Literaturgefluester

2014-01-15

TABU: Bruch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:20

Eigentlich wollte ich am Dienstag in die „Alte Schmiede“ zu den „Textvorstellungen“ mit Irene Wondratsch, Harald Schwinger und Peter J. Gnad, moderiert von Renata Zuniga gehen, dann habe ich aber gesehen, daß es im Literaturhaus eine Veranstaltung mit Seher Cakir, Sabine Gruber und Julya Rabinowich gab und da ich „Schon wieder einer tot“ schon gelesen habe, habe ich umdisponiert und „TABU:Bruch Überschreitungen von Künstlerinnen“, eine Veranstaltung des Elfriede Jelinek Forschungszentrums klang auch sehr interessant. Eine junge Dame erläuterte die Veranstaltung, von der es ein Internetportal mit inzwischen vielen Texten gibt: jelinektabu:univie.ac.at und die in drei Teilen stattfindet.
Der erste Teil eine Videokonferenz ist schon gelaufen, der dritte folgt im April im Literaturhaus und ist ein Übersetzersymposium, das sich mit Elfriede Jelineks „Lust“ befassen wird, ein Buch, das noch heuer auf meiner Leseliste steht und zum zweiten Teil wurden die drei erwähnten Autorinnen eingeladen, die gemeinsam haben, daß sie nicht in Österreich geboren sind und zu den weiblichen Tabus, den Grenzüberschreitungen und den Sanktionen befragt.
Die 1971 in Istanbul geborene und seit 1983 in Wien lebende Seher Cakir, die einen der „Exil-Preise“ gewonnen hat, mehrmals das Staatsstipendium bekam und zwei Bücher in der „Edition Exil“ veröffentlichte, die ich gelesen habe, begann und nannte die Sexualität und die Homosexualität als Tabu.
Die Jungfräulichkeit der türkischen Frauen, die Ehrenmorde und, daß es in der Türkei im Sommer diskutiert wurde, ob Männer und Frauen zusammen in Studentenheimen oder WGs wohnen dürfen, während man jetzt Atatürk öffentlich kritisieren dürfte und als eigenen Tabubruch nannte sie, daß sie über alle Themen schreibe und die Sanktion wäre, daß schon mal Leute ihre Lesungen verlassen hätten.
Die 1963 in Meran geborene Sabine Gruber, die ich öftermal bei Lesungen sehe, folgte und nannte neben der Sexualität und der Religion auch politische Tabus, bezog sich da auf ihren Roman „Stillbach“ und hatte einige Autoren befragt, wo sie Tabus sehen. Die Leute sehen eher keine und Sabine Gruber outete ihren Kontostand, über ihre sexuellen Vorlieben würde sie nicht sprechen und in der Literatur nicht die Biografien anderer preisgeben.
Dann kam Julya Rabinowitsch, 1970 in St. Petersburg oder Leningrad geboren, auch durch die „Edition Exil“ bekanntgeworden und in der letzten Zeit zum literarischen Star aufgestiegen, die sich mit einem roten Stern an ihrem schwarzen Kleid, gleich einmal deklarierte, daß jetzt das Unapettitlichste käme, nämlich „Lost in Menstruation“ und dann davon las, wie peinlich der rote Fleck an Kleid und Hose wäre und wie sehr er Frauen behindern würde.
Sie wäre deshalb schon einmal bei einer Lesung sitzen geblieben, weil sie sich nicht aufzustehen getraut hätte. Das zweite Tabu war die Abtreibung, da habe ich nicht verstanden, wo da das Tabu ist? Ist sie doch sowohl in Österreich als auch in Russland erlaubt und man kann sie, so wie ich, als Gewalt am Kind empfinden und daher ablehnen und stattdessen verhüten. In Russland wurde sie, meinte Julya Rabinowitsch als Verhütungsmethode sehr häufig, aber sehr gewaltvoll betrieben.
Dann gabs eine Diskussion, die Pia Janke leitete, da wurden die einzelnen Aspekte dieser Fragen besprochen.
Sabine Gruber meinte, sie könne als Schriftstellerin nicht überall hingehen und recherchieren und sich auch nicht abends alleine in eine Bar setzen, ohne angequatscht zu werden. In Wien könne man im siebenten Bezirk gleichgeschlechtlich Händchen halten, im zehnten wahrscheinlich nicht mehr und in Istanbul würden Türken gefragt, wenn sie in ein Hotel gehen, ob sie verheiratet sind? In Russland ist es mit der Homosexualität derzeit überhaupt sehr schlecht, wie man täglich in den Medien hören kann.
Ein Mann meldete sich und meinte, daß manche Tabus zum Schutz der Frau wären und griff dann den roten Stern an, den er offenbar als Provokation empfand.
Die Veranstaltung war sehr gut besucht, viele Leute, vorwiegend Frauen, die ich nicht kannte.
Es waren aber auch Rudi Pollak, Robert Schindel, Christel Greller, Anita C. Schaub, etc. da.

Werbeanzeigen

Schreibe einen Kommentar »

Es gibt noch keine Kommentare.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: