zwei Jahren haben wir ja dicht davor gelesen und Frederic Morton bzw. Mandelbaum kommt auch aus dem siebzehnten Bezirk, ist in dem Buch enthalten und war auch bei der ersten Präsentation anwesend.
Es gab einen gemeinsamen Tempel in der Hubergasse, der für beide Bezirke zuständig war und Resina Kohn hat dann auch sehr selbstbewußt von den Diskriminierungen erzählt, denen sie im Laufe ihres Lebens ausgesetzt war.
Nachher gab es wieder Brot und Wein und als ich mir das Buch am Büchertisch anschauen wollte, war nur mehr eines da, das eine Psychotherapeutin gerade kaufen wollte, so bin ich mit ihr ins Gespräch gekommen, nachher habe ich noch mit einem sehr selbstbewußten Mann gesprochen, den die Veranstaltung nicht so gefallen hat, was ihn aber nicht gehindert hat, mit den Autorinnen zu reden und durch die großbürgerliche Wohnung, mit den Kinderzimmern und dem für das Kinderfräulein bin ich auch noch gegangen und habe mir alles angeschaut.

2014-01-29

Edition Atelier neu

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:11

Die „Edition Atelier“, das war der Verlag der „Wiener Zeitung“ von Jörg Mauthe irgendwann einmal gegründet, von David Axmann geleitet oder lektoriert, jedenfalls habe ich mit ihm, glaube ich, in den Achtzigerjahren wegen einer Veröffentlichung korrespondiert, die er mir versprochen hat, zu der es aber nicht kam. Das betraf aber, glaube ich, nicht den Verlag, sondern eine dazugehörende Zeitung.
„Das Salz in der Suppe“ habe ich viel später hingeschickt und von einem Herrn einen lieben Brief bekommen, daß ihm zwar der Text sehr sehr gut gefällt, daß er aber trotzdem leider…
Dietmar Füssel hat ein Buch dort verlegt, Egyd Gstättner und ich habe ihn ganz ehrlich zu den eher konservativen nicht so Interessanten gezählt und bin daher zu der Veranstaltung heute in die „Gesellschaft für Literatur“ bei der Illir Ferir und Ulrike Schmitzer lasen, nicht so besonders interessiert hingegangen, habe sogar nach einem Alternativprogramm ausgeschaut.
Dann kam wieder einmal alles anders und es wurde ein Abend der
Überraschungen, wie die „Gesellschaft“ dafür gut ist, aber einer der ganz anderen Art.
Zwar sind um dreiviertel, nur Margit Heumann mit einem Begleiter im Saal gesessen, dann tauchten aber auf einmal ganz viele junge Leute auf, die ich eigentlich nicht mit der „Edition Atelier“ in Verbindung brachte und aus dem Foyer, wo die Prospekte herumliegen, habe ich mir, um die Wartezeit zu überbrücken, eine Zeitschrift, die dort auflag, geholt und durchgeblättert.
„Bellelit“ heißt sie – „Magazin für Literatur“ und da stand zu lesen, daß man drinnen, sowohl „Wieviel Politik die Literatur brauchen würde“ erfahren, als auch eine „Entdeckungsreise durch die Wiener Literaturen“ machen könne“, das klingt schon einmal sehr interessant.
Dann stieß ich gleich auf das „Lesezimmer der Stadt“, nämlich den Automaten in der Literaturpassage des MQ, auf das der Eröffnungsredner beim letzten „Ohrenschmaus“ aufmerksam machte und das dort eine neue Reihe der „Edition Atelier“ aufliegt, auf das bin ich auch schon gekommen.
Dann gings weiter mit der Endeckungsreise über Stefan Großmann, Felix Dörrmann, Robert Neumann, Richard von Schaukal und Else Feldmann. Vor allem die letzten drei sind mir bekannt. Von Schaukal habe ich Gedichte gelesen, Else Feldmann hat der „Wiener Frauenverlag“, als er noch ein solcher war, wieder entdeckt und von Robert Neumann habe ich erst unlängst die „Fremden Federn“ gefunden.
Dann kam eine Seite mit Andrea Drumbl und die ist glaube ich ein neues GAV-Mitglied und hatte gestern eine Lesung in der Gesellschaft mit einem Werk aus der „Edition Atelier“.
Dann gings zu Walter Buchebner und „Der Eule von Wien“, ein Buch das Daniela Striegl vor zwei Jahren in der „Edition Atelier“ herausgegeben hat und von dem Autor, nach dem der „Buchebner-Preis“ benannt war, den es einmal gab und zu dem ich meine ersten Texte geschickt habe, habe ich ja das alte „Europa-Buch“ im Schrank gefunden, das ich demnächst lesen werde.
Jörg Mauthe kam als nächste, von dem wurde die „Große Hitze“ mit einem knalligen, gar nicht biederen Cover wiederaufgelegt und das „Buch ohne Titel“ von Lona Loos, habe ich in einer Uraltausgabe im Bücherschrank meiner Eltern geerbt und schon lang gelesen.
Dann gings zur Politik und da gabs ein Bild mit Eva Schörkhuber, Phillip Weiss, den Bachmanntextverspeiser und Thomas Ballhausen, wie sie liegen, stehen, sitzen und Bücherlesen und da waren wir schon bei der neuen Reihe, die man im MQ bewundern oder kaufen kann.
„Textlicht“ heißen die Heftchen und Eva Schörkhuber, die ein solches hat und beim Volksstimmefest las, hat beim letzten beim Büchertisch eine Ankündigung einer Lesereihe aufgelegt, wo die Bücher vorgestellt wurden.
Auf der letzten Seite gibt es dann noch ganz viele Autorenportraits, wo ich unter den Genannten auch Marlen Schachinger entdecken konnte und ich hatte schon geschnallt, noch ehe Manfred Müller das Podium erklamm, daß sich der Verlag offenbar gewandelt hat.
Das erklärte der Moderator dann ganz genau, das ihn vor einem Jahr zwei junge Leute nämlich Sarah Legler und Jorghi Poll übernommen haben und kündigte die Lesung von zwei Autoren und ein Gespräch mit den Verlegern an.2
Zuerst las Ulrike Schmitzer, 1967 in Salzburg geboren, in Wien lebend und ORF Journalistin, die ich einmal, wenn ich mich nicht irre, im Amerlinghaus kennengelernt2 habe und die schon in der „Edition Atelier“ alt verlegte, jetzt aber einen „Weltraumroman“ vorstellte, wo eine Frau zu einem solchen Programm ausgewählt wurde und dafür sehr hart trainierte und ein Lexikon mit den „Weltraum-Hoppalas“ gibt es im Anhang glaube ich auch.
Beim Verlegergespräch erklärten die beiden jungen Leute, daß sie sich die Arbeit teilten, vor einem Jahr den Verlag übernommen haben, weil ihn die Wiener Zeitung nicht mehr haben wollten, die neue Reihe mit einer Lesereihe im Beisl veranstalteten, die Literaturzeitschrift , aber auch Altes auflegen würden und alles außer Gedichte machen würden, aber das stimmt auch nicht ganz, gibt es da ja das „Buchebner-Buch“.
Danach las der Albaner Illir Ferrir, den Andrea Grill, die auch im Publikum war, vor drei Jahren zum Bremer Literaturpreis mitgenommen hat, der in der „Edition Exil“ verlegte und den ich bei der „Krit Lit“ vor zwei Jahren kennenlernte, bzw. mit ihm ein Seminar der El Awadalla besuchte. Jetzt hat er einen Band in der neuen feien Reihe.
Literatur to go, könnte man sagen, aber das gibt es ja schon, Illier Ferrir nannte es „Texte in die U-Bahn bringen“ und erzählte, daß es Texte seien, die er hungrig oder verärgert geschrieben hätte, neun kleine Geschichten, die sich einfach so schreiben ließen und las zwei davon, die eigentlich philosophische Betrachtungen sind.
„Im Fluß“ heißt das Buch und die erste Geschichte „Die Insel“, handelt davon, daß niemand eine solche wäre und die letzte drehte sich um das „Wort, das immer schon dagewesen wäre.“
Dann gabs Wein und Knabbereien und ich beobachtete die Gespräche der Prominenz und finde das neue Verlagsprogramm sehr interessant.
Fazit ist, man kann immer etwas lernen und das literarische Leben Wien ist sehr sehr interessant.

2014-01-28

Schönhauser Allee

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:18

Jetzt gehts wieder nach Berlin, beziehungsweise an die „Schönhauser Allee“, wo der in Russland geborene Wladimir Kaminer mit seiner Frau und seinen Kindern lebt und in seinen Kolumnen sehr eindringlich vom Lebensgefühl in dieser Straße schreibt.
So erzählt er von dem Geschäft der Vietnamesen, die immer lächeln, die Waren nach Büchsen oder Flaschen sortieren und die Preise nach der Größe ansetzen, von ihrer Tochter, die die Touristen in Scharen anzieht, wenn sie im Regen in einer Pfütze steht, um sie später anzuspritzen, von den Büchern, die er in einer Mülltonne findet, etwas was ich kenne und mir auch sehr sympathisch ist.
Den Marx und Engels und die DDR-Politbroschüren läßt er dort, ich hätte sie mir ebenfalls mitgenommen, bzw. habe sie von den früheren Volksstimmefesten, den Grass und den Fritz Rudolf Fries nimmt er mit und überlegt sich, wem die Bücher wohl gehört haben mochten?
Die Familien in seinem Haus werden beschrieben und die Typen, die er auf der Straße trifft. So fragt ihn Charles Bukowski einmal nach dem Weg und Friedrich Engels trinkt gemeinsam mit Albert Einstein und Niels Bohr, nur Karl Marx fehlt noch in der Sandleridylle.
Alex, dem Spion hat er einmal ein Zimmer vermietet, bevor er von den Amerikanern ausgeflogen wurde und nun in Kalifornien bei Microsoft arbeitet.
Das Nichtschlafenkönnen wird beschrieben und das Geschäftsleben, das außer den Geschäften der Vietnamnesen und anderen Ramschbuden und Kneipen hauptsächlich aus dem Arcarden-Kaufhaus zu bestehen scheint, wo Feste gefeiert werden und ein Armenier eine Parfumverkäuferin kennenlernt, der er dann einen unsichtbaren Stern zum Einstand schenkt.
Der Besuch der russischen Schwiegermutter, die mit den weißrussischen Zöllnern kämpft und selbstgemachte Marmelade mitbringt, ist Thema und das, was angeblich in den deutschen Wohnungen nach Besuch der russischen Großfamilie passiert. Die Typen, die im Zug fahren und und und.
Die Reihe der berühmten Persönlichkeiten ist auch sehr beliebt, so läßt Wladimir Kamina Bill Clinton in der Schönhauser Alle Spätzle mit Hasenbraten essen und sein Töchterlein im „Arcaden-Kaufhaus“ Mickey Rourcke kennenlernen.
Die Alltagsgeschichten, die wahrscheinlich mal Kolumnen waren, werden in den Vor-und Nachworten auch sehr gelobt.
„Deutschland – ein Russenmärchen“, kann man da zu Beginn lesen und die Süddeutsche Zeitung meint gar, daß „Kaminers Expeditionen durch das Dickicht der Stadt“, den großen Berlin-Roman ersetzen würden. Dieser Meinung bin ich zwar nicht zur Gänze, habe vor kurzem auch einen Berlin-Roman von einer anderen jungen Russin gelesen und noch einige Kaminer Bücher in meinen Regalen stehen.

