Literaturgefluester

2014-01-28

Schönhauser Allee

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:18

Jetzt gehts wieder nach Berlin, beziehungsweise an die „Schönhauser Allee“, wo der in Russland geborene Wladimir Kaminer mit seiner Frau und seinen Kindern lebt und in seinen Kolumnen sehr eindringlich vom Lebensgefühl in dieser Straße schreibt.
So erzählt er von dem Geschäft der Vietnamesen, die immer lächeln, die Waren nach Büchsen oder Flaschen sortieren und die Preise nach der Größe ansetzen, von ihrer Tochter, die die Touristen in Scharen anzieht, wenn sie im Regen in einer Pfütze steht, um sie später anzuspritzen, von den Büchern, die er in einer Mülltonne findet, etwas was ich kenne und mir auch sehr sympathisch ist.
Den Marx und Engels und die DDR-Politbroschüren läßt er dort, ich hätte sie mir ebenfalls mitgenommen, bzw. habe sie von den früheren Volksstimmefesten, den Grass und den Fritz Rudolf Fries nimmt er mit und überlegt sich, wem die Bücher wohl gehört haben mochten?
Die Familien in seinem Haus werden beschrieben und die Typen, die er auf der Straße trifft. So fragt ihn Charles Bukowski einmal nach dem Weg und Friedrich Engels trinkt gemeinsam mit Albert Einstein und Niels Bohr, nur Karl Marx fehlt noch in der Sandleridylle.
Alex, dem Spion hat er einmal ein Zimmer vermietet, bevor er von den Amerikanern ausgeflogen wurde und nun in Kalifornien bei Microsoft arbeitet.
Das Nichtschlafenkönnen wird beschrieben und das Geschäftsleben, das außer den Geschäften der Vietnamnesen und anderen Ramschbuden und Kneipen hauptsächlich aus dem Arcarden-Kaufhaus zu bestehen scheint, wo Feste gefeiert werden und ein Armenier eine Parfumverkäuferin kennenlernt, der er dann einen unsichtbaren Stern zum Einstand schenkt.
Der Besuch der russischen Schwiegermutter, die mit den weißrussischen Zöllnern kämpft und selbstgemachte Marmelade mitbringt, ist Thema und das, was angeblich in den deutschen Wohnungen nach Besuch der russischen Großfamilie passiert. Die Typen, die im Zug fahren und und und.
Die Reihe der berühmten Persönlichkeiten ist auch sehr beliebt, so läßt Wladimir Kamina Bill Clinton in der Schönhauser Alle Spätzle mit Hasenbraten essen und sein Töchterlein im „Arcaden-Kaufhaus“ Mickey Rourcke kennenlernen.
Die Alltagsgeschichten, die wahrscheinlich mal Kolumnen waren, werden in den Vor-und Nachworten auch sehr gelobt.
„Deutschland – ein Russenmärchen“, kann man da zu Beginn lesen und die Süddeutsche Zeitung meint gar, daß „Kaminers Expeditionen durch das Dickicht der Stadt“, den großen Berlin-Roman ersetzen würden. Dieser Meinung bin ich zwar nicht zur Gänze, habe vor kurzem auch einen Berlin-Roman von einer anderen jungen Russin gelesen und noch einige Kaminer Bücher in meinen Regalen stehen.

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