Literaturgefluester

2014-03-01

Faschingsamstag-Schreibgedanken

Filed under: Uncategorized — jancak @ 08:02

Langsam langsam komme ich mit meinen Vorarbeiten weiter und die Notizen in dem halben schwarzen chinesischen Buch mit den roten Ecken, das vor Jahren einmal sehr modern war, beginnen anzuwachsen, aber sie drehen sich um eine Buchhändlerin, die bei sich Alzheimer entdeckt und dagegen ankämpfen will und das ist zwar ein sehr interessantes Thema, aber, darum komme ich nicht herum, ich habe schon sehr viel über alte Menschen geschrieben und das scheint mich zu blockieren und produziert wahrscheinlich geradezu das „Nicht schon wieder!“ und dann hat ja diese Woche eigentlich mit einem Mißerfolg begonnen. Denn schon zum vierten Mal beim Literaturslam der anderen Buchmesse angetreten und schon zum vierten Mal nicht gewonnen. Das war zwar vorauszusehen und ist wohl nicht der richtige Ort für meine leisen sozialkritischen psychologischen Texte, aber wo ist der richtige?
Den scheint es nicht zu geben, soviel ich suche, mich bemühe, anstrenge, etc und das macht ziemlich hilflos zu denken, es scheint wirklich nicht zu gehen, da kann ich machen was ich will! Wenn ich das zu eindringlich sage, höre ich manchmal, wie vom lieben Stephan Eibel Erzberg auf meinem vorletzen literarischen Geburtstagsfest, du bist ja ohnehin so erfolgreich!
Ja, ich habe viel geschrieben, das stimmt natürlich und ist nicht wegzuleugnen, scheint aber irgendwie nicht rüberzukommen und Nicole Engbers war bei der Vorstellung beim Slam am Sonntag auch sehr erstaunt, daß ich schon zweiunddreißig selbstgemachte Bücher habe. Habe ich und manche wiederholen sich auch, manche sind besser, manche sind schlechter und um das herausszufinden, nehme ich sie manchmal in die Badewanne mit, bevor ich mit einem neuen Projekt beginne.
Das habe ich mit den „Hierarchien“ so getan, die ja in einem Kleinstverlag erschienen sind und daher einige Rezensionen hatten, eine davon, von einem Kleinverleger, der mir zuerst einen gar nicht so ablehnenden Brief geschrieben hatte, war besonders schlecht und im Lauf der Jahre habe ich auch gedacht, „Das ist dein erstes veröffentlichtes Buch, das wird noch nicht so gut sein!“
Dann habe ich es wiedergelesen, es hat mir gefallen und ich habe gedacht, da sind ja schon alle meine Themen drin. Das ist gut und schlecht sogleich, denn einmal sehr aufmunternd, andererseits wieder das Gegenteil, denn es ist ja nicht gut angekommen und bei den selbstgemachten habe ich oft nicht einmal eine Rezension und kaum Feedback.
Ju Sophie hat sich einmal die Mühe gemacht, die „Mimi“, die ich eigentlich für ein interessantes Buch halte, zu verreißen.
Gestern in Krems hat mir eine Käuferin, die schon ein paar Bücher gelesen hat, gesagt, sie gefallen ihr sehr gut.
Sonst kommt eigentlich kein Feedback und ich selber denke ja auch „ich schreibe nicht gut, das ist schon wieder nicht gelungen!“, etc und komme aus dem Zirkel des Mißerfolges und des Nichtbeachtetwerden offenbar nicht heraus, was mich auch betrifft und so schreibe ich immer wieder darüber und der Kreis schließt sich oder dreht sich immerfort weiter, etc.
Am Montag habe ich es dann geschafft, die Bücher die sich übers Alter und das Bücherlesen drehen, herauszunehmen und habe mich dann an der „Absturzgefahr“ festgelesen und wieder gedacht, das ist eigentlich sehr gut. Natürlich hätte eine geschickte Lektorin einiges straffen und wegstreichen können, selbstverständlich, aber sonst war ich vom Spannungsbogen überrascht und viel besser als ich eigentlich dachte. Was mir aber, um aus dem Kreis herauszukommen auch nicht viel nützt und von der „Absturzgefahr“ gibt es, glaube ich, keine Rezension.
Am Dienstag hatte ich dann von zehn bis fünf Stunden beziehungsweise eine Diagnostik und noch einen Befund zu schreiben, bevor ich in die Rockgasse in den Republikanischen Club gehastet bin. Am Mittwochnachmittag habe ich weitergelesen, die „Paula Nebel“ handelt ja auch von einer alten Frau und ist eine kleine leise Geschichte über den Mißbrauch den Heime ansichten können und Kinderwegnahmen. Da gibt es eine Rezension und ein paar Goodies und Vorbereitungstexte, die auch in der „5-er Edition“ enthalten sind.
Durch „Beim Sterben sollte man zu Hause sein“ und „Zwillingswelten“ sollte ich mich noch lesen, am Wochenende habe ich in der Badewanne ja Zeit dazu und dann anküpfen und weiterschreiben. Eigentlich sollte ich mich von den Wiederholungen nicht so abschrecken lassen, ich schreibe seit über vierzig Jahren und habe jetzt schon fast fünfunddreißig Bücher, schade, daß sich niemand dafür interessiert, das sollte mich aber nicht am Weiterschreiben hindern und die Anna Mitterer oder wie sie heißen wird, kann einen ganz anderen Schwerpunkt haben, wenn ich da eine Frau gegen ihren Alzheimer kämpfen lasse. So genau hatte ich das noch nicht, der Bernhard Listringer in der „Absturzgefahr“ hat zwar auch Alzheimer oder eine Demenz, aber das wird eigentlich nicht genau beschrieben und bleibt im Hintergrund.
Ich sollte mich nicht selber hindern lassen, klingt sehr gut, in der Realität kommt aber derzeit das mulmige Gefühl, wenn ich ans schreiben denke, nicht das „Kann ich nicht!“, eher „Da fällt mir nichts ein!“ oder „Nicht schon wieder“.
Am Donnerstag kam dann Judith Grohmann und hat mich durch ihr Selbstbewußtsein überrascht, als sie mir von den Aufmunterungen und den Verstärkungen erzählte, die sie beim Schreiben begleiten.
Das hätte ich auch sehr gern, ist aber nicht und sie hat mich auch sehr gelobt und nun weitermachen, anfangen oder auch etwas ganz anderes schreiben. Da finde ich im Moment nichts, was mich interessiert und die Idee mit der Materialsuche ist auch sehr vage.
Richtig, in „Standard“, „Profil“ und „Falter“ habe ich mich am Montagnachmittag auch geblättert, aber außer das ich die Anna durch die sozialen Probleme der Zeit, wie Jugendarbeitslosigkeit, Entmündigung, Bankenkriese etc stolpern lassen könnte, ist mir nichts eingefallen und das habe ich schon in der „Paula Nebel“, der „Sophie Hungers“ und wahrscheinlich noch in einigen anderen Sachen.
Am Mittwoch könnte ich mich nach der elf Uhr Stunde und vor dem MUSA auf Ideesuche begeben, mich in die Straßenbahn mit dem Notizbuch setzen oder durch die Stadt laufen und schauen ob mich da Passanten oder Gesprächsfetzen weiterbringen. Das wollte ich schon diesen Mittwoch machen, aber da hatte ich erstens eine Diagnostik um zehn und zweites den Gedanken „Ich bin noch nicht so weit!“, denn wenn ich wieder an den Bücherschränken vorbei in die Hauptbücherei laufe, ist es das wohl nicht.
Ein paar Ideen zum Aufschreiben habe ich noch für mein schwarz-rotes Chinabuch. Da ist einmal die vom Opernball, als ich hörte, daß die Würstl dort zehn Euro und das Gläschen Sekt ebenfalls soviel kosten. Da könnte sich ein Otto Normalverbraucher einen schwarzen Anzug anziehen, seine Frau ein Abendkleid, ein paar Freunde einladen, die Anna vielleicht, den Fernseher mit der Ballübertragung aufdrehen, Würstel Gulaschsuppe, Faschingskrapfen und ein paar Flaschen Sekt auf den Buffettisch stellen und selber tanzen und als meine Anna gestern kam, um ihr Fahrrad zu holen und wieder sowas wie „Du bist ein Büchermessie!“, sagte, antwortete ich ihr „Sei froh, wenn es in zwanzig dreißig Jahren nur mehr E-Books gibt und irgendein Trottel drückt auf einen Knopf und alles alles ist weg, hast du zehntausend Bücher!“, „Die verkaufe ich dann, werde reich und muß nie wieder arbeiten!“, hat sie gesagt, die in dreißig Jahren auch schon sechzig ist und die Anna Mitterer hat ja auch eine Enkeltochter, die einen Blogroman über die verstorbene Oma schreibt.
Vielleicht sollte ich also doch anfangen und mich von meinen zweiunddreißig unbekannten selbstgemachten Büchern nicht sehr hindern lassen oder erst in aller Ruhe nach Leipzig fahren, mich bei den dortigen Bücherbergen umsehen und mich statt hindern, inspirieren lassen. Die Journalistin die ich auf der anderen Buchmesse traf und die das auch tut, schwärmte mir von den Kontakten vor, die sie dort immer knüpft.
Da bin ich nicht sehr gut, aber Mara Giese will ich diesmal dort treffen und mich mit den „Dreizehn Kapitel“ im Literaturcafe fotografieren lassen, weil die so eine Autoren-Fotoaktion für eine Ausstellung machen.
Einen Krapfen werde ich, wenn ich mich demnächst mit dem etwas verschnupften Alfred am Markt treffe, wahrscheinlich auch essen. Mehr Fasching wird es bei mir nicht geben, denn ich verkleide mich nicht gern, habe kein Ballkleid und kann auch nicht Walzer tanzen, wenn es aber ein schönes Schreibvorbereitungswochenende werden wird, ist nichts dagegen zu sagen.

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