Literaturgefluester

2014-02-28

Ruth Aspöcks Buchpremiere

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:12

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Der Bezirksrat und Galerist der „Kultur-Mitte“ in Krems, die ihr zwanzigjähriges JUbiläum feiert hat, wie er bei der Veranstaltung sagte, an den „Löcker-Verlag“ geschrieben, damit Ruth Aspöck neues Buch „Der Krieg nach dem Frieden“, das die Nachkriegszeit in Salzburg schildert, rechtzeitig zur Lesung fertig wird und es ist sich auch alles ausgegangen.
Vor einer Woche ist die Ruth vom Schiurlaub mit ihrer Familie zurückgekommen, am Montag war das Mail des Verlags da, sie kann sich das Buch abholen und Ruth Aspöck hat, wie sie mir erzählte, für ihr neues Buch auch viel recherchiert, ist dafür nach Salzburg gefahren, hat sich in Archiven umgesehen, etc.
„Der Krieg nach dem Frieden-fünf Personen erzählen die in zwanzig Kapitel gebündelten Geschehnisse jeweils aus ihrer Sicht und ihrer Erinnerung“, steht auf dem Programmzettel und es ist Ruth Aspöcks drittes Buch, das im LöckerVerlag erschienen ist, nachdem sie mit ihrer „Edition die Donau hinunter“ in Pension gegangen ist.
Vorher sind ihre Bücher in ihrer Edition erschienen, die „Emma“ ganz woanders und da wir dieses Wochenende nach Harland gefahren sind, ist es sich auch sehr gut ausgegangen, den Abstecher nach Krems zu machen, obwohl in Wien ja die „Hörspielgala“ stattfand, aber man kann sich nicht teilen und muß auch nicht überall sein. So sind wir also nach fünf nach Krems in die Galerie auf der oberen Landstraße gefahren, wo wir schon einmal waren, als Ruth und Robert ihre Reisetexte vorstellten.
Diesmal weniger bekannte Gesichter, außer Brigitte S. war nur Robert Eglhofer da und die Stammgäste der Galerie, sowie der Künstler, der die Linolschnitte herstellte, die gerade ausgestellt wurden.
Ruth war schon da und hatte ihre Bücher auf einem Tischchen verteilt. Dann kam das Fotoshooting mit der hiesigen Prominenz und die Eröffnung. Danach erzählte Ruth, daß es die erste Lesung aus dem Buch sei und sie das achtzehnte Kaptitel, das den Titel „Schuld“ hätte lesen würde.
Alle Kapitel haben Überschriften, die aus ganz kurzen Worten bestehen und sie hat sich enschloßen, die fünf Personen ihres Romanes, das schon verstorbene Elternpaar Anatol und Marie, ihre zwei Töchter Rosa und Ursula und eine Freundin Malwine in direkter Rede auftreten zu lassen und das Kapitel. das sie las, handelte von versäumten Gelegenheiten. Anatol hätte die Tochter seines Bruders bei sich aufnehmen sollen, die herbe Marie hat das verhindert und als eines Tages eine dunkelhaarrige Frau mit einem Kind bei ihr auftauchte und nach Anatol fragt, schickte sie sie weg.
„Sie müßen warten bis mein Mann zu Hause ist!“

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„Er ist verheiratet!“, seufzte die Frau und verschwand, um nie wieder aufzutauchen und Anatl schwor nie in Jugolslawien gewesen zu sein, von dort hätte er die Frau kennen sollen.
Aber da gab es eine Affaire mit einer Slowenin, alle wälzen sich in ihren Schuldgefühlen und Malwine, die Frau mit dem seltsamen Namen, tritt auch als moralische Stimme auf und resumiert darüber, wie Kriege möglich sind und, daß sich Menschen in so etwas verstricken lassen?
Da stellt sich natürlich die Frage, wie weit das autobiografisch ist?
„Ich schwöre nichts!“, antwortete die Ruth, aber ihre Mutter kommt aus Deutschland und die Eltern sind mit den beiden Töchtern nach Linz gezogen und die Malwine dürfte auch von einer Freundin Ruths inspiriert worden sein.
Robert Eglhofer fragte auch ein bißchen nach und ließ sich das Buch signieren. Ich habe es von der Ruth bekommen, so daß ich es am Wochenende statt B. Traven lesen kann.
Der Galerist brachte zwei Flaschen um rot und weiß nachzuschenken. Ruth stieß mit ihm mit einem Gläschen Sekt an und kaufte auch ein Bild von der Ausstellung und bei den Büchern, die man im Vorraum um vier Euro fünfzig finden konnte, habe ich neben Werkn von Manfred Chobot etc, auch die „Zwillingswelten“ gefunden und mich erinnert, daß ich den Galeristen bei Ruths Geburtstagsfest darauf angesprochen habe, ob ich auch einmal in der Galerie lesen könnte?
Da habe ich ihm offenbar das Buch gegeben. Wer es also lesen will, auf nach Krems, da ist es noch billiger, als der Selbstkostenpreis, zu dem ich es sonst verkaufe und als wir auf der Heimfahrt. das Radio aufgedreht haben, sind wir zu der Verlautbarung der Hörspielpreise zurüchtgekommen. Platz drei hat Johannes Gelich mit „Rabeneltern“ gemacht, dann kam Patricia Josefine Marchart und den ersten Platz haben Felix Mitterer und Franz Kafka mit dem „Bericht an eine Akademie“ belegt, wo Felix Mitterer den Affen spielte.

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2014-02-27

Besuch von Judith Grohmann und Diskussion zum FPÖ-Ball

Filed under: Uncategorized — jancak @ 20:56

Am Dienstag gab es noch eine Veranstaltung zum Februarkampf von der „Theodor Kramer-Gesellschaft“ im Republikanischen Club, „Februar 1934 und seine Nachwirkungen“ über den ich nicht besonders bloggte, weil es, trotz Neda Bei und Konstantin Kaiser am Podium, nicht besonders literarisch war, ist es doch um den Bankencrash der neunzehnhundertzwanziger Jahre, die Auflösung des Parlaments und die Einführung eines katholischen Ständestaates gegangen, bei dem ich schon Paralellen zu heute sehe, wo ja auch die „Hypo“ gerettet werden muß und die ÖVP-Minister bei der Regierungsangelobung, nicht nur „So wahr mir Gott helfe!“, sondern auch noch was vom „Herzen Jesu“ dazufügen, was mit immer autoritäreren Strukturen und wachsender Arbeitslosigkeit wahrhaft beängstigend ist, ich wollte aber nicht darüber bloggen und habe so den freigehaltenen Platz mit der Rezension von Judith Katzirs sehr freizügigen Roman gefülllt. Für Mittwoch war schon die Besprechung von „In geheimer Mission“ geplant und da ich ziemlich sicher war, daß Judith Grohmann, der ich diesen Termin gemailt habe, nachschauen würde, habe ich es so gelassen und den Artikel nicht, was ich sonst getan hätte, um einen Tag vorverlegt.
Judith Grohmann hat sich dann auch gleich am Mittwoch bei mir gemeldet und wir haben ein Treffen ausgemacht, für das es auch einen schönen Anlaß gegeben hätte, nämlich am Tag des Opernballs, wo die Polizei sicher wieder alles genau absuchte, absperrte und ausräumte, wie ich schon am Montag und Dienstag merken konnte, als ich an der Oper vorbei in die „Alte Schmiede“ bzw. in die Rockgasse ging, eine Diskussionsveranstaltung im Bezirksmuseum Mariahilf, zu der mich die Bezirksrätin Elisabeth Zoumboulakis-Rottenberg eingeladen hat: „Anschlag auf die Demokratie- Ereignisse rund um den FPÖ-Ball und die Demos“.
Leider hatte sie da keine Zeit, so haben wir uns um elf in meinem Wohnzimmer mit dem neuen jetzt auch schon wieder vollgeräumten Bücherregal getroffen und ich habe ihr einen Kaffee gekocht.
Vorher hat mir Ingrid Führer noch das Österreichprogramm auf der Leipziger Buchmesse geschickt. Es gibt am Donnerstag um fünf wieder einen Empfang bzw. Umtrunk im Österreichcafe vom Hauptverband und ich habe das an Mara Giese von „buzzaldrin“ weitergeschickt, die heuer auch am Donnerstag nach Leipzig kommt, um sie dort zu treffen.
Die ebenfalls im Bezirk wohnende Judith Grohmann, interessant, daß ja sowohl die Leselustfrustbloggerin. als auch die Evi von „Zwillingsleiden“ hier angesiedelt sind, kam sehr pünktlich, erzählte mir, daß sie eine Psychologentochter, Karl Grohmann war ihr Vater, ist und sie sich statt die Praxis zu übernehmen, für das Schreiben entschieden hat.
Ich bin ja den doppelten Weg gegangen und Judith Grohmann, 1966 geboren, die beim „Profil“, bei der „Presse“, beim „Standard“, etc, gearbeitet hat, hat schon viele Sachbücher geschrieben, bis sie auf die Idee mit den Polizeieinsatztruppen gekommen ist, die sie so begeistert hat, daß sie jetzt an einem Thirller schreibt. Es war ein spannendes Gespräch und eine interessante Begegnung, aus der auch ein Foto entstanden ist und ein englischer Eintrag auf Judith Grohmanns Blog, sowie ein reger Mailwechsel.
Dann hatte ich einige Stunden, die letzte leider erst um sechs, was insofern ein bißchen schwierig war, da die Diskussion schon um halb sieben begann. Zum Glück ist die Mollardgasse nicht sehr weit entfernt. Die erste Podiumsrunde war aber trotzdem schon vorbei, als ich nach sieben eingetroffen bin. Ein paar Bekannte im Publikum. Herr Blaha, Elfi Resch und dann ein paar Gesichter, wo ich die Namen nicht kenne, viele Demonstrationsteilnehmer, am Podium Susanne Scholl, ein Polizeigewerkschafter, eine junge Demonstrantin und die vorwiegenden älteren Leute im Publikum empörten sich auch über die Unverhältnismäßigkeit dieses Polizeieinsatzes, wo eine ganze Stadt wegen einem Burschenschafterball lahm gelegt, beziehungsweise in Ausnahmezustand, mit Absperrungen, Vermummungsverbot, etc versetzt wurde und das Ganze dann auch noch eskalierte.
Da war ich ja nicht dabei, sondern in Harland und habe mir das Ganze erst am nächsten Morgen in Videos angesehen. Ob es jetzt eine Opernballdemo gegeben hat, über die ich ja einmal in „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“ eine Szene geschrieben und sie beim „Ersten Wiener Dichterfasching“ einmal in der „Gesellschaft der Literatur“ vorgelesen habe, weiß ich auch nicht. Es war aber eine interessante Ergänzung zu Judith Grohmanns Buch und auf ihren Thriller bin ich natürlich auch schon sehr gespannt.

2014-02-26

In geheimer Mission

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:58

Vor einigen Wochen hat mir die Journalistin Judith Grohmamm ein Mail geschrieben und mich auf ihr, bei „riva“ erschienenes Buch, „In geheimer Mission“, in dem in „supercoolen Stil, also angenehm zu lesen, über den spekulären Einsatz von sechzehn weltweit arbeitenden Antiterroreinheiten berichtet wird und sie als erste Frau und erste Autorin, die Erlaubnis bekam über diese Männerdomain zu berichten“.
Nun interessieren mich als gewaltfreie Frau coole Bücher über den Kampf gegen Verbrechen und Terror ja nicht so sehr, aber das von Thomas Stompe über die Täterprofile bei forensischen Rechtbrechern habe ich im letzten Sommer auch gelesen und es ist sicher interessant und spannend zu erfahren, wie die Cobra-Einsatztruppen ausgebildet werden und, wie sie arbeiten.
Noch dazu, wo ich von dem Buch schon etwas gehört habe, wurde ja auch in der Sendung „Leporello“, im Dezember darüber berichtet und da habe ich den Bericht von den Cobra-Leuten, die mit ihren lautlosen Spezialsohlen hinter Judith Grohmann herhechtelten und sie erschreckten, sehr informativ gefunden.
Dem „Schweizer-Offiziers-Blog“, der das Buch schon besprochen hat, hat es zwar nicht so ganz gefallen und gemeint, daß Judith Grohmanns Berichte gar nicht so exclusiv wären und man das, was berichtet wird, schon woanderns nachlesen kann. Aber ich kenne mich in der Terrorabwehrarbeit nicht so aus, stehe den Polizeieinsätzen auch kritisch gegenüber und lese mich sowieso gerne quer über den Tellerrand.
Es beginnt also mit einem Vorwort von Ban-Ki-Moon, dem Generalsekretär der vereinten Nationen und einem von Judith Grohmann, in dem sie erzählt, daß sie inzwischen wahrscheinlich die weltweit überwachteste Journalistin wäre und die vierzig Kilo schwere Spezialrüstung beschreibt, mit der sie sich mit den Beamten auf den Einsatz macht. TSO-Helm, schutzsichere Weste, schwarze Einsatzstiefel.
Die Auswahl und das Training der Polizisten für diese Spezialeinsatzgruppe wird auch beschrieben. Nur die besten Männer und die noch viel viel viel besseren Frauen, dürfen dazu, sie müssen trainieren, psychologische Tests bestehen, ihr Gedächtnis trainieren, konzentriert arbeiten können und noch viel mehr und dann sprechen sie konzentriert von der „Lage“, wie sie ihren Einsatz nennen, sind mit Kopfhörern miteinander verbunden und geben sich in Codenamen ihre Anweisungen.
Dann gibts und das habe ich noch interessanter gefunden, Fallgeschichten und zwar solche, bei denen Judith Grohmann wahrscheinlich nicht dabei war, so den des zum „Tod Verdammten“ am 15. und 16. Mai 1994. Da soll nämlich Joseph Anton von Bundesminister Rudolf Scholten den österreichischen Staatspreis für europäische Literatur in Wien bekommen und der war damals der weltweit gefährdetste Mann.
Joseph Konrad werden meine Leser vielleicht fragen? Wer ist das, noch nie etwas gehört? Wir kennen nur Joseph Konrad und Anton Tschechow und natürlich auch Salman Rushdie und das sind dessen Lieblingsschriftsteller. Die Kobra benützte aber Decknamen, checkte alles aus und ab so und verlief die Preisverleihung vor dem staunenden Publikum und den hundert geladenen Gästen im Festsaal des Palais Starhemberg am Minoritenplatz auch perfekt.
Wendelin Schmid Dengler hielt die Laudatio und Salam Rushdie wurde wegen seiner „Satanischen Verse“ ja von Ayatollah Khomeini zum Tode verurteilt. Da könnte man natürlich sagen, daß soviel Aufwand wegen eines Staatspreises vielleicht nicht ganz verhältnismäßig ist und es billiger gewesen wäre, Salam Rushdie den Scheck und die Urkunde mit der Post zu übersenden, bei Thomas Bernhard hat man das ja einmal auch so gemacht und für das ersparte Geld hätte man mir oder einem anderen Autor ein Stipendium geben können. Ein Cobramann hätte die Urkunde aber auch überbringen können. Andererseits kamen die gutgeschulten Kobrakräfte damit in einen Kunstgenuß, der auch nicht zu verachten ist und das mit der Verhältnismäßigkeit habe ich mir auch beim Opernballeinsatz im Jahre 2004 gedacht. Da hat die damalige Außenministerin, Benita Ferrero-Waldner, einen Drohbrief bekommen.
„Gnädige Frau, hiermit habe ich die hoch geschätzte Aufgabe, Ihnen in aller Form mitzuteilen, daß Sie den Opernball in diesem Jahr nicht mehr lebend verlassen werden!“
Und die Cobra routierte, gab der Ministerin Personenschutz, riet ihr beim Ball unter ihrem Abendkleid eine Schutzweste anzulegen, was bei der „meerblau-dunkelgrünen Robe mit vielen Spitzen am Oberteil“ aber nicht möglich war.
So mußte der Personenschutz noch enger an das Ministerpaar heran, die natürlich Schutzwesten unter Frack und Abendkleider hatten und die Waffen und Mikrophone waren ebenfalls darunter versteckt. Vorher wurde die Oper, die ja dafür zwei Tage spielfrei hat, nach Waffen untersucht und die Kobra ist auch genau darauf trainiert, den Umstehenden, Journalisten durften kein Interview verlangen und Freunde kein Küßchen geben, auf verdächtigen Augenkontakt, Schwitzen, Nervosität, etcetera zu observieren. So wurde ein Herr unauffällig von vier Beamten abgeführt, der Ball fand aber problemlos statt, ein Attentatversuch wurde nicht unternommen und der Verkündungsbrief wird noch heute „aus Sicherheitsgründen an einem geheimen Ort im Innenministerium aufbewahrt.“
Auf einen kleinen Fehler, darf ich die Autorin auch noch aufmerksam machen. Der Opernball findet meines Wissen immer am Donnerstag vor und nicht nach dem Aschermittwoch statt, denn das ist ja schon Fastenzeit und da sollte wahrscheinlich auch die Kobra kein Fleisch mehr essen, aber sie ist höchstwahrscheinlich auch sonst auf einen gesunden Lebensstil trainiert.
Um einen kleinen Kind ein Trauma zu ersparen, können die Spezialisten auch einmal ganz „soft“ vorgehen. Der Verhandlungsführer gibt sich als Mitarbeiter vom Magistrat bezüglich des Sorgerechts, das der Vater haben will, aus, dann wird sanft und leise gestürmt und als alles vorbei ist, finden sie das Kind spielend im ersten Stock in seinem Zimmer. Es hat gar nichts von der Sache bemerkt.
Dann geht es ins Ausland. In der Slowakei ist die Spezialeinheit „Lynx“ aktiv und die war bei der Erpressung der Handelskette Tesco 2003 im Einsatz. Sechzehn Länder wie Frankreich, Litauen, Israel, Italien etc mit ihren jeweils speziellen Einsatzgruppen, „UPS“, „TEK“, „RAID“, etc, die mit Geiselnehmer verhandeln, Bankräuber fassen, mit geistig Verwirrten oder islamischen Selbstmordattentätern zu tun haben.
Das ist wohl das Supercoole, wie Judith Grohmann in ihrem Mail beschreibt, mir war das manchmal etwas zuviel, der Kopf rauchte, so daß nur spekulärsten Fälle haften blieben.
George Bush in Wien 2006, beispielsweise, als seintetwegen die Stadt zu einer Geisterstadt wurde, Hubschrauber in der Luft kreisten, das Hotel für ihn gesperrt wurde, in dem er, wie ich in der Zeitung, las, trotzdem lächelnd und winkend, wie eine Marionette herumgeirrt sein soll, was mich dann bei der „Sophie Hungers“ zu einer Szene inspirierte.
Judith Grohmann war dicht am Geschehen, hat die verschiedenen Einsatzgruppen bei ihren Einsätzen ein Jahr begleitet und denkt heute noch an die guten Jungs, die für Gerechtigkeit und Frieden ihr Leben einsetzen.
In Holland wurde Theo van Gogh ermordet, Leon der Winter hat ein Buch darüber geschrieben, in England sollte Victoria Beckham entführt werden, in Deutschland ist beim RAF-Einsatz sogar ein kleiner Fehler passiert und in Moskau stürmten die Tschetschenen ein Theater, als dort ein Musical lief.
Die Spezialtruppen leiteten Giftgas ein, an dem nicht nur die Entführer, sondern auch die Österreicherin im Publikum ihr Leben ließ.
So ganz geheim können die geheimen Einsätze also nicht sein, zumindestens die spekulären findet man in der Zeitung, obwohl Judith Grohmann in ihrem Nachwort erwähnt, daß sie jetzt versteht, warum das alles geheim bleiben muß. Soviel an Information würden wir nicht aushalten. Jetzt wissen die, die nach dem „coolen Buch“ greifen, davon. Einiges habe ich schon vorher gewußt.
Judith Grohmann, die sehr selbstbewußt für sich und ihr Werk Werbung zu machen versteht, scheint schon an einem zweiten Teil zu arbeiten, in der „Wiener Zeitung“ gab es auch ein Interview, das Michael Schmölzer, Hilde Schmölzers Sohn mit Judith Grohmann über die geheimen Terroreinsätze machte. Einen Fototeil, wo man Judith Grohmann im schwarzer Rüstung, blonden Haaren und dem Helm am Schoß im Einsatzwagen sitzen sieht, während die coolen Burschen mit angelegten Gewehren daneben stehen, gibt es auch.
Und wie die Geiselnahmen und die Verhandlungen in einem slowenischen Gefängnis passieren, habe ich erst unlängst woanders gelesen.
Interessant wäre auch, was Ilija Trojanow zu dem Buch sagen würde?

