Literaturgefluester

2014-01-06

Noch einmal Statistik

Filed under: Uncategorized — jancak @ 15:52

Um den Jahreswechsel boomen die Lesevorschauen und da bin ich durch einen Blog auf einen Artikel gestoßen, der bemerkt, daß es soviele Bücherneuerscheinungen gibt, obwohl ja nur, wie der Schreiber behauptet, die Leute vier Bücher im Jahr lesen würden. Ich dachte die Zahl liegt bei acht oder neun, einmal für Österreich, das andere für Deutschland gerechndet oder umgekehrt, wie ich einmal hörte und die Blogs haben dann auch aufgestöhnt, weil sie diese Statistikzahl schon in der ersten Woche erreicht hätte.
„Hoffentlich erscheinen dann keine interessanten neue Bücher mehr!“, haben sie gescherzt und ich kann diese Zahl bestätigen. Auch ich habe in der ersten Kalenderwoche vier Bücher gelesen, wenn das so bleibt, wären das zweihundert im Jahr, eine Zahl, die die meisten Blogger, mich inklusive, nicht erreichen, denn manchmal gibt es ja sehr dicke, wie den Köhlmeier, den Schindel, den Schischkin etc.
Da gab es ja im Vorjahr eine Diskussion, wieviele Bücher man im Jahr lesen soll? Man soll gar nichts, würde ich behaupten. Früher dachte ich, fünfzig pro Jahr, jede Woche eines, wär gerade richtig, seit es die Bücherschränke und meine Leselisten gibt, käme ich damit nicht aus, aber wenn der Durchschnittsmensch vier, acht oder neun, Michael Krüger, der geschiedene „Hanser-Leiter“, auf den ich noch kommen werde, behauptet, es wären drei, liest, dann spießt es sich tatsächlich mit der Zahl der jährlichen Bücherneuerscheinungen und ich kann die Frage, die ich mir immer wieder stelle, nur wiederholen.
Wer soll das alles lesen? Das viele Leute gerne schreiben, bemerke ich und ich finde das sehr gut, daß damit Hand in Hand die Lesefreudigkeit abnimmt, würde mir richtig vorkommen, die Verlage aber produzieren und auf den Blogs kann man jetzt schon lesen, was es demnächst, bei „Hanser“, „Suhrkamp“, „Residenz“ etc alles zu lesen geben wird. Und wer wird das lesen? Die Bücherblogger, die schon in der Woche eins, die jährliche Lesezahl überschreiten, aber die bekommen zum Teil ja Rezensionsexemplare und die boomen, was ich schön finde, die Blogger selbst aber immer noch bedenklich sehen, so konnte ich schon wieder mal wo lesen, daß nicht alle Blogs, die Rezensionskriterien erfüllen, denn da gibt es ja offensichtlich schon Verlage, die für ihre kostenlosen Büchergaben bestimmte Vorlagen verlangen und einige Blogger haben sich empört, andere schrieben „Nicht jeder ist gut genug, ein Buch zu rezensieren und wenn er dann vielleicht nicht einmal richtig rechtschreiben kann?“
Eine Diskussion, die mir nicht sehr gefällt, das habe ich auch schon geschrieben und mich stört die zunehmende Zahl der Bücherblogger nicht, ich lese sogar sehr gern bei ihnen und denke auch, daß das die Leser sind, denn die anderen Menschen haben vielleicht wirklich anderes zu tun, als Bücher zu lesen, was ich auch verstehe und mich nicht weiter aufregt. Allerdings denke ich, daß die, die selber schreiben, vielleicht schon die Bücher, der anderen lesen sollten, denn sonst dreht es sich wirklich im Kreis, beziehungsweise gerät das Ganze in eine Sackgasse und, wie komme ich nun zu Michael Krüger?
Auch durch einen Blog und da gibt es, muß ich sagen, wirklich ganz hervorragende, „Buzzaldrin“ ist einer, „Schöne Seiten“, „Literaturen“, etc und bei einem war ein Link zu dem scheidenden „Hanser-Chef“, bzw. einer über den neuen, Joe Lendle und das ist auch ein interessanter Typ, nämlich ein Leipziger Literaturinstitut- Absolvent und Bücherschreiber und einer der vor kurzem die Verlagswelt aufhorchen ließ, weil er sagt, daß man inzwischen vielleicht gar keine Verlage mehr brauchen würde.
Nun so ganz ernst gemeint wird er das nicht haben, wird aber vielleicht frischen Wind in die Verlagswelt bringen und beim scheidenden Verlagsleiter Michael Krüger, auch ein Autor, konnte ich im Internet erstaunlich viele Videos finden, die Auskunft über das Schreiben geben und auch wenn Weihnachten schon vorüber ist, einen Adventkalender.
Vierundzwanzig Türchen, wo bei jeden Michael Krüger am Schreibtisch sitzt, beziehungsweise beim ersten in sein Büro geht und dann jeweils einen Gegenstand in die Hand nimmt und ein bißchen was dazu erzählt, am vierundzwanzigsten verläßt er dann den Verlag und winkt allen nach.
Erstaunlich, erstaunlich, daß der Siebzigjährige so Internetaffin ist, hätte ich gar nicht vermutet und es ist auch nicht die erste Videoaktion, gibt es da doch noch andere Filmchen, in die ich mich letzte Nacht und heute Morgen ein bißchen hineingehört habe. So zum Beispiel einen über die Urlaubslektüre und da war Krüger bei der Zahl drei der Bücher, die die Leute im Jahr lesen würden. Zwei für den Beruf, meint Krüger und eines für den Urlaub und erzählt dann, daß er im Sommer am Strand spazieren geht und den Leuten in die Bücher schaut und lauter Krimis, Krimis Krimis findet, was den belesenen Mann aufstöhnen ließ.
Ich denke, das braucht er nicht so sehr, denn das ist es ja, was die Verlage den Leuten für den Strand empfehlen und die Autoren schreiben, damit sie einen Verlag finden. Krüger, der ja mit der ganzen Autorenschaft auf „du“ und „du“ steht, steht aber natürlich darüber und empfiehlt den Leuten, wegen der sprachlichen Erkenntnis zum Beispiel ein Buch von Wieland zu lesen.
Das würde für mich zwar passen, hat sich die eifrige Studentin ja vor vielen vielen Jahren eine solche Klassikerausgabe gekauft und hat sie in ihren Regalen und noch gar nicht auf der Bücherlieste. Für die, die wirklich drei oder vier Bücher im Jahr lesen, ist das so ein Satz, wie der von der jungen ÖVP- Politikerin, die über einen Betrag über den sich die Parteien stritten, sagte, daß man sich darum ja nur eine Wurstsemmel kaufen könne oder die Empfehlung, daß die, die kein Brot haben, doch Kuchen essen sollen.
Das hat, glaube ich, eine Revolution ausgelöst und Michael Krüger wird das wahrscheinlich eher aus Ironie, als aus Unwissenheit geraten haben und den Satz, daß man sich ein Buch über das Land, in das man fährt mitnehmen soll, wende ich inzwischen an.
Er rät Pessoa für Portugal, ich habe zwei Jose Saramagos auf meinen Listen stehen und werde sie mir, wenn es soweit ist, daß ich dort hinfahre, heraussuchen und dann gibt es noch ein Filmchen über die unbekannten Autoren.
Also die unverlangt eingesandte Manuskripte, wo Krüger den Unbedarften erklärt, daß die Verlage so wenig Neues nehmen können, weil sie ja die Bücher, der Hausautoren bringen müßen. Ob das einen hoffnungsvollen Jungautor, der neben seinem Beruf mit Herzblut sein Opus schreibt, tröstet?
Ich glaube nicht und habe vor langer langer Zeit auch etwas zu „Hanser“ geschickt und zurückbekommen oder vielleicht nicht einmal.
Ob das, über Michael Krügers Schreibtisch gegangen ist, weiß ich nicht und der rät auch zu literarischen Agenturen, da denke ich, daß die einen auch nur nehmen, wenn man schon bekannter ist oder sie sich was davon versprechen und so denke ich wieder, daß es gut für die anderen ist, wenn sie ihre Sachen jetzt relativ leicht selber machen können. Aber natürlich braucht man dann das Interesse der anderen, das geneigte Ohr oder Auge und wenn die dann keine Zeit dafür haben, weil sie selber schreiben oder nur Verlagsbücher oder Bestseller lesen, bleibt es wahrscheinlich so wie es war.
Die Videos waren aber sehr interessant und ich kann nur empfehlen, sich ein bißchen in die Ansichten eines sehr selbstbewußten Literaturmachers hineinzuhören und bleibe bei meiner Statistik, beziehungsweise meiner Leseliste, die Idee aber Wieland irgendwann in der Sommerfrische aufzulesen, habe ich aufgenommen und bedanke mich sehr herzlich dafür.
Der „Witiko“ steht da schon oben und über „Kafka“ werde ich mich, nachdem ich seine Tagebücher gelesen habe, demnächst auch trauen und ein Buch von Joe Lendle gab es einmal bei den „Thalia-Abverkäufen“.
Von Michael Krüger habe ich, glaube ich, noch nichts gelesen, aber vielleicht finde ich einmal etwas und ansonsten freue ich mich immer noch auf das neue Lesejahr, lese meine Leseliste hinunter und hoffe, daß ich nicht zu viel, aber sehr viel Schönes finden werde und weil ich jetzt wieder den Kommentar des Lesers gelesen habe, der sich über mein Büchertauschverhalten mokierte, merke ich an, daß der Hauptverband des Buchhandels gar nichts gegen die „Offenen Bücherschränke“ hat, sondern deren Aktionen mit Eintrittskarten der Buch-Wien unterstützte und mich unterstützt er auch immer sehr freundlich mit einer Dauerkarte, obwohl ich mir ja nicht so gern teure Bücher kaufe, die anderen aber gern und eifrig lese.

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