Literaturgefluester

2014-01-17

Die Anderswelt-Trilogie

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:02

Eigentlich dachte ich ja, daß ich „Science-ficton in der „Alten Schmiede“ als Überschrift für diesen Artikel wählen könnte, aber das passt auf den Band drei „ARGO-Anderswelt“, der am Donnerstag vorgestellt wurde, wahrscheinlich doch nur teilweise zu.
Alban Nikolai Herbst in der „Alten Schmiede“ und ich habe mir die Veranstaltung angestrichen, denn den Autor habe ich ja 1996 in Klagenfurt kennengelernt, als er dort gelesen hat und ich zum Zuhören einmal auf eigene Kosten hingefahren bin.
Dann bin ich auf den Namen bei Chrstinane Zintzen öfter gestoßen, weil die ja das Projekt „Lit.net Blogs“ betreut, vorstellt oder selber dabei einbezogen ist und da gibt es ja „Die Dschungel/Anderswelt“ und, daß die Trilogie genauso heißt, bin ich erst beim Lesen des Programmes daraufgekommen.
Ja, ich bin eine eher Flüchtige und habe dann Herrn Blaha, mit dem ich mich in der „Alten Schmiede“ getroffen habe, um ihm sein Belegexemplar des „Literaturgeflüsterbuchs“ zu übergeben, davon erzählt, aber sicher war ich mir dann nicht mehr, denn am Lesetisch lagen ja die dicken Bände auf und da bin ich daraufgekommen, daß es sich dabei um etwas Phantastisches handeln dürfte.
E.A.Richter ist dann auch erschienen und ebenfalls sehr ungewöhnlich, hat diesmal nicht Kurt Neumann eingeleitet, sondern der Autor, der sich auch eine Art Hammer auf das Lesepult legte, hat gleich zu lesen begonnen, obwohl auch Andreas Puff-Trojan neben ihm saß, der ebenfalls einleiten sollte.
Was er las, war dann gleich sehr gewaltig, handelte es doch von eine Apokalypse oder dem Untergang einer Welt, bzw. einer Stadt die Buenos Aires hieß, aber irgendwie sowohl an Berlin, als auch an London erinnerte und ich war einmal verwirrt.
Die Erklärungen kamen dann auch, hatte sich der Literaturwissenschaftler doch darauf vorbereitet und im Programm stand auch, daß der erste Teil THETIS.Anderswelt, ein fantastischer Roman 1998 bei Rowohlt, BUENOS AIRES.Anderswelt, Kybernetischer Roman, im Berlin Verlag 2001 erschienen ist und der epische Roman ARGO.Anderswelt, 2013 im Elfenbeinverlag.
Andreas Puff-Trojan erzählte etwas von der „Nullzeit“ bzw. „Ground Zero“ und dem ersten kurzen Kapitel, das wir gerade gehört haben. Der Weltuntergang auf ein paar Seiten, dann folgen allerdings noch neunhundert und zweimal soviele in den beiden anderen Romane. Kann man dieses Buch lesen, wenn man die zwei anderen nicht kennt?
Natürlich, denn da gibt es ein Glossar und außerdem hat der Autor erklärt, daß man bei dem Buch an jeder beliebigen Stelle, so wie bei Andreas Okopenkos „Lexikonroman“ vielleicht, anfangen kann.
„Aber lesen Sie erst das Glossar!“, riet der Einleiter. Erzählte dann etwas von Apokalypserln, a la Nestroy und der „Welt, die nicht mehr lang stehen würde“, aber bei Alban Nikolai Herbst geht alles weiter und drei Erzähler hat der Roman auch.
Einer heißt Alban Herbst, ist aber nicht der Autor und das Ganze spielt in einer Stadt namens Buenos Aires, die aber aus Teilen anderer europaischer Städte zusammengesetzt ist. Es gibt eine Realwelt und eine Cyberwelt und den Wechsel von der einen in die andere und real existierende Personen, wie beispielsweise E.A.Richter, der sich über E-bay in das Projekt einkaufte, (er gehört auch zu dem Lit.Net-Blog-Projekt), kommen auch darin vor.
„Kennen Sie sich aus?“, könnte man jetzt fragen. Denn das klingt sehr verwirrend und episch ist das Ganze ebenfalls noch. So las Alexander Puff-Trojan gleich ein paar Hexameter vor, bevor sich der Autor einschaltete und nach der Realität fragte, bzw. sagte, er hätte einen realistischen Roman geschrieben. Dann kam eine Stelle, wo der Vater mit dem Sohn und der Mutter zu einer „Nebelkammer“ geht und der Vater dem Sohn den Realismus erklärt.
„Realismus ist blöd!“, lautete die Conclusio, aber Alban Nikolai Herbst erklärte weiter, daß man sich das Ganze ganz einfach vorstellen kann.
Man geht in Berlin vom Prenzlauerberg zum Brandenburgertor, das habe ich einmal gemacht, das ist sehr weit und stellt sich dort den Arc de Triomphe vor und schon ist man in einer anderen Stadt und Rom oder Wien sind dann auch sehr nah. Denn Wien kommt in dem Epos auch vor und Berlin in Form eines Cafes, das es gibt oder nicht gibt, es ist eben alles sehr kompliziert.
Dann kam eine Stelle vom Autofahren und noch eine andere, in der es um eine Erzählung geht. Denn Alban Nikolai Herbst erzählt in seinem Roman Geschichten, von einem Mann der zu einer krebskranken Frau geht, im Spital Tumult macht, von der Polizei abgeführt wird, die ihm aber Zeit zum Trauern gibt.
Dann begann Alban Nikai Herbst weiter von seinem Projekt zu erzählen und kam dabei vom Hundertsten ins Millionste.
Sprach davon, daß das Leben immer weitergeht und es ein Verbrechen wäre, einem Kind zu sagen, es wäre alles aus.
Sagte auch nach einer Frage aus dem Publikum, daß man das Gewalttätige und den Krieg auch schön erzählen kann, weil das Leben nach Auschwitz natürlich weitergegangen wäre. Erzählte einen Witz, nämlich den von dem bettnäßenden Kind, das nach der Psychoanalyse Spaß daran hat. Den erzähle ich meinen Klienten immer etwas anders, wenn ich ihnen den Unterschied zwischen der PA und der VT erklären soll. Las dann noch ein Gedicht und erzählte auch ein bißchen was von seinen anderen Werken und davon, daß er einmal Broker war. Die Intervalle zwischen den Romane beruhen auf Rechtsprobleme und davon, daß er Genre übergreifend schreiben wollte, aus allen Schubladen heraus, was ihm zwar gelungen, aber schlecht fürs Geschäft ist. Denn wer soll den Roman dann kaufen und für ein solches Projekt braucht man einen Verlag, da genügt das Netz nicht.
Vom Hundersten ins Tausendste und drei gewaltige Werke, die mich auch ein bißchen an Arno Schmidt erinnerten, von dem ich am Donnerstag anläßlich seines hundersten Geburtstags ein Video hörte und der Autor erinnerte mich mit seinen funkelnden Augen, mit denen er sein Projekt erklärte, ein wenig an Mephisto und ein bißchen manisch ist das Ganze sicher auch.
Von Alban Nikolai Herbst ist noch zu sagen, daß er 1955 in Bensberg als Alexander Michael von Ribbentropp geboren ist, mit seinen Romanen und seinen Realismus schon Schwierigkeiten hatte, die zu einer Klage führten und sicherlich ein sehr interessanter Autor ist, was mir bisher fast entgangen wäre.

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