2014-01-27

Von der AS in die Kolik-Lounge

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:04

Diesen Montag wieder ein volles Programm, haben da ja die Veranstaltungen des Lehrgangs für Sprachkunst stattgefunden, zu denen mich Marietta Böning so freundlich einlud, leider bin ich aber doch ein schlampiger Typ, so genau ich auf der anderen Seite auch bin, so bin ich erst darauf gekommen, daß die Veranstaltung am Montag statt am Dienstag ist, als ich mir den Montag schon mit Terminen zugepflastert hatte und ab 18. 30 gab es in der „Alten Schmiede“ eine dreiteilige Veranstaltung „Legende-Märchen-Gegenwartserzählung“ mit Sebastian Vogt, Reinhardt Wegerth und Manfred Chobot im Stundenrhythmus, dann hat mich noch Gustav Ernst darüber informiert, daß es um acht wieder eine Kolik-Veranstaltung gäbe und die letzte, die ich besuchte, war ja so schön und stimmig mit gratis Wein und gratis Kolik-Heften und dann dachte ich, daß ich wegen meiner Diagnostik wahrscheinlich ohnehin Befund schreiben und erst um acht ins Schauspielhaus käme. Die Dame mit dem Kind ist aber nicht gekommen, so ging es sich aus mir Sebastian Vogt anzuhören und sein bei „Resistenz“ erschienenes „Der wundersame Affe Fritz“ mit Geschichten aus dem achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert war auch sehr interessant.
Gab es da ja jede Menge literarische Anspielungen, wenn man sie erkannte und. daß der Affe Fritz, ein Artist. der vom Seil fällt, dann gelähmt ist, von einem Neurologen der anderwertigen Mediziner geheilt wird, bis er ein Pferd, das von einem Kutscher gepeitscht wird, umarmt und danach in Wahnsinn verfällt, an Friedrich Nietzsche erinnert, habe ich erkannt, die Borges Anspielungen bei dem Bibliothekar, der in einem kleinen Zimmerchen in der Nationalbibliothek in Buones Aires haust, von Milchkaffee lebt und am Abend Kolumnen schreibt und eine Berufung nicht mehr annehmen kann, weil er schon in Sprache verfällt, nicht, dann gibt es einen Käfersammler mit dem Nachsatz „Alles Gute Franz!“, oder so dann schon und der 1969 in Wien geborene Autor, der schon mal bei „Otto Müller“ verlegte, scheint auch sehr interessant. Reinhard Wegert und Manfred Chobot habe ich dann ausgelassen, Wegerths Buchvorstellung habe ich ja schon im Literaturhaus gehört und mich mit Christl Greller unterhalten und dem freundlichen Herrn zugenickt, der mich grüßte. Keine Ahnung wer das ist? Habe ich ja ein fürchterliches Personengedächtnis, das schon fast an Andrea Stifts Personenblindheit grenzt, die sie in ihren Wilfert-Krimi beschreibt.
Es war Luis Stabauer, den ich bei der Hietzinger Kleinverlagsmesse kennenlernte und dem ich erzählte, daß ich über ihn mit Gustav Ernst bei der letzten „Priesnitz-Preisverleihung“ gesprochen habe.
„Ich gehe jetzt in die Kolik-Lounge!“, fügte ich hinzu.
„Ich auch!“, antwortete er mir und so sind wir gemeinsam in die Porzellanggasse marschiert und haben dort gleich viele Bekannte getroffen, wie Friedrich Hahn und Anton Fian, einer der Lesenden. Karin Peschka die 2013 bei „Wartholz“ gelesen hat, stand auch auf dem Programm und Robert Prosser, den ich ja erst vor kurzem hörte.
Gustav Ernst begrüßte, wies auf die Einladung des Schauspielhauses auf Wein, den man sich holen könne, hin und auf die drei „Kolik-Nummern“, die im letzten Jahr erschienen sind.
Die konnte man sich kaufen, die anderen Ausgaben lagen wieder zu freien Entnahme auf und Robert Prosser, der die Lesung begonnen hat, las aus seinem „Geister und Tatoos“, ein Stück, das er auch in der „Alten Schmiede“ gelesen hat und ein anderes.
Erstaunlich, wie viel man eigentlich von dem Gehörten vergessen hat, so war es fast ein Wiederhören und Karin Peschka las ein Stück aus einem Roman, der im Herbst oder Frühjahr bei Otto Müller erscheinen soll. Einer der in Wien 1954 spielt und den ich mir besorgen sollte, denn er schien mir sehr interessant zu sein und Antonio Finans Buch, aus dem er las, ist offensichtlich gerade bei „Droschl“ erschienen.
Ein Stück von einem Akademiker, der Nachhilfestunden gibt und in einem Copyshop arbeitet, dort lernt er eine Frau kennen und folgt ihr, obwohl er verheiratet ist, in ihre Wohnung, ob er in Bett mit ihr geht, hat Antonio Fian nicht verraten sondern an dieser Stelle zu lesen aufgehört.
Nachher konnte man sich am Wein, beziehungsweise an den „Kolik-Nummern“ bedienen oder Freunde begrüßen und wieder interessant, wie viele der jüngeren Autoren das „Literaturgeflüster“ kennen und da denke ich, ich gehe im Literaturdschungel vollkommen unter.
Ist offensichtlich doch nicht so. Harald Darer, der beim „Alpha Literaturpreis“ gerade nicht gewonnen hat, hat mich darauf angesprochen, Judith Nika Pfeifer, deren Buch ich gerne lesen würde und die Gabi mit der wir 2007 bei Ruths Radkarawane mitgemacht haben, war mit einer Freundin da, die in der Schweiz lebt.
Am Nachhauseweg kam ich bei „Kuppitsch“ an dem Bücherkästchen vorbei, wo ich schon lange nicht war und habe wieder etwas gefunden.
Den Joseph Conrad und sein „Herz der Finsternis“ zum Beispiel oder einen Roman über Frieda Kahlo und dann noch ein „Herder-Weihnachtsbuch“.
Wer schrieb da etwas von einer Bücherbeschränkung?
Ich natürlich und ich halte sie nicht ein, macht aber nichts, denn die anderen sind ja auch nicht sehr vollkommen.

