Literaturgefluester

2014-04-04

Kontaminierte Landschaften

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:28

„Kontaminierte Landschaften“, ein Begriff, den Martin Pollack in seinem neuen Essyyband, der bei „Residenz“ in der Reihe „Unruhe bewahren“ erschienen ist, wo ich auch die Bücher von Ilija Trojanow und Anna Migutsch gelesen habe, sind nach dem 1944 in Bad Hall geborenen die, wo Tote, Massengräber aus dem ersten und zweiten oder vielleicht auch aus anderen Kriegen, liegen, die von Hitler, Stalin oder anderen Diktaturen verursacht wurden.
Gräber mit Roma, Sinti, Juden, etc, etwas das Martin Pollack, wie auch Karl Markus Gauß sehr beschäftigt, war doch sein Vater und sein Großvater Nazi, über den Vater hat er im „Der Tote im Bunker“ geschrieben, dann gibt es noch „Anklage Vatermord“, beide Bücher habe ich im Rahmen der Büchertürme der „Literatur im März“ bekommen und gelesen. Leider gab es damals noch kein „Literaturgeflüster“, so daß ich nicht darauf verlinken kann.
Das Buch erinnert zu Beginn ein wenig an den „Toten im Bunker“, schreibt Martin Pollak da ja über die Landschaft seiner Kindheit, beziehungsweise an die Erinnerung an die glücklichen Tage, an das Spiel im Wald mit den Kameraden und den Hahn der ihm, weil er ihn wohl ärgerte, kratzte.
An den Vater, der als Naziverbrecher gesucht wurde und sich in der Gegend versteckte, erinnert er sich nicht oder erst später oder an die Mutter, die damals kurz verhaftet wurde und ein paar Tage lang im Gefängnis mit Prostituierten saß.
So täuschen die Erinnerungen, meint Martin Pollack. Die Kindheitserinnerungen, sind meist schön und idyllisch, der Hunger, der Nachkriegsjahre, den es sicher auch gegeben wird, wird meist verdrängt.So wie auch seine Eltern, seine Nachbarn, etc, sehr viel zu verdrängen hatten, was erst jetzt langsam aufgearbeitet wird und Martin Pollack ist einer, der sich, wie Karl Markus Gauss ganz besonders darum bemüht, weil es ja sehr wichtig ist, nichts unter dem Teppich zu lassen.
Die Toten nicht in ihren Massengräbern, weil man ihnen dann, wenn man keine Namen weiß, nicht gedenken und ihnen auch keine Kerze entzünden kann.
In jedem kleinen Dorf gibt es die Heldengräber, mit den Namen der im ersten und zweiten Weltkrieg für Gott, Kaiser und Vaterland Gefallenen. Die Namen der Juden, Roma, Sinti, Partisanen, Kommunisten, die gleichfalls starben, gibt es nicht und Väterchen Stalin haben wir ja auch einige Massengräber zu verdanken und die gibt es überall. Auch im schönen Burgenland in dem Örtchen Rechnitz, wo es so guten Wein gibt, den sich der Autor manchmal kauft, gibt es die, denn da sind ja auch einige hunderte Juden verschwunden, an die man sich nicht so gern erinnern will.
Es kommt die Erinnerung an den Großvater, auch ein Nazi und ein Jäger, der den Enkel sehr liebte und ihn von zwei schönen Kindheitsorten erzählt, die Martin Pollack später dann auch mit Grauen und mit Entsetzen gleichsetzen wird.
Es gibt die Massengräber in der Ukrainie, in Weißrußland, in Slowenien, wo der Vater mitverantwortlich war und und….
In drei Kaptel mit einigen Literaturhinweisen führt uns Martin Pollack durch die kontaminierten Landschaften, erzählt von den Straßen, an deren Rändern er Obstbäume fand. Ein Hinweis, daß sich da früher ein Dorf befunden haben muß, daß die Nazis zugeschüttet haben und von dem Ehering, den einer der Toten im Mund verbarg, damit ihn seine Schergen nicht finden können.
Im dritten Kapitel reist er in die Ukraine und stößt dort in der Nähe von Lemberg auf eine Gruppe alter Leute, aus Amerika und Canada, die zurückgekommen sind, wo sie oder ihre Eltern einst flüchten mußten. Ein alter Mann begibt sich auf die Suche nach einem der Gräber, weil er als Kind dabei war und irgendwo versteckt zusehen mußte.
Er erzählt dann auch, daß er nicht will, daß man die Gräber findet, weil dann kommen die Bauern und suchen nach dem Gold der Juden, wie die Goldgräber in Amerika.
Martin Pollack erzählt auch von den Fotoaufnahmen der Fundstellen, die im Internet gehandelt werden und, ich glaube, er hat vor kurzem auch einen Artikel im „Standard“ geschrieben, wo er Fotos zeigte, die die Frontsoldaten schoßen und in ihre Heimat zurückbrachten.
Ein paar von so alten Fotos, die meinen Vater in der Wehrmachtsuniform zeigen, habe ich auch, Massengräber sind nicht dabei und Martin Pollack habe ich zuletzt in Leipzig gesehen und gehört, wo er am „Blauen Sofa“ sein neues Buch vorstellte und über seine Eindrücke über die aktuellen Ereignisse in der Ukraine befragt wurde und kenne den Autor als sehr engagierten kritischen Menschen.
Vorige Woche hat er sein Buch, glaube ich, auch in der Hauptbücherei vorgestellt, da war ich auf Badeurlaub in Ungarn oder vielleicht schon für ein verlängertes Wochenende in Harland.
Jetzt habe ich das Buch gelesen, das sehr eindringlich zeigt, daß die Menschen offenbar nicht anders können, als zu morden und zu erschlagen und, daß es überall Gräber gibt. Wir alle unsere Toten und unsere Ahnen haben und, daß man sich dagegen wohl, wie Martin Pollack engagieren und aufklären, aber wahrscheinlich nicht wirklich etwas dagegen machen kann, das weitergemordet und erschlagen wird.

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