Literaturgefluester

2014-01-16

Unterwelten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:22

An der „Angwandten“ wurde die „Jenny“ vorgestellt, in der „Wien-Bibliothek“ Uwe Schüttes „Unterwelten- zum Leben und Werk von Gerhard Roth“ aus dem „Residenzverlag“ und ich hatte mich entschieden, denn die „Jenny“ habe ich ja schon gelesen und von Gerhard Roth, dem berühmten Grazer oder steirischen Autor, der unter anderen Grazer Autoren, wie Helmut Eisendle, Wolfgang Bauer, Alfred Kollertisch, etc, damals in den siebziger und achtziger jahren für mich die „literarischen Götter“ waren und ich habe von dem 1942 in Graz geborenen Autor schon viel gelesen.
Darunter ein „experimentelles Frühwerk“, von denen der deutsche Biograf offenbar nicht viel hält, aber für eine mit Wiener Sozialisation ist das offenbar anders, auch wenn sie, Zeit ihres Lebens realistisch schreibt, den „Berg“ habe ich mir, glaube ich von einem Buchgutschein eingelöst, den ich bei einem meiner „Luitpold Stern-Preise“ gewonnen habe.
Der steirische Autor gehört für mich zum Inbegriff der österreichischen Literatur und scheint auch ein sehr netter Mann zu sein, hat mir meine Psychogen-Kollegin Elfriede Hofer ja einmal gesagt, daß sie ihn kontaktiert hat und er hätte zurückgerufen oder zurückgeschrieben.
Jessica Beer, früher Hauptbibliothek jetzt offenbar „Residenz-Lektorin“ hat die Veranstaltung moderiert und zuerst einige Fragen an den Biografen gehabt, der, wie ich kürzlich Thomas Bernhards „Ein Kind“ gelesen hat, dadurch auf Gerhard Roth oder auf den „Residenz-Verlag“ aufmerksam wurde und an die Ashton University ging, Germanistik oder Literaturwissenschaften hat er offenbar auch studiert und bei G. W. Seebald gearbeitet, seine Diss hat er über Thomas Bernhard schreiben wollen, aber da gab es schon soviel, so hat er sich für den lebenden Autor Gerhard Roth entschieden und als er mit seiner Arbeit fertig war, hat sich der „Residenz-Verlag“ an ihn gewendet und es ist das Buch „Unterwelten“ entstanden, das er wie die Dissertation hinuntergeschrieben hat und sich dann an den Autor wandte, der es korrigierte, diskutierte etc.
Der Autor war auch selber anwesend und hat neben dem sehr selbstbewußten Deutschen mit dem deutschen Blick, der für die experimentelle Literatur offenbar nicht viel übrig hat, sehr viel und sehr persönlich aus seinem Leben erzählt.
Während des Krieges aufgewachsen, Nazi-Eltern und dann als Jugendlicher ein Graz erlebt, in dem in den Kinos Polizisten standen, die Ausweise von den Jugendlichen verlangten, wenn sie Winnie Markus, Rudolf Prack oder einen nackten Frauenbusen sehen wollten.
Den Film über den Nürnberger Prozeß hat er als Fünfzehnjähriger gesehen und der hat sein Leben verwandelt. Er hat dann ebenso experimentell zu schreiben angefangen, um die im Nationalsozialismus „verhunzte“ Sprache weiterzuentwickeln, dann sind aber die beiden Zyklen entstanden, die Uwe Schütte und der Autor zu erklären versuchten.
Die „Archive des Schweigens“ und „Orkus“, einige Bände habe ich davon gelesen und Uwe Schütte lobte Gerhard Roth, daß er sich von den „kleinschreibenden Grazer Provinzautoren“ abgehoben und weiterentwickelt hätte, was ich, nicht ganz so sehe und dann sowohl den Autor, als auch den Biografen danach fragte.
Der Biograf hat mich, glaube ich, nicht ganz verstanden und nur gemeint, er hätte Grazer nicht steirische Provinzautoren gesagt, Gerhard Roth meinte freundlich, das wäre nicht seine Meinung, aber die Deutschen haben wahrscheinlich einen anderen Blick auf die österreichische Literatur.
Es waren jedenfalls Silvia Bartl, Inge Reisner da und ein Herr im Publikum war auch nicht ganz einverstanden und meinte, daß er das Graz in den Fünziger-und Sechzigerjahren anders erlebt hätte und wandte sich auch gegen Bruno Kreisky, von dem Gerhard Roth gemeint hat, daß er ihn gekannt hätte.
Dann gabs wieder Brot und Wein und einen Büchertisch und es war ein sehr interessanter Abend mit einem sehr interessanten wichtigen Gegenwartsautor.
Ein Buch von Gerhard Roth steht noch auf meiner Leseliste, weit unten, das ich im Sommer in der Telefonzelle bei der „Seedose“ gefunden habe und das, glaube ich, eine der Damen die ich vom Osterspaziergang kenne, dort hineingelegt hat.
„Das Werk weiß mehr als der Autor“, hat der sehr selbstbewußte Biograf in der Diskussion gesagt und der sehr freundliche weißhaarige Meister hat dazu bemerkt, daß er erst jetzt sein Werk richtig verstanden hätte und ich habe sehr viel von dem Abend mitgenommen, obwohl ich immer noch einen sehr großen Respekt von den Steirischen oder Grazer Autoren wie Wolfgang Bauer, Helmuth Eisendle, Alfred Kolleritsch, etc habe und den mir auch nicht nehmen lasse und einmal vor langer Zeit war ich auch mit dem Alfred und der sehr kleinen Anna, noch mit Windeln und der Tragetasche ein Wochenende in Graz, bin auf dem Uhrturm hinaufspaziert und habe mir vorgestellt, was passieren würde, wenn ich jetzt den Grazer Dichtergöttern begegnen würde.
Darüber habe ich auch einen Text geschrieben, der inzwischen wahrscheinlich längst verschollen ist, um Alkohol und das Saufen ist es dabei, soweit ich mich erinnern kann, auch gegangen.

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