Literaturgefluester

2014-04-17

Selber publizieren

Filed under: Uncategorized — jancak @ 17:16

Ein Begriff, wie ich in der „Arte-Sendung“ vom 16. April „Storyseller“, hören konnte, noch nicht lange gibt, nun „Amazon“ hat sein Portal vor einigen Jahren den Selfpublishern geöffnet, ihnen bis zu 70% Honorar versprochen und damit den Buchmarkt ziemlich umgekrempelt, die die Sendung mit dem Untertitel „Wie Amazon den Buchmarkt aufmischt“ auch aufzeigt.
Ich kann mich erinnern, daß ich in den Siebzigerjahren in der „Alten Schmiede“ war, wo ein junger Mann ein kleines grünes Büchlein oder hatte es eine andere Farbe vorstellte, das er selbst herausgegeben hat und Kurt Neumann erklärte ihn mit besorgter Miene, daß er es damit schwer haben würde, etcetera.
Das war meine erste Bekanntschaft mit dem Selberpublizieren und der erste Hinweis, daß man das nicht machen darf.
„Vanity Press“, Geschäft mit der Eitelkeit hieß das damals und das habe ich, glaube ich, ein bißchen später in einem Artikel der NÖ-Literaturzeitschrift „Literatur aus Österreich“ gelesen, wo auch die Rede von den Verlagen war, die den Autoren tausende Schilling für eine Publikation abverlangen, die dann zum Schaden, auch noch den Spott bekamen.
Denn sowas liest man nicht, da hat man nie und nimmer eine Chance etc.
Das Selbermachen und das fürs Veröffentlichen zahlen war damals noch ziemlich vermischt und ich glaube es hat auch noch nicht „Druckkostenzuschußverlag“ geheißen oder doch?
Als ich 1989 war das, glaube ich, die „Hiearchien“ an zweiundvierzig Verlage schickte und zweiundvierzig Absagen bekam, wollte ich es schon selber machen und habe an das BUMUK einen Antrag auf Druckkostenzuschuß gestellt, das Jack Unterweger geschrieben, der mir dann sofort anbot es zu machen und als ich in den Neunzigerjahren zusammen mit Valerie Szabo, Elfriede Haslehner und Hilde Langthaler ein Vier-Frauenbuch herausgegeben wollte, schickte Elfriede Haslehner, deren Idee das war, das Manuskript nach Krems an einen Kleinverleger und der wollte Geld dafür und sich die Förderung, die er für das Buch bekommen hätte, als Lektoratshonorar verrechnen, obwohl das Buch schon fertig war.
Da bin ich ausgestiegen und das Buch ist nie erschienen und ab 2000 habe ich dann selber selbst publiziert. Mir nämlich immer fünfzig Stücke von meinen Büchern bei einer Druckerei zuerst DigiBuch, dann Novum, jetzt Digitaldruck.at drucken lassen und habe beim ersten „Wow so schön, so schnell, so billig, ab jetzt erscheint jedes meiner Bücher!“, gedacht und bin vorerst einmal ordentlich eingefahren, denn „Eigenverlag, nein, das wollen wir nicht!“
Das Wort „Eigenverlag hat mir auch nicht gefallen, denn ich bin ja kein Verlag und auch keine Bäckerei, wenn ich meine Osterpinzen selber mache und dann von einem Bäcker backen lassen, weil nur der einen Holzofen hat.
Trotzdem das Vorurteil blieb weitere zehn Jahre bestehen, bis eben „Amazon“ 2010, 2011 oder so daherkam und sein Portal den Selbstpublishern öffnete und seitdem kann ich im Literatucafe immer die Namen derer lesen, die das machen und angeblich sehr sehr erfolgreich damit sind.
Das ist zwar etwas, das ich nicht ganz verstehe, beziehungsweise etwas skeptisch betrachte, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie das gehen soll, daß da die Bücher plötzlich zu tausenden gekauft und gelesen werden, die meistens von Autoren stammen, die es vorher bei Verlagen probierten, die sie nicht haben wollen.
Bei „Amazon“ kosten sie dann zwischen einen und vier Euro und die Leute kaufen und lesen, wie verrückt. Vielleicht kaufen sie, denke ich, das wird schon stimmen, in dem Film wird auch erklärt, wie „Amazon“ Werbung für die Bücher macht, mit seiner Leiste „Leute, die dieses Buch kauften, kauften auch..“ und da sind dann auch die Bücher der Selfpublisher dabei.
Beim Lesen wäre ich dann etwas skeptisch, denn ich höre ja immer, die Leute lesen nicht mehr bzw immer weniger und ich mache auf meiner Seite nicht gerade die Erfahrung, daß sich die Leute für meine Bücher interessieren. Aber gut, ich publiziere nicht „Amazon“ und habe mir zwar überlegt, ob ich die „Dreizehn Kapitel“ oder „Die Brüderschaft“ dort einstellen soll, es bis jetzt aber unterlassen, weil ich mir eben nicht vorstellen kann, daß das gekauft wird.
Was mich an dieser Selberpublisher Idee auch ein bißchen stört, ist, daß da nur mit den Verkaufszahlen jongliert wird, da zählt dann nur der Platz eins bis zwei oder drei und von Qualität oder was in den Büchern drin steht, wird nicht geredet.
Andererseits habe ich in den letzten Jahren einige Selbstpublisherkarrieren beobachten können. Da ist zunm Beispiel Martina Gercke, die er mit ihrem „Holunderküsschen“ auf Platz eins des Rankings schaffte, so daß sie dann einen Verlag für ihre Bücher gefunden hat und bis vor kurzem habe ich gehört, daß man nie und unter keinen Umständen seine Bücher selber machen darf, weil man dann niemals nie einen Verlag findet.Wenn man nur ordentlich erfolgreich ist, das heißt, wenn die Leute kaufen, geht das offenbar schon. Dann kamen ein paar Monata später die Plagiatsvorwürfe, alle stürzten sich auf Martina Gercke, die unbeirrt weitermachte, ihre Bücher von den Fremdstellen reinigte, dann wieder einstellte und weiterschrieb.
„Glücksstern mit Schwips“ hat sie mir geschickt, das mit Katja Schneidt geschriebene „Alles nur kein Mann“ habe ich bei einem Gewinnspiel auf ihrer Blogtour gewonnen, jetzt wird bald „Liebe auf Reisen“ erscheinen und die Bücher sind wieder hoch auf der Rankingliste, die Kritikerstimmen sind verstummt, sonst wird eher über das Vergangene geschwiegen.
Das zweite Beispiel ist der Biografieschreiber Mathias Brömmelhaus, der unter dem Pseudonym Bela Bolten einen Krimi nach dem anderen bei Amazon erscheinen läßt und laut seiner Aussage auch recht erfolgreich damit ist.
Elke Bergsma „Teekomplott“ habe ich vom Verlag zugesandt bekommen, der es machte, weil sich das Buch vorher schon fünfzigtausend Mal bei „Amazon“ verkaufte, da soll noch einer sagen, man findet dann keinen Verlag, nur Kritiker wie Ijoma Mangold tun das noch, aber die Gräben zwischen den „guten“ Verlagsbüchern und dem „schlechten“ Selbstgemachten bestehen immer noch, da soll man sich nicht täuschen.
Jetzt also diese Dokumentation von Arte, wie „Amazon das Verlagsgeschäft“ aufmischt, ein paar Tage lang kann man sich die noch anschauen und ich kann es, wie Wolfgang Tischer nur empfehlen, denn die ist sehr interessant. Vier Namen werden da genannt: Emily Bold, Amanda Hocking, Oliver Pötzsch und die Französin Agnes Martin-Lugand, die drei Frauen haben selber publiziert und sind damit höchst erfolgreich geworden, so daß die Amerikanerin Amanda Hocking inzwischen ihren eigenen Verlag hat, Agnes Martin-Lugand hat einen gefunden, Emily Bold ist noch auf der Suche, aber „Amazon“ hat ihr Buch, wie die des Münchners Oliver Pötzsch inzwischen in Printform herausgemacht, denn er will da auch mitmischen.
Emily Bolds Buch ist zwar, wie der Film zeigt, in den amerikanischen Buchläden nicht zu bekommen. „Amazon-Bücher fühhren wir nicht!“, Oliver Pötzsch wird aber inzwischen in der Limousine vom Flughafen abgeholt.
„Es ist wie ein Märchen!“, sagt Agnes Martin-Lugand am Beginn des Films und ich denke da auch immer ich höre nicht recht, wo ich doch bei mir die Erfahrung mache, daß es nicht und nicht geht und ich da machen kann was ich will.
Nun gut, ich habe es noch nicht bei „Amazon“ probiert, weil mir das Modell vielleicht auch ein bißchen zu kapitalistisch ist, aber, daß ich da plötzlich, wie wild verkaufe kann ich mir nicht vorstellen und wenn ja, wieso geht es dann nicht auf anderen Weg? Wieso höre ich immer, da kannst du machen was du willst, du hast keine Chance und erlebe das auch so, so hat mir „Wikipedia“ alle meine „Digitaldruck-at-Bücher“ hinausgestrichen, bei den anderen hat der Sevicemann oder die Frau wohl nicht geschnallt, daß es auch selbstgedruckte waren und auch Manfred Müller hat mir vor kurzem etwas Ähnliches gesagt, als ich ihn fragte, ob ich nicht vielleicht doch bei der „Gesellschaft für Literatur“ einen Lesetermin haben kann.
Bei der „Alten Schmiede“ geht es inzwischen wieder und im Radio war ich mit der „Radiosonate“ auch zu hören, aber es ist schwer und die Vorurteile, würde ich mal sagen, nachwievor vorhanden. Obwohl ja sehr viele Leute schreiben und sich von „Amazon“ wohl auch ermuntern lassen zu veröffentlichen, wenn das auch gelesen wird, finde ich das schön und die Verlage haben wohl auch Angst vor dem großen „Amazon“, daß der ihnen den Kuchen wegschnappt.
In Amerika gibt es am Land, hörte ich im Film schon keine Buchhandlungen mehr, wird bei uns auch nicht viel besser sein und Sibylle Lewitswcharoff wünschte dem Versandhändler bei ihrer Eröffnungrede auf der vorigen „Buch-Wien“ ja auch nicht alles Gute. Da wäre ich ein wenig vorsichtiger. Ich wünsche niemanden etwas Schlechtes, aber wenn ich dieser märchenhaften Erfolgsstorys höre „Du mußt dein Buch nur einstellen, dann hast du es schon geschafft!“, bin ich ein wenig skeptisch und denke, daß wir alle vielleicht nicht so sehr auf den Erfolg schielen, sondern mehr lesen, beziehungsweise uns für die Sachen der anderen interessieren sollten!
Ich versuche es jedenfalls zu tun, habe keine Angst vorm Selbstgemachten, werde jetzt in Harland Ostern verbringen und am Mittwoch über den „Welttag des Buches“ und seine Aktionen berichten, ja und mein dreiundreißigstes Selbstgemachtes werde ich auch korrigieren und aus dem einunddreißigsten am 6. Mai im „Republikanischen Club“ lesen und am Mittwoch gibt es dann im Rahmen der Aktion „Blogger schenken Lesefreude“, der ich mich unangemeldet anschließe, eines meiner Bücher zu gewinnen.

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