2014-01-26

Schreibweisen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:00

Der Blog der jungen Buchhändlerin Sophie Weigand „Literaturen“ scheint besonders intensiv zu sein, regt er mich doch schon wieder zu einem Artikel an, gibt sie doch auf ihrer Facebookseite und auch anderswo immer wieder Hinweise auf interessante Artikel zum Literaturgeschehen.
So ist da einmal die Frage, was und wie man lesen soll, die mich ja auch immer sehr beschäftigt und ich dazu auch die Antwort habe, das, was man will. Und ich bin ja eine, die sich quer durch den Literaturgarten liest, sowohl Krimis, als auch Chicklits auf der Leseliste hat, es schon mal mit einem Arno Schmidt versuchte, die österreichische, deutsche und auch anderssprachige Gegenwartsliteratur und und und entdecken will.
So lese ich sehr viel und seit Erfindung der offenen Bücherschränke auch immer mehr und ich bin auch eine, die nur sehr selten ein Buch weglegt, wenn ichs nicht mehr verstehe oder nicht mehr aushalte, da war ich beim Karel Capek, vor kurzem das letzte Mal nahe daran, daß der Passivismus seines Helden für mich schwer auszuhalten war, lese ich meistens schnell darüber und von Diskussionen, daß man auch ein schlechtes Essen nicht zu Ende ißt, halte ich nicht sehr viel.
Wahrscheinlich deshalb, weil das Buch für mich keine Ware ist, ich auch nur selten Bücher um zwanzig Euro oder so kaufe und als schreibende Frau wahrscheinlich auch sehr viel Respekt vor anderen Schreibenden habe, beziehungsweise mich auch interessiert wie sie es machen.
Und da bin ich sehr geduldig, ein einziges Mal habe ich einen Krimi weggelegt, weil ich ihn nicht ausgehalten habe, das ist dann meistens, wenn der Held als Schwächling gezeichnet wird, so tut mir auch der Dorfrichter Adam im „Zerbrochenen Krug“ immer sehr leid, ansonstens tue ich mir schwer mit dem Begriff „schlechte Literatur“.
Die finde ich kaum, das meiste finde ich so geschrieben, daß ich es lesen kann und manches, wie den Arno Schmidt, den Richard Obermayr, etc, verstehe ich nicht, finde es aber trotzdem interessant.
Da sind wir schon beim nächsten Thema, beziehungsweise beim nächsten Hinweis, den Sophie Weigand auf ihrer Facebookseite gab, denn da gab es vorige Woche im deutschen Sprachraum offenbar eine große Literaturdebatte, die ein Florian Kessler, ein Absolvent von „Hildesheim“ ausgelöst hat, indem er analysierte, wer in „Leipzig“ und in „Hildesheim“, etc aufgenommen wird und daraufgekommen ist, das sind fast immer Akademikerkinder.
Das, denke ich, wird auch beim Medizin- Psychologie und den anderen Studienrichtungen so sein, beziehungsweise, wird man da ja jetzt auch nicht mehr so einfach aufgenommen, früher konnte da ja in Österreich noch jeder mit Matura studieren. So habe ich als Nichtakademikerkind, Hauptschülerin und Absolventin einer sogenannten „Knödelakademie“ in den Siebzigerjahren ohne große Schwierigkeit Psychologie studiert.
Mit dem Wunsch zu schreiben, den ich gleichzeitig hatte, war das schon etwas schwieriger. Zwar hat es damals keine Schreibschulen im deutschen Sprachraum gegeben, das „Literaturinstitut in Leipzig“, als „DDR-Kaderschmiede“ gab es, glaube ich schon, aber dort ist man damals von Österreich nicht hingekommen und damals hat auch keiner daran geglaubt, daß man das Schreiben lernen kann.
Trotzdem habe ich mir mit meinen Rechtschreibfehlern, die ich mir nicht nehmen lassen wollte und will, sicher die Türen für die Stipendien und die von den Literaturzeitschriften und Verlage zugemacht.
Die Akademikerkinder lernen in den Gymnasien vielleicht mehrheitlich genaueres Deutsch oder sich anzupassen und dann fanden, die in den Siebzigerjahren ohne Schreibschulen, die Verlage. Jetzt werden sie bevorzugt in Hildesheim, Leipzig oder Wien aufgenommen. Ich glaube aber nicht, daß Josef Haslinger beispielsweise daraufschaut, ob der Vater jetzt Arzt oder Lehrer ist, aber unbewußt schreiben, die halt so, daß es den Lehrern gefällt, während ich ja in einer Zeit des experimimentellen Schreibens sehr wenig abgehoben geschrieben habe und die Schüler von „Hildesheim“ oder „Leipzig“, schreiben von ihren „Mittelschichterlebnissen“ und das erscheint den Lesern, bzw. den Kritikern, wie Florian Kessler beispielsweise, dann zu wenig gewagt, ect.
Ich glaube, das das schon so stimmt, aber auch, daß die nichtaufgenommenen Nichtakademikerkinder, die sich vielleicht gar nicht in Leipzig, Hildesheim oder Wien bewarben, wahrscheinlich die sind, die die dann bei „Dumont“, „Suhrkamp“ etc entstandenen Romane der „Leipzig“ oder „Hildesheimabsolventen“ nicht lesen, sondern zu „Shades of Grey“ zu den Krimis, vielleicht auch Haruki Murakami etc greifen und ein Buch „wegschmeißen“, wenn es ihnen nicht spannend genug erscheint.
Es gibt ńeunzigtausend jährliche Neuerscheinungen auf den deutschen Markt, von denen wir einen Teil demnächst in Leipzig sehen werden, wer soll das alles lesen?
Der Durchschnittsleser angeblich drei bis neun Stück im Jahr, die Bloger an die Hundert, ich inzwischen an die hundertsiebzig und wieviel die Literaturkritiker lesen, weiß ich nicht, aber wahrscheinlich lesen die eher an, bis sie ihre Rezension schreiben können und legen dann weg.
Das ist das Dilemma des Literaturbetriebs, wie ich es sehe und da passt die Geschichte von den angepassten Akademikerkinder, die in Hildesheim und Leipzig ihre angepassten Romane schreiben lernen, die „Suhrkamp“ und „Dumont“ dann verlegen auch gut hinein.
Was vielleicht da noch fehlt, sind die Migrantenkinder mit ihren vielleicht wirklich außergewöhnlichen Schicksalen und Traumatisierungen, die sie dann vielleicht weniger angepasste Romane schreiben läßt und Clemens Meyer zum Beispiel, der ja auch in Leipzig studiert hat und morgen den „Bremer Literaturpreis“ bekommt und dann auch die, die trotzdem schreiben wollen, bisher nur wenige Chancen dazu hatten, bis 2011 der „böse“ Amazon daherkam und ihnen die Tore zum Selbstpublishing öffnete.
Seither scheint das zu boomen und die Nichtleser lesen das angeblich auch sehr gern und viel. Vielleicht laden sie es sich auch nur hinunter, weil es einen Euro kostet. Das Feuilleton und die Kritiker schreien auf „Das ist Mist!“ und ich bin die, die wieder schreibt, es gibt eben immer weniger Leser, aber immer mehr Leute die schreiben wollen und ich habe auch nichts dagegen.
Obwohl es mir dann schon manchmal ein wenig wehtut, wenn schon wieder ein zwanzigjähriges Literaturtalent daherkommt, von dem alle begeistert sind, während ich ja keine Chance hatte, keinen (oder nicht oft) Verlag fand, seit 2000 meine Bücher selber mache, da sehr weit vom Fenster war und auch heute noch immer nicht viel näher gekommen bin und auch durch mein beharrliches Bloggen, das ich seit 2008 betreibe, nicht wirklich näher gekommen bin. Das macht manchmal ein bißerl depressiv, keine Chance zu haben. Dann versuche es ich wieder realisitscher zu sehen und auch den Überblick zu bewahren, in dem ich mich für alles interessiere, auch Ritter Bücher lese, 2009 oder so habe ich bei „Fix Poetry“ einen „Enno Stahl“ gewonnen und der hat sich in diese Debatte, auch eingemischt.
Lösung weiß ich auch keine, nur die, daß die Leser ja entscheiden können, was sie lesen und das tun sie auch und wenn ich mir die „Offenen Bücherschränke“ so ansehe, denke ich auch, daß wahrscheinlich viel zu viel produzuiert wird. Mich stört das nicht, ich versuche „alles“ zu lesen, was ich natürlich auch nicht kann und so gut es mir gelingt, zu schreiben und da bin ich bei einunddreißig selbstgemachten Büchern, eines in einem Kleinverlag, zwei Sachbücher in den großen und zwei die aufs Fertigwerden warten, auch schon ein wenig ausgeschrieben, weil ich mit meinen leisen sozialkritischen Themen und meiner Schreibkritik schon am Ende bin, beziehungsweise vieles angerissenen habe und jetzt fürs nächste nichts Neues weiß.
Das betrifft aber sicher nicht nur mich, da ja schon wirklich über alles geschireben wurde und die Leser wahrscheinlich immer ungeduldiger werden, mehr verlangen, das von den „braven“ Akademikerkindern aus „Leipzig“ oder „Hildesheim“ nicht zu bekommen scheinen, nach den neuen wilden Stimmen schreien, aber ob die immer in Amerika zu finden sein werden, bin ich auch ein wenig ratlos und so drehen sich diese Literaturdebatten wahrscheinlich auch im Kreis.
Ich finde sie aber trotzdem sehr interessant und schreibe in meiner wenig abgehobenen Art mit meinen Rechtschreibfehlern auch immer gern darüber und kann Sophie Weigands Blog und Facebookseite allen ebenfalls Interessierten nur sehr empfehlen, weil sie sehr umfassend über das was im Literaturbetrieb passiert informiert.

Im Namen des Lexikons

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Nathalie Nothomb die hochgelobte belgische Autorin, auf deren Namen ich in Blogs aufmerksam wurde und von der ich schon mehrere Bücher im Schrank gefunden habe, überzeichnet in „Im Namen des Lexikon“ das ganz normale Aufwachsen auf eine sehr märchenhafte überspitzte Art und läßt die Geschichte sogar mit ihrem eigenen Tod enden.
Der Titel scheint mir nicht ganz passend. Vielleicht ist der des Originals besser, denn da ist ein neunzehnjähriges Mädchen, das sehr früh beschlossen hat, Mutter zu werden. Sie sucht sich dafür einen Jungen aus, heiratet ihn, bekommt ein Kind und dann gebraucht sie wohl das Lexikon, um sich einen Namen für es auszusuchen, denn der muß natürlich etwas ganz Besonderes sein und der öde Mann, der bis Mittag im Bett liegt und dann schießen geht, denkt an Tanguy oder Joelle.
Aber nein, es muß eine Plectrude sein. Sie erschießt den Mann, setzt bei den Gefängnispsychologen den Namen durch, tötet dann sich und die Kleine wird von der auch nicht sehr viel älteren Schwester, die schon zwei Kinder hat, zu sich geholt.
Die ist verliebt in Plectrude, bringt ihre Kinder in den Kindergarten, dann verkleidet sich sich mit ihr, serviertt ihr Süßigkeiten, obwohl Plectrude nicht viel ißt und taucht in eine Fantasiewelt ab.
Der Kindergarten möchte Plectrude nicht haben, weil sich die anderen Kinder vor ihren Blick fürchten. So bleibt sie bei der Maman, 2003 als das Buch geschrieben wurde, mußte man noch nicht in den KG. In Frankreich vielleicht noch immer nicht. So wird der Eintritt in die Vorschule zur Katastrophe. Denn Plectrude will Tänzerin werden, weil sie den Blick dafür hat und übt auch schon viermal in der Woche dafür.
Dafür kann sie nicht rechnen und lesen lernt sie zuerst auch nicht, weil sie das nicht interessiert, erst als Maman ihr ein schönes Buch bringt, geht es innerhalb von zwei Tagen. Dafür ist die Lehrerin aber nun böse auf sie. Die anderen Kinder halten sie trotzdem für ein Genie. Sie bekommt auch eine Freundin und einen Jungen, in den sie sich mit Zwölf verliebt, gibt es auch. Da gibt es aber Mißverständnisse.
So wird vorerst nichts aus der Liebe und Plectrude geht an die Balletschule nach Paris, kommt in eine Magersucht und bricht mit fünfzehn zusammen, weil sie schon zwei Jahre kein Kalcium mehr zu sich genommen hat, was zur Folge hat, daß sie ab nun nie mehr tanzen können wird, worauf sie sowohl die Schule, als auch die heißgeliete Maman, die nun von ihrer Kleinen enttäuscht ist, fallen läßt.
Plectrude fängt zwar wieder an zu essen und nimmt zu. Maman nennt sie aber fett, obwohl ihre Schwestern viel dicker sind und verkündet auch das Geheimnis ihrer Geburt, so daß Plectrude beschließt es ihrer Mutter gleich zu machen.
Mit neunzehn ein Kind zu bekommen und sich dann umzubringen. Auf die Ermordung der Vaters verzichtet sie großzügig. Zieht sich das schönste Kleid an und versucht sich über die Pont-Neuf zu schwingen. Da wird sie aber von Mathieu Saladin, das ist der Junge, angerufen, wechselt ihren Plan und eine große Liebe beginnt.
Ein seltsames Buch, das in einem seltsamen Surrealismus die grausamen Wahrheiten des Lebens, des Aufwachsens und den Leistungsdruck, dem manche Kinder ausgesetzt werden, erzählt. Dabei einige Male die Seiten wechselt, vom Unglück zum Glück wechselt und wir haben ein Märchen gelesen, das wir vielleicht von uns selber kennen. Interessant nun nach und nach noch die anderen Nothomb-Bücher zu lesen.
Das Buch, das ich gefunden habe, wurde einer Angelika von einer Kathi zum Geburtstag geschenkt, würde zwar noch jetzt den „Buchrückentest“, alles glatt und ungefaltet bei „Diogenes“, bestehen, die ersten Seiten fallen aber nach dem es mir vorgenommen habe hinaus.

2014-01-25

Gesundenuntersuchung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:10

Träume bieten, wie man weiß und nachlesen kann, einen Einstieg in das Unbewußte und sind auch eine gute Inspirationsquelle für das Schreiben.
So habe ich mir meine Träume auch immer wieder aufgeschrieben und gelegentlich in meinen Texten eingearbeitet.
In letzter Zeit waren sie aber nicht so intensiv, daß sich das Notieren lohnte, bezeihungsweise gleich nach dem Erwachen vergessen.
Verfolgungen, Gehetztwerden, Gefühle von Hilflosigkeit und unlogischen Handeln beziehungsweise dem nicht richtigen Wehren können, kamen wie in Träumen üblich, vor.
Aber dieser, den ich letzte Nacht hatte war so intensiv und auch interessant, daß ich ihn ins Literaturgeflüster stellen möchte. Es ging dabei um eine Gesundenuntersuchung, dieser Titel ist mir nach dem Aufwachen eingefallen und die Untersuchung war in drei Teile aufgesplittert.
In Bussen wurde man dorthin gebracht, dann mußte man eine Stiege hochklettern, ich war, wenn ich mich nicht irre, bei den Ersten, meine Freundin Elfi war auch dabei. Eine Schwester kam und teilte Pillen aus, die man zur Untersuchung nehmen mußte, meine ist mir gleich einmal aus der Hand gefallent. Eine Frau, war, glaube ich, auch noch dabei. Dann ging es in den zweiten Teil und an einen anderen Ort, das war ein großer heller Raum, wo man zuhören konnte, wie sich die Schwestern oder medizinische Assistenten über ihren Urlaub unterhielten, Gegenstände wurden glaube ich auch herumgeschoben und ich hörte, daß die Frau, die beim ersten Teil gewartet hat, inzwischen verstorben ist, im dritten Teil bin ich wieder in einen Pavillon der im „Steinhof“ gelegen sein könnte, hinaufgeklettert.
Das läßt sich nun herrlich interpretieren oder nachdenken, wie es in den nächsten Text hineinkommen könnte, denn das ist ja ein bißchen mein Problem und für mich ungewöhnlich, daß ich nicht weiß, was ich als nächstes schreiben werde und mich auch dafür fürchte, daß ich eines meiner Themen, das ich schon hatte, wieder aufgreifen und nochmals bearbeiten könnte. Ich glaube zwar an den Satz „Man schreibt immer den selben Roman, sein Leben lang!“ und die meisten haben meine zweiunddreißig literarische Bücher ohnehin nicht gelesen, so daß das gar nichts machen würde.
Der Alfred hat bei den „Dreizehn Kapiteln“ aber gesagt, schreib nicht so viel und wiederhole dich nicht so oft! So daß ich diese Warnung erst nehmen sollte. Ich bin auch noch gar nicht so weit, mich um das nächste zu kümmern. Gibt es da ja noch zwei Bücher, die auf das Fertigwerden warten. Bei den „Kapiteln“ hat mir der Alfred jetzt den Text und den Umschlag zur Endkorrektur gebracht, so daß es die Vorschau bald im Blog geben könnte und auf die Website wird das zweite Kapitel „Die gesprengten Gräber kehren zurück“, die Geschichte des Sinologen Ernst Schwarz kommen.
Dann gibts noch die „Brüderschaft“ und da komme ich nur sehr langsam weiter, denke, macht ja nichts, wenn ich trödle, ich soll mir ohnehin Zeit lassen, also tue ich es und warte auf die Reaktionen der anderen, beispielsweise im „Literaturgeflüster“, aber da kommt ja nicht sehr viel, obwohl ich jetzt einen neuen Follower habe, den ich herzlich begrüßen möchte und Gerhard Jaschke mein „Geflüsterbuch“ mehrmals sehr begeistert lobte, mir zu meinen Erfolg gratulierte und meinte, daß ich ja nicht aufhören soll. Das habe ich ohnehin nicht vor und als ich schrieb, daß der Erfolg noch auf sich warten läßt, hat er mir zur Aufmunterung einen Text darüber geschickt, den er bei den Podiumslesungen im Cafe Prückl vorgetragen hat.
Zu lange sollte ich aber auf die aufmunternden Reaktionen doch nicht warten, obwohl ich ja einen Aufruf nach Ideen und Themen machen könnte.
Denn einfallen würde mir immer noch eine Sechzigjährige, die in ihre Bücher steigt und daraus Geschichten macht und das hatte ich ja schon wirklich öfter bearbeitet, war das ja das Thema der „Dora Faust“, die „Kapitel“ beginnen so, die Tante Lilly liest und beim Nanowrimonovel von 2012 habe ich glaube ich, so etwas Ähnliches geschrieben, daß mich eine Leserin fragte, warum immer über Bücher oder alte Leute schreiben, warum nicht über etwas ganz anderes? Nun gut, ich bin für Ideenspenden offen und werde, wenn ich mit dem Korrigieren fertig bin, mich auch bereitwillig auf Ideensuche machen und kann und will mir auch Zeit dafür lassen.
Bezüglich der Lese- und Reisepläne gibt es eine Änderung, wollte der Alfred ja unbedingt nach Portugal fliegen und dort eine Kreuzfahrt machen. Schon im letzten November und jetzt nochmals, so daß ich mir schon Portugal-Literatur besorgte und mir zu den beiden Saramagos, die schon auf meiner Leseliste stehen, noch einen Lobo Antunes und eine Gedichtesammlung kaufte.
Jetzt wurde auch diese Reise abgesagt und wir werden stattdessen wahrscheinlich noch einmal mit der Schwiegermutter nach Bük ins Bad fahren, was nichts macht, da von den Büchern, die ich mir im November mitgenommen habe, einige ungelesen blieben und ich vorige Woche eine große „Ungarn-Anthologie“ mit neuen Texten im Schrank gefunden habe. Ein Ungar steht auch auf der heurigen Leseliste und ein Buch von der Magda Szabo habe ich auch, das ich das letzte Mal vergessen habe.
Ansonsten lese ich mich sowohl durch den Haruki Murakami, der mir sehr gut gefällt, beziehungsweise den Karel Capek von der Harlander Leseliste, in den ich mich noch ein bißchen einlesen muß.
Susanne Schneider hat sich vor ein paar Tagen bei mir gemeldet und mich an den „Katzenfasching“ erinnert, da habe ich den Text schon zum Jahresende geschrieben und für die „Männer Frauen Lesung“ zu der mich Irene Wondratsch im Mai in den Republikanischen Club eingeladen hat, würde aus den „Dreizehn Kapitel“ die „Frau am Fenster“ passen. Da ist das Buch dann vielleicht schon fertig oder wieder gerade nicht, wie bei der Lesung in der Klimt-Villa oder das „Literaturgeflüstertextebuch“ beim letzten Geburtstagsfest.
Mit den Bücherbeschränkungsplänen klappt es noch immer nicht richtig, habe ich da ja am Monatag, als ich zur „Ernst Kostal-Lesung“ gegangen bin, sowohl ein Buch von Jonathann Tropper gefunden, auf das ich bei den Blogs aufmerksam geworden bin als auch eines über eine lesende Frau, das mich natürlich interessierte und am Dienstag hat dann einer sechshundert oder wahrscheinlich weniger Krimis eingeräumt, die ich ja auch sehr gerne lese.

Zoli

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:44

Das nächste Buch habe ich wieder doppelt gelesen oder eher halb halb, den Colum McCanns Roman „Zoli“ über eine slowakische Roma-Dichterin, habe ich im Bücherschrank auf Englisch gefunden und genommen, weil ich auf den 1965, in Dublin geborenen irischen Dichter, glaube ich, durch Richard Jurst, der einmal das Antiquariat „Buch und Wein“ in der Schäffergasse führte, aufmerksam gemacht wurde, der Buch und Dichter 2007 nach Wien eingeladen hat und ich gehe ja sehr auf Namen.
Dann lag mir das Buch aber ein bißchen im Magen, weil es in Englisch war und ich schon seit einem Jahr kein solches mehr gelesen habe. Ob ich es verstehe?
Dann gehe ich an dem Abend bevor ich mit dem Lesen beginnen wollte, bei „Malota“ in der Wiedner Hauptstraße vorbei und konnte mich bequem einlesen, ein Kapitel Deutsch, das andere Englisch, ohne schlechten Gewissen, denn es wird ja demnächst „Dracula“ auf Englisch folgen und dann stehen noch zwei andere englische Bücher auf meiner heurigen Leseliste, wo ich so schnell wohl nicht den deutschen Vergleichstext bekommen werde und um es gleich vorweg zu nehmen, das Buch hat mir sehr gut gefallen, denn Colum McCunn versteht es sehr spannend, die Geschichte des letzten Jahrhunderts und die Unterdrückung der slowakischen oder polnischen Roma zu erzählen, denn der hat seine Protagonistin Zoli bzw. Marienka Novotna, an das Vorbild der polnischen Roma-Dichterin Bronislawa Wajs angelehnt, die von 1908 bis 1987 gelebt hat.
Colum McCunn hat auch eine sehr eindringliche Sprache und den Plot raffiniert in verschiedene Handlungsstränge und Erzählstimmen aufgebaut.
So beginnt es 2003 in der Slowakei, als ein Journalist eine Romasiedlung besucht und sich nach Zoli Novotna bei dem Ältesten erkundigt.
Später erfährt man, daß er es deshalb tat, weil er in einem Antiquariat ihren Lyrikband aus den Fünfzigerjahren gefunden hat. Die Roma sind sehr freundlich und sehr arm, lassen sich von ihm Geld und Zigaretten gaben und erwähnen, daß es bei den Kommunisten sehr viel besser war, über Zoli Novotna wollen sie nicht reden.
Dann geht es in die Dreißigerjahre, wo die Nazis bzw. die Hlinkasoldaten, die Roma mit ihren Wagen auf das Eis des See trieben, wo sie ertranken, nur die kleine Zoli konnte mit ihrem Großvater entkommen und sich mit ihm im Wald verstecken.
Der Großvater ein Kommunist, der das „Kapital“ liest, lehrt der Kleinen lesen, obwohl das Romamädchen gar nicht dürfen, er verheiratet sie sehr jung mit dem alten Petr und im nächsten Kapitel, das von dem irischen Journalisten Stephen Swann, der einen slowakischen Vater hatte, erzählt wird, erfahren wir, daß er Zoli in den Fünfzigerjahren kennenlernte, als er für einen slowakischen Dichter die Romaliteratur studieren sollte. Sie machen die junge Sängerin schnell bekannt und veröffentlichen ihre Gedichte, der Dichter Martin Stransky warnt Swann vor einer Liebesaffaire mit Zoli und die Kommunisten, die die Roma von ihren Nomadenleben „befreien“ wollen, indem sie sie in Wohnblöcke mit Wasser und Heizung umsiedeln, mißbrauchen Zoli dafür.
Stransky fällt in politische Ungnade und wird hingerichtet, Zoli bittet Swann ihren Gedichtband nicht zu veröffentlichen, der sich aber nicht daran hält. So wird sie von ihrem Volk verstoßen, die Kommunisten verfolgen sie auch, so daß sie ins Ausland flieht.
Der letzte Teil spielt, 2003 in Paris, bei einem Romakongreß, den Francesca, Zolis Tochter organisiert und die siebzigjährige Zoli, die in Italien lebt, ist nach Paris gekommen um daran teilzunehmen, dort trifft sie dann Swann wieder, der 1968 nach Manchester gegangen ist und beginnt auch wieder zu singen, beziehungsweise geht sie im Nachthemd zu den Musikern und Stephen Swann, denn der irische Dichter verwendet für seinen Roman auch sehr starke Bilder.
Colum McCann scheint sehr sorgfältig für das Buch recherchiert zu haben. Im Anhang gibt es eine Reihe von Danksagungen, eine betrifft Valerie Besl, die ich vom „Haymon-verlag“ kenne, Richard Jurst wird auch erwähnt, Franc McCourth und Louise Doughty. Einen Aufenthalt in der Slowakei gab es auch und Zoli, das ist noch zu erwähnen, ist die Abkürzung von Zoltan und ein Bubennamen, nach dem der Großvater, die kleine Marienka rief.
Ein sehr interessantes Buch, das ich sowohl auf Englisch oder Deutsch sehr empfehlen kann.
Wir haben ja die Ceija Stojka, für dich sich, glaube ich, Christa Stippinger besonders einsetzte, die auch Mircea Lactatus Gedichtband verlegte, auf der letzten „Buch-Wien“ wurde vom PEN-Club der erste Roma-Literaturpreis an Stefan Horvath vergeben. Ich war einmal bei einer Veranstaltung über Roma-Literatur in der „Gesellschaft für Literatur“, bekomme seither die Zeitschrift vom „Romano Centro“ zugeschickt, habe ein Buch von Karl Stojka und Reihard Pohanka auf meiner Leseliste und über Roma auch schon einige Male geschrieben.
Von Colum McCann gibt es dann noch „Der Himmel unter der Stadt“ zu lesen.

2014-01-24

Ich bin kein Berliner

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

„Ein Reiseführer für faule Touristen“ des 1967 in Moskau geborenen Wladimir Kaminer, der mit seiner „Russendisko“, Fernsehauftritten, Beiträgen in Zeitschriften und Büchern, wie auf der Buchrückseite steht „zum Bekanntesten Berliner“ geworden ist.
Ich kenne den Namen, glaube ich, aus „Leipzig“, da gab es einmal eine Probe-CD, ob aus der „Russendisko“ oder aus einem anderen Buch, weiß ich nicht mehr, aber in den Bücherschränken findet man öfter seine Bücher, die offenbar auch nach Wien finden.
So haben sich auf meinen Leselisten schon einige angesammelt.
„Schönhauser Alle“ ist das nächste, das ich lesen werde. Jetzt einmal das 2007 erschienene „Ich bin kein Berliner“, das zwei Bären mit Bierkrügen am Titelbild zeigt und ich kann mich auch auf eine Diskussion im Literaturhaus anläßlich einer „Fried-Tagung“ erinnern, wo nach russischen Schriftstellern gefragt und lebhaft bestritten wurde, daß Kaminer, der ja auf Deutsch und über Berlin schreibt, ein solcher wäre.
Er scheint auch so zu sehen, denn im Kapitel „Zeitzonen“, schreibt er, daß er seit fünf Jahren den Job eines deutschen Schriftstellers macht und jedesmal bei Lesungen in der Provinz gefragt wird, warum er nicht auf Russisch schreibt?
„Weil hier niemand Russisch versteht!“, das Publikum würde das aber trotzdem anders sehen und ihm Wodka auf das Lesepult stellen.
Aber zurück zum Anfang, beziehungsweise zum Inhaltsverzeichnis der Berlintour, die man von zu Hause, in seinem Lesezimmer, in der Badewanne oder Bett machen kann.
Da beginnt es, wie kann es anders sein, bei der Ausländerbehörde, wo man seine Gründe angeben muß, warum man „Deutschland als Reiseziel“ gewählt hat.
„Wegen der deutschen Kultur und Sprache“, schreibt so ein Asylwerber, die anderen schreiben von ihm ab und bekommen ein Zweimonatsvisum und Wladimir Kaminer ist in dem Land, beziehungsweise in der einstmals geteilten Stadt geblieben, lebt hier mit Frau und Kinder, macht fürs ZDF Sendungen fürs Früchstückfernsehen, wo er sich vor die Kamera in den Tierpark stellt und sagt „Wir sind heute im Tiergarten, hinter mir sehen Sie die Elefanten!“
Da gab es aber auch einmal die Mauer und die wollen die Touristen sehen, obwohl es die schon längst nicht mehr gibt, bzw. man höchstens am ehemaligen Checkpoint Charly in einem Säckchen Stückchen davon mit der Aufschrift „Made in China“ kaufen kann.
Nicht Kaminer-Kennen merken jetzt, worauf das Buch hinaufläuft, trotzdem gibt es hinter jeden Kapitel, einen „Tipp“, beim ersten Kapitel beispielsweise, daß man sich den Alexanderplatz, das Polizeipräsidium und die „Besenkammer“ ansehen kann.
Einen Anhang mit Erläuterungen ohne Gewähr gibt es hinten auch und so geht es los und Kaminer erzählt auch viel von den Touristen, die in Berlin herumgekarrt werden, die Japaner haben es ihm besonders angetan, die gehen in die Kneipen, lassen sich ein Eisbein mit Sauerkraut bringen, sich damit fotografieren und schicken es dann wieder zurück.
Es gibt aber auch die Berliner Großereignisse, wie die „Berlinale“ und die „Grünen Wochen“, wohin er mit seiner Familie regelmäßig geht, im Russenpavillon nichts zu essen findet, das bei dem der Ukrainer nachholt und auch immer einen Whirlpool bestellen soll.
Das Berliner Literaturfestival, das sehr berühmt sein soll, wird auch kurz erwähnt.
Dann geht es weiter mit dem Berliner Dialekt und dem Shoppen.
Die Berliner wollen ständig was verkaufen, schreibt er einige Kapitel später und erzählt von zwei Mädchen, die ihm auf einer Parkbank fragten, ob er eine Freundin hätte und dann Nivea-Creme-Dosen aus einem Sack auspackten und meinten, er würde ihr sicher was mitbringen wollen?
Die Kneipen werden beschrieben, da gibt es den „Zwiebelfisch“, das „Kaffee Burger“, das „Cafe Silver“ und das „Yorckschlösschen“.
In „Berlin-eine Theaterhauptstadt“ schreibt er von seinen Erfahrungen als Off-Theaterspieler. Der Sport wird beschrieben und das „Feilschen in Berlin.“
Insgesamt dreiunddreißig Kapiteln in dem man im Schnelldurchgang, die ehemals geteilte Stadt aus der Sicht eines geborenen Moskauers erleben kann, der auch immer sehr viel von der russischen Seele und ihren Kleidungsgewohnheiten, zum Beispiel erzählt. Die Russinnen in Berlin erkennt man, meint er, gleich an ihren Pelzen und ihrem Make-up, während sich die Berliner Frauen und auch die Männer immer viele Schichten übereinander anziehen und gern bei H und M einkaufen würden.
Im Kapitel über „Dichter in Berlin“ zitiert er Majakowski und führt einige seiner Gedichte an, die seiner Meinung nach auf das Berliner Lebensgefühl hinweisen.
Als Tipp wird die „Bücherstadt in Wünsdorf bei Zossen“ angeführt, „wo man aus dem ehemaligen Hauptquartier erst der kaiserlichen, dann der nationalsozialistischen und dann der sowetischen Armee einen Antiquriats-Supermarkt gemacht hat.“
Die „Berliner Kinder“ haben auch ein eigenes Kapitel und Kaminer meint, daß es dort sehr viele und daher auch viele Kinderwägen in den Hausfluren geben würde und „Berliner Hochzeiten“ inzwischen, weil die Berliner selber nicht mehr soviel heiraten würden, vorwiegend Mischehen, „schwarze junge Männer mit älteren Berlinnerinnen oderpickelgesichtige Jungs mit Thailänderinnen“, beispielsweise, wo dann das „Ehefähigkeitszeignis“ gefordert wird, um die Scheinehen auszuschließen und sich der Kreis schließt und wir wieder bei den Einwanderungsbehörden angekommen sind.
Am Ende gibt es aber Wladimir Kaminer erste „Bürgermeisterkanditatsrede“.
Dann kann man sich, wenn man die Stadt bereisen will, im Anhang umsehen. Ich habe das ein paar Mal getan, zuerst 1985 noch zu DDR-Zeiten, dann 1990, als es die noch gab, aber die Mauer schon durchlässig war und das letzte Mal 1992, wo ich einen Psychologenkongreß besuchte und bei Kerstin Hensel, im Osten in der Linienstraße, wohnte.
Inzwischen wird sich viel geändert haben, so daß ein Auffrischkurs von Wladimir Kaminer gut tun kann, so freue ich mich schon auf die „Schönhauser Alle“ wenn ich mich durch das englischsprachige „Zoli“ durchgelesen haben werde, verweise auf Sven Regners „Herr Lehmann“ und natürlich auf die beiden „unwürdigen“ WienReiseführer, die vielleicht vergleichbar sind und die ich im Vorjahr gelesen habe.

Nächste Seite »

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.