2014-02-25

Die Entdeckung der Liebe

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:10

„Dieses Buch hat mich berührt und begeistert. Es ist wunderschön“, schreibt Amos Oz aufs Cover von Judith Katzirs „Entdeckung der Liebe“, eine Entdeckung aus dem Bücherschrank und ein Buch einer mir bisher unbekannten israelischen Autorin, 1963 in Haifa geboren, über die im Netz sehr wenig zu finden ist.
Berührt hat mich das Buch ebenfalls und die so ungehemmt geschilderte Beziehung zwischen einer vierzehnjährigen Schülerin und einer zwölf Jahre älteren Lehrerin, mich auch ein wenig ratlos gemacht, da das ja eigentlich ein Straffall ist, eine Traumatisierung auslösen sollte oder als Jungmädchenfantasie durchgehen könnte, vertraut, die vierzehnjährige Rivi, diese Geschichte ja ihrem Tagebuch an und schreibt darin Briefe an Anne Frank, was man auch als unverschämt oder kitschig, was auch immer bezeichnen könnte. Ich dürfte so etwas wahrscheinlich nicht schreiben und es ist auch die Frage, ob die Literatur das, was man im Leben verwerflich findet, verherrlichen soll?
Zu Beginn des Buches ist Rivi achtunddreißig und eine mehr oder weniger berühmte Schriftstellerin, verheiratet, Mütter zweier Töchter und fährt nach Haifa zum Begräbnis ihrer Literaturlehrerin Michaela. Es gibt Begegnungen mit alten Freundinnen, deren Familie und was auch immer, dann fährt Rivi an den Strand und sucht nach in Plastiktüten verpackten Heften, in denen sie in den Siebzigerjahren Tagebuch führte, beziehungsweise als Kitty Briefe an die „Liebe Anne!“, schrieb.
Sie findet sie nicht gleich, denn die hat der „Zehn Groschen Joe“, ein Obdachloser, der dort wohnt, längst gefunden, gibt sie ihr wieder und so gleiten wir in drei Teilen in die Entdeckung der Liebe der vierzehnjährigen Rivi ein, die zwei kleinere Brüder hat, eine Mutter, die in einem Reisebüro arbeitet, einen Vater, der von ihr hinausgeworfen wird und der dann nicht mehr mit der Tochter spricht, sondern nur mehr die Brüder abholt.
Die Tochter hört an einem Ohr schlecht, hat Panikattacken, abgebrochene Zähne, trägt eine Brille und ist eine Bücherwürmin, die sich in die Welt von Sylvia Plath, Anne Frank, etc hineinversinkt und auch selbst Gedichte schreibt.
In diese Situation kommt die sechsundzwanzigjährige Michaela in die Klasse, die sich gerade erst mit einem jungen Arzt verheiratet hat, liest den Schülern Gedichte vor und fordert sie auf, einen Brief an Anne Frank zu schreiben. Der beste Aufsatz darf dann am Holocaust-Gedenktag vorgelesen werden. Rivi, die sich in Michaela verliebt hat, wird ausgewählt und leidet schrecklich, weil sie das mit einer ungebügelten Bluse tut und die Mutter damit unzufrieden ist.
Michaela findet die weinende Rivi und gibt ihr einen Kuß. Im zweiten Tagebuch wird dann das zweite Jahr beschrieben, wo Michaela Rivis Liebe erwidert, sie ständig zu sich einlädt, sie nach der Schule in ihrem Auto, Rosinante, der Hund heißt Dulcinea, an den Strand oder in den Wald fährt und sie sich dort in die Arme fallen. Der Ehemann wird eifersüchtig, die Mutter mißtrauisch, ein Polizist erwischt die Beiden und Michaela wird auch noch schwanger, damit sie ein Alibi hat.
Im dritten Heft, dazwischen fährt die erwachsene Rivi vom Begräbnis, nach Tel Aviv nach Hause, wo sie Mann und Kinder erwarten, findet Rivi einen Freund, den malendenden Absolon, der von den Lehrern Karikaturen zeichnet, um herauszufinden, daß sie nicht nur lesbisch ist und der Freund der Mutter ist endlich geschieden, so daß er bei ihr einziehen kann.
Er ist sehr ordnungsliebend, so findet die Mutter, Nacktfotos von Rivi und Michaela und auch die Tagebücher, schleppt sie in die Schule, Rivi wird zum Direktor gerufen, leugnet alles ab, sagt „Das ist nur Fantasie!“, vergräbt die Bücher, Michaela kündigt in der Schule und geht mit Mann und Sohn, der Kleine, der im ersten Lebensjahr viel weint, wird sich später zum Autisten entwickeln, nach Amerika. Rivi entwickelt sich zur Schriftstellerin, lernt irgendwann ihren Mann kennen, bekommt ihre Kinder und fährt immer wieder nach Amerika, dazwischen schickt Michaela Geschenke an die Kinder, obwohl sie in Amerika noch andere Beziehungen zu Schülerinnen hat.
Am Schluß stirbt sie an Krebs und Rivi kehrt vom Begräbnis als erwachsene Frau zu ihrer Familie zurück.
Ein sehr ungewöhnliches Buch, das der Psychologin viele Fragen aufwirft, ob seiner Freizügigkeit. Poetisch ist es natürlich auch, aber die Mischung zwischen dem pubertierenden Mädchen mit den vielen Problemen und der starken Erotik, die durchaus positiv und als Entwicklungsstufe gesehen wird, von Traumatisierung keine Spur, ist für mich ungewohnt.
Dazwischen wird auch immer wieder über die israelische Politik der Siebzigerjahre erzählt und die Geschichte der Holocaustopfer thematisiert.
Geraucht wird in dem Buch auch noch sehr viel, das ist inzwischen ebenfalls sehr ungewöhnlich und geht man zu den „Amazon-Rezensionen“ erstaunt, daß dort die starke erotische Komponente, die ja eigentlich verboten ist und ginge es um einen Lehrer, wohl auch Abscheu hervorrufen würde, als eindimensional und als Frauenroman beschrieben wird.

2014-02-24

Lyrik zwischen S und S

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:47

Richtig der“ Tag der Lyrik im März“ naht in Bälde, im Literaturhaus gab es schon den traditionellen Folder des „Literaturkreis Podium“ und Friedrich Hahn widmete seine heutigen „Textvorstellungen“ auch der „Lyrik zwischen Spontantät und Sitzfleisch“, lud zwei Autoren und eine Autorin mit ihren Lyrikbänden und Textminaturen ein und erwähnte in der Einleitung, daß in seinen Workshops oft diese Frage gestellt würde, ob das Gedicht aus einem Einfall entsteht oder man daran arbeiten müße?
Die meisten Lyriker werden wohl auf das Zweite bestehen, die Slamer sind vielleicht spontaner und so saß auch Markus Köhle mit einem Notizbuch im Publikum und Gabriele Ecker von der „Literaturedition Nö“ einige Reihen hinter mir, aber zuerst kam der Burgenländer Michael Hess mit zwei Bänden aus der „edition lex list“, wo sich Friedrich Hahn nach dem Namen dieser Edition erkundigte. Wenn ich mich irre, wurde das bei der Veranstaltung im Literaturhaus erwähnt und der mir bisher unbekannte Autor, Texter, Bibliothekar und Historiker überraschte mich schon mit seinem ersten Gedicht. Das wollte ich schon mal meinen Klienten sagen. Dann kam die „Panonninsche Küche“ und das Gedicht von der Omama mit der weißen Schürze, den Ansichtskarten von den Enkelkindern, den Heiligenbild im Schlafzimmer und und die fehlen wird und das mit dem „Bass im Bus“, all das im burgenländischen dialekt, flott vorgetragen, einiges vertont und am Schluß kam noch ein Lied.
Das ist spontan entstanden wurde von Friedrich Hahn vermutet und bestätigt und war für mich sehr frisch und spannend.
Auch die 1959 in Neustift bei Scheibbs geborene Barbara Pumhösel, die in Italien lebt war mir unbekannt. Sie hat früh zu schreiben und spät zu publizieren begonnen, wie Friedrich Hahn erfragte und 2013 zwei Gedichtbände herausgebracht.
„dammar“ zu Bildern von Walpurga Ortag-Glanzer in der „Literaturedition Nö“ und „Parklücken“ in der „Neuen Lyrik aus Österreich“.
Hier geht es auch um „Grenzlinien“ und „Zwischenräume“ – Linien, Fläche, Raum wie die Autorin erklärte, die ihren ersten Lyrikband auch in Italienisch geschrieben und auch schon einige italienische Kinderbücher hat und im Gespräch mit Friedrich Hahn meinte, daß sie eine „Feilerin“ sei und ein Gedicht oft erst Jahre später fertigstelle und verändere.
Der dritte Autor, ebenfalls mir bisher unbekannt, kam aus Linz, der 1945 geborene Xaver Remsing, der auch schon aus dem Italinischen übersetzt hat und in „verbal polaroids“, englisch ausgesprochen, eigentlich Prosaminiaturen geschaffen hat, die sehr interessant waren.
Da gab es eine über „Woyzek“, der mit einer Suppentasse auf einer Hotelterrasse steht und einem Reh, das sich am Tag in ein Stück Holz verwandelt und sich am Abend in seiner wahren Gestalt erhebt.
Am Schluß las der Autor dann doch ein Gedicht und Friedrich Han erwähnte die „Lyrik der März der GAV“ und lud alle dazu ein, aber da werde ich in Leipzig sein und so war die frühe Vorstellung von drei mir bisher unbekannten Autoren, eine gute Gelegenheit an die „Lyrik im März“ zu denken und auch den Podiumsfolder aufzuschlagen und darin zu schmökern.

2014-02-23

Von den IG-Autoren zur anderen Buchmesse

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:27

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Das schreibe ich jetzt schon zum fünften Mal, denn seitdem gibt es die von Margit Kröll beziehungsweise dem „anderen Buch“, einer Selbstvermarkteraktion, origanisierte Buch- und Leseveranstaltung, die diese im Anschluß an die GV der IG veranstalten.
Die GV der IG-Autoren, bei der ich schon seit zwanzig oder dreißig Jahren Einzeldelegierte bin, hat früher im November stattgefunden. Dann hatte Gerhard Ruiss einen Zusammenbruch und die Veranstaltung mußte auf Februar verschoben werden, was seither beibehalten wird. Margit Kröll, die Kinderbetreuerin in einem Kinderhotel, ich glaube, in Tirol ist und auch Kinderbücher schreibt, habe ich bei den IG-Autoren kennengelernt.

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Bei der ersten Buchmesse, zu der wir nach dem Spaziergang auf die Mostalm kurz vorbei schauten, haben wir je ein Buch gewonnen, seither gibt es den Literaturslam, wo ich immer gelesen, aber nie etwas gewonnen habe, denn das taten immer junge Schauspieler mit lustigen Kindertexten. Ich habe aus der „Mimi“, der „Absturzgefahr“ und „Kerstins Achterln“, wie ich meinte, ohnehin eine trashige Szene gelesen, das mit dem Eis und der Margret zum Beispiel.
Da ich gerne lese, habe ich Margit Krölls und Nicole Engbers Einladung wieder angenommen und werde das „Grufiemädel“ aus der „Brüderschaft“ lesen.
Vor zwei und drei Jahren war die Veranstaltung in einem Architekturbüro in der Seidengasse, also vom Literaturhaus gut zu erreichen. Im Vorjahr am Yppenplatz und jetzt im „Werk“ in der Spittelauerlände. Also ganz weit, was nicht so gut ist, weil ich mich ohnehin ein bißchen krank fühle. Aber ich werde mir einen Tagesfahrschein leisten. Im Vorjahr, kann ich mich erinnern, bin ich durch den Schnee ins Literaturhaus gestapft und habe mich geärgert, daß den am Wochenende offenbar niemand wegräumte, mir aber ein kleines Buchwerbebüchlein von Johannes Mario Simmel aus dem Jahr 1948 überließ.

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Heuer war es schön warum und die GV beginnt meistens mit einem Frühstück, beziehungsweise mit Kaffee und Kuchen vom Buffet. Zu meiner Überraschung habe ich Robert Eglhofer gesehen, der das erste Mal bei der IG war.
Überhaupt sehr viele neue Gesichter, das habe ich schon bei der Regionalversammlung festgestellt, aber auch die alten der Vorstandsmitglieder und die Kollegen aus den Bundesländern, die ich nur bei den GVs sehen. Auf einen Tisch lagen die Zettel mit den Anträgen auf, die besprochen werden, aber zuerst gab es den Kassenbericht und dann Gerhard Ruiss Bericht zur Festplattenabgabe, die, wie er betonte, sehr gute Chancen hat, umgesetzt zu werden, weil der neue Kulturminister dafür steht und dann die anderen bekannten Themen, die Zentralmatura zum Beispiel, über die Ludwig Laher, der sich diesbezüglich sehr engagiert, berichtete und über die man derzeit sehr viel hören kann, weil es jetzt die ersten Probedurchläufe gibt, alle verunsichert sind und auch schon in den Nachrichten die Frage aufgerufen wurde, ob man überhaupt noch eine Matura braucht, wenn man für das anschließende Studium ohnehin überall eine Aufnahmsprüfung machen muß?

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Über die Verlagsförderung wurde gesprochen und darüber, daß nur die Verlage die bekommen sollen, die ihren Autoren auch Tantiemen zahlen und literarische Produktionen haben und nicht etwa Kochbücher oder Wanderführer verlegen und darüber, daß der ORF das Funkhaus in der Argentinierstraße ausgliedern oder verkaufen will, was ich auch schon in Ö1 oder in der „Alten Schmiede“ hörte.
Die Festlegung der Mindesthonorare für Lesungen war auch ein Thema. Da geht es mir als Semiprofessionelle ja seltsam, denn ich lese umsonst, wenn ich nicht anders kann. In der „Alten Schmiede“ gibt es ein Honorar, das den Mindestanforderungen entspricht, aber sonst, reiche ich meist, wie auch bei der Buchmesse, den GAV-Honorarzuschuß ein, den man zweimal im Jahr bekommen kann.
Das Burgtheater ist auch in der Krise, das geht die IG zwar nur insofern etwas an, weil vielleicht die Probebühnen im Casino oder Arsenal eingespart werden, die auch Stücke von jungen Autoren aufführen und dann brachte Sylvia Treudl einen Antrag zur elektronischen Gesundheitsakte ein, die ja im nächsten Jahr kommen soll. Zwar auch kein primär literarisches Thema, höchstens für einen Verschwörungsroman, aber viele Ängste auslöste.
Dazwischen gab es zu Mittag Würstel, am Nachmittag Kaffee und Kuchen und am Abend noch einmal Smalltalk beim Buffet. Leider fühlte ich mich gesundheitlich etwas angeschlagen, so daß ich mich sowohl beim Essen als auch beim Smalltalk zurückhielt. Die Ruth ist aber wieder, wie im vorigen Jahr, von ihren Familienschiurlaub zurückgekommen und hat mit Schischuhen und Gepäck das Literaturhaus betreten. Am Sonntag gabs dann noch die Wahl, die jedes zweite Jahr stattfindet, wo der Vorstand bestäigt wurde, beziehungsweise durch den freigewordenen Platz von Rolf Schwendter ersetzt wurde.

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Dann ging es am Bücherschrank vorbei, wo eine Frau gerade am Ausräumen war, in die Spittelauerlände, in das „Werk“ im Stadtbahnbogen, einer freigewordenen Autowerkstatt, das ich wider erwarten erstaunlich schnell gefunden habe und als ich vor halb vier dort eintraf, war die Lesung von Ingeborg Anna Ortner, von der der Alfred vor vier Jahren das Buch „Erdenschwer“ gewonnen hat, aus „Der Falke aus Kurdistan“ über einen Flüchtling, der aus dem Irak nach Österreich gekommen ist, schon fast vorbei und das Theaterstück „Der Hase Donnerstag“ nach dem Buch von Nicole Engbers ebenfalls.
Während Margit Kröll zauerte bin ich ein Stück am Donaukanal spazierengegangen, denn es war herrlich schönes Frühlingswetter.
Dann kam Manuel Dragan der Vorjahrssieger mit einer Lesung über „Regentropfen“ und einigen Tiergedichten, die er wieder nach Heinz Ehrhardt geschrieben hat.
Dann kam der Slam, diesmal vier Damen, die fünfte angemeldete, hat sich offenbar nicht zu kommen getraut. Ich habe zum dritten Mal als Erste gelesen und wieder nicht gewonnen.
Dann kam Bettina Ferbus mit einer Kindergeschichte, „Die Möwe und die Nixe“, wo die kleine Möwe so gerne eine Nixe werden will und ihr das schließlich durch Mut und Beharrlichkeit gelingt.
Die dritte oder vierte Leserin war eine Sechzehnjährige, von der ich vorher hörte, daß sie nicht als erstes lesen hätte wollen. Es war ihre erste Lesung und sie hatte einen Fantasytext, wo eine starke Dame erlebt, daß es sich nur für die Liebe zu kämpfen lohnt.
Danach kam Manuela Forst, die schon im Vorjahr gelesen hat mit einem Drachenfantasyprojekt und danch wieder Paul Fülöp aus Tirol mit seinen meditativen Texten zu denen er diesmal eine mediative Textbegleitung des Santurspielers Iman Khammar hatte.
Dann kam eine lange Pause, wo „Novi Sad“, die nach Torsten Low ihr Konzert hatten, ihre Instrumente aufbauten, die Lesung von Hemma Schliefnig, die nach der Preisverleihung lesen hätte sollen, entfiel und mir wurde langsam kalt, so daß ich nach der Preisverleihung, wo, wie von mir vorausgesagt Bettina Ferbus mit ihren Kindertext und die Sechzehnjährige gemeinsam gewonnen hat, gegangen bin.
Natürlich etwas enttäuscht, daß es nicht klappt, obwohl die andere Buchmesse, das von den IG-Autoren beschlossene Mindesthonorar für die gewonnene Lesung höchstwahrscheinlich ohnehin nicht bezahlt hätte und ein interessanter Lesungsnachmittag und Abend war es allemal, obwohl weniger Leute und insgesamt auch weniger Programm.
Mit einer Journalistin, die mich für eine Frauenmagazin interviewen will und das auch schon mit Ilse Kilic hat, habe ich gesprochen, Deutschlands jüngste Verlegerin, die wir auch in Leipzig besuchen können, ist wieder ein Jahr älter geworden und als Nachtrag zur IG-GV kann ich von einem Mail von Karin Invacsics berichten, der ich beim Kaffee erzählte, daß ich „Wanda wartet“ gelesen habe, in dem ja steht, daß ich ihr Lieblingsbuch „Aufzeichnungen einer Blumendiebin gerne finden möchte. Jetzt will sie es mir schicken. Und der Slam wurde von Heidelinde Gratzl mit dem Akkordeon untermalt, die bei den „Wilden Worten“ mit Dagmar Fischer kennenlernte.
Und hier das Video von meiner Lesung

2014-02-22

Arbeitsbericht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 08:14

„Wie gehts mit dem neuen Projekt? Ist das erste Kapitel schon geschrieben?“, werden meine Leser vielleicht fragen.
Nein, habe ich nicht. Keine Zeile, obwohl ich schon einen Titel habe.
„Anna kämpft gegen das Vergessen!“
Dann ist mir noch ein „oder Titel“ eingefallen, den ich aber wieder vergessen habe. Als ich am Mittwoch den euphorischen Neubeginn-Bericht geschrieben habe, mit der Anna anschließend essen war, beim „Wortschatz“ drei ganz gute Bücher für mich und acht „Reader Digest“ für die Oma gefunden habe, habe ich nach meiner drei Uhr Stunde, bis zu dem Zeitpunkt, wo ich ins „Jüdische Museum“ ging, beginnen können und bin nervös geworden. Das ist so eine Altlast bei mir, ich setze mich vor das Blatt oder jetzt vor den Laptop und im Hirn rast die Gedankenkette ab „Du kannst es nicht! Das wird sicher wieder nichts! Nicht immer über alte Leute und über Bücher schreiben!“
Das hat mich schon bei einigen meiner Bücher an die Wand schreiben lassen, wo ich dann mit den halbherzigen Versuchen übergeblieben bin. Jetzt nachdem es das das siebenunddreißigste Buch und vierdreißigste Selbstgemachte wäre, gehe ich damit natürlich schon ein bißchen anders um. Sage mir „Hör mal, Eva, natürlich kannst du schreiben, da gibt es ja die lange Reihe mit den kleinen weißen und den zwei grünen Büchern in deinem Regal. Aber du hast auch deine Schwächen und das wäre wieder eine Chance darüber hinwegzukommen und irgendwo stehst du ja bei deinem Schreiben! Hole dich da ab, sei geduldiger, laß dir Zeit etc!“
So weit so gut und vollkommen richtig, die Krisen, die ich vor zwei Jahren hatte, zeigen aber, daß das Problem vielleicht ganz woanders liegt. Da schreibe ich und schreibe und keiner nimmt es wahr und niemand merkt es.
Was kann man dagegen machen? Eigentlich hätte ich da ja etwas ganz Tolles dagegen zu setzen, nämlich das Literaturgeflüster und meine Schreibberichte, das Problem ist da aber auch, daß mir auch da keiner mailt „Schick mir doch mal ein Rezensionsexemplar, ich schaue es mir gerne an!“
Nein, nichts, das große Schweigen ist die Reaktion, so als gäbe es meine zweiunddreißig selbstgemachten Bücher nicht. Und als ich zum dreißigsten das große Gewinnspiel machte, ist keine einzige Reaktion darauf gekommen.
Muß ja nicht, aber was kann ich anders machen? Natürlich einiges, ich könnte mir Zeit lassen, zum Beispiel und das habe ich ehrlich vor, bis zum, sagen wir einmal dreizehnten Oktober, wenn Stockholm natürlich wieder nicht anrufen wird, für den Rohentwurf, dann laße ich es mir lektorieren, streiche meine falschen „S“, Fälle, etc, heraus und schicke es unter einem Pseudonym, mit einem ordentlichen Expose versehen an die Verlagswelt.
Das hat mir Gerhard Jaschke einmal geraten, als er auf mich böse war, als ich ihn um seine Hilfe bezüglich des Literaturhauses gebeten habe.
„Mache ich natürlich nicht!“, habe ich damals gedacht.
Wahrscheinlich hat er recht, ich mache es aber wahrscheinlich trotzdem nicht und stelle das Ergebnis von Buch einunddreißig, zweiunddreißig, etc, wahrscheinlich auch nicht auf „Amazon“, weil ich mir denke, das wird sicher wieder nichts, obwohl ich das natürlich nicht wissen kann, wenn ich es nicht probiere.
Das ist schon klar. Aber alles was ich probierte, ist ja herrlich schiefgegangen und hat in einem Fettnäpfchen geendet, das Selbermachen beispielsweise, das ich an sich, 2000, als ich damit begann, für eine Superidee hielt. Dann sparte ich mir aber die ISBN-Nummer und keiner schaut es an, nimmt es wahr und Wikipedia hat mir die „Digis“ hinausgestrichen, obwohl das Selbermachen ja inzwischen in und eine neue Möglichkeit ist. Wie komme ich also aus den Fettnäpfchen und zwischen den Stühlen, zwischen denen ich offenbar sitze, hervor?
Mir die Frage stellen „Hör mal, Eva, wo stehst du und da setzt du einfach an und machst weiter!“, ist wahrscheinlich der erste Punkt. Das Zeitlassen bis Oktober, wenn es geht, wenn es nicht geht, macht es natürlich auch nichts, aber ich habe noch nicht mit dem Schreiben angefangen, sondern mir zuerst einmal die Ideen notiert.
Da halte ich derzeit bei der Buchhändlerin, Anna fünfundsiebzig, die bei sich Alzheimer diagnostiziert und sich mit ihren Büchern therapieren will. Sie hat einen Sohn, Hans fünfzig, Bankbeamter, der seinen Zynismus und seine Hilflosigkeit hinter englischen Floskeln verbirgt „Da machen wir ein Outscoring!“, beispielsweise, eine Enkeltochter Johanna, fünfundzwanzig, die Literaturwissenschaft studiert hat und sich nach dem Tod der Oma als MAS-Trainerin ausbilden läßt. Sie stellt den Bericht über Anna auch auf ihre Seite als Blogroman. Und der pensionierte Verlagsleiter M.K findet ihn und nimmt darauf Bezug, das wären drei Ebenen, auf denen ich mich austoben könnte.
Da bei mir aber „nichts passiert“, beziehungsweise ich zu wenig abgehoben schreibe, habe ich gedacht, bevor ich beginne, sammle ich mal Plots, da kann ich mich ja durchaus an die Bücher, die ich lese anlehnen und schreibe ein paar Szenarien. A, B, C, Anfang, Mitte, Schluß, Spannungsbögen etc.
Dann natürlich, was ich schon früher machte, zu meinen Selbstgemachten gehen und das was davon über alte Leute und Bücher handelt, herausnehmen und durchlesen und dann zum Zeitungsstapel und da nach anderen Personen und Handlungsbögen suchen.
Da gibt es ja noch den falschen rumänischen Arzt, den alten Hausarzt und die Idee, daß Anna über ihre Bücher Geschichten ins Netz stellt. Anna ungelesene Bücherregale beispielsweise, damit müßte ich ja bis Oktober beschäftigt sein, denke ich jetzt, aber was weiß man schon genau?
Anni Bürkl verlost auf ihren Blog ein Gratiscoaching, wenn man auf seinen darüber einen Artikel schreibt und ihr ein Expose und das erste Kapitel schickt, aber das habe ich ja noch nicht und sie ist ja wegen dem getauschten Buch vor Jahren böse auf mich. Es wird also ohne gehen, weil ich ohnehin nicht ganh sicher bin, ob mir ein Coaching wirklich etwas bringt oder das ist, was ich brauche?
Ich müßte die Freude an meinen Figuren finden und nicht aus lauter Angst, daß ich das, was ich schon habe, schon wieder nicht gelungen ist, mich verkrampft an die Wand schreibe, sondern bis Oktober experimentieren. Dann kriegt es der Alfred und ich kann immer noch entscheiden, traue ich mich mal das bei „Amazon“ einzustellen, aber die Leser können ja auch auf den Blog reagieren und nicht immer denken, das „Selbstgemachte interessiert uns nicht!“
Das ist schon ein Dilemma, weil ich ja wirklich nicht weiß, wieso es ausgerechnet bei mir nicht geht, so schlecht und so blöd bin ich ja sicher nicht! Warum sitze ich dann immer in den Fettnäpfchen und keinen interessierts, was ich über Alzheimer schreibe, obwohl das sicher ein interessantes Thema ist und ich, auch wenn ich nicht so abgehoben und auch ein bißchen fehlerhaft schreibe, das sicher kann, weil ich wahrscheinlich schon mehr, als die meisten anderen, die Erfolg haben, geschrieben habe.
Die Fehler kann man weglektorieren und wie es mir mit einem Plot und einer trashingen Handlung geht, werde ich herausfinden. Zu Trashing braucht sie ja nicht sein, sondern mich frei und nicht gegen die Wand schreiben und dann versuchen, vielleicht doch einmal bemerkt zu werden.
Ich habe es wieder vor. Ein paar Seiten schon in meinem Notizbuch notiert, als nächstes kommen die Bücher und das Plotschreiben und das Szenenschreiben in der Schreibgruppe, hat mir bei der „Brüderschaft“ ja auch geholfen.
Ein bißchen Feedback wär natürlich gut, aber was macht man wenn es nicht kommt? Weiter schreiben und die Berichte in den Blog stellen. Vielleicht wirds auch ein Blogroman und vielleicht bekomme ich auch noch einen anderen Handlungsbogen, wenn ich mich dann demnächst an die Materialrecherche mache. Und das kann ich bis Oktober ja überall tun, demnächst in Leipzig, dann gleich in Ungarn, wo wir wieder paar Tage hinfahren werden und dann natürlich im Sommer bei den selbstgemachten Schreibklausuren, in die ich mich ja wieder begeben kann.

Rauschen im Kopf

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:53

Jetzt gibt es die Besprechung von „Rauschen im Kopf“, dem Roman des 1948 in Maribor geborenen slowenischen Schriftstellers, Drago Jancar, der 1998 als bester slowenischer Roman ausgezeichnet wurde, bei Zsolnay erschienen ist, von der städtische Bücherei ausgeschieden im Schrank landete, wo ich ihn gefunden habe.
Drago Jancar ist mir wahrscheinlich schon wegen der Ähnlichkeit des Namens, obwohl meiner, beziehungsweise meine Großmutter ja aus der Tschechei stammt, ein Begriff.
Von „Katharina und der Pfau“ habe ich eine Leseprobe. In der“Alten Schmiede“ beziehungsweise bei „Jugoslawia Revisited“ habe ich ihn gehört.
Der Roman beginnt ganz altmodisch mit einem Erzähler, der im Sommer 1975 in einer uralten k.u.k Strafanstalt der Stadt M., von dem Insassen Keber, der als Weltmann und Soldat, der die Welt bereiste, und vielerlei gesehen und in viele Kämpfe verwickelt war, geschildert wird, die Geschichte des Gefängnisaufstandes der Livada geschildert bekommt, die er mit dem jüdischen Aufstand und der Belagerung Masadas vermengt.
Ganz idyllisch wird das geschildert. Von der Hotelterrasse nebenan klingen Musikklänge und der große Keber hat nur zwei Macken, er kann keine obszönen Gesten, kein „Leck mich am Arsch“, sehen und hält das Scharren von Metalllöffeln nicht aus, hat er doch ständig ein „Rauschen im Kopf“, so der Name der Geschichte und damit hat es in der Livada auch angefangen.
Denn da wurde ein Basketballspiel, Jugoslawien gegen Amerika übertragen, das die Häftlinge gerne sehen wollte. So handelte Keber mit dem „Alten“, das ist der Direktor und ein bedächtiger Mann, aus, daß nur drei Wachen dabei sein sollten, damit es auch gemütlich ist. Wärter Albert spielte nun mit seiner Waffe, provozierte damit Keber und als er noch den Fernseher abdrehen wollte, drehte der durch und schmiß den Fernseher aus dem Fenster und so kam es zu dem Aufstand.
Wärter wurden als Gefangene genommen und Keber und sein Kumpan Johann mit dem Goldzahn marschierten in die Zelle des Buchhalters Alois Mraks, einen belesenen Mann, der den Gefangenen die Gesuche schreibt und machten ihn zum Sprachrohr und damit entglitten die Ereignisse, mit denen Dragor Jancar wohl zeigen wollte, daß Revolten meistens oder auch immer in Terror und Unterdrückung ausarten.
Vergleiche mit der russischen Revolution und der „Animal Farm“ werden in den Rezensionen angestimmt und Dragor Jancar erzählt den Verlauf der gescheiterten Revolution sehr langsam und bedächtig in über zweihundersechzig Seiten mit vielen Rückblicken und den alltäglichen Grausamkeiten eines Gefängnisalltages, die sehr bald entgleitet.
Frauen aus Kebers Leben, die Huren Katharaina und Mascha in Odessa und die Kellnerin Leonica in Ljubljana, von der sich Keber nicht ganz sicher ist, ob nicht Johann etwas mit ihr hatten, kommen in Kebers Gedanken vor und auch der jüdische Aufstand wird als Methapher immer wieder daneben gesetzt.
In der Levada werden aber zuerst Forderungen aufgestellt, nach besseren Essen, besseren Haftbedingungen, besserer Hygiene, wogegen wahrscheinlich nichts zu sagen ist, Keber fordert aber auch die Wiederholung des Basketballspiels, worauf der Minister mit dem Alois Mrak verhandelt, zu lachen beginnt.
Eine schöne Journalistin wird eingeschleust und Keber darf sich mit ihr unterhalten und als der Gefängnispsychologe, die Haftbedingungen der Wärter inspizieren soll, läßt man ihn nicht mehr hinaus. Alois Mrak reißt indessen bald die Macht mit sich, ein Denunizant macht sich zum Polizeiinspektor, die anderen Häftlinge werden gequält, mißhandelt, gefoltert in der Friseurstube, in der ein Richtermörder das Kommando hat.
Auch Keber wird bald die Macht entrissen, man muß sich anmelden, wenn man zum Direktor will, der philosophiert in der Nacht mit dem Gefängnispsychologen, bringt ihm das Saufen bei und verkauft die Wächter nach und nach gegen Essen, das nicht gerecht verteilt wird.
So kommt es wie es kommen muß, Mrak gibt die Erlaubnis, daß der Innenminister mit dem Hubschauber landen darf, drinnen war aber ein Sonderkommando und Mrak wird ganz genau, wie in der franhzösischen Revolution von ihr aufgefressen.
Revolutionen lohnen sich nie und Aufstände geraten schnell in eine Diktatur, ist wahrschein das, was Drago Jancar, der selbst einige Jahre wegen „feindlicher Proaganda“ inhaftiert war, sagen will.
Ein interessanter Roman schon wegen seiner Schreibweise und der bedächtigen Art in der mit vielen Wiederholungen, das erzählt wird, was eigentlich schon auf den ersten Seiten klar ist.
Am Schluß geht es wieder an den Anfang, das heißt in das k.u.k Gefängnis der Stadt M. zurück, wo Keber erzählt und die Band auf der gGegenüberliegenden Hotelterrasse ihr „Besa me mucho“ „Küß mich wild“ spielt.

2014-02-21

Punk Pygmalion

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Vor cirka zwei Wochen habe ich von einer Melusine Barby alias Jutta Pivecka ein Mail bekommen, das mich auf das Romandebut „Punk Pygmalion,“ in der Schweizer „edition taberna kritika“ erschienen, der auch Texte von James Joyce, Hartmut Abendschein, Elisabeth Wandler-Deck und Sudabeh Mohafez, verlegt, das im Blog „Gleisbauarbeiten“ entstanden ist, aufmerksam machte.
Nun denkt man bei Melusine Barby wahrscheinlich an Fantasy für Girls.
Der Blog „Gleisbauarbeiten“ gehört aber zu dem Lit.Net.Blogs-Projekt, über das Christiane Zintzen immer berichtet, zu dem auch die „Dschungl-Anderswelt“, E.A.Richter und einige der genannten Autoren gehören und Blogromane interessieren mich sehr und so habe ich mich, während ich auf das Buch gewartet habe, auch ein bißchen eingelesen und herausbekommen, daß Jutta Pivecka 1965 geboren wurde, in der Nähe von Frankfurt am Main lebt und Kunstgeschichte, Literatur- und Politikwissenschaft studiert hat.
Es gibt einen zweiten Blogroman von ihr, der von einer Melusine handelt und „Punk Pygmalion – Roman in Briefen“, was genau genommen eigentlich „mit Briefen“ heißen sollte, entstand zwischen 2010 und 2012.
Das Buch besteht aus drei Teilen, die die Namen Ansgar, Lars und Emmi tragen, drei Zeichnungen von der Autorin gibt es auch, Helmut Abendschein, den ich auch von Christiane Zintzens Blog kenne, hat das Lektorat übernommen.
Und Pygmalion, bekannt durch Bernhard Shaw, ist die Geschichte von dem Bildhauer, der sich in seine Skulptur verliebt, die dann lebendig wird.
Hier beginnt es anders. Die Ich-Erzählerin M. genannt, Kunstgeschichtlerin, verheiratet, zwei Kinder und nicht sehr glücklich, fährt 2010 nach Berlin um ihrer frisch geschiedenen Freundin Emmi, beim Umzug zu helfen. Dabei finden sich Briefe, die in den Achtzigerjahren von den in Dänemark lebenden Hamburger Ansgar geschrieben wurde, den Emmi 1983 am Wannsee kennenlernte. Sie haben dabei auch eine Leiche gefunden.
Ansgar fährt nach Dänemark zurück, wo er bei seinen Vater lebt, BWL studiert, obwohl er Bildhauer werden will, er wird als grober Mann mit groben Händen geschildert und schreibt nun Briefe an die siebzehnjährige Emmi, er selbst ist zweiundzwanzig, wo er sie zu seinem Ebenbild formen will. Er drängt ihr seinen Musikgeschmack auf, Emmi läßt sich eine schwarze Punkfrisur schneiden und dreißig Jahre später, entsteht bei den beiden Frauen der Plan, daß M. die Briefe in ihren Blog veröffentlichen soll. Sie tut das auch und Emmi gesteht ihr, daß sie Ansgar wiedergesehen hat, eine Beziehung mit ihm eingegangen ist und verschwindet dann nach Frankreich in das Ferienhaus. Es kommen nur Ansichtskarten, bzw. Mails von ihr, in denen sie M. bittet, dem Blogroman eine positive Wende zu geben.
M. googlet nach und bekommt heraus, daß Ansgar ein berühmter Bildhauer geworden, aber inzwischen verschwunden ist, so suchen seine Frau Maya und sein Sohn Lars nach ihm.
Emmis Mutter ruft an und sagt, auch Emmi ist verschwunden, sie wurde nur im Juni in dem Haus gesehen und da war sie in Beleitung eines jungen Mannes, der wie Ansgar vor dreißig Jahren ausgesehen hat.
Ein Leser macht M. auf die Möglichkeit aufmerksam, daß man im Internet fälschen kann und Emmi meldet sich wieder um, M. die Adresse von einer Frau zu geben, die ein Kind von Ansgar hat, ihn aber nach der Geburt nicht mehr oft gesehen hat. Nur einmal kam Ansgar, der schon 1983 während einer Europareise verschwunden ist, um seinen Sohn Lars, der inzwischen in Berlin an der Kunstakademie studiert, seinen Skizzenblock zu überlassen.
Im zweiten Teil „Lars“, reist M. nach Berlin um Lars zu treffen, der inzwischen in einer Galerie seine „Fatherhood-Skulpturen“, er hat die Skizzen fertiggemacht, ausstellt, er führt M. durch sein Atelier und zeigt ihr die Zeichnungen der nackten Emmi mit der er sich offenbar sein Ebendbild erschaffen hat.
Dann kommt er noch einmal zu M. und bringt ihr schließlich einen USB-Stick, wo Emmi die Geschichte aus ihrer Perspektive schildert, wo sich die Identitäten noch einmal vermischen, M. zu Emmi wird oder umgekehrt und es ist sehr interessant zu erleben, wie sich die Fiktion mit der Wirklichkeit, der Blogroman mit der Realität vermengt.
Statt eines Nachwortes gibt es noch die Erklärung, daß im Jahr 1983 vier Wasserleichen angetrieben wurden und, daß in Deutschland derzeit etwa siebentausend Personen als vermißt gelten und sich die Polizei nur einschalten würde, wenn sie minderjährig, selbstmordgefährdet oder Opfer eines Verbrechens wären.
Ich finde Blogromane, wie erwähnt, sehr spannend. 2009 habe ich ein bißchen bei Karen Wiborgs „Sechzig Grad“ mitgelesen. Auf Christian Dörings Seite gibt es einen, an dem eine christliche Autorengruppe schreibt, aber Jutta Piveckas Projekt ist experimenteller, verwirrender, vielschichtiger und für alle Interessierten, die wissen wollen, was im Netz alles möglich ist, das dann zu Papier wird, sehr empfehlenswert.
Einen berühmten Mailroman mit einer Emmi gibt es auch.
Ich blogge ja nicht gerade Literatur, sondern meine literarische Befindlichkeit, meine Veranstaltungsberichte, die Bücher, die ich lese und seit ein paar Jahren, auch regelmäßig meine Schreibberichte.
Auf die Idee einen Text direkt im Netz entstehen zu lassen, bin ich noch nicht gekommen, wäre aber interessant. Und ich habe ja auch ein Buch, das aus meinen Blog entstanden ist.

2014-02-20

Kleine Kassa

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:30

Jetzt kommt was Aktuelles, aus der „Residenz-Frühjahrsproduktion“, die mich immer so freundlich mit Rezensionsexemplaren versehen, nämlich der Debutroman, des 1974 geborenen, in Berlin lebenden Martin Lechners.
„Ein atemloses Debut, das Provinzkomödie mit literarischer Virtuosität verbindet“, steht in Klappentext und das machte mich ein wenig ratlos, war die Geschichte des Lehrlings Georg, der da mit einem Koffer durch die Gegend stolpert, teilweise sehr bedrückend und auch so turbulent, daß ich Mühe hatte mitzukommen, um das, was da an einem Wochenende geschah zu verstehen und dann noch nach den Sinn zu fragen oder danach, ob das wirklich realistisch ist?
Aber das soll und will Literatur gar nicht, das habe ich schon begriffen, sondern unterhalten, beziehungsweise mit schöner Sprache in eine andere Welt entführen, etcetera.
Der Lehrling Georg Röhrs also, der laut Klappentext nicht der Schlauste ist, soll einen Koffer in die „Kleine Kassa“ bringen, Schwarzgeld wahrscheinlich oder Sprengstoff, das weiß man nicht so genau, er sitzt damit im Bus, beziehungsweise, steigt er aus diesem aus, weil er ein Plakat entdeckt, auf dem ein Mädchen Werbung macht, das ihn an seine gewesene Freundin Marlies erinnert und dann beginnt das Laufen, Rennen, Stolpern, das ihn das ganze Wochenende in Atem halten und sein Leben durcheinander bringen wird. Denn er versäumt dadurch die Zeit, in der den Koffer abgeben soll, zieht ihn durch ein Feld, entdeckt dabei eine Leiche und wird von einem Feldhüter entdeckt, auf dessen Mofa er dann in ein Gasthaus flüchtet, wo er Abendessen will. Schnaps trinkt er auch, die Tochter des Wirtes verführt ihn in ein Zimmer, der Feldhüter erscheint, erzählt die Geschichte und fotografiert ihn, so daß Georg in ein anderes Dorf flüchtet, den Koffer läßt er vorerst, glaube ich, in dem Gasthaus stehen, sowie seine Schuhe. Er hebt aber vom Bankomaten seine Ersparnisse ab, geht zu einem Friseur, um sich Dreadlocks machen zu lassen, um nicht erkannt zu werden. Der nimmt ihn aus, und Georg hastet, flüchtet, stolpert weiter, gerät dabei in seine Vergangenheit, erzählt von seiner Mutter, seinem Vater, hat Pahantasien wann und wie er er seinem Chef den Koffer wieder zurückgeben wird, hält auch großschnauzige Reden, wird von einem Schulkollegen angegriffen, und so weiter und so fort.
Dann geht er mit dem Koffer in ein Hotelzimmer, wo er dieselben Schwierigkeiten hat. Jetzt wird er für den Mörder des Toten auf dem Feld, von dem man nur den Namen „Robert“ erfährt und nicht, wie er dorthingekommen ist, gehalten. Georg nennt sich in dem Hotel und bei Nore, der Wirtstochter so. Er flüchtet wieder, kauft sich Schuhe, trinkt Schnaps, landet im dritten Kapitel dann in einem Einkaufswagen, wo er von Obdachlosen geschoben wird. Er verkommt äußerlich auch immer mehr, führt aber ein Radio mit sich und natürlich auch den Koffer, besucht den Vater und einen Freund, der Zivildiener in einer psychiatrischen Klinik ist, kommt dann wieder zurück zu Nore, die ihm eine Schere gibt, mit der schneidet er sich den Zopf wieder ab, um sich seinen Traum zu erfüllen und aus der Enge der Provinz in ein Hotel am Meer zu fahren, wo er Liftboy werden will.
Das hat mich teilweise, wie erwähnt sehr bedrückt, habe ich doch Schwierigkeiten mit den „Hans in Glück- Geschichten“, wo die Helden von vornherein keine Chance haben.
An den „Hundertjährigen der aus dem Fenster stieg„, hat es mich erinnert, denn der fhrt ja auch mit einem Schwarzgeldkoffer durch die Gegend und an Thomas Klupp „Paradiso“.
Am Titelbild sieht man auch eine Landstraße, die an ein Roadmovie denken läßt, aber Georg hastet ja hauptsächlich durch Felder, beziehungsweise umkreist er die heimatlichen Dörfer und ist am Ende gar nicht der Verlierer, als der er scheint? Er kommt ja immer zurück, um den Koffer zu holen oder entkommt den ausweglos erscheinenden Situationen, mit den vielen Angreifern, die sich auf ihn stürzen.
An Evelyn Grills Provinzgeschichten erinnert es mich auch und an Thomas Bernhard, was in Tagen, wie diesen nicht sehr schwierig ist, so daß ich sehr gespannt bin, auf die Eindrücke der anderen, die es noch zu lesen gilt.
Im Netz ist derzeit nicht sehr viel über Martin Lechner zu finden, dessen Buch erst vor ein paar Tagen erschienen ist. Es gibt einen Trailer, der auch nicht viel weiterhilft und eine Lesuung vor ein paar Tagen in Berlin, die ich natürlich versäumte.
Georg Klein hat das Buch „einen abenteuerlichen schmerzensüßen Heimatroman“ genannt. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich ihm zustimmen soll, habe aber einen neuen, mir bisher unbekannten Autor kennengelernt